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November 2021 - coolibri

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MUSIK VON H IER

MUSIK VON H IER Ruhrpott-Rockabellas Jane,Ira undHoney (v.l.n.r.) von„TheSilverettes“ singen mehrstimmigund spielen sogarauf derBühne fast alleInstrumente selbst. Foto: Manfred Pollert Früherwar Rock’n’Roll Rebellion. Heuteist das zwar nichtmehrnotwendig, aber einige Defizite gibt es weiterhin, zumBeispieldie Frauenquote im Genre.The Silverettes aus Mülheimsind Frontfrau Irina und ihre zwei Ladies Janina und Hannah–genanntIra,Jane undHoney –die seit einemJahrzehntneben denmännlichen Kollegen eine erfrischendeAbwechslung bieten. Christopher Filipecki sprach Anfang Oktober mit Irina über Vorurteilegegenüber Frauentriosund der auf Konzertenimmer noch merkbaren Coronakrise. Euer neuesAlbum istgeradeerstdraußen.Wie unterscheidetsichdas Gefühl jetztvon demGefühl kurz vorRelease? Vordem Releaseist dieSpannungtotal groß.Man fragtsich, wieesankommt undoballes gutläuft.Tatsächlich gabessogar einpaarPannen vorder Veröffentlichung, da über denVertriebleider unsere CDsnicht mehr alle pünktlich ankamen.Zum Glückkonnten wir siedann stattdessenüberunseren eigenen Onlineshop verschicken. Das war anders geplantund dadurch doppeltsostressig, aber ging auch.Ganzist derStress auch noch nichtvon unsabgefallen,weilnochunserebeiden Releasekonzerteanstehen. Da sind einpaarGäste dabei, dieman auch aufdem Albumhören kann.Und ob dasund auch dieneuenSongs immer klappen, weiß manvorhernicht.Wenndumichineiner Wochenochmal fragen würdest,würde ichaberbestimmt sagen, dass alles seinen Lauf nimmt. DasAlbum heißt„RiskyBusiness“. Gerade in Coronazeitenist fürMusiker:innender Jobein „RiskyBusiness“. Wargenau das auch dieInspiration fürden Albumtitel? Ursprünglich kommt derNameüberden Titelsong„RiskyBusiness“,in demeseherumLiebe als „Risky Business“geht. Aber wir haben natürlich gemerkt,dassunsereBranche auch perfektdazupasst.AmEndeist das ganzeLeben ein„RiskyBusiness“, wenn du so willst.Wir haben gespürt, wiefragil unserLebenskonzept ist, wenn manesauf denBeruf bezieht. Wirkonnten zwischendrin einbisschenOnlineunterrichtfür Gesang geben undhaben probiert,regelmäßigein paar Videoszumachen, haben aber auch einpaarKollegen, dienur ihre Musik machen undsichanihrerAltersvorsorge langsambedienenmussten… Aufeurer Website stehtzuden Aufnahmenzum vorigen, zweitenAlbum „Dirty Talk“der Satz „Das nächste Albumist immerdas Schwerste“. War das nunbeimdritten Album auch so oder fiel es euchleichter? 30 Das isteherdaraufbezogen,dassErwartungshaltungen da sind.Und genaudem gerechtzuwerden, istschwerund kaum möglich.Aberbei diesemAlbum war es für unsrelativ einfach, weil wirwussten,welchen Soundwir haben wollten. Mittlerweile begleitenwir unsliveselbstund wolltenein Album, dasman livezumindest fast genausospielen kann.Die Vision war alsofür alleganzklar. 2017 gabesdie letzte Veröffentlichung undseitdem warengenug Ideenda, dieman machenwollte. Zwar hatdie Pandemiemanchesein bisschen erschwert, aber im Studio warenwir immerzusammen. Dashaben wir unsnicht nehmen lassen. Ihr habteuchimmer mehr vonCoverversionenfreigemacht. Aufdem neustenAlbum istnur noch einCover.Wie reagiert das Publikum,wennihr Eigenkompositionen und Coververgleicht? Das kommt immer aufdie Situationan. Aufunseren letzten Showswar es so,dasseskeinenUnterschied gab, ob es eineigener Song oder einCover war. Selbst beiden ganz neuenSachen, diedie meistennochgar nicht kennen können,haben dieLeute mitgesungen, wasein tolles Feedback ist. Manmerkt,der Refrain funktioniert.Das hatrichtig Spaß gemacht. Wiewaren denn das Arbeiten und dieProduktion generell? VonNovember bisEnde FebruarwarenAufnahmen undunsereheiße Phase.Dagab es dieVorabsingle„Undercover Lover“ schon als kleinesLebenszeichenwährend Corona.Wir komponierenimmer mitunseren Produzentenzusammen,die schon so viel Erfahrungmit unterschiedlichen Projektenhaben,dasswir eingutes Team sind.Viele fragen immer, ob es sich überhauptnochlohnt,ein Album in physischer Form zu veröffentlichen.Wir wollen dasaberauf jedenFall,weilesauch beiKonzerten schön ist, wenn dieLeute wasmit nach Hausenehmenkönnen. Unsere Feature-Gästesindteilweise Leute, mitdenen wir schon langezusammenarbeiten,wie unserProduzentAdrianoBaTolba.Der hatschon mitden Base-

MUSIK V ON HIER balls zusammengearbeitet, wodurch derSongmit Samzustandekam.Wir wurden auch ganz oftgefragt,obwir nichteinfach dieweiblichenBaseballs wären, wasinsofernlustigist,dassesuns vorden Baseballs schon gab. RonGlaser isteiner derbestenElvis-Stimmimitatoren, da lagesnatürlichfür unserenSong„SingingWithThe King“nahe, ihnzufragen. Und da wir ja alsFraueninder Branche eh immerunser Päckchenzutragen haben,wollten wir auch eine weiblicheKünstlerin.Somit sind wirauf EmanuelaHuttervon HillbillyMoonExplosion gekommen,die wir ganz einfach perInstagram angeschrieben haben. Du sagstesselbst: TheBaseballs,Bobbin‘ B, Dick Brave–eine Männerdomäne in euremGenre.Ihr seid einFrauentrio.Vorteil oder Nachteil? Beides.Der Vorteilist,dasswir allein durch dasBühnenbildschon hervorstechen, auch wenn wir nichtauf dasÄußerereduziert werden wollen.Da wir unsjetztauch noch selbst an denInstrumentenbegleiten,haben wir automatisch eine andere Medienpräsenz. Aber wir mussten unsschon immerein Stückweitbeweisen,nachdem Motto„Können diedennauch was?“. Ständigwirdgesagt: „Ihr alsFrauenbegleitet euchjaauch selbst!“, wassoexplizithervorgehoben wird, wasschadeist.Schöner wäre es, wenn mansagen würde,dasswir unsbegleiten unddazuauch noch singen. AlsFrauenwirdsowas immer betont,was etwasnervt.Allesindsehr kritischund wollen erstmalgucken,obwohlwir nach einemKonzert noch niegehörthaben,dasswir nix können. Dabeihaben wir zum Beispiel bei Facebook mehr männlicheFollower. Live gehendie Frauen aber mehr steil. WoherkommteureFaszination fürdie 50sund die Bandidee? Ichbin daseinzigübriggebliebene Gründungsmitgliedund habefrüher im Background für eine Männerband gesungen,die viel Retrogemacht hat. Dadurch hatsichmeine Leidenschaft für mehrstimmigesSingenentwickelt. Wirwollten aber aufDauer unsereigenes Dingmachenund als Frontfrauenauftreten.Sohaben wir unsere Produzentenkennengelernt, dievielinder Rockabilly-Szenetätig waren. Somitsindwir auch dabeigebliebenund reingewachsen. Es istauch mehr dieFaszination fürdie Musikals fürdie 50er an sich.Ich binfroh, im Hier undJetztzuleben. Rock’n’Rollist für mich Lebensfreude undgenau diemacht dann auch Spaß,liveweitergegebenzuwerden. Wirwollen, dass dieLeute nachdem Konzertzuuns kommen undeinen geilen Abendhatten. Dasist auch das, wasuns daranfasziniert. Wir sind auch einfachmutig.Hannah,die erst seit 2019 dabeiist,hat nichtnur in so kurzer Zeit unsergesamtes Repertoirelernenmüssen, sonderndann auch erst mitSchlagzeugspielen angefangen.Janinaund ichhaben auch erst kurz vorher mitunseren Instrumenten begonnen. Wirsindkeine Virtuosen, haben aber gemerkt,dass maninkurzerZeitgenug lernen kann,umsichselbstauf derBühne zu begleiten. Wirtauschenbei manchenSongs auch dieInstrumente gegenseitigaus.Ersthattenwir Schiss,dank unsererrudimentären Kenntnisse mitTomaten beworfen zu werden,abereskam richtiggut an,sodasswir dasweiterverfolgthaben undgeradezuCoronauns dassehrzugutekam. Eure Musik lädtzum Tanzen ein. Wieklappt das aktuell aufden Gigs? So langsamgibteswiederShows,bei denenzwarweniger Publikum da ist, aber mandas Gefühlhat,dassesCoronanicht mehr gibt.Die Leute, diedasind, haben auch mega Bock,allerdingsläuftesmit demTicketverkauf noch sehr verhalten. DerWinterkommt unddie Leutewissennicht, welche Konzerte stattfindenoderhaben noch Berührungsängste. Das liegtnicht an uns, daswissenwir.Wir hörenständigvon Kollegenund Veranstaltern,die alledas Problemhaben,wiedervolle Lädenzubekommen. Hoffentlich istnachdem Winter dasThema gegessen undhoffentlich gibt es dann auch noch genugClubs.Soodersowünschenwir uns, dass wir jetztnochein paar Sachen spielen können unddann im kommendenJahr diegroßenSachenaus 20 und21, dienochnachgeholt werden,stattfindenoderwir sogareinekleineeigeneTourmachenkönnen. Threepwood‘nStrings –Beyond the Shore Manwerfe Katzenjammer undMumford &Sonsineinen Topf,mische durch undbekommedie Band Threepwood‘nStrings als Ergebnis.Das Quartett aus Marl hältmit seinem 2. Album elfharmonische, mehrstimmige Songsparat,die sich wohlig insOhr einnistenund mitihren folkigen Instrumentierungen außerordentlich viel Lust machen, dennächstenFlug nachIrlandoderSchottland zu buchen.Eva,Selina, Kevin undRobin wechseln sich an denMikros ab,spielen mehrere derInstrumente selbst und sorgen für Abwechslung. Dank stimmigen, poppigenRefrainshat derberührende undmitreißende Soundweitaus mehr Potenzialals nurimRuhrgebiet zu punkten.Obberauschende Stücke wie„Sigh at Night“,romantischer3er- Takt wiein„BlackSuits“oderdie toll gesungeneA-Capella-Einlage„Jack in theBox“zum Schluss –zündetund begeistert. VÖ:24.9. Tristan Brusch –AmRest Gerade auftextlicher Ebenebietetdie großeDeutsch-Pop-Welleder letztenJahre viel zu oftnur allgemeingültige Phrasenstatt wahrem Storytelling. TristanBruschmacht genaudas Gegenteilund istdamit eine Bereicherung. Wasder 33-jährige in Gelsenkirchen geborene Liedermacherauf seinem zweitendeutschsprachigen Album„Am Rest“abliefert,ist äußerst intensiv,auffällig, berührend, vielschichtig, sollte im Ganzen gehört werdenund fordertAufmerksamkeit. Das,was für vielewohldas höchste Gut ist. Doch Tristansetzt genauauf diejenigen, diezuhörenwollenund präsentiert im Gegenzug Poesie,die durch eine minimale Instrumentierung oftnur noch an Emotiondazu gewinnt. Tristanerzählt undwähltdafür schamlos eine derbere Wortwahl,wennsie nötig ist. Ganz starke Kunst, diesichauf bemerkenswerte Art nichtbemüht, allen zu gefallen unddeswegenhervorragendist. VÖ:29.10. Lygo –Lygophobie Als hättensie’s geahnt:Das in Bonn gegründete Trio Lygo,das mittlerweile in Köln ansässig ist, hatnachder letztenTour2019beschlossen,eine Pauseeinzulegen, um alles bisdahin Stattgefundene sacken zu lassen. Bekannterweise wäre 2020 eh keine andere Wahl geblieben, sodass die Phaseperfekt genutztwerdenkonnte, um neue Musik aufzunehmen. Das haben Lygo in einemübersichtlichen 16qm Proberaumauch getan. Herausgekommenist „Lygophobie“, waswie eine Wortneuschöpfung klingt, aber derFachbegrifffür dieAngst vor Dunkelheit ist. DenWeg aus dem Dunklen insLicht symbolisiert auch dasCover.Inhaltlich ballertdie Band 42 Minutenfastpausenlosdurch 12 sozialkritischeund gesellschaftsbeobachtende Titel, dienachklassischerPunkrock-Attitüderotzigund laut insMikrofon geshoutetwerden. Anspieltipp:„Ufer“. VÖ: 29.10. 31

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