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März 2020 - coolibri Düsseldorf, Wuppertal

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THEATER „Melancholie

THEATER „Melancholie ist mein Steckenpferd“ JanAmmann (44) ist einerder Großen in derMusicalbranche. Viele habenihn alsGrafvon Krolockin„Tanz derVampire“ins Herz geschlossen,Personenkultist ihm nichtfremd. Im März siehtman ihnin„This is the greatest Show“.ImInterviewmit Sandra Heick spricht der in Billerbeck geboreneSänger vonden Schattenseitenseines Berufs. Jan Ammann (links) mit Mark Seibert Foto: Dita Vollmond Vieleträumen davon, aufder Bühne, im Rampenlichtzustehen. Aber ist dein Lebentraumhaft,Jan? Ichliebe meinen Beruf, weil er fürmichein Ventil ist, weil ichimkreativen Prozess Wahrhaftigkeitfinde undweilich mich immer weiter entwickeln kann.Das istmir sehr wichtig. Aber ichbin ja jetztmittlerweilealt –und finde dieArbeitzunehmend zermürbend, anstrengendund bisweilengar unangenehm.Musicaldarsteller isteiner derhärtesten Berufe,die man wählen kann.Jedem,der sich in dieseRichtungentwickelnwill,kann ich nurden Zeigefingervor dieNasehaltenund sagen: „Passauf,was du da tust!“Esist schwer,ein normales Lebenzuführen. Du bist wiedas Zirkuskind, immer aufder Reise. Ichhabeüber JahrehinweginHotelsgelebt. Manwacht ständigineinem anderenBettauf… …und fälltauch schonmal raus.Glaub mir:Das istnicht schön. Es istschmerzhaft.Duhasthaltauch keinZuhause –keinenOrt,anden du gebunden bist.Und dasbringt eine gewisse sozialeInkompetenz mitsich. Es istwahrscheinlich schwer,Freundschaften zu pflegen. Jedererfolgreiche Musicaldarsteller hat–wennerGlückhat –ein,zwei Freunde;und diehaben meistnichtsmit demBusiness zu tun. Es gibt Kollegen, mitdenen mansichwirklichgut versteht,mit denenkannman offen redenund es wirdnicht weitergetragen –abersowas findest du kaum.Alles,was du sagst, wird fürgewöhnlich weitergetratscht:Meist in derMaske,amDreh- undAngelpunktder Gerüchte. UndsowerdenExistenzen zerstört! Wenn auch nichtimmer beabsichtigt.Esist viel Egoismus im Spiel. Undesgibtviele Profilneurotiker, diesicheinfachnur toll findenund sich präsentieren wollen.Narzissmus wirdimMusicalbereich ganz groß geschrieben –aberdas istüberhauptnicht meins. Wenn ich mich betrachte, sucheich dieWahrheit in mir –und dastut sehr oftweh. 32 „Narzissmus wird im Musicalbereich ganz groß geschrieben – aber dasist überhaupt nicht meins.“ Wasfindest du beider Suche? Du wendestdichnachinnen,umdie Emotionen, diedeine Figur aufder Bühnebewegen, aus dirherauszuholen.Wennduehrlich zu dir selbst bist,gehst du denWeg durch dieMitte –und derist manchmal extrem anstrengend. Du gibst ja auch extrem viel vondir preis, wenn du so emotionalwie ichandeine Rollen herangehst. Du hast malgesagt, dassduein sehr,sehrgroßesKindbist… Ichbin vonNaturaus naiv.Das istein großer Segen–aber auch dergrößte Fluch.Sie hilft mir nichtimLeben –abersie hilft mir aufder Bühne. Dort habeich einUrvertrauen,das ichnach demGangvon derBühne nichtmehrhabe. DeineRollentragenfür gewöhnlicheinegewisse Melancholie in sich. Melancholieist mein Steckenpferd –und einfesterBestandteilmeinesSeins.Ich binmanchmal sehr lustig, aber meisthabeich eine ernste Grundstimmung. Jedernimmt in seinem Lebendie eine oder andere Hürdeund fälltbeizeiten hin.Ich habeschon so oftamBoden gelegenund binder Meinung, dass manauch zweifeln könnenmuss. Komischerweiseist Melancholie etwas, dasdann erleichterndist.Sie istfür mich einMotor,der mithilft, mich mitder Gegenwart undder Vergangenheitauseinandersetzen zu können–weil Melancholie immer etwasEhrliches ist. Auch dieKunst hilftbeimVerarbeiten vonNegativem,oder? Wenn du dieEmotionseskapaden einerFigur durchlebst, hilftesdir aufjedenFall, deineeignenErlebnisse besser zu verarbeiten. MeinPrivatleben warlange Zeit nichtgut bestellt, ichhabemichinmeinemBeruf verloren, vieles angezogen,was mir nichtgut getanhat undmichselbstverarscht. Aber jede Lüge kommtans Licht. Ichkönnte mich jetzt verkriechen,doch

THEATER dann würde derSturm,der mir insGesicht bläst, niemals vorübergehen. Alsostelleich mich derVergangenheit undversuche, alles wieder in den Griffzukriegen. D U I S B U R G 2020 kommst du mit„This is thegreatestShow“ insRuhrgebiet.Wennihr vorsoeiner Tour an derSetlistarbeitet, sind da bestimmt Songs, diejeder singenwill. Gibt’s Gerangel? Ne,Gerangelgibt’snicht. Wir sind fair underwachsen genug, um das stressfrei über dieBühne gehenzulassen. DerVeranstalterweißgenau, wasdie Zuschauerhörenund dieKünstlersingenwollen–unddenkt viel für unsmit.Und manchmal singtman einenSongauch einfachzusammen. Da muss ichsofortanden MitternachtsballinEssen denken,als „Die unstillbareGier“ gleich vonvierVampirgrafen gesungen wurde. Wobeisoetwas für denKünstlernicht immerleichtist,weilduden Song zerfaserst.Das,was du persönlichtransportierenmöchtest, geht durch dieVielfältigkeitder Akteureein bisschen verloren.Dusingsteinen Abschnitt,dann singtder Nächste –abereigentlich willstduden Song zu Ende singen.ImEndeffektist es eintollerEffekt, darummachstdu’s. Fürs Publikum.Daschwingtjaauch immer so eingewisserPersonenkultmit… DerKultumden Grafen und seineDarstellerist bestimmt anstrengend. Er isteinfachnur nervig!Daleidet dasStückdrunter –das ichliebe und demich wahnsinnigvielzuverdanken habe. Du hast anfangsgesagt, dass du „mittlerweile alt“ bist.Soalt,dassdu deineTraumrolle, InspektorJavertin„LesMisérables“, spielen kannst? Ichweiß, dass ichdiese Rolleirgendwann spielen werde. Mich reiztdavor allem dermoralischeAspekt–undich könnte malwiederauf derBühne sterben! Aber es brauchtnochZeit. Je älterman wird, destomehrErfahrungen hatman gesammelt–und diesindwichtig für eine Rollewie Javert.Wennduälter wirst,durchdringstdudie Welt ja ganz anders.Duerkennstzum Beispiel irgendwann,warum dasalteLiedder Liebenie verklingt. In jungen Jahrengehen einemall dieLiebesliederumeinen herum schon malauf dieNerven, aber später erkennt manimmer stärker,dass dieEssenzder Liebeunglaublichwertvollist –und darumsovielbesungenwird. Und es gibtsicherauchviele Rollen,die dich so garnicht reizen. Das sind alles Rollen,denen Tiefeund Moralfehlt. Diekönnte ichnicht Tag für Tagspielen.Als Musicaldarsteller bist du einsam inmitten vonvielen, denn auch wenn alleumdichherum lieb undnettsind–es istvieles oberflächlich.Duschützst dein Privatleben,damitamEnde nichtjeder allesüberdichweiß. Je größer deineRolle unddeinNamesind, destogrößerist dasFadenkreuz aufdeinemRücken. Und glaub’smir:sie schießen. This Is TheGreatestShow: 12.+13.3., CapitolTheater,Düsseldorf Foto: Karim Khawatmi Juan Aranda: Paris Kultur, die glücklich macht Die41. Ausgabedes Duisburger FestivalsAkzenteist voneinem dergroßen, zeitlosenThemenbeherrscht: „Glück“. Das Herzdes Akzente-Festivals mitseinenrundhundert Veranstaltungen an Hochkultur-und Off-OrteninDuisburg isttraditionelldas Theatertreffen.DiesesJahr sind zwei besondersstarkeProduktionendabei:Das Berliner Ensemble reistmit Oliver Reeses Inszenierung vonBenjamin von Stuckrad-Barresautobiographischem Roman„Panikherz“an. DerAutor erzählt darin vonseinemLebensweg,bei demAufstiegund Absturznah beieinander lagen. DieAdaption,die am 14.3.imTheater Duisburg zu sehen ist. Am 21.3.ist am selben Ortdas Staatsschauspiel Dresden mitFriederike Hellers Inszenierung vonShakespeares„EinSommernachtstraum“zu Gast,die mitMusical-Elementenund Hollywood-Anspielungenzueinem Glücksrausch gerät. Im Literaturprogramm wartetunter anderemWladimir Kaminer.Der hat, quasipassend zumMotto,ein Buch geschrieben,das „Liebeserklärungen“ heißtund auch solche bietet: an dieFreude,die Leidenschaft unddas Leben. Er erzähltAnekdoten vonglamourösenGalas biszuprivatenFamilienereignissen–undweilergernimprovisiert,fallen ihm am 25.3. ebenfalls in derZentralbibliothekvielleichtsogar spontanneueein. VonMusikbis Clownerie Natürlich gehört zumAkzente-Programm auch Musikund Kunst, Puppenspiel,Kabarettsowie Clowneriegilteszuentdecken.ImMusik-Programm wird etwa dieWDR BigBandam25.3. in derMercatorhalleunter derLeitung desBassisten John Claytonvon dersüdafrikanischen Jazz-Sängerin Tutu Puoane aufgemischt. EinOrt für diefreiere,etwas abseitigere Theaterkunst istdie Kulturkirche Liebfrauen.Hierzeigen am 7.3. dieKanadiervon LesFoutoukours das Stück„Kombini“ über denAlltagzweierClowns, dienatürlich–ganz nebenbei –auch Clownfähigkeitenwie Jonglagebeherrschen.EineWoche später,am14.3.,ist dort derspanische Puppenspieler Javier Aranda zu Gast,der dasAkzente-Publikum schon 2019 beglückte. In seinem Stück „Parias“beschäftigen sich vier Handpuppen mitphilosophischen Fragen. Mitins Kunstprogramm hatesdie Skulpturenausstellung „Biester der Zeit“mit Werken vonLynn Chadwick im Lehmbruck Museum geschafft. Am 20.3., zum InternationalenTag desGlücks, bietet dasHaus allerdings auch extraauf dasAkzente-Thema zugeschnittene Veranstaltungenan. MaxFlorian Kühlem Akzente: 7.-29.3. verschiedene Orte,Duisburg;duisburger-akzente.de 33 Foto: Cie. Javier Aranda

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