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Oktober 2016 - coolibri Ruhrgebiet

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T H E M A „ E i n n e

T H E M A „ E i n n e u e r T e i l d e s B e r m u d a 3 e c k s “ Musikforum Bochum. Baustelle, fast fertig. Kurz vor der Eröffnung. „Eben war er doch noch da“, die Pressesprecherin verdreht die Augen. Steven Sloane ist nicht zu fassen. Er wuselt durch das neue Haus, kann sich nicht satt sehen. Irgendwann taucht der Amerikaner, der Dirigent der Bochumer Symphoniker, der Generalmusikdirektor auf. Und seine Begeisterung kann nicht gespielt sein. Dieser Mann freut sich wie ein kleiner Junge. Für die Eröffnung des Musikforums in der Bochumer City hat der 58-jährige Musiker 17 Jahre gekämpft. Es gab so viel Gegenwind, die Lokalpresse schoss öfter mal dagegen, ein Bürgerbegehren scheiterte juristisch, nicht an der Urne. Auch im coolibri schrieb der Bochumer Comedian Hennes Bender 2012 wütend gegen das Haus an. Haben Sie die Kritik wahrgenommen? Ärgert Sie das? Jedes öffentliche Projekt muss sich der Diskussion stellen. Ich respektiere das, jedoch glaube ich, dass Kritiker teilweise nicht voll informiert waren. Letztlich sehe ich aber vor allem eine breite Unterstützung, allein die 20 000 Spender, der aktive Freundeskreis, die kommunale Politik. Sie müssen das Haus nun mit Inhalt füllen, auch, um Kritiker zu widerlegen, die darin ein Festspielhaus für die Elite sehen. Das ist die ganz große Herausforderung. Ich bin jetzt nicht mehr nur Generalmusikdirektor, ich bin jetzt Intendant. Wir müssen das Haus mit Leben füllen. Es geht nicht um so etwas wie die Elite. Im Gegenteil. Das Musikforum ist für alle da. ‚Education‘ ist ein ganz wichtiger Punkt, die Musikschule ist eine der größten des Landes. Und wir wollen offen sein für alle Arten von Musik. Das spiegelt sich schon in einer ganzen Reihe von Programmen wieder. Die Resonanz darauf ist schon groß. Klar, wenn Herbert Grönemeyer die Bochumer Symphoniker dirigiert, ist es schnell mal ausverkauft. Wir verhandeln da gerade nach, ob er länger kommen kann. Aber es ist 8 Die Illustration zum Musikforum von Bez & Kock Architekten nicht nur Grönemeyer. Es gibt eine Lounge mit DJ, einen Konzertabend mit Computerspielmusik und weitere populäre Musik. Wir stehen aber noch am Anfang und müssen schauen, wie sich das Haus entwickelt. Da ist vieles denkbar, alles ist noch neu. Ich sage nur: es wird viel los sein. Noch einmal zurück zum Bauprozess: Es ging so lange hin und her, hatten Sie die Hoffnung auf die Realisierung des Projekts einmal aufgegeben? Ja, tatsächlich. Einmal waren wir richtig am Boden. Ende 2009 war das, ich weiß fast noch den genauen Tag, es war in der zweiten Dezemberwoche. Da schien alles vorbei zu sein. Finanzkrise, die Stadt im Nothaushalt, es fehlte Geld, es war fast schon traumatisch. Doch es ging gut aus für die Musikzentrums-Idee, ein Weg wurde gefunden. Was ist passiert? Die rettende Idee war, die Kirche mit ins Ensemble einzubauen. Aus heutiger Sicht in jeder Hinsicht ein fantastischer Einfall, es ging nur so! Nur so macht das Ganze Sinn. Und es ist so viel besser als die Entwürfe zuvor. Wir wurden quasi zur besten Lösung gezwungen, zum Glück gezwungen. Wir sind glücklich. Das Haus hat deshalb aber auch sehr viele Mütter und Väter. Was war der spannendste, der dramatischste Moment? Die Spende von Norman Faber. Ich konnte es nicht glauben. Dieser Mann hat fünf Millionen Euro gegeben. Für seine Stadt, für die Zukunft seiner Kinder. Das hatte die Wirkung einer Atombombe. Danach haben wir gedacht, jetzt ist es zu schaffen. Unglaublich. Um seine Bedingungen zu erfüllen, musste ich noch recht schnell zwei Millionen von anderen Spendern beschaffen. Das war meine Aufgabe. Foto: Stitung Bochumer Symphonie Er war es ja auch, der bei dieser öffentlich inszenierten Initialzündung zur Bedingung gemacht hat, dass das Haus in der Innenstadt stehen müsse. Nicht an der Jahrhunderthalle. Darüber sind sie inzwischen auch glücklich, oder? Schon in Sachen Verpflegung, bei uns gibt es nur Kleinigkeiten: Unsere Gäste sollen im Bermuda-

T H E M A „Es war sogar ein Privileg, für eine Vision zu kämpfen.“ Steven Sloane by Steven Sloane dreieck essen gehen. Wir sind eine Institution mitten in der City, wir verstehen uns als ein neuer Teil des Bermudadreiecks. Das ist wichtig für das Verständnis unserer Idee. Sind sie zufrieden mit der Architektur des Hauses? Jeden Tag entdecke ich aufs Neue die Genialität der Architekten. Allein der kleine Saal auf der anderen Seite der Kirche, die jetzt Foyer ist, ist so variabel einsetzbar. Und das Foyer ist herrlich großzügig und hell. Man glaubt es kaum. Ich habe sechs Stuhlpatenschaften gekauft. Jetzt sitze ich grade auf dem Platz meiner Tochter (lacht und zeigt die Beschriftung). 17 Jahre der Diskussionen, hin und her, Spender finden und überzeugen, mit Kritikern streiten, Politiker sein. Wäre Steven Sloane nicht lieber ein vor allem künstlerisch arbeitender Dirigent eines Orchesters mit ‚normaler’ Spielstätte gewesen? Als Generalmusikdirektor habe ich eine Verantwortung für die Stadt und das Orchester. Ich musste deren Zukunft sichern. Daraus wurde dann mehr als ein Job, es war sogar ein Privileg, für eine Vision zu kämpfen – nicht aufzugeben. Ist damit ihr Job gemacht in Bochum? Ihr Vertrag läuft bis 2020. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Die Gegenwart zählt. Jetzt steht erst einmal die Eröffnung und die erste Spielzeit an. Das wird viel Arbeit. Vielen Dank für das Gespräch, machen Sie doch bitte noch ein Selfie von sich und dem Großen Saal. Tom Thelen Das Anneliese Brost Musikforum wird vom 26. bis 30.10. mit vier Abendkonzerten eröffnet. Zwei Konzerte – darunter das offizielle Eröffnungskonzert am 28.10. (20 Uhr) werden bestritten mit einer Uraufführung des Bochumer Komponisten Stefan Heucke sowie Gustav Mahlers Erster Symphonie, am 29. und 30.10 stehen Schostakowitsch, Bartók und Strawinsky auf dem Programm. bochumer-symphoniker.de 9

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