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März 2016 - coolibri Ruhrgebiet

S Z E N E B O C H U M E

S Z E N E B O C H U M E S S E N coolibri präsentiert E S S E N Johan Simons übernimmt Foto: Stadt Bochum Ute Lemper Foto Lucas Allen Der Steuermann „Das Gebäude sieht aus wie ein Schiff. Das gehe ich jetzt mal fahren“, erklärt Johan Simons bei seiner Vorstellung als kommender Intendant des Bochumer Schauspielhauses. Ab der Spielzeit 2018/19 übernimmt der Niederländer das Kommando auf der Brücke. Kurz zuvor hatte das Hausensemble noch öffentlich moniert, dass die zähe, von fragwürdigen Vorschlägen und vermeintlichen Absagen begleitete, Findungsphase sich zu sehr in die Länge ziehe. Insbesondere Kulturdezernent Michael Townsend stand in der Kritik. Mit der Verpflichtung von Simons, der noch bis Ende 2017 die Leitung der Ruhrtriennale innehat und zuvor an den Münchener Kammerspielen wirkte, ist Bochum ein Befreiungsschlag gelungen. In der Szene wird der Strickjackenfreund als fachliche Kompetenz geschätzt und weiß in der Öffentlichkeit mit seiner bodenständigen Art Sympathien zu gewinnen. Dafür sorgt mitunter ungewollt der niederländische Akzent. Während seiner Verkündung sagte Simons den schönen Satz: „In meiner Vorstellung ist das Schauspielhaus Bochum ein Theater ohne Grenzen. Ein Theater für (...) Christen, Muslime und Unglaubliche...“ Die Stärkung der „Europäischen Idee“ hat er auf die Agenda gesetzt. Mit Blick auf die aktuelle politische Entwicklung muss man sich allerdings fragen, was wohl in zwei Jahren von der „Europäischen Idee“ noch übrig ist. mbl Matze Knop in seinem Element Alles Matze Man kennt ihn als Parodist von Franz Beckenbauer oder Jürgen Klopp. Der italienische Fußballer Luca Toni sagte über ihn „Ich lache mich schlapp darüber, wie er mich imitiert.“ Aber Matze Knop ist nicht nur ein Nachahmer erster Güter, der auch vor Bohlen und Gottschalk nicht zurückschreckt. Auch den Stehaufkomik-Sektor beherrscht er souverän. Dort widmet er sich vornehmlich markanten Männermodellen, etwa in seinen Programmen „Operation Testosteron“ oder „Platzhirsche“. In seinem neuen Werk „Diagnose Dicke Hose“ hat er es auf jene sonnenbebrillten und hohlhirnigen Neureichen abgesehen, die derzeit im Doku-TV Zigarre rauchend und auf Yachten liegend ihre Geldbündel zählen und den King of Currywurst raushängen lassen. Seine Botschaft lautet ungeniert: „Warum klotzen, wenn man protzen kann?“ Der wandelbare Komiker, der als Kind schon als Berufswunsch „Rudi Carrell“ angab, wahrt auch auf der Bühne nicht immer sein Gesicht und schlüpft munter in die Rolle von Therapeut und Patient, von Kloppo und Kult-Kaiser. Egal, welche Maske sich der in den 90ern als Radiofigur „Richie“ bekannt gewordene Bielefelder auch auflegt, seine Sprüche haben das Potential, bald schon auf Frühstücksbrettchen und Schlüsselanhängern zu prangen. S.B. Foto: Stephan Pick Frauensache „Unbeschreiblich weiblich“ lautet das Motto der ersten TUP-Festtage namens „Kunst hoch fünf“, die vom 14. bis zum 20. März in Essen stattfinden. Und wie das Motto verrät, soll hier sichtbar gemacht werden, was es sonst wohl noch zu suchen gibt. Denn eine Leitfrage zu den Festtagen lautet: „Wo sind sie, die Frauen?“. Unweit von #ausnahmslos und Frauenquote – ob nun Hashtag oder politische Agenda – wird der Theaterraum zum Soziotop. Mit einem Mix aus Hoch- und Popkultur soll das Wirken von Frauen in vielen Facetten beleuchtet werden. Es sollen weibliche Positionen unterschiedlicher Zeiten sichtbar gemacht und durch das Zusammenspiel der fünf Sparten von Theater und Philharmonie abwechslungsreich in Szene gesetzt werden. Unter anderem werden in der KlassikLounge „Frauensache“ Werke von Komponistinnen wie Clara Schumann präsentiert. Die führende Koloratursopranistin Edita Gruberová singt ihre Paraderollen, während Schauspielerin Ute Lemper berühmte Chansons und Tangos interpretiert. Bei der Lesung „Pussy Riots“ werden klassische Texte mit Popliteratur, oder querer Rap mit den Ansätzen existenzialistischer Philosophie vereint. Neben Theater und dem Ballettstück „Giselle“ feiert die Oper „Elektra“ Premiere gefeiert. sr Kunst hoch fünf – Die TUP-Festtage 2016, Unbeschreiblich weiblich: 14.–20. März, Theater und Philharmonie, Essen, theater-essen.de Matze Knop – Diagnose Dicke Hose: 1.3. Lichtburg, Essen; lichtburg-essen.de 14

S Z E N E D O R T M U N D coolibri präsentiert E S S E N Komponist George Benjamin Der Freak von Hameln Der Rattenfänger von Hameln war definitiv ein Freak. In buntem Gewand und mit einer Flöte im Gepäck tauchte er der Sage nach eines Tages in der Stadt auf und befreite sie von der Rattenplage. Die Tiere folgten der Melodie, die er pfiff, in die Weser. Weil die Stadtoberen ihm jedoch den vereinbarten Lohn verweigerten, wiederholte er sein Spiel eines Nachts mit den Kindern der Stadt. Für den Liedermacher Hannes Wader erzählt die Geschichte von Zivilcourage, der Auflehnung gegen staatliches Unrecht. Die Kinder von Hameln sind die aufgeklärten Geister von heute. Im Werk des britischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten George Benjamin – und da haben wir auch schon die Überleitung zu unserem Thema geschafft – wird die Geschichte uneindeutiger, zwiespältiger: „Into the little Hill“ heißt die Komposition, die Benjamin zum Libretto des englischen Dramatikers Martin Crimp geschrieben hat. Er versetzt die Sage in die Gegenwart: Die Rattenfänger ist ein übervorteilter Künstler – doch die Ratten stehen als Outlaws genauso am Rand der Gesellschaft. In der Reihe „Musik für Freaks“ im Konzerthaus Dortmund dirigiert Benjamin das eigene Werk. Aufführendes Orchester ist das großartige Mahler Chamber Orchestra und mit auf dem Programm stehen eine Fassung für Kammerorchester aus Bachs „Kunst der Fuge“ und Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ für Streichsextett. Dieses Konzert ist eine Perle. fkü Zeitinsel George Benjamin – Into the Little Hill: 11.3. Konzerthaus Dortmund; konzerthaus-dortmund.de Foto: Renske Vrolijk / Royal Concertgebouw Orchestra Iris Camaa Crossover-Bigband Die Zeiten, wo ehrwürdige Konzerthäuser nur der Klassik vorbehalten waren, sind längst vorbei. Beim Crossover-Konzert Magische Momente stehen junge Künstler und gestandene Solisten verschiedener Stile gemeinsam auf der Philharmonie-Bühne. Musical und Akrobatik, Street Dance und Klassik, Hardrock und Ballett – das alles wird an einem einzigen Abend so kombiniert, dass eine kurzweilige, runde Show entsteht. Zu den Künstlern der Stunde gehört die virtuose Wiener Perkussionistin und Sängerin Iris Camaa, die 15 Jahre lang als Gastmusikerin bei der Elektro-Formation Tangerine Dream spielte. Verstärkung kommt von Tenor und Supertalent-Gewinner Ricardo Marinello, seinem jungen Bochumer Kollegen Jay Oh, der Funkhaus Europa Hit-Band Banda Senderos und der Rockband The Atrium. Weicher, aber nicht leiser wird es mit dem Great Joy Gospelchor, dem Streicherquartett Beril Sun und dem Konzertpianist Vladimir Mogilewsky. Zusammen mit weiteren Gästen entsteht so eine Mischung aus Bigband und Kammerorchester. Hinter dem ganzen Spektakel steckt übrigens keine große Veranstaltungsagentur, sondern zwei Essener Musikfans: Ted Terdisch, Inhaber der Rüttenscheider Bar Plan B, und Labelbetreiber Igor Albanese. ip Magische Momente: 7.3. Alfried Krupp Saal der Philharmonie Essen Foto: Magische Momente Regionaler Partner der KlimaExpo.NRW klimametropole RUHR 2022 KLIMAWOCHEN RUHR 2016 10 Wochen 4. April –19. Juni >> Programm unter www.ruhr2022.de 53 Kommunen/Kreise 250 Events

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