Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
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November 2020 - coolibri

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KUNST DasRuhrgebiet

KUNST DasRuhrgebiet alshässlichesEntlein:Die Kampagne desdamaligen KommunalverbandesRuhrgebiet unterdem Titel„DerPottkocht“setzte1999 Maßstäbe. Foto: Springer&Jacoby/ Vollmer/LVR/ Landesregierung NRW E S S E N Ganzes Revier in Schwarz-Gelb DasEssener Ruhr Museumauf Zollverein erzähltabSonntag unterdem Titel „100 JahreRuhrgebiet“ dieGeschichte derRegion. DieGretchenfrage:Hat dieFarbe derSchauetwas mit BorussiaDortmund zu tun? „Nein“, sagteMuseumsdirektor Theo Grütter ganz entsetzt beider Eröffnung. „Das istkein Borussen-Gelb. Sonsthätte ichdie Ausstellung nichtgemacht.“ DerHintergrund derFarbein dersehrerlebenswertenSchau „100 Jahre Ruhrgebiet“ aufZollvereinist einganzanderer. Als am 4. Mai1920die PreußischeLandesversammlungBerlin den„SiedlungsverbandRuhrkohlenbezirk“ als Vorläufer desheutigenRegionalverbandes Ruhr (RVR)gründete,wolltesie OrdnunginDeutschlandsWildenWestenbringen. Ärgerbis heute Zu derZeitbildeten325 Orte dasheutige Ruhrgebiet. Also legteder Siedlungsverbandviele Gemeindenzusammen, wasbis heutefür Ärger sorgt, undstellte gelbeOrtsschilderauf.Theo Grütter: „1926erfandder Siedlungsverband das Ortsschild.“ Es breitete sich über ganz Deutschland aus undträgt bisheute dieSignalfarbe „Verkehrsgelb“. UnddiesenFarbtonhat GestalterHannes Bierkämpervon derFirmaSüdstudio als bestimmende Farbeder EssenerAusstellunggewählt. Wieder wasgelernt ... Doch nichtnur dieses Beispiel machtdie Erzählungvon der„Entdeckung desRuhrgebietesals Region“(Grütter) so spannend undspektakulär. Mitrund1000 Exponaten haben derChefkurator 42 325Namen vonOrten empfangen denBesucher des Ruhr Museums. Siebildeten1920das Ruhrgebiet. Frank Kernerund seinesiebenKuratoren in den letztendreiJahrenerstaunlicheGeschichten über unsere Heimat ausgebuddeltund präsentieren sieinsiebenKapiteln. Rote Schilder weisenauf Themen wie„Industrie“ und„Verkehr“ hin.Gigantische Zeichenvon Thyssenkrupp oder derRAG bestimmen denerstenAbschnitt. Kontroverse Themen Wernäher hinschaut,sieht nichtnur dasgewaltige Selbstbewusstseinder Firmen,sondern auch dievielenArbeitskämpfe–etwa aufeinem Foto vonHoesch-Frauen im Hungerstreik 1981. In diesem Zusammenhang berührt einFeuerkorb desDortmunderHoesch-Betriebsrates sehr,andem sich Arbeiter ihre kalten Hände gewärmt haben.Gleichinder Näheliegt dasBuch „RettetEisenheim“, dasfür denKampf um viele Bergmannssiedlungensteht.DiesesGefühlder .Foto Rothenberg Kuratorenfür kontroverseMomente derGeschichte ziehtsichwie einroter Fadendurch die gelbeSchau.Geradebeim„Verkehr“ sorgtdas für eine PortionPfeffer. Einfachköstlich istdagegendas Kapitelüber dasImage desRuhrgebietes. DerRegionalverband Ruhr,der wegenseinesJubiläums von den750 000 Euro an Gesamtkostenrunde 250000 Euro übernommen hat, habedurch seineKampagnen dasBilddes Reviersverändert,soGrütter. Aber wieder RVRdas getanhat, istamüsantanzuschauen.Sohat diePlüschfigur„Wühlfried“ keinebleibendenSpurenhinterlassen, die„Schönen Grüßeaus Ruß-Land“ (1974) ebenfalls nicht. Aber an dieKampagne „Der Pott kocht“ (1999) erinnernsichbestimmt noch viele. Vonderselben Ironie lebt dasGemälde „Ruhr Valley“von UdoLindenberg–nicht verpassen! Für denAbschnitt „Sport“hat das Dortmunder Fußballmuseumden „Tschammer- Pokal“ von1935ausgeliehen.Liebevollhat Kuratorin Vera Conrad dieRäume zu „Kulturund Wissenschaft“ mitHöhepunkten ausgefüttert. Denroten Mantel mitPelzkragentrugUlrich Wildgruber,als er 1977 denHamlet in Bochum spielte. BettinaJäger 100Jahre Ruhrgebiet.Die andere Metropole“: bis9.5. Kohlenwäscheauf ZecheZollverein, Essen; zollverein.de

KUNST D O R T M U N D Ansichtder Werkstattinder Mallinckrodtstraße. Eine neue AusstellungimHMKVnimmtdie Roma-Baukultur in denFokus undfragt unteranderem nach Möglichkeiten der Selbstrepräsentationeinermarginalisiertenund ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe. Foto: Springer&Jacoby/ Vollmer/LVR/ Landesregierung Träume von Häusern EinbisschenBurg, eine PortionSchloss,etwas barockeKirchenarchitekturund einsilbrig schimmerndesDach. Aufjeden Fall: eine auffällige Fassade–undhierund da eingut platziertesLogoeiner Luxusfirma.Die rumänischen (Traum-)Häuser erinnernmal an eine protzige VillainDallas oder an eine kitschigeVersion einergroßbürgerlichen Residenz.Für denrumänischenArchitekturhistoriker RudolfGräf gehören dieGebäude aufjedenFall zu den„spektakulärstenund einmaligsten Entwicklungenim postkommunistischenRumänien“. DieAusstellung„Fatadã/Fassade“imHMKV Dortmund richtetden Fokusauf diesebesondere Form vonArchitektur,die in denletzten 30 Jahren unteranderem in Rumänien entstanden ist. DieAusstellung baut aufdem gleichnamigen Zahlreiche Hausmodelleentstandeninder Werkstatt kollaborativenKunstprojektder Werkstatt Mallinckrodtstraßezur Roma-Baukultur auf, das 2016 aufEinladung vonInterkultur Ruhr begann.IndiesemZugewurde bereitsimSeptember2019eineNeugestaltung einerHausfassade in derDortmunderNordstadt (SchleswigerStraße) realisiert.Zusätzlich wurden zahlreiche Hausmodelleinder Werkstatt erstellt,die in der Ausstellung zu sehenseinwerden. Im Zuge der Ausstellung wurdeauch die,innereMembran‘ desDortmunderUvonder Werkstattgruppe gestaltet, wodurch eine Brücke zurSchleswiger Straße geschlagen wird. Ausdruck derSelbstermächtigung Doch washat es mitdiesenexpressiven Gebäudenabseits vonFragenzur Ästhetik aufsich? DieAusstellungdiskutiertdie Bauten im sozialen, politischenund ökonomischen Kontextder Roma-Gemeinschaften, diezuden am meisten vonRassismus undMarginalisierungbetroffenengesellschaftlichen GruppeninEuropagehören. Eine stabile, würdevolleExistenzist für viele Menschen nach wievor kaum möglich.Vor diesem Hintergrundsinddie Architekturenvon Roma-Communities in Rumänien auch Ausdruck einerSelbstermächtigung, indemsie sich rassistischenZuschreibungenund weit verbreitetenVorurteilen entziehen. Auch dieUmgestaltung derFassade am Dortmunder Nordmarkt wurdevon derFrage begleitet, ob somitein Zeichen für eine positive Selbstrepräsentation der lokalen Communityimurbanen Raum gesetzt werden kann. Zudemwirddeutlich gemacht,dassdie meisten Häuserwiederumnur einerMinderheitder Roma gehören, dieeinst Kupferschmiede waren. Und oftbleiben dieHäusertatsächlich nurFassade,denngewohntwirdseltendarin.Sie sind einPrestigeobjekt aus einfachenMaterialien, diesolange unvollendetbleiben,bis wieder Geld in dieHeimat geschicktwird. Stefanie Roenneke Fatadã/Fassade: bis21. März 2021,HMKV (3. EbeneimU), Dortmund; hmkv.de UmgestalteteHausfassadeinder SchleswigerStraße. 43

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