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Oktober 2016 - coolibri Ruhrgebiet

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M U S I K

M U S I K coolibri präsentiert Gestern ist ein komisches Wort Bitte schmunzeln: Funny van Dannen Foto: Amelie Losler Er hat vier Söhne groß gezogen und der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau war einer seiner größten Fans. Zudem ist Funny van Dannen in Echtzeit ein herrlich unaufgeregter und sympathischer Typ. Seit vielen Jahren speist er mit Witz und Ironie seine Lieder. Auf seinem neuen Album „Come on“ sind wieder einige Kracher an Bord. Interviews mit Funny waren lange Zeit tabu und das ist bei diesem Sänger auch schon wieder sympathisch. „Ich bin von zu Hause aus eher schüchtern und kann nicht so gut über meine Sichtweisen sprechen“, sagt er. Wir treffen uns im Düsseldorfer Büro von den Toten Hosen, die über ihr Label JKP seit mehreren Jahren auch die Van-Dannen-Alben herausbringen. Wahre Geschichten Für Campino & Co. schrieb er auch schon mal Lieder wie „Schön sein“, „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ oder den „Bayern“-Song. Wie er auf seine Themen kommt, erklärt er am Beispiel von seinem Song „Schildrüsenunterfunktion“: „Das beruht auf einer wahren Geschichte. Da bin ich zu meiner Ärztin, ich hab mich eine zeitlang so schlapp gefühlt und wusste nicht, ob das irgendeine komische Reaktion meines Körpers ist. Es war aber eine Unterfunktion der 34 „Ich bin von Haus aus eher schüchtern und kann nicht so gut über meine Sichtweisen sprechen.“ Schilddrüse. Dann wurden mir Tabletten verschrieben. Die Tabletten habe ich nicht genommen und nach zwei Monaten musste ich wieder in die Praxis. Die Frau Doktor sagte dann, das meine Werte ja schon sehr viel besser geworden sind.“ Dann lacht er sich kaputt über die kuriose Welt der Pharmaindustrie. Funny fabuliert gerne und spielt mit der Sprache. Er seziert Worte schon mal auf sehr raffinierte Art und Weise, wie in seinem Song „Weltkulturerbe“ – dort singt er: „Gestern ist ein komisches Wort. Es besteht aus einem G, einem E und einem Stern.“ Seine Songwriter-Marotten erklärt er wie folgt: „Genau diese Stelle ist ein Part, der ist bestimmt schon 20 Jahre alt. Ich hatte das schon mal in einem ganz alten Song drin, den ich dann aber nicht verwendet habe. In Gedanken hebe ich mir solche Sachen auf.“ Funny, der bürgerlich eigentlich Franz-Josef Hagmanns-Dajka heißt, notiert seine Gedanken in altmodischen Poesie-Alben. Den Text zu „Latente Homosexualität“ hat er dort auch aufgeschrieben. Hier fahndet er im Fußball-Milieu nach Manndeckern, die klammheimlich auf Männer stehen: „Ich wollte mal ein paar Lieder über Fußball schreiben. Den ersten Text habe ich wieder verworfen, der zweite war dann dieses Lied. Ich mache das manchmal, das ich mir erst ein Thema stelle. Mal klappt das, mal aber auch nicht.“ Besondere Details Am Ende will er noch von mir wissen, welche BVB-Spieler aus der legendären 1966er Europacup-Elf leben. Es sind Wolfgang Paul, Hoppy Kurrat, Hans Tilkowski, Aki Schmidt, Siggi Held und Theo Redder. „An Theo Redder kann ich mich noch sehr gut erinnern“, sagt Funny, „der hatte eine wunderbare Schusstechnik.“ Da blitzt wieder sein Auge auf – für die ganz besonderen Details. Peter Hesse 20.10. Zeche Carl, Essen; zechecarl.de

M U S I K 24.10. ZAKK, DÜSSELDORF Von Wegen Lisbeth Komm mal rüber bitte Sie sind jung, ironisch und ungestüm. In lässig arrangierten Songkostümen singt ihr Sänger Matze von schwerer Großstadtmelancholie und leichten Mädchen. Bassmann Julian stand trotz Urlaub bereit, ein paar Fragen zu beantworten. Foto: Landstreicher Booking Das erste Telefonklingeln hat er verpasst, beim zweiten Mal geht er direkt dran: „Ich bin gerade in der Nähe von Göttingen, wo ich mit ein paar Freunden ein Ferienhaus baue“, sagt er entschuldigend. Für seine Band läuft es gerade ziemlich gut. Kürzlich waren sie zuerst mit AnnenMayKantereit auf Tour, direkt danach mit Element of Crime. Welche war cooler? Julian überlegt: „Ach, das ist schwer zu sagen. Element of Crime haben gefühlte 1000 Jahre Musikgeschichte auf dem Buckel, die sind ein mega entspanntes Team. Mit AnnenMayKantereit sind wir mehr auf Augenhöhe, wir sind ja etwa gleich alt. Aber beide Touren haben total Spaß gemacht.“ Der Kontakt zu beiden Bands ist bis heute geblieben: „Wir haben einen Dropbox-Ordner eingerichtet, wo wir immer Lieblings-Platten tauschen und Songs, die wir gerade feiern.“ Bands lernen aus schlechten Erfahrungen immer mehr als aus guten Erkenntnissen. Wie werden Von Wegen Lisbeth beraten?„Wir haben auch ein Management im Hintergrund und ich würde schon sagen, dass wir von Natur aus ziemlich vorsichtig sind. Die Band macht jetzt seit zehn Jahren Musik und lange Zeit hat das niemand hören wollen. Aber so Modesachen, wie das gerade Metallica als Anzeigenmotive für die Anzüge von Brioni machen – das kommt für uns nicht infrage. Das ist echt scheiße, das macht man einfach nicht.“ Die lyrischen Plots dieser Berliner Band erinnern in Songs wie „Komm mal rüber bitte“ schon mal an die Neue Deutsche Welle. Haben sie früher viel Hubert Kah, Trio und Geier Sturzflug gehört? „Auf jeden Fall. Ich bin echter Vinylfreak, weil ich viele Platten von meinen Eltern geschenkt bekommen habe. Unser Sänger Matze, der alle Texte schreibt, ist mit dem Berliner Rundfunk groß geworden und da laufen die 60er, 70er und 80er Jahre halt rauf und runter.“ Gibt es einen Song, den Julian gerne mitkomponiert hätte? „Ich finde ‚Ein Hotdog unten am Hafen‘ von Element of Crime ein extrem gutes Lied. Vom Text her ist es toll und die Geschichte mag ich sehr gerne. Ich weiß nicht, ob ich es selber gerne geschrieben hätte, aber es ist ein tolles Lied.“ PH 35

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