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März 2020 - coolibri Essen

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INTERVIEW D O R T M U N

INTERVIEW D O R T M U N D „Ich weiß, woher meine Inspiration kommt.“ 16 Jahresindseitdem Sieg vonMax Mutzkebei Stefan RaabsGrand-Prix-Castingshow„SSDSGPS“vergangen. Der Schwarzwälder Soulsänger warinzwischen aufTour,hat 2019 bei„TheMaskedSinger“eine weitere Castingshowgewonnen undsieben Albenveröffentlicht. Im Gespräch mitNadine Sole erzählt Mutzke vonseinenEinflüssen, Outdoor-Hobbysund erklärt, wiesoerselbst garkein Fernsehen guckt. Siewaren in vielen ShowszuGast. WasguckenSie selbst im Fernsehen? Garnichts. In unseremHaushaben wir noch nichtmal Fernsehen. Ichguckesuper gern aus demFenster.Unser Haus istimSchwarzwald, wir gucken in einTal runter,auf einenBachund aufKuhweiden.Wennman sich dieser Scheibeabwendet, um in eine virtuelleScheibe reinzuglotzen, dann finde ichdas traurig. Mitden Kindern guckeich aber schon maleine Serieabends.OderFreitagabendist Filmabend. Da liegenwir allezusammenauf demSofa. Fernsehenist viel mehr so,wie manesals Kindinden Siebzigerjahrenmitgenommen hat. Dieganze Familiesitzt drum herum wiebeimLagerfeuer. DerSchwarzwaldist nichtals Hochburg desSoulbekannt. Wiekamen Sie vomBlackForestzur Black Music? Mein Vaterist Arzt undhat in einemÖrtchen mit200 Einwohnern ein Pfarrhaus gekauft,sechs Kinderindie Welt gesetztund dasHausmit Lebengefüllt.MeinVater hatimmer Jazz undBlackMusic gehört undeineeigene Band gegründet, er istSchlagzeuger. Meine Mutter war Schauspielerin. Diebeiden haben aus demPfarrhaus eine VillaKunterbunt gemacht.Das hatsichrumgesprochen.Umden Schwarzwaldherum sindZürich, BaseloderFreiburg. Alles Städte,indenen Jazz undSoulstattfand.MeinVater istdort immer hingefahren undwir Kindernsindmit.Deshalb habenwir nurdiese Musikgehört. Kein Radio, nurSchallplattenoderKassetten,späterCDs.Aberdie gingenimmer in dieBlack-Music-Richtung: Jazz,Soul, Funk. Mitder Musik, dieimRadio lief,RockoderPop,hattenwir wenigzutun.Ich galt in der Klasse immer als jemand,der vonMusik keineAhnunghat. IhreLebensgefährtin istaus Eritrea, Siehaben vier Kinder zusammen. WelcheErfahrungen machenSie mitRassismusoderIntoleranz? Das istnatürlichThema,geradedurch dieKinder, die, sage ichmal,bunt sind.Konfrontiertwirdman im Schwarzwaldimmer malwieder. Es kann sein,dassdumit deräthiopischenFamilieinein Wirtshaus gehstund dort fragen sie„SprechenSie Deutsch?“. Dann sagt derjenige, dass er hier aufgewachsenist undder Wirt gucktmichanund sagt:„Oh,erspricht Deutsch.“Das istfür mich Rassismus in demSinne,dassderjenige es nichtbösemeint.Diejenigenkommennie in Berührungmit Menschen zumBeispiel aus Afrika.Böser Rassismus istauch schon ein, zwei Mal vorgekommen.Unter Schulkindern,die dasböseN-Wort gesagt haben.Ich habeneulich miteinem Afrikanergesprochen, derein Kindmit einerDeutschenhat.Dann habeich gesagt,‚ah,duhastauch einMischlingskind‘.Er 4 „Ich galt in der Klasse immerals jemand, der von Musik keine Ahnung hat.“ sagte, dasdarfman nichtmehrsagen.Das heißtjetzt POC,PersonofColour. Mantritt voneinem Minenfeldins andere.Geradejetzt isteswichtig, dass manauf dieSprache achtet.Abersie ändert sich dieganze Zeit. Trotzdem begegnet mandem Fremdenhassweniger,wennman hier lebt. Wirsindnicht fremd. Wenn wir in dieStadt gehen, hörtman keinen blöden Spruch,weilman sich kennt. Siehaben in einemInterview gesagt,dassweiße Künstler in derVergangenheitimmer wieder dieKulturschwarzer Künstlerangenommen haben. WiebeurteilenSie das?Und trifft das auch aufSie zu? Ja natürlich.Wir haben aufdem Album„Colors“ aus Hip-HopSoulgemacht, beides geprägt vonafroamerikanischen Musikern.Von Stevie Wonder, JamesBrown, Al Green, Marvin Gaye.Die haben dieMusik so fett undgeil gemacht,dasswir sieabfeiern. Natürlich haben wir oftdarübergesprochen,dassman aufpassenmussund mithöchstemRespekt daranarbeitet. Ichglaube, Little Richardwar es,der denRock’n’Roll eigentlich erfundenhat,vor Elvis Presley. Derhat halt nichtins Establishmentgepasst. Überall,woesums Geld verdienenging, hatman Menschen mitdunkler Hautfarbeausgeschlossen.Erstspätim20. Jahrhundert istman darauf gekommen,dassman schwarze Musikerauch beteiligen muss.Natürlich mussman totalaufpassen, aber ichseheesals Hommage. Ichweiß, wohermeine Inspiration kommt.Deshalb halteich aufder Bühneimmer nach oben,dassdas Bunteuns reichmacht. Siewerdenals einerder besten Sänger Deutschlands gehandelt.Nervt es Sie, immerauf denGrand Prix angesprochenzuwerden? Wenn ichdas Themanicht selber aufmache,sprechen dieLeute es nicht mehr an.Das hatabersehrlange gedauert. Ichbin auch dankbar,dassich immer zu denganzenTalkshows eingeladen werdeund neulich noch mal beiSchlagden Star,das findich natürlich totalgeil. Ichspreche garnicht ungern über denGrand Prix,weilerdas Sprungbrettwar für das, wasich mache.Aberich habemeinganzesLeben Musikgemacht.Ich habevon 16 bis18zweiJahre Schlagzeug studiert mitHauptschulabschluss underst danachgedacht,ich mussdas Abitur machen.Dann binich wieder aufdie Schule zurück.AberMusik war immer derLeitfaden.Alleanderen Outdoor-Hobbyshatte ichnebenher. Musik war immer am Start. Dasfinde ich wichtig, zu erzählen. WennSie nichtauf derBühnestehen, restaurieren SieOldtimer, wiekamenSie dazu?

INTERVIEW „Wenn Sie schreiben, Max Mutzkefeiert 2020 Hochzeit, ist es richtig.“ Ma xMutzke Foto: Dirk Messnerl Wirhaben schon mitelf angefangen,mit einemUnimog-Truck Trails zu fahren. Mit13dann Motorrad.Wir warenklettern, haben Gleitschirmfliegen gemacht,warenganzvielimWald. Alles, wasder Schwarzwaldsohergibt, haben wir geliebt. Dasmit denFahrzeugenhat damitzutun,dassich mit elfmit meinem OpaimWaldwar undseinenUnimog in mein Herzgeschlossenhabe, wieeinen Wegbegleiter.Abereigentlich wareseherein Wegbereiter, weil mandamitneben denWegendurch diekleinsten Flüsschen durch kam. Daswar als Kindder Wahnsinn,sichsoauslebenzudürfen. Wenn an demWagen etwasabgebrochen ist, wusste man, mankann erst weiterfahren,wennich es repariere. Dann habeich es immer versuchtund im Dorf hatteman immer jemanden,der einemunter dieArme greift.Dann lerntman solche Dinge.Das istwie einHauszurenovieren. Da fängtman an miteinem Freund,der daskann.Sohaben wir unsdiese KompetenzenStückfür Stückselberangeeignetmit Unterstützungvon älterenLeuten. Deswegenist dasjaauch so schön,weilesein enorm schöner Ausgleichist. Ichhabegelesen,dassirgendwann eine großeFamilienweltreiseansteht. Wann geht es los? Wir haben jetzt drei Jahre pausiert.Wir haben 2014 einenLKW gekauft unddie ersten Jahre wieverrücktdrangearbeitet. Jetzthat er dreiJahre gestanden. Wir haben im Dezember TÜVgemacht undimFrühjahrwollen wirHochzeitmachen. Nichtfalsch verstehen: So nenntman denMoment, in demman denKoffer,das istder Wohnbereich,mit demLKW vereint. Wenn Sieschreiben,Max Mutzke feiert 2020 Hochzeit,ist es richtig. Das wollen wir im Frühjahr machen. Unddann kann es losgehen. MaxMutzke&WDR Funkhausorchester: 7.3.,Tonhalle, Düsseldorf; 14.3., KonzerthausDortmund Veranstalter: Theater Fletch Bizzel ·Humboldtstr.45 44137 Dortmund ·Tel. 0231 -142525·www.fletch-bizzel.de 5

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