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Oktober 2016 - coolibri Ruhrgebiet

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T H E M A Von Enten und

T H E M A Von Enten und Schwänen Szene aus „Anna Kpok und der letzte Zombie II – Gegen die Bürokratie“ Off-Kultur: Was ist das eigentlich? Was zeichnet sie aus und wie überlebt sie in der Stadt, in der Freiräume zunhemend verschwinden? David Nienhaus sprach darüber mit Anna- Lena Klapdor, Mitglied des 2009 gegründeten Ensembles Anna Kpok, und dem Online-Redakteur und freien Kulturmanager Axel Kopp. Foto: Thorsten Schnorrbusch Hallo Frau Klapdor, hallo Herr Kopp, fallen wir mal direkt mit der Tür ins Haus: Wie wichtig ist für Sie Off-Kultur? Axel Kopp: Off-Kultur macht für mich das Leben in einer Stadt erst lebenswert und spannend. Um es mal bildlich zu beschreiben: Warum ist Berlin so cool? Weil es dort drei Opern gibt? Nein, sondern weil dort an jeder Ecke was passiert, überall Kunst ist, überall das Leben tobt. Und: Sag’ bitte „du“! Off-Kultur ist nicht „Sie“, sondern „du“. Was bedeutet Off-Kultur genau für dich, Anna-Lena? Anna-Lena Klapdor: Es ist eine romantisierte Umschreibung von einer kulturellen Praxis, die abseits des sogenannten Mainstream und meist ohne Rückendeckung großer etablierter Institutionen stattfindet. Axel, du hast sieben Thesen in den Raum gestellt, was Off-Kultur ausmacht. Es ist aber kein Manifest. 12 Axel Kopp: Ein Manifest ist mit Zielen und Forderungen verbunden. Die gibt es in meinen Thesen so nicht. Mir ging es zunächst darum, Off-Kultur zu beschreiben und zu erklären. Und weil es unmöglich ist, eine universell gültige Definition zu schreiben, sind es erst mal nur Thesen, die man diskutieren kann. „Off-Kultur ist kulturelle Opposition“ heißt es in den Thesen. Stimmst du dem zu Anna-Lena? Anna-Lena Klapdor: Ja und nein. So wie du es beschreibst, zieht Off-Kultur zumindest einen Teil ihrer Produktivkraft aus der Opposition zum Mainstream, also aus der Abgrenzung zu dem, was zum Beispiel im Stadttheater läuft oder im Museum zu sehen ist. Diese Quelle reicht als Initialzündung, aber nicht viel weiter. Off-Kultur muss eigenständig werden, ihre eigenen Themen finden und eigene Räume definieren. Wenn sie immer nur Antithese zu etwas ist, wird sie vorhersehbar.

T H E M A Es liest sich in den Thesen, dass Off-Kultur das kleine, hässliche Entlein ist. Allerdings mit viel Potenzial, schnell der schöne Schwan zu werden. Axel Kopp: Der Vergleich hinkt, denn er impliziert erstens, dass sich Off- Kultur in einer Übergangsphase befindet und irgendwann erwachsen wird und zweitens, dass sie momentan hässlich ist, aber irgendwann schön wird. Beidem würde ich nicht zustimmen. Off-Kultur lebt davon klein zu sein, jung zu bleiben, dezentral zu agieren und sich ständig neu zu erfinden. Vom Habitus ähnelt sie auch eher einem Affen, denn einem Schwan. Anna-Lena Klapdor: Es ist ein Vorgang, der viel mit Gentrifikation zu tun hat. Das kleine hässliche Entlein ist zum Beispiel die kulturelle Praxis eines bestimmten Stadtviertels, die einfach stattfindet. Wenn diese Praxis aber das Viertel aufwertet, kommen Institutionen wie das Stadtmarketing und stecken Geld in das Ganze, um aus der Aufwertung wiederum Kapital schlagen zu können. So wird das hässliche Entlein schnell zum schönen Schwan, aber ob das eine durchweg positive Entwicklung ist, würde ich infrage stellen. Kann man sich von Off-Kultur finanziell über Wasser halten? Anna-Lena Klapdor: Nein. Zumindest nicht ohne zwischendurch oder nebenbei andere Jobs zu machen, die vielleicht auch im Kultur-Bereich verortet sind, aber erst mal nichts mit den eigenen Projekten zu tun haben. Höchstens für einen begrenzten Zeitraum. Wenn man zum Beispiel eine Spitzenförderung bekommt, so wie zuletzt das kainkollektiv, dann hat man ein paar Jahre ausgesorgt. Aber danach muss wieder was anderes kommen, eine neue Förderung, ein anderer Job. „Off-Kultur verdient Anerkennung, Respekt und Geld“, ist deine letzte These, Axel. Wird Off-Kultur nicht wieder Mainstream, wenn zu viel Geld ins Spiel kommt? Axel Kopp: Ja, aber davon sind wir noch Lichtjahre entfernt. Abhängig von der Definition von Off-Kultur sind es beispielsweise in Düsseldorf zwischen ein und drei Prozent der städtischen Kulturförderung, die der Off- Kultur zugutekommen. Das ist absolut lächerlich. In anderen Städten sieht es nicht anders aus. Die Millionen gehen an die klassischen Kultureinrichtungen, die Groschen an die Off-Kultur. Viele Leute wissen zwar, dass diese Form der Kulturförderung überhaupt nicht mehr zeitgemäß ist, trotzdem ändert sich nichts. LITERATÜRK 2016 INTERNATIONALES LITERATURFESTIVAL KUNST UND KULTUR DER EINWANDERUNGSGESELLSCHAFT FREUNDSCHAF T LEBEN DOST HAYATTIR 24. OKTOBER – 03. NOVEMBER LITERATUERK.COM | GREND.DE F Woran liegt das? Axel Kopp: Über die Jahre hat sich das so eingeschlichen. Und kein Kulturpolitiker ist großartig bereit, daran was zu ändern. Wenn man heute sagt, dass man die Oper dicht macht, hat man morgen die ganze Belegschaft vor der Tür stehen. Das will kein Kulturpolitiker. Dann lieber alles so lassen, wie es ist und einmal im Jahr eine unangenehme Diskussion mit der Off-Kultur aussitzen. Eine These von mir: „Geld bedeutet künstlerische Freiheit“. Richtig? Anna-Lena Klapdor: Falsch. Geld, wenn es nicht zufällig das üppige Erbe der wohlhabenden Großmutter ist, sondern aus öffentlicher Hand kommt, kommt mit einem ganzen Katalog an Auflagen und Bedingungen, ganz zu schweigen von der Nachweispflicht. Das schmeckt nach Bürokratie, nicht nach Freiheit. Habt Ihr Empfehlungen für das verbleibende Jahr im Bereich Off-Kultur? Anna-Lena Klapdor: Ich bin regelmäßig zu Gast im Ringlokschuppen Ruhr und nehme da immer einige persönliche Highlights mit wie „Warpop Mixtake Fakebook Volxfuck – Schland of Confusion“ von andcompaniy&co. Ich freue mich außerdem schon sehr auf die favoriten Ende September. Das vollständige Interview auf coolibri.de. 13

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