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Vest im Leben 3

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I N T E R V I E W R E C

I N T E R V I E W R E C K L I N G H A U S E N Der sensibelste Sinn Foto: Moritz Spilker Wer braucht ein Hörgerät? Die größte Gruppe bilden die Silver Ager, also Menschen ab 60 Jahren mit einer eintretenden Altershörminderung. Bei manchen beginnt der Hörverlust auch schon früher. Hörsysteme helfen auch nach einem Hörsturz oder bei Menschen mit einer angeborenen Fehlbildung des Ohrs. Auch bei Tinnitus oder einem Lärm- und Knall-Trauma kann ein Hörsystem helfen. Stimmt es, dass Hörgeräte Demenz entgegenwirken können? Ein klares ja! Prinzipiell gilt: Wenn ich meinen Hörverlust nicht versorge, nehme ich zwangsläufig immer weniger am Leben teil. Ich resigniere irgendwann und ziehe mich zurück. Dadurch kann das Demenzrisiko bis auf das Fünffache erhöht werden. Sobald ich meinen Hörverlust versorge, kann ich wieder aktiver an Gesprächen und damit am ganzen Leben teilnehmen. Damit wirke ich aktiv dem Demenzrisiko entgegen. Was kann das moderne Hörgerät heute? Ein Hörsystem besteht in der Regel aus zwei Elementen: Dem Hörsystem, das hinterm Ohr sitzt, und dem Ohrpassstück, das an das Ohr individuell angepasst wird. Wenn man beides richtig kombiniert, kann man heute eine hervorragende Sprachverständlichkeit erreichen. Geräusche im Hintergrund werden stark reduziert. Durch die digitale Verarbeitung wird der gesamte Klang natürlicher und sauberer. Auch die reinen Im-Ohr-Geräte, die ohne Element hinterm Ohr funktionieren, werden immer kleiner und moderner. Was bringt die Zukunft? Manche Hersteller bauen schon heute eine Bluetooth-Funktion ins Hörsystem ein. Alle Bluetooth-fähigen Geräte, von Fernsehen bis Handy, können dann mit dem Hörsystem verbunden werden. Mittels einer kleinen Fernbedienung, die der Kunde um den Hals trägt oder in die Hosentasche Wie genau verbessert ein Hörgerät die Lebensqualität? Wer schwerhörig ist und sich ein Hörsystem zulegt, für den verändert sich der gesamte Alltag. Immer, wenn es um Kommunikation geht oder um die Wahrnehmung bestimmter Geräusche – ein Hörsystem verbindet einen schwerhörigen Menschen wieder mit seiner Umgebung. Wir erleben im Laden häufig, dass uns Ehepartner erzählen: Meine Frau ist jetzt wieder viel aufgeweckter, ihre Reaktionen sind wieder schneller. 28 Sebastian Senft leitet die Audium-Hörsysteme-Filiale in Recklinghausen Foto: Moritz Spilker

I N T E R V I E W packt, können die Geräte bedient werden. Es gibt auch Hersteller, die ohne Zwischengerät arbeiten, dabei übernimmt das eigene Handy die Zusatzfunktionen. Dahin geht auch die Zukunft: Smartphones werden für Kunden ab 60 immer interessanter. Mit Apps auf dem Handy kann auch der Klang und die Lautstärke im Hörgerät zum Teil vom Kunden verändert werden. Die Haupteinstellungen erfolgen aber nach wie vor im Laden. Selten kommt es auch vor, dass man sein Hörsystem verlegt oder verliert. Mittels der App auf dem Handy kann der Kunde per GPS-Technolgie sein Hörsystem orten und wiederfinden. Sind solche modernen Hörgeräte kompliziert zu bedienen? Alle Hörsysteme arbeiten vollautomatisch. Optional ist die Möglichkeit, die Lautstärke selbst zu verändern und die Programme zu verstellen. Es gibt Programme für ruhige Umgebung, Auto, Gesellschaft und so weiter. Das richtige Programm wählt das Hörsystem normalerweise selbst aus, und es ist bewiesen, dass es so am besten funktioniert. Je hochwertiger das Gerät, umso ausgefeilter wird auch die Automatik. Kann man mit einem Hörgerät auch schwimmen gehen? Seit fünf oder sechs Jahren gibt es das Im-Ohr-Gerät Lyric, mit dem man duschen kann. Da der Gehörgang nach oben verläuft, läuft beim Duschen kein Wasser hinein. Es ist aber nicht wasserdicht – deshalb muss man Grundsätzlich gilt: Es ist viel schwieriger einen Hörverlust zu versorgen als einen Sehverlust. Der Anpassprozess eines Hörgeräts kann sich über einige Monate ziehen. Der Kunde muss einmal die Woche kommen und seine Erfahrungen mitteilen, damit wir die Hörsysteme immer genauer auf seine individuellen Hörsituationen einstellen können. Das sind unter Umständen zehn Termine. Das liegt daran, dass das Gehör unser sensibelster Sinn ist – der Mensch reagiert hier „Es ist viel schwieriger einen Hörverlust zu versorgen als einen Sehverlust.“ sehr sensibel auf Veränderungen. Beim ersten Einsetzen des neuen Hörgeräts klingen Geräusche und die eigene Stimme oft fremd, denn der Beginn des Hörverlusts liegt oft zehn bis 20 Jahre zurück. Weil das Gehirn mit dem Wechsel nicht sofort klarkommt, wird der Kunde langsam an die Ziellautstärke herangeführt. Also muss der Kunde am Anfang Geduld haben? Es wird leider viel zu wenig darüber aufgeklärt, wie beim Thema Hörgeräte Kundenzufriedenheit zustande kommt. Im Beratungsgespräch muss klar werden, dass das Anpassen eines Hörsystems ein längerer Prozess ist. Der Kunde muss sich aktiv entscheiden, diesen Weg zu gehen, auch wenn er manchmal steinig ist. Die Erfahrung zeigt: Wer sich am Anfang die Zeit Hörakustikermeister Sebastian Senft (33) ist in Recklinghausen geboren und übernahm Anfang des Jahres das Geschäft Audium Hörsysteme von seinem Vater. Zu ihrem Beruf kamen Vater und Sohn durch die Familiengeschichte: Sebastian Senfts jüngster Bruder kam taub zur Welt. Was sich aktuell auf dem Hörsysteme-Markt tut und wie ein Hörgerät das Leben verbessern kann, verriet er Inga Pöting im Interview. beim Schwimmen ein Gehörschutz tragen, den der Kunde dazu erhält. Es gibt aber ein Hinter-dem-Ohr-Gerät, das komplett wasserdicht ist und damit auch schwimmtauglich ist. Bringt die Entscheidung für ein Hörgerät neben allen Vorteilen denn auch Herausforderungen mit sich? nimmt, hat später den maximalen Erfolg. Ein Hörsystem kann so viel verbessern – es wäre sehr schade, den Prozess abzubrechen und das Gerät zu Hause in die Schublade zu legen. AUDIUM HörSysteme: Kampstraße 68, 45657 Recklinghausen Tel. 02361/9040426, audium-hoersysteme.de 29

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