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September 2021 - coolibri

KUNST AnoukKruithof,

KUNST AnoukKruithof, Universal Tongue,2018, hier eine InstallationsansichtimCinekid Medialab,Amsterdam,jetzt zu sehenimMuseumFolkwang, Essen. Foto: Anouk Kruithof In Bewegung DasMuseumFolkwang präsentiertdie umfassende,interdisziplinäreAusstellung „Global Groove.Kunst, Tanz,Performanceund Protest“, dieden tanzenden Menscheninden Mittelpunkt stellt. Es sind mehrals 80 Künstler:innen mitüber 300Exponatenaus 120 Jahren Tanz-und Kunstgeschichte vertreten. DieAusstellung„Global Groove“ seieineGeschichtedes Kontakts, diein Zeiten derKontaktbeschränkungen, derteilgeschlossenen Clubsund eingeschränkten Begegnungen,auch „etwasaußergewöhnliches“darstelle, so PeterGorschlüter,Direktordes Museum Folkwang. Miteinem Prolog undsechs spannendenKapiteln wird dieimpulsgebende Kraftdes Tanzes für gesellschaftlicheEntwicklungenverdeutlicht. Dabeiliegt einbesonderesAugenmerk aufden Verknüpfungenzwischen westlichen undasiatischenAvantgarden –obfrühe Auftritteasiatischer Tänzer:innen in Europa um 1900, Pionier:innen derTanzmoderne oder dieerstenHappenings der japanischenButoh-Tänzern,Vertreter jenesTanztheaters, dasnachdem ZweitenWeltkrieg entstand undbeeinflusstist vomdeutschen Ausdruckstanz, den„NewGermanDance“. Mitihrer FülleanExponaten vonmehrals 80 Künstler:innen schlägt die AusstellungBrücken zwischen unterschiedlichenGenres, Regionen und Epochen, bietet Tanz-, Kunst- undMediengeschichte. Angelpunkte der Ausstellungsindraumfüllende Installationenund Skulpturen. Dazu gehört bereitsimPrologdie Tapisserie„Foreverago“ (2017) derMultimedia-Künstlerin PaeWhite –39Meter lang,wellenförmiggehangen. Diebestickte Tapisserie ziehtmagisch an undsteht im Dialog miteiner Filminstallation, dieLoïe Fuller zeigt. Um 1900 schwingt dieamerikanische Tänzerin undWegbereiterin des modernen Tanzes ihrorganisch-amorphesSchleierkostüm in Wellen-und Spiralformenund vermitteltsoauch denEindruck einernicht endenwollendenBewegung. EinweiteresHighlight istdie Multimedia-Installation 40 „AtTwilight“ vonSimon Starling. In einemmythisch beleuchteten,dunklen Raum beschwörterdas Tanzstück„At theHawk’sWell“ vonW.B.Yeats.Das Stückwurde erstmals 1916 in London aufgeführt undwar vonirischer Folkloreund demjapanischen NohTheater –indem traditionellerweiseMaskenzum Einsatzkommen–inspiriert. Ein„Bijou“, wiedie Kuratorinnen Marietta Piekenbrockund BrygidaOchaim betonen, diezusammen mit AnnaFrickeund ChristinLosta dieAusstellungumgesetzt haben.Weitere Highlights sind daszur Bewegung animierende Tanzkaleidoskopvon AnoukKruithof, dieJersey-Kostümeder Couture-Designerin ReiKawakubo für MerceCunnigham oder auch dieviermit GlöckchenbestücktenSkulpturenvon Haegue Yang.Die bühnenhafteInstallation„TheLifeWork“ von Choreografin undTänzerin MetteIngvartsen betört zudemmit Lichtund Schatten sowieeiner vieldeutigenformalenSprache. Danebenlebt„Global Groove“ vomDetail: Seieneszahlreiche Fotografienund Masken oder auf inhaltlicher Ebenedie Verbindung vonAuguste Rodin undder Tänzerin undSchauspielerin Madame Hanako oder derEinfluss vonJackson PollocksDrip Paintingsauf japanische Künstler. „Global Groove“ bietet eininteressantes Seherlebnisund ermöglicht auch, dieeinzelnen Arbeiten undEntstehungskontexte näherzubetrachten, Fragen zu wechselseitigerInspiration sowiekultureller Aneignung zu stellenund somitauch dasPolitischeimEinsatz desKörpers zu erkennen. SR Global Groove.Kunst,Tanz, Performance und Protest: bis14.11., Museum Folkwang,Essen.

LITERATUR Moderner Lesezirkel Autor:in trifft Leserschaft: BeimLeseclubfestival,das im September deutschlandweitparallel in 11 Städten stattfindet,berichten ganz unterschiedliche Künstler:innen in lockererAtmosphäreund auf Augenhöhe vonihren Werken. Auch an Rheinund Ruhr gibt es jede MengeLive-Literaturzuentdecken. Das Konzeptdes Leseclubfestivalskönnte entspannterkaumsein: Nach demKaufeines Ticketsgehtdas dazugehörige Buch kostenlosauf (postalische) Reise, damitdas Publikum am Abendüberdie geballte Lektüreerfahrungverfügt.InSummebedeutetdas 50 Autor:innen in 50 Leseclubs für jeweils 20 Leser:innen.ObRoman,Sachbuch, Thriller,Erzählungoder Lyrik –endlich maleineParty,auf deralledasselbeBuch gelesenhaben! Eine Auswahl: Nina Kunz: „Ichdenk, ich denk zu viel“ Werkennt sienicht,diese schlaflosenNächte, begünstigtdurch Gedankenschlaufen?NinaKunz–Schweizer Kolumnistin desJahres2020– hatihreimmer wiederkehrendenAlltagssorgen in unterhaltsameTexte gepacktund derSammlungden treffenden Titel„Ichdenk, ichdenkzu viel“verpasst. Themen wieLeistungsdruck,Workism undglühende Smartphonesfasst Kunz miteiner pointiertenFrage zusammen: „Warum fühltsichmeinLeben,trotz aller Privilegien, oftsobeklemmendan?“ Findetsie dieAntwort darauf beiihrerLesunginDuisburg? 17.09.,19:30 Uhr,KS36 Duisburg Tarkan Bagci: „Die Erfindung des Dosenöffners“ Anders als Tarkan Bagciselbst–Autordes ZDFMagazin Royale –steckt derProtagonistseinesRomans„Die Erfindung desDosenöffners“ in der Redaktioneiner Kleinstadtzeitung fest.Statt alsoweltbewegendeThemenzubehandeln,musssichTimur Aslanmit Hühnerzüchternund Rentner:innen-Kegelcubsherumschlagen. Alserauf die70-jährige Annette trifft,wittert er endlichseine Chance: Es heißt, siehabeden Dosenöffner Frank Goosen erfunden! Doch statt einergroßen Storyfindeteretwas ganz anderes–eineungewöhnlicheFreundschaft. 17.09., 20:00Uhr,Literaturhaus Dortmund ZoëBeck: „Paradise City“ Deutschlandineiner nichtallzu fernen Zukunft:Die Küstenüberschwemmt,weite Teiledes Landes verwaist. Während Berlinzur Tourist:innen-Kulisse verkommenist,hat sich dasgesamteRhein-Main-Gebietzueiner Megacity entwickelt. In ihremThriller „ParadiseCity“ entwirft ZoëBeckdie schaurige Vision einesLebens, in demnahezualles vonAlgorithmengesteuert wird. Mittendrin dieRechercheurinLina, unterwegsin dieUckermark, wo sieeinebrisante Storyvermutet. Wassie stattdessen aufdeckt:Jemand, derihr sehr nahesteht, entscheidet über Lebenund Todfastaller MenschenimLand… 17.09.,19:30 Uhr, Zentralbibliothek im Heinrich-von-Kleist-Forum Hamm Frank Goosen:„SweetDreams“ In den1980er-Jahren standenimRuhrgebietdie Zeichenauf Veränderung:Während immer mehr Zechen undHochöfen in Rentegeschickt wurden, galt es,sichinSachenIdentifikationneu zu orientieren. PlötzlichwarenSchimanski-Tatort undStarlight Express die neuen Aushängeschilder desPotts –Schulterpolster undSynthiepoprundetenden fürs Jahrzehnt typischenMix ab.Mittendrin:ein heranwachsenderFrank Goosen. DerBochumerAutor hatdiese verwirrendeZeitdes Wandels nichtnur hautnah miterlebt, sondernauch gewohnttreffsicher in gleich mehreren Storys undGlossen festgehalten. Mixtapes,Trio-Konzertund Videotheken: „Sweet Dreams“fängt dieAchtzigerimRuhrgebiet bestensein. 24.09.,19:30 Uhr, zakk Düsseldorf (Studio) Philipp Winkler: „Carnival“ WerPhilippWinklersgefeiertesDebüt„Hool“gelesen hat, weiß um dessenenergischen Sprachstil.Wie schonimErstling rückt derAutor auch im Folgewerk Außenseiter:inneninden Fokusund schenkt MenscheneineSprache, diekeine haben. In „Carnival“entführt Winklerseine Leserschaftindie Welt derTräumer:innen,der Traurigenund derUnverstandenen.Die Protagonist:innen einesüberdas Land ziehendenWanderjahrmarktsverzweifeln,schimpfen, fabulieren –und entwerfen gleichzeitig eine bizarre,märchenhafte Welt. DieKritikerwissen: Winklers Sätze„knallen wiePeitschenhiebe“. Diese bettet derAutor zwischen Riesenrädern, Zuckerwatteund dreckigem Feenstaubein. RT 24.09.,19:30 Uhr, zakk,Düsseldorf(Halle) Programm und Ticketsunter:leseclubfestival.com/programm Foto: Ira Schwindt 41

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