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Sommer 2022 - coolibri

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10 | Im Gespräch

10 | Im Gespräch „FEMINISMUS IST FÜR MICH NICHT, WENN MAN SAGT, WIR WOLLEN ALLE MÄNNER ABSCHAFFEN.“ Carolin Kebekus veranstaltet ein besonderes Festival. Foto: Boris Breuer CAROLIN KEBEKUS: FRAUENPOWER Warum gibt es eigentlich so wenige Frauen bei Musikfestivals? Carolin Kebekus geht diesem unschönen Phänomen auf den Grund – und bietet gleichzeitig einen Gegenentwurf an. Christopher Filipecki sprach mit ihr über das „DCKS-FESTIVAL“. Eine einfache oder doch schwierige Frage: Was ist für dich Feminismus und was ist es nicht, Carolin? Für mich ist Feminismus, dass man sich dafür einsetzt, alle Menschen gleich zu sehen, sodass sie die gleichen Rechte haben, gleichbehandelt werden und sich gleich entfalten können mit denselben Chancen. Feminismus ist für mich nicht, wenn man sagt, wir wollen alle Männer abschaffen. Davor haben viele auch Angst, aber das ist es nicht. Wer sind für dich Feminismus-Vorbilder! Da fällt mir als erstes Simone de Beauvoir ein. Ihre Bücher sind immer noch total aktuell. Dann bin ich großer Fan von Margarete Stokowski. Ich finde, dass sie immer wieder Texte über Themen schreibt, von denen ich zunächst denke, dass ich darüber alles weiß, aber man dann doch merkt, welch anderes Bild man noch im Kopf hat. Und ein ganz persönliches Vorbild ist Charlotte Roche, mit der ich auch privat eng befreundet bin und die mir wahnsinnig viele kleine Stupser gegeben hat. Du organisierst nun dein erstes Festival und dann auch noch das erste Festival dieser Art. Bist du aufgeregt? Ja, natürlich! Wir haben ständig Calls. Es gibt so viele Sachen zu bedenken, aber auch so viele Menschen, die da gerne auftreten möchten. Unglaublich, wie viele Bewerbungen wir bekommen haben. Wenn mir jetzt noch einmal jemand sagt, es gäbe keine weiblichen Bands oder Bands mit weiblicher Frontperson, dann lache ich nur noch hys- terisch. Wir könnten allein 20 Newcomer-Festivals daraus machen. Wie hast du denn die Künstlerinnen überhaupt ausgewählt? Wir hatten recht schnell eine Liste mit Leuten zusammen, die wir gerne haben wollten, mussten dann aber bald feststellen: „Oh, die sind selbst auf Tour! Und die können gar nicht! Ach, die kommen gar nicht, wenn wir anrufen, weil sie selbst was zu tun haben und stehen gar nicht zur Verfügung?“ (lacht). Die Favoritinnen, die Zeit hatten, haben haben jedoch alle sofort zugesagt, sodass es schnell nur noch wenige freie Slots gab. Es gibt parallel Musik und eine Talkbühne! Genau, auf der Talkbühne haben wir so fantastische Leute wie Hazel Brugger, Judith Holofernes oder Auma Obama, die Halbschwester von Barack Obama. Ich glaube, das wird super spannend und dass wir viele tolle Themen bearbeiten können. Ich hoffe, dass wir auch ein paar Leute bekommen, die an entscheidenden Stellen in der Musikbranche sitzen und uns berichten können, wie genau eigentlich die Abläufe sind und warum so viele Frauen durchflutschen. Es ist für mich kein Festival, um auf andere mit dem Finger zu zeigen. Wir wollen einfach ein Zeichen dafür setzen, dass man ein cooles Festival nur mit Frauen machen kann. Wenn es ein Startschuss in eine neue Zeit wäre – das fänd ich total geil. Trittst du eigentlich selbst auch bei dem Festival auf oder bist du nur die Moderatorin? Ich trete auch selbst auf. Ich werde das Festival sogar musikalisch mit einer fulminanten Openingnummer eröffnen. Es lohnt sich also, pünktlich da zu sein – auch, damit ich mich nicht blöd fühle, wenn sich alle Zeit lassen. (lacht) Dein Festival und deine Show wird mit „DCKS“ abgekürzt und könnte somit also auch als „Dicks“ gelesen werden. Haben Frauen „Den Größeren“ beziehungsweise „Die dickeren Eier“ der Gesellschaft? Ach, keine Ahnung. Eier haben ja alle. Wir sogar teilweise mehr schon in uns drin, quasi seit der Geburt. Aber letztendlich, um ein schönes Festival zu machen, ist den Zuschauern doch völlig egal, welches Geschlecht da oben steht. Man muss einfach gute Musik machen und wer die dickeren oder mehr Eier hat, sollte am Ende egal sein. Viele betiteln dich als „die einzige, wahre Comedienne“ Deutschlands. Ehrt dich das – oder stresst dich das eher? Natürlich ist es eine Ehre, wenn jemand sagt, ich sei die Lustigste von allen. Aber wenn man das ein bisschen hinterfragt, stimmt die Aussage oft nicht. Lange war es Anke Engelke, dann kam Cindy aus Marzahn, dann ich – als würde es nur eine geben, was ja totaler Schwachsinn ist. Es ist so gelernt, dass man es gerade in Deutschland am besten erträgt, wenn nur eine die Lustigste ist und man alle anderen dann mit der vergleicht. Es gibt gar keine Vielfalt in der Wahrnehmung. Dabei sind die Comediennes so unterschiedlich... DCKS Festival, 6. Juni, Tanzbrunnen Köln; das komplette Interview: coolibri.de

Titel | 11 Foto: Courtesy Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Riehen/Basel Ernst Ludwig Kirchner, Stillleben mit Früchtekorb, 1918/19, Öl auf Leinwand, 64 x 80,5 cm, Courtesy Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Riehen/Basel FARBENFROHE AUSSTELLUNG Sträflich vernachlässigt haben in den vergangenen Jahren viele Museen des Ruhrgebiets ihre Sammlungen. Das MUSEUM OSTWALL im Dortmunder U verfolgt seit einiger Zeit eine tolle Idee, um seine Sammlung kreativ zu präsentieren. Die Kurator*innen des Museum Ostwall betrachten die Sammlng unter überraschenden Oberthemen. So bunt und vielfältig wie bei der neuen Ausstellung „Flowers!“ ist das noch nie gelungen. Schon bevor sie das Museum in den Höhen des Dortmunder U-Turms betreten, begegnet das Thema den Besucher:innen auf seine wunderbar reichhaltige Weise: Eine Kooperation mit dem Botanischen Garten des Rombergparks hat eine schöne Bepflanzung des Vorplatzes möglich gemacht. Im Windfang zeigen Adolf Winkelmann und Hans Steingen die Tonfilm-Installation „Blumenwiese wackelt“ und im Lautsprecher auf der Ebene 4 lädt die Rauminstallation „Lifetime of a Flower“ von Jan Lankisch, Eiko Ishibashi und Jim O’Rourke zum Verweilen und zur Kontemplation ein. Im Empfangsbereich sind außerdem Blumen-Bilder von Besucher:innen zu sehen, die an der Aktion „Schicke Blumen“ teilgenommen haben. Und manchmal werden beim Besuch der Ausstellung auch echte Blumen verschenkt – mit der Aufforderung, sie einer fremden Person zu schenken. Wer an Blumen in der Kunst denkt, dem fallen vielleicht zuerst die schwülstigen Stillleben des Barock ein. In diesem Zeitalter wurde das Blumenstillleben zu einer eigenständigen Bildgat- tung, in der die Schönheit der Natur als auch die Vergänglichkeit zum Ausdruck gebracht wurden. Die Dortmunder Ausstellung konzentriert sich wegen ihres Sammlungsschwerpunkts allerdings auf die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts von der klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst. Da ist dann auch ein Blumenstillleben zu sehen, aber es ist von 1918 und der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner hat damit alles andere versucht, als eine lebensechte Nachahmung oder ein „schönes“ Gemälde zu schaffen. Die Blumen erscheinen wie eingequetscht zwischen andere Einrichtungsgegenstände und auch eine (Toten?-)Maske liegt am Rand. 180 Werke von über 50 künstlerischen Positionen haben die Kuratorinnen ausgewählt, die Blumen in den Mittelpunkt rücken und sich verschiedenster Medien bedienen – von Malerei über Fotografie und Video bis zur Installation. Vertreten sind auch Künstler wie Joseph Beuys, Andy Warhol oder Gerhard Richter. Die Themen der Ausstellung verbinden sich zu einem Rundgang, der nicht durch eine zeitliche Chronologie, sondern durch inhaltliche Schwerpunkte strukturiert ist, die sich aber auch verschränken. Begrüßt werden die Besucher:innen von Werken der Klassischen Moderne, in der besonders die Expressionist:innen das Blumenmotiv zum Experimentieren mit Form, Fläche und leuchtenden Farbe nutzten. Dabei kehren sie sich ab von botanischer Genauigkeit und einer Bestimmbarkeit des Dargestellten. Ihre malerische Freiheit verknüpften sie mit Farbe als Ausdrucksträger seelischer Zustände. Gabriele Münter etwa konfrontiert Lebenskraft mit Vergänglichkeit: Einer farblich leuchtenden und aufblühenden Blume stellt sie eine verwelkte Blüte gegenüber. Die Pop Art lenkte ihre Aufmerksamkeit später auf Alltagsmotive: Vorlage für das Blumenmotiv in Andy Warhols Serie „Flowers“ war eine Fotografie aus einer Zeitung. Die dort abgebildete Hibiskusblüte vereinfachte er zu einer dekorativen, vierblättrigen Blüte, zu einem Ornament, das in hoher Auflage reproduziert wurde. Zur Ausstellung gehört auch ein ideenfreudiges Rahmenprogramm: Am 10.6. findet als Teil des Sommers am U etwa der „Flowery Slam“ um 19 Uhr auf dem Vorplatz statt: Ein Poetry Slam zum Thema Blumen mit Rainer Holl. Und am 19.6. startet am Eingang des U um 15 Uhr ein Wildblumenspaziergang mit Wolfgang Kienast, der die Pflanzen zwischen Gullydeckel und Bordsteinkante kennt. mfk Flowers! bis 25.9. Museum Ostwall im U, Dortmund; dortmunder-u.de

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