Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
Aufrufe
vor 1 Jahr

März 2020 - coolibri Düsseldorf, Wuppertal

  • Text
  • Musik
  • Sucht
  • Oper
  • Jazz
  • Zeitangabe
  • Wuppertal
  • Oberhausen
  • Musical
  • Dortmund
  • Bochum

KUNST K U N S T P A L A

KUNST K U N S T P A L A S T Im September 2019 starb Peter Lindbergh,der seit den 1980er-Jahrenzuden bekanntesten undeinflussreichsten Modefotografengezählt hat. 140 seiner Arbeiten sind bisJuni im Kunstpalast Düsseldorf zu sehen. DieAusstellung hat PeterLindbergh noch selbst geplant. Peter Lindbergh (1944-2919) Fotos (2): (1): ©Stefan Rappo; (2): ©Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris) Immersives Foto-Essay Ende August letztenJahreskam dielangerhoffte SMSvon PeterLindbergh.Die Ausstellungsei fertig. An diesen Moment erinnertsichReferentinFelicityKorn, diezusammenmit Kunstpalast-Direktor,Felix Krämer,die Ausstellungorganisiert hat. DieFreude war groß,dennzweiJahre derintensivenZusammenarbeitfandeninder finalen Zusammenstellungvon 140ArbeitenihrenerstenHöhepunkt. DerSchockmussumso größergewesensein, als kurzeZeitdaraufdie Nachrichtvon LindberghsTod kam. „Peter Lindbergh–UntoldStories“bleibtdaher dieerste undeinzige Ausstellung, dieder Fotograf selbst geplanthat.Die Idee dazu seiangetriebengewesen vonder Frage, wieein vielschaffenderFotografauf sein eigenes Werk zurückblickt. „WelcheBildersindfür ihn persönlich diewichtigsten“, so Felix Krämer.Für diese Peter Lindbergh: Sasha Pivovarova, Steffy Argelich, Kirsten Owen &Guinevere van Seenus, Brooklyn, 2015 34 Artder Auseinandersetzungwurde PeterLindberghfreie Hand gegeben, lediglich dieAnzahl derArbeitenwurde begrenzt. Es musseine Mammutaufgabefür ihngewesensein, deraus abertausendenFotos derletzten 40 Jahrewählenmusste. In demKatalog zurAusstellungerzähltLindbergh zu diesem Prozess,dassdie Auswahl einKampf um Lebenund Todgewesen sei. DieBedeutung wirdmit dieser Aussage deutlich:„Als ichmeine Fotosdas ersteMal an derWandimAusstellungsmodell sah, habe ich mich erschrocken, aber auch aufpositiveWeise. Es war überwältigend,auf dieseArt vorAugen geführt zu bekommen,wer ichbin.“ In diesevisuelleAutobiografietauchen Besucher ein, wenn siedie Installation„Manifest“ betreten,die eigens für dieAusstellungentwickelt wurde. Aufdie monumentalen Fototapeten, dessenArrangement Lindberghs Idee vonModefotografie darstellen,folgt derebensoimposante Hauptteilder Präsentation.Hierfür hateressenzielle WerkeseineslangjährigenOeuvres arrangiertund diegroßzügige Architekturder Räume mitachtMeter hohen Wänden voll ausgenutzt. Viele seiner ikonischen Fotografienmit denSupermodelsder 1990er-Jahre fehlen,dafür tauchen nebenzahlreichenintimen PorträtsLandschaften auf, vieleStraßenszenen oder Stilleben,eines davonfarbig,ein Delfin, nackte Körper, grob statt glatt, einerStatuegleichfestgehalten.Referenzenzur Fotografie derNeuen Sachlichkeit wieAnspielungenanden Film öffnensichwie an dasIndustrielle, diemöglicherweiseauf seineKindheitinDuisburg verweisen. ImmerwiedersindFrauenmit Schutzhelm zu erkennen. Lindberghs Bilder wecken Assoziationen Lindberghs oftgelobte Leistung wares, dieModefotografie durch einnarratives Moment erweitertzuhaben,indem er Situationenschuf,in denendie Fotografierten agierenkonnten.Seine Bilder erzählen keine GeschichtenimklassischenSinne, sondernweckenAssoziationen. Mitseinempersönlichen,unkommentierten Foto-Essay scheinterebeneinesolche Situation geschaffen zu haben,obmit denFototapeten, denGruppierungen sowie mitder abschließendenFilminstallation„Testament“ von2013. Der Film zeigteinestummeAuseinandersetzung mitLindberghsKameraund ElmerCarroll, einemverurteiltenMörder. DieBesucher wandeln frei zwischen diesen Arbeitenund schaffen eigene Erzählungen über Lindberghund sich selbst –ebensolche „UntoldStories“. Stefanie Roenneke PeterLindbergh–Untold Stories: bis1.6.2020, Kunstpalast, Düsseldorf;kunstpalast.de

KUNST O B E R H A U S E N The Beatles, bei den Aufnahmen zu Abbey Road, London 1968 Ein Leben in Bildern DieLudwiggalerie SchlossOberhausen zolltder Fotografin LindaMcCartneybis Maimit einerAusstellung Tribut.Linda McCartney(1941-1998), geb. Eastman, wardie Frau vonPaul, demBeatle. Yoko Ono wardie Frau vonJohn, einemanderen Beatle.Für vielereichtdas.Beide sindjedoch mehr alsdas:eigenständige Persönlichkeiten mitvielschichtigen Karrierenals Künstlerinnen und Aktivistinnen. Beidebetratenihr Feld in denSechzigerjahren: Yoko Onoals Konzeptkünstlerin undLinda Eastmanals Fotografin.Die Legendebesagt, dass es im Juni 1966 eine zufällige Gelegenheitgewesen sein soll,ihr fiel als Empfangsdame beider Zeitung„Town andCountry“einePresseeinladung in dieHände,wodurch Eastmandie Chancehatte,die RollingStonesbei einerPressekonferenzzum Album „Aftermath“ aufeiner Yachtzufotografieren. Ihr Fotosgefielenund wurden gedruckt. DieTür zur Musikszene zwischenNew York, Kalifornienund London war geöffnet undsie betrat den Raum.Sie porträtierte dieGrößenihrer Zeit auseiner Position derNähe unddes Vertrauens:Jimi Hendrix, Janis Joplin,Jim Morrison,Aretha Franklin oder Simon &Garfunkel. 1967 wurdesie zurweiblichenUS-Fotografin desJahresernanntund ihr Porträtvon demdamals noch zotteligen Eric Claptonschafftees1968auf dasCover des„RollingStone“. Sie war dieerste Fotografin,der diese Ehre zuteil wurde.Die Ausstellung zeigtmit denFotos ausden ‚Sixties‘ somitintimeMomente dieser intensivenmusikalischen Ära. Ihre Fotografienaus dieser Zeit werden in der Ausstellung mitder Präsentation von Roadworks: My Love, London 1978 prägendenPlattencovernund einem Soundwalk ergänzt. 1967 traf Linda dann Paul,aus Eastmanwurde McCartneyund dieSechzigerwährtennicht ewig.Ihre Kamera fokussierteneue Motive:Familie, Kinder, Alltagsszenen, Zufallsbegegnungen, einLeben zwischen Tourneen mitden Wings undruhigereTageauf demLandinSussexund Schottland.Poesieder (Augen-)Blicke. NebendiesenEindrückenzeigtdie Ausstellungihre experimentellen Arbeiten. Inspiriertdurch dieAuseinandersetzungmit bildenderKunst sowie derGeschichteder Fotografie experimentiertesie mitTechniken aus den Anfangsjahren desMediums. Ihre „Sunprints“entstanden–durch TageslichtbelichteteBilder, dievom Stillleben biszum Porträt reichen. sr Linda McCartney– TheSixties andmore: bis3.5., Ludwiggalerie Schloss Oberhausen;ludwiggalerie.de Fotos [2]: ©Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann M Ü L H E I M Halle-Neustadt, ehemaliges Lehrlingswohnheim, mehrteilige Wandgestaltung von Josep Renau „Die Einheit der Arbeiterklasse“, 1968-1974. Schutzwürdige Kunst DasMuseumTemporärinMülheimzeigt ab dem20. März Fotografienvon Martin Maleschkaund widmet sich damitbaubezogenerKunst in derDDR. Stefanie Roenneke sprachvorab mitder Kuratorin SimoneScholten. SeieseinePlastikander Außenwand, einReliefband oder eine aufwendig konstruierte Glaswandgestaltung in einerSchuleingangshalle: baubezogene Kunstist in Mülheim wieinganzDeutschland präsent. Das Museum Temporär in Mülheimhilft sievor Ortzuentdecken –mit Ausstellungen oder StadtKunstTouren. Dieser Fokusist bedingtdurch dieSanierungdes Stammhauses desKunstmuseums,wodurch dieSammlung2018eingelagert werden musste. Mitder kommendenAusstellung wirdvon März bisMai derBlick aufein kulturelles Erbegeweitet,das im Westen bisher kaum rezipiert wurde: baubezogeneKunst in derDDR.Dazu zeigtdas MuseumTemporär Fotografien desCottbuser ArchitektenMartinMaleschka,der 1982 in Eisenhüttenstadt geborenwurde undseitüber15JahrenKunstwerkeanDDR-Bautenfesthält: „Das BesondereandiesemProjekt ist, dass Martin Maleschka einPionier aufdem Gebiet ist“,betontdie Kuratorin SimoneScholten undergänzt:„Er kommt aus Eisenhüttenstadt undist mitKunst am Bau aufgewachsen.Als Vertreter einerjüngerenGenerationhat er einenpolitischunverblendeten Blick.Ernimmtdiese Werkeals Kunstwerke wahr, als einenwichtigen Aspekt derArchitektur,und erklärt siefür schutzwürdig.“Dennvielesverschwindet: zahlreiche Gebäudemit KunstamBau zerbröseln,werdenabgerissenoderöffentlicheWerke werden ausdem Stadtbildentfernt.FragenzuDenkmalschutz undInstandhaltungstellen sich nichtnur im Zusammenhang mitbaubezogener Kunstinder DDR.Im Westen sind ebenfalls vieleArbeitenineinem relativ schlechten Zustand, da denKommunenoftmals dasGeld zurBetreuung fehlte. „Aberesist ein neuerTrend zu entdecken.Das Interesseandiesen Kunstwerken keimt wieder auf“, sagt SimoneScholten. „EsgibtinvielenStädten Programme, diesichmit KunstamBau auseinandersetzenund dasöffentlicheInteressesteigtebenfalls.“ Es gibtvielseitige,überraschende Werkezuentdecken: in Mülheim, im Ruhrgebiet oder aufden Fotografienvon Martin Maleschka. Dabeiwerden nebenUnterschieden auch GemeinsamkeiteninBRD undDDR deutlich, wieSimoneScholteninder Vorbereitung derAusstellungfeststellte:„Es ist natürlich richtig, dass dieKunst deutlich politischer motiviertwar als im Westen,aberesgibteinen breitenZweig vonArbeiten, diegesellschaftlicheStimmungeneinfangen, dieFamilienszenen zeigen oder Szenen aus demArbeitsleben. Im Westen gibt es viel Vergleichbares.“ Martin Maleschka. BaubezogeneKunst in derDDR 1950-1990. Kunstim öffentlichen Raum.Dokumentarfotografie, 20.3.-17.5.,MuseumTemporär,Mülheim; kunstmuseum-mülheim.de 35 Foto: ©Martin Maleschka

coolibri Magazine 2020/21

coolibri Magazine 2019

coolibri Magazine 2018

coolibri Magazine 2017