Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
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Oktober 2016 - coolibri Ruhrgebiet

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K U N S T D O R T M U N

K U N S T D O R T M U N D Der Künstler im Selbstporträt Ende August zeichnete der rumänische Künstler Dan Perjovschi in der Vertikalen des Dortmunder U. Seine Arbeit „The Hard Drawing“ ist dort für ein Jahr zu sehen. Erst dann wird wieder gestrichen. Foto: Dan Perjovschi Das ist kein Graffiti „Seit der Höhle malen wir auf Wände“, sagt Dan Perjovschi zur Eröffnung seiner Arbeit „The Hard Drawing“ Anfang September im Foyer des Dortmunder U und ergänzt lachend: „Aber ich habe noch nie für einen Aufzug gezeichnet“. Ein paar Tage zuvor nimmt Perjovschi auf einem Sofa in den Räumen des Hartware Medien- KunstVereins Platz – leicht zauselig, sympathisch. Um ihn herum bewegen sich die TeilnehmerInnen der Summer Academy des HMKVs. Seit fast einer Woche arbeitet er in der Vertikalen des Dortmunder U, ausgestattet mit einem Marker und einem Notizbuch. „Es ist wie ein kleines Studio“, sagt er. „Ich zeichne viel und dann kommt ein Prozess der Auswahl, ob ein Bild gut ist und ob es gut genug ist, um auf einer Wand zu bestehen“, beschreibt er die Themenfindung. Setzt er sich auch hier mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander? Perjovschi bejaht und betont die besondere Herausforderung im U: „Da die Arbeit ein Jahr bestehen wird, sind die Bezüge allgemeiner gehalten und aufgrund des Gebäudes geht es viel um Kunst und das Museum“. Zudem handelt es sich bei der Vertikalen um einen Zwischenraum, der jedem offen steht: Ausstellungs-, Kino- und Cafébesuchern, Kindern. Daher steht für ihn eine weitere Anspruch im Vordergrund: „Ich versuche mit meinen Zeichnungen jeden zu erreichen“. „Don’t say the F Word. Future.“, „E|U|R|O|P|E“ oder „The Director directs. The Curator curates. And the Public? The Public pubs“ prangen auf den weißen Wänden. Stilistische Verbindungen zu Karikaturen, Comics oder Graffitis drängen sich auf. „Das sind keine Comics. Das ist kein Graffiti. Ich bin in einem Museum. Ich arbeite nicht auf der Straße. Ich vermische die Sprache von Comics, Art Burt und Graffiti in einer intellektuellen Art.“ Abwägungen über Stil scheinen für ihn zweitrangig, denn für den rumänischen Künstler steht der Inhalt im Vordergrund. „Ich bin wie ein Reporter. Das ist meine Reportage“. Er wirft selbst das Wort „Gedankenwelt“ auf Deutsch ein. „Ich mag diese Idee“. Und diese Gedankenwelt erstreckt sich auf der Ebene des HMKVs und in den Aufzugsbereichen, die Etage null bis sechs verbinden. Es besteht die Überlegung, dass Dan Perjovschi während des Ausstellungszeitraums wiederkommt, seine Zeichnungen an neue, derzeit noch unbekannte, politische Realitäten anpasst. Wie hoch werden die Mieten sein? Wer regiert dann die USA? Wohin hat sich Europa entwickelt? Perjovschi, der die Diktatur unter Nicolae Ceauçescu erleben musste, lobt die Freiheit: „Ich kann alles machen, was ich will. Ich kann herumreisen – ohne Visa. Das ist unglaublich.“ Bei der Frage, ob er sich als politische Künstler versteht, gibt er sich bescheiden, angesichts zahlreicher Menschen, die täglich ihr Leben für eben jene (künstlerische) Freiheit riskieren: „Ich bin mehr ein Journalist, ein politischer Kommentator. Ich bin in einer komfortablen Situation, aber ich nutze diesen Komfort“. Stefanie Roenneke Dan Perjovschi: The Hard Drawing: bis 27.8.2017 im Dortmunder U; hmkv.de Das vollständige Interview auf coolibri.de. 50

K U N S T M Ü L H E I M Literaturbüro Ruhr e.V. präsentiert in der Reihe Ausschnitt Hannah Höch, Entartet, 1969 Weit über Dada hinaus Die Ausstellung „Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst“ im Kunstmuseum Mülheim ist eine erste umfassende Retrospektive über das Werk der Künstlerin. Der Fokus auf das Spätwerk eröffnet die Chance, die Vielfalt ihrer Arbeiten aus sechzig Schaffensjahren kennenzulernen. Wer auf der Suche nach den berühmten Dada-Collagen von Hannah Höch ist, muss den Weg ins oberste Stockwerk antreten und wird dann ‚nur’ aufgezogene Reproduktionen vorfinden. Enttäuscht sollte man darüber jedoch nicht sein. Zwar rücken diese Abzüge erneut ins Bewusstsein, dass es neben den dominierenden Männernamen all jener Ismen, die Anfang des 20. Jahrhunderts das System Kunst angreifen wollten und schließlich erweiterten, auch Frauen wie Hannah Höch standen. Denn sie war es, die gemeinsam mit Raoul Hausmann im Sommer 1918 auf der Ostseeinsel Wollin das Prinzip der Collage entdeckte. Doch trotz dieser Bedeutung und trotz Dada-Jahr stehen diese Arbeiten für eine von vielen künstlerischen Perioden in ihrem Leben – und nur für eine Ausdrucksweise. In der Ausstellung, die bis Januar 2017 zu sehen sein wird, werden über 100 Exponate präsentiert. Collagen sind ebenso vertreten wie zahlreiche Gemälde und kunsthandwerkliche Arbeiten. Dazu gehören Hauptwerke aus den 1920er-Jahren wie „Roma“ (1925), eine Collage mit den Mitteln der Malerei. Das autobiografische Schlüsselbild „Frau und Saturn“ (1922), mit dem sie die gescheiterte Beziehung zu Raoul Hausmann thematisiert, begleitet eine wandfüllende, collagierte Biografie, die dem „Lebensbild“ (1972/73) gegenübergestellt ist. Neben der Verarbeitung des NS-Regimes und der Auseinandersetzung mit Themen wie Stadt und Kosmos nimmt sie in vielen Werken weibliche Rollenklischees mit Witz und Ironie aufs Korn, hegt zugleich eine große Sympathie zu Schauspielerinnen und Tänzerinnen. Denn: „Mich hat auch nie so sehr die emanzipierte Frau interessiert, sondern mehr die leistungsfähige Frau“, erklärt sie 1975 dieses Thema. Sie selbst strahlte stets Androgynität aus, besonders auf einem Selbstbildnis von 1917. Darauf ist eine schmalgesichtige Frau mit Bubikopf zu sehen. Doch hier wird kein ‚Girl‘ abgebildet, sondern ein strenger, junger Mensch, der sich im dritten Kriegsjahr befindet. sr Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst: bis 8. Januar 2017, Kunstmuseum, Mülheim; kunstmuseum-mh.de Foto: © Berliner Sparkasse, © VG Bild-Kunst, Bonn NEUE HORIZONTE Auf den Spuren der Zeit Die interaktive Erlebnisausstellung zur Horizontastronomie Besucherzentrum Hoheward Lohn- u. Lichthalle, Zeche Ewald, Herten Fon 02366-181160 www.landschaftspark-hoheward.de ‚Die Grenzen der Toleranz. Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen‘ Michael Schmidt-Salomon liest und spricht mit Volker Panzer DO, 6.10.2016, 20 Uhr Stadtbibliothek, Essen ‚Bergsteigen im Flachland‘ Urs Mannhart liest und diskutiert mit Dr. Hannes Krauss MI, 26.10.2016, 20 Uhr Buchhandlung Proust, Essen ‚Weil wir längst woanders sind‘ Rasha Khayat liest und spricht mit N.N. DO, 27.10.2016, 20 Uhr Stadtbücherei Gladbeck ‚Die Flüchtlingsrevolution‘ Es lesen und diskutieren Marc Engelhardt und Birgit Kaspar DO, 3.11.2016, 19.30 Uhr Literaturhaus Herne Ruhr e.V. ‚Der goldene Handschuh‘ Heinz Strunk liest aus seinem Roman SA, 5.11.2016, 20 Uhr Katakomben-Theater Essen Ticketinfos unter www.ausgebootet.eu www.literaturbuero-ruhr.de 51

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