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November 2019 - coolibri Düsseldorf, Wuppertal

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KUNST S A M M L U N G P

KUNST S A M M L U N G P H I L A R A Inszenierte Identität Alex Wissel, Kyffhäusertreffen (Detail), 2019. Foto: Courtesy of the artist &Ginerva Gambino Vordem Ständehaus in Düsseldorf stehtein Brunnen: „Vater Rheinund seine Töchter“.Eine schrecklich banale Anmerkung. Doch warum eigentlich? „Der Brunnen warursprünglich eine Partydekoration ausPappmaché“, weiß Künstler AlexWissel. Jene Dekoration wurdefür ein Künstlerfest aufgestellt, „dasdie ‚Rheinischen Stände‘ am 18.09.1887 Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta gaben“, so dieStadt Düsseldorfauf ihrerWebsite. Der Aufbaugefielsogut,dass aus der Pappe schließlich Bronze und Granit wurden. Fürseine Ausstellung „Thymostraining“ hat sich AlexWissel mitKünstlerfesten des19. Jahrhundertsbeschäftigt. Stefanie Roenneke haterverraten, wiezur gleichen Zeit Denkmäler entstanden sind,die heutzutage vonder Neuen Rechteninstrumentalisiert werden. DasKyffhäuserdenkmal in Thüringenist fürdeine Ausstellungvon zentralerBedeutung.Inwelchem Zusammenhangsteht es mitden Künstlerfesten? Sowohl Bauherrals auch Architektdes Denkmalswaren Düsseldorfer. Beide warenTeilder Künstlerfestbewegung. Künstlerfeste warenab1871, nach derGründung desDeutschen Kaiserreichs,sehrbeliebt undwurden dazu genutzt,historischeEreignissenachzuspielen wiedie Hermannsschlacht oder dieBarbarossa-Sage. Es warengroße gesellschaftlicheEreignissemit biszu15000 Zuschauern.Zahlreiche Denkmäler sind ausso einemKontext entstanden.Das Bizarre ist, dass bei diesen Festen oftmalsdie gleichen Kostümegetragenwurden, diesichspäteranden Denkmälernwiederfanden. Wassolltedamit bezwecktwerden? DieFeste wiedie Denkmäler wurden dazu genutzt, eine deutscheTradition undIdentität zu kreieren – dieesvorhersogar nichtgab,von denPreußen aber politischbenötigtwurde.IndieserZeitwurdenübrigensauch dieGeschichtswissenschaften gegründet. Ausgehendvon diesen Ereignissen entwickleich dieFrage,warum dieseArt vonGeschichtsschreibungdurch dieAfD wieder reaktiviertwird. WelcheKünstlerfestestehenfür „Thymostraing“ im Fokus? Es sind drei historische Feste, diezwischen 1870 und1896inDüsseldorf stattgefundenhaben undbei denenjeweils einKaiser anwesend war. Im Umfeld dieser Festesinddas Hermanns-,Kyffhäuser- undNiederwalddenkmalentstanden. Siesindbeispielhaftdafür,wie mithilfeeiner spezifischenKulturpolitik unddurch dieMigration derForm–vomperformativen Fest,‚lebende Bilder‘wurde dasdamals genannt, über Nationaldenkmäler 34 „Die Festewie dieDenkmäler wurden dazu genutzt,eine deutsche Traditionund Identitätzukreieren–diees vorher so garnicht gab.“ undHistorienmalerei–das‚deutscheWesen‘konstruiert wurde. In welchemZusammenhangstellst du dieDenkmälerund Festemit dem altgriechischen und 2006 vonPeter Sloterdijk reaktiviertenBegriff des Thymos,der in seiner BedeutungzwischenMut,Zornund Empörung schwankt? Ichhabemichinder Vorbereitung mitder SoziologinCorneliaKoppetsch auseinandergesetzt,die dasBuch „Die Gesellschaft desZorns“geschriebenhat.Darin analysiert sieden aufkommenden Populismus.Ihre These ist, dass es sich dabeiumeinekulturelleGegenbewegung handelt. In dieser wirdder Begriff desThymosunter anderemvon derAfD instrumentalisiert unddient derpolitisch-philosophischen Profilbildung. Um rechtsradikaleBewegungenzuanalysieren, wurdeinletzterZeitder Fokusauf Netzaktivitäten gelegt.Woher stammtdeinInteresse fürFeste und Denkmäler? Ichgeheimmer vonKulturgeschichteaus.Davor hatteich mich mitdem Niedergang derSPD undder Entstehung deragenda2010 beschäftigtund wiediese im Zusammenhang mitder Lebensgeschichte desKunstberaters HelgeAchenbachgesehen werden kann.Ich eigne mir kulturelles Material an undversucheBildstrategienzuanalysieren.Für „Thymostraining“ istesdie Kulturpolitikder NeuenRechten undauf welcheshistorischesDeutschlandbild siesichberufen. Alex Wissel –Thymostraining: 9.11.-19.1.20, Eröffnung: 8.11., (18Uhr), Sammlung Philara, Düsseldorf; philara.de

KUNST K Ö L N Rembrandt Rembrandt (Harmensz. van Rijn), Selbstbildnis als Zeuxis, um 1662, Ölauf Leinwand Foto: Wallraf-Richartz-Museum &Fondation Corboud, Foto RBA Köln in fünf Akten Mystisch, aufwühlend,detailversessen undvon einzigartigerLichtführunggetragen –sowirdseine Kunstbis heutewahrgenommen. Anlässlich des 350. Todestags vonRembrandt stellt sich die Frage: Wasbegeistertdie BetrachterüberEpochen undLändergrenzen hinweg so sehranihm? Als Antwortruftdas Wallraf-Richartz-Museum Köln dasRembrandtjahr ausund präsentiertunter dem Titel„Inside Rembrandt“eineReise ins ZentrumseinesSchaffens. VonseinengebürtigenWurzeln in derUniversitätsstadtLeiden aus bricht derBetrachter auf, um sich biszum beruflichenund privatenHöhepunkt Rembrandts zu begeben. Markiertwird dieser durch dasBildnis „Der Gelehrte im Studierzimmer“, daszum ersten Malseit70Jahren außerhalb vonPragausgestellt wird. Über 60 weitereWerke wurdenaus demAmsterdamer Rijksmuseum, derGetty Collection in LosAngeles, demNew Yorker Museum of Modern Art, der Münchner Pinakothek,dem Nationalmuseum Stockholmund derStaatsgalerie Stuttgartbeschafft. Hinzukommenselektierte Arbeiten von Zeitgenossen undSchülernRembrandts wieJan Lievens, Govert Flinkund FerdinandBol. DieAusstellungist in fünf Aktegegliedert und tauchtsomit etappenweise tiefer in dasSchaffen einesder bekanntesten Barockkünstler ein. Dererste Aktbefasst sich mitdem Umfeld,in demRembrandtaufwuchsund seineersten Werkeschuf.Das Fundamentauf demseine späteren WerkeFuß fassen konntenbestand, bedingtdurch denStatus derStadt Leiden, schon früh aus altenIntellektuellen. Rätselhaftund populär Dernächste Bereichder Ausstellungbehandelt Rembrandts Experimente in verschiedensten Sujetsund Gattungen. Es wirdzudem aufdie ansteigende Popularitätdes jungen Talentseingegangen, dasmit seinen lebendigen unddetailreichenPorträtsdie MetropoleAmsterdam in Staunenversetzt. Auch Rembrandtvan Rijns großer Durchbruch undder Höhepunktseines Schaffensstehendabei im Fokus. Das berühmte Bildnisdes Prager Gelehrtenoffenbart sich, ergänztdurch weiterePorträts, sowie eine orientalischeKostümhistorie. Danach tauchtder Betrachter in dasMotiv desKünstlerdaseins ein undfindetsichdabei auch vorBildnissenvon Rembrandts Werkstubewieder. Zuletztschließt Akt fünf dieExpeditionmit demikonischen „Selbstbildnis als Zeuxis“, dasseitjeher im KölnerWallraf-Richartz-Museum Köln beheimatet istund bisheute als Rembrandts rätselhaftestesPorträt gilt. Rembrandts 350. Todestag kann also in Form einerAusstellung wortwörtlich begangen werden underweckt sein Lebenswerk so aufs Neue. Maximilian AlexanderKoch Inside Rembrandt–1606-1669: 1.11.-1.3.20, Wallraf-Richartz-Museum, Köln; wallraf.museum 35

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