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März 2021 - coolibri

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INTERVIEW Fotos- Fridays

INTERVIEW Fotos- Fridays For Future Düsseldorf Für eine bessere Welt Zunächstwirkteeswie ein kurzer Trend. Zwei Jahrespäterist klar,dass mehr bewirkt werden kann alszunächstgedacht. Die soziale Bewegung FridaysFor Future –ausgelöst durch dieschwedische KlimaschutzaktivistinGreta Thunberg –hat sich in ihremvergleichsweisekurzen Bestehen zum globalen Phänomen entwickelt. Am 19.3. stehtder nächsteweltweite Streikunter demMotto „#NoMoreEmptyPromises“ an.Vor zwei Jahren erzählteLukas Mielczarek dem coolibri erstmalig vonden Zielen undseinem MitwirkeninDüsseldorf. Nun folgt eine ArtneueGeneration, zu der dieSchüler Tara (16),Pablo (17) und Joan (15) gehören –dreiDelegierte derLandeshauptstadt NRWs. Christopher Filipecki sprach mitihnen. WasFridays forFuturemacht,solltemittlerweilejedem klar sein.Seidihr zufrieden mitdem Medienecho? Tara: Zu Beginn definitiv! Wirwarenziemlich präsentinden Medien,allerdingsist dasdurch dieCovid-19-Kriseweniger geworden.Medienhaben aktuell auch wenigAlternativen.Wir haben zwar immer einpaarArtikel, aber wir hoffen darauf,dass, wenn wir wieder demonstrierengehen können, es noch mehr wird. Pablo: Wobeiman sagenmuss, dass in denzweiJahrendas Verständnis für dasThema sich eindeutigverbesserthat.Das InteresseanBerichten über denKlimaschutz iststark gewachsen, auch wenn manmomentan dasGefühlhat,dassdie Klimakrise wieder in eine Schubladegesteckt werden soll. Washat sich denn in denzweiJahren, eurerMeinung nach,getan? Tara: In Sachen „Demonstration“war dasGrößte, dass 20 000 Menschen im September2019inDüsseldorfmitgemacht haben.Außerdemist das Themainder Politikrichtig angekommen,fastjedeParteierwähnt das ThemainihremProgramm.Selbstwenndas Themanicht perfektbehandelt wird–eswirdwenigstensüberhauptbehandelt!Das istein großer Erfolg. Pablo: PolitikermachenvielmehrLippenbekenntnisseals zuvor.Obdas umgesetztwird, istein anderesThema.Aberman kann erkennen, dass 6 manche sich da reinknien.InDüsseldorfzum Beispiel wurdeder Klimanotstand ausgesprochen –dann war aber auch schnellEnde.Esgibtalso immer noch sehr viel zu tun, aber dass es angeschnittenwird, istschon malgut,auch wenn dieDringlichkeit noch nichtganzobenangekommen ist. Joan: Allerdingsist es sehr frustrierend,wennman guckt, wievielAufwandeineDemokostetund wievielAufwanddafür seitensder Politiker geschieht. Tara: Dafür nehmen aber PolitikerEinladungenvon Jugendlichen zu einer Podiumsdiskussionmit dieser Thematik wahr! Daswar vorher vielleicht aufdem Dorf denkbar, aber nichtinsoeiner großen Stadtwie Düsseldorf. Pablo: Außerdem will dieStadt nun60Millionen Euro fürden Klimaschutz ausgeben.Das wäre vorher undenkbar gewesen, wirdnun aber gesellschaftlich undpolitisch akzeptiert. DerBall wurdeins Rollen gebracht und istnicht mehr so einfachzustoppen. Fridaysfor Future istauchnicht mehr dieeinzige Bewegung… Tara:Genau!Esgibtauch Parentsfor Future,Students forFuture undsogarineinzelnen Berufsklassensolche Gruppierungenwie beispielsweise Architects forFuture.Wir kommunizierenabervieluntereinander.Erwachsene könnenauch allewählen gehenund sich noch malganzanders kümmernals wir.

INTERVIEW Dabei schlagen einigenLeutenumeuchherum dieDemos bestimmt aufs Gemüt. Fridaysfor Future musste auch viel mitKritikumgehen.Wie ist dasfür euch? Pablo: Wirkönnenuns glücklich schätzen,Teileiner sehr großen Bewegungzusein. Mankann sich immer sicher sein,dassman Unterstützung bekommt,auch vonder Wissenschaft. Es istbesonders fürDiskussionen wichtig, Fakten zu kennen. Ansonstenbraucht mankeindickesFell, würde ichsagen,weilwir groß genugsindund dieBevölkerung tendenziell eher Supportbietet. Leute, dieauf jungeKlimaaktivistenherumhacken, werden auch meistgar nichtsoernstgenommen. Tara: Mansieht mich häufiger in derPresseoderinYou- Tube-Videos. Dadurch kommeich natürlich auch an Leute durch,die nichtzuunserer direkten Gruppe gehören. Ab undzuwerde ichangesprochen, meistrecht neutral. DieKommentare dazu in densozialenNetzwerken guckeich mirgar nichtan, weil’smir egal istund zu viel Zeit kostet.WennmichLeute ansprechen,erkläre ichihnen,warum ichdas mache.Hackensie permanent weiter aufden gleichen Argumentenherum,sageich so etwaswie:„Ok,sorry,ich habe jetztaberanderes zu tun“ undinvestieremeine Energieinwas Produktives.Man darf dasnicht so persönlichnehmen. Im privatenUmfeld probiere ichdas Themasogut es geht herauszuhalten. Joan: Icherhalte privatnahezugar keineKritik. In densozialenMediendenken immer malwelche, wir seiendurchgeknallte,manipulierte Öko-Terroristen. Das darf mansicheinfachnicht durchlesen. Ofterhaltenwir Zuspruch. Istman im Alltag nichtgrundlegend traurig, wenn mansichimmer wieder mitProblemen derWeltbeschäftigt? Pablo: Vorallen Dingenbei Demosfühleich mich gut! Manhat richtigdas Gefühl, dass manwas bewirkenkann.AmAnfangwar ichpessimistisch, ob es überhauptwas bringt.AberPessimismus bringt da nichts,man sollte sich eher aufpositiveAspekte undVisionenkonzentrieren.Man kann sich denganzenTag verrücktmachen, wenn es in Deutschlandplötzlich so Wetterextremewie -14Gradgibt–oder es akzeptieren,Schlittenfahren unddanachzum nächsten Streik gehen. Joan: Hoffnungslosigkeitund Aufgeben kann mansichauch garnicht leisten. Ichkann dasThema nichtgut vonmeinemregulärenLeben trennen, aber ichschöpfe aus negativenNewsKraft undgenieße es einfach, wenn ichineiner Konferenzsitze unddarüber rede. Tara: Es gibtsogar denBegriff„ClimateAnxiety“, alsoAngst vorder Klimaveränderung.Wir haben aber immer PsychologenimHintergrund,die man ansprechen kann,wenneseinem wirklich schlechtgeht. Workshopsgibt es auch dazu.Und manstärkt sich gegenseitigimTeamdurch denregelmäßigenAustausch.EineguteIdee istimmer AngstinWut zu verwandeln unddas dann wiederum in Motivation,die du in dieBewegungstecken kannst. Würdet ihrsagen, dassdas Fehlen an Lehrveranstaltungeneuch Negativeseingebracht hatoderhabtihr nurdazugewonnen? Pablo: Jede Person,die beiFridays forFuture mitgewirkthat,würde sagen, dass siedazugewonnen hat–weil maneinfachDinge lernt, dieman in der Schule nichtlernenkann.Und dass wirjedeWoche fehlen, gehört auch eher derVergangenheit an.Manche fehlen dann malallezweiWochen, manche einmal im Monat. Tara: Wirhaben so vieleKontaktezuStudentengeknüpft! Wenn manmal Stoffnicht verstandenhat,kann manihn aufprivatemWege gutbeigebrachtbekommen,ohneGeld für Nachhilfeauszugeben. Joan: MeineNoten haben sich kaum verschlechtert,dafür hatsichmeine Persönlichkeit totalentwickelt. Mirist auch derKampfgeist, denich bekommen habe, viel wichtigerals einEinser-Abi. Tara: In erster LiniegehtesimTeamnatürlich immer um Fridays forFuture undPlanungen,aberdaman so viel Zeit zusammen verbringt, findet manauch vieleFreunde,die sich für dasgleiche interessieren. Niemand würdesovielinvestieren,wennersichnicht auch mitden Leuten wohlfühlt. Pablo: Unddas Gefühl, wasduerlebst,wennsoviele Leutezudem Streik kommen,den du mitorganisiert hast,ist unvergleichlich. Provokante Frage: Wierelevantist Fridaysfor Future in einerglobalen Pandemie? Joan: Leider nichtrelevantgenug. VielPotenzial istverschwendet worden,dasichfastalles nurum Corona drehte. Tara: Es hatabergezeigt, dass Politikerhandeln können,wennsie wollen. Auch wenn nichtalles glattgelaufenist, siehtman,dasswennPolitiker wollen, innerhalb wenigerTageradikaleMaßnahmengetroffen werden können. Wirhatten aber Zeit,ummal etwasdurchzuschnaufen unduns zu sammeln. Pablo: Somitgibtesauch keineAusreden mehr!Wir haben jetztgesehen,was geht. Es konnte zwar dieAbwrackprämie verhindert werden,aberwir wissen nun, wieman richtig Fahrtaufnehmenkann.Die Rollevon Wissen ist in derCorona-Pandemiesowichtig geworden – vielleicht schätzt mansie dann auch hinsichtlich desKlimaschutzes mehr,weilesgenug Beweisefür dieProblemegibt. SogarVerbesserungsvorschläge. Es mussnur gehandelt werden. Tara: DieWissenschaftsagt, dass Pandemien durch denKlimawandel auch häufigerwerden.Vielleichtkann mandie Leutedamitemotional kriegen, weil sienun sehen, wieschlechtessichanfühlt. Joan: Wenn allessoweitergeht, wäre das, wasgeradepassiert, keineAusnahmemehr, sondern einDauerzustand. Gebt gernein paar praktische Tipps, wiejeder fürsichetwas besser machen kann. Pablo: Wichtigist,dasswir niemandemsagen,was er tunoderlassensollte.Jeder kann zwar Kleinigkeitentun,aberesgehtnicht um einzelne Personen, sondernums großeGanze.Umtrotzdemetwas zu nennen –man kann wenigerodergar kein Fleischessen,dadie industrielle Massentierhaltungeinen Großteil derCO2-Emissionen ausmacht. Joan: Oder mehr Radfahren! Das stärkt dieGesundheit. Fridays forFuture bietet aber keine Lösungen.Die Lösungen werden vonden Wissenschaftlern schon aufgezeigt. Uns geht es darumzusagen „Macht auch mal!“. Tara: Wirprobieren gerade Möglichkeiten zu schaffen,dassauch dieLeute,denen es durch Corona zu risikoreichist,irgendwieander Demo im Märzteilnehmenkönnen. Das istimmer einwichtiger Teil zumBeitragen. Undman kann privatauf Ökostrom umsteigen,der nichtmehrkostetals derStorm derStadtwerke. Manmusssichnur einmal reinfuchsen. Ansonsten: mehr denÖPNVnutzen–vielleicht auch malfür denUrlaub, Petitionen unterschreiben undinder Schule oder am ArbeitsplatzVorschläge machen, dieinProjektwochen umgesetztwerdenkönnen. Pablo: Am Ende entscheidetesder Geldbeutel,was möglich ist. Wasaber jederkann,ist einfachüberdie Klimakrisezureden. 7

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