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März 2016 - coolibri Ruhrgebiet

S Z E N E V E L B E R T

S Z E N E V E L B E R T H E R N E Kaff-Kenner: Norbert Molitor Wo der Schuh brennt Früher war Velbert-Neviges ein Wallfahrtsort. Heute reisen interessierte Städter an, um den Ort zu besuchen, den Norbert Molitor auf seinem Blog „42553 Neviges“ beschreibt. Am 1. März veröffentlicht der Grimme-Online-Preisträger sein erstes Buch: „Im Kaff der guten Hoffnung“. „Ich will kein Nörgler sein, sondern Berichterstatter“, sagt Molitor. Mit ironischen Spitzen schildert er täglich auf seinem Blog, was in der Nevigeser „Fuzo“ Thema ist: Leerstände, der lokale Einzelhandel oder ein Brunnenumbau. „Ich weiß, wo im Kaff der Schuh brennt“, sagt er. Das Interesse ist groß: Pro Tag verzeichnet „42553 Neviges“ rund 600 Besucher. Auch der Piper Verlag klopfte Ende 2014 an. Der 69-Jährige legte einen Rohtext vor, der auf Zustimmung stieß, und begann zu schreiben: „Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag eine Seite zu schaffen. Das hat geklappt. 208 Seiten in 208 Tagen.“ Obwohl der Text wesentlich länger ist als seine täglichen Blogeinträge, beschreibt Molitor den Schreibprozess als „relativ einfach“. Das Nevigeser Café Monsieur M., die Pizzeria oder das eigene Bett dienten als Arbeitsplätze. Seite für Seite schrieb der Autor nieder, was ihm in den Sinn kam – in einfachen Sätzen, „so dass es jeder versteht“. „Das Schönste waren die Gespräche, die ich geführt habe.“ Im Gegensatz zum Blog handelt „Im Kaff der guten Hoffnung“ nicht nur vom Heimatort des 69-Jährigen: „Es steht für fast jedes deutsche Kaff.“ Jeder Abschnitt beginnt mit einem allgemeinen Teil über Berühmtheiten oder Aktuelles – und beleuchtet dann die Situation im Kaff. Heraus gekommen ist eine liebevolle Hommage an Neviges und seine Bewohner. Sei es nun der Gemüsemann, die Elektrofrau oder der Uhrenverkäufer. „Das Schönste waren die Gespräche, die ich geführt habe“, sagt Molitor rückblickend und verrät seine Lieblingsgeschichte, die ihm die „Hähnchenfrau“ erzählt hat: Am Tag der Trennung von einem sehr geizigen Mann war ihr Heißhunger so riesig, dass sie „am Ende elf ganze Hähnchen“ verspeiste. Wer die Frau ist, verrät Molitor nicht – wohl aber, dass Trennung und Bauchschmerzen gut überwunden sind. NaB Norbert Molitors „Im Kaff der guten Hoffnung“ erscheint am 1.3. im Piper Verlag und kostet 9,99 Euro. Lesung: 15.3. Stadtbücherei, Velbert-Neviges; nevigeser.blogspot.de; piper.de 12 Foto: Anna Schwartz Erste Spuren der Wiederbelebung: Malschürzen Raum und Zeit Kultur braucht Orte – ob nun Theater, Kino, Museum, Fußballstadion, Kneipe oder Küche. Ein „Ort für kreativen Freiraum“ sollte seit 2013 in der Fußgängerzone von Wanne-Eickel entstehen. Doch Probleme mit dem Immobilieneigner setzen dem ein abruptes Ende. Jetzt soll in der ehemaligen Grundschule an der Overwegstraße in Herne ein neuer Ort entstehen, der die Kreativen der Region anziehen und vernetzen soll. „Es ist der einzige Ort in Herne, der so gestrickt ist“, sagt Chris Wawrzyniak von Der Goldene Raum und WortlautRuhr. Zusammen mit Autor Sebastian 23 belebt er die ehemalige Grundschule an der Overwegstraße in Herne. Bereits im Juli 2014 haben die letzten Grundschüler das Gebäude verlassen und seitdem wurde über eine kulturelle Nutzung diskutiert. Nach ersten Renovierungsarbeiten, die schon Anfang 2015 stattgefunden haben, sind die ersten neuen Nutzer eingezogen. Dazu gehören auch die „Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit in Herne“, die Kochkurse anbietet, und das Theater Kohlenpott, das die ehemaligen Klassenzimmer in Proberäume verwandelt. Die Jugendkunsthochschule Herne nutzt das „O – Ort der Kulturen“ ebenfalls – unter anderem für Kurse, Workshops und Ausstellungen. Im dritten Stock öffnet zudem der Verein Insert Coins seine Pforten. Ab dem 27. Feburar regiert dort die Spielfreude an Konsolen und Arcade-Automaten: computerbasiert aber offline. Dieses Konglomerat verrät, dass das „O“ für die regionale Kulturszene sowohl eine bessere räumliche Vernetzung als auch einen aktiven Austausch untereinander fördern kann – im besten Fall für Köpfe, Gäste und die interessierte Öffentlichkeit. Chris Wawrzyniak lobt die Zusammenstellung im „O“: „Man kennt sich und findet sich sympathisch.“ Daher hofft er, dass die „Kreativwirtschaft voneinander profitiert“. Sebastian Maier, musikalischer Leiter beim Theater Kohlenpott und Produzent von Susanne Blech, wünscht sich ebenfalls eine „viel größere Synergie“. Zuletzt hat er im KHaus produziert und steht nun in Verhandlungen mit der GMH (Gebäudemanagement Herne). Er will mit Susanne Blech ein neues Soundlabor und Studio an der Overwegstraße einrichten. Das „O“ steht für den Versuch, Leerstände wiederzubeleben. Es gilt jetzt, neben dem bloßen Objekt, dauerhaft stabile Verhältnisse zu schaffen, damit tatsächlich ein neuer Ort entstehen kann, der seine Strahlkraft auf Anwohner, Besucher sowie neue und unbekannte Akteure ausübt. sr Das O – Ort der Kulturen: Overwegstraße 32, Herne Foto: Herr Möckel

S Z E N E B O C H U M coolibri präsentiert Ich möchte ein Einhorn sein Dann sind wir Helden In Plastiktüten verfangene Schildkröten, von Palmölplantagen vertriebene Menschenaffen – wem solche Bilder zu Herzen gehen, der will gerne bewusster und nachhaltiger leben – aber wie? Der Heldenmarkt gibt Anstöße und hat mit der ExtraVurst diesmal sogar einen Extra-Bereich für die Veggie-Fraktion. Nachhaltiger Konsum ist viel mehr, als nur den Jutebeutel an der Kasse der Erdöltüte vorzuziehen: Ob Essen und Trinken, Wohnen, Kosmetik oder Reisen – überall hinterlassen wir mit unserem Verhalten Spuren. Damit wir Umwelthelden werden und das möglichst nicht nur für einen Tag, gibt die Messe für nachhaltigen Konsum wieder jede Menge Input. „Egal war gestern“ heißt der Leitsatz des Heldenmarkts, der zum vierten Mal in der Jahrhunderthalle zum Informieren, Probieren und Shoppen einlädt. Besonders die Grünkern-Guerilla dürfte sich über die erstmals als „Messe in der Messe“ integrierte ExtraVurst freuen. In Zusammenarbeit mit dem Vegetarierbund VEBU präsentiert sich „Im Idealfall müsste dieses Angebot täglich verfügbar sein.“ damit Deutschlands erste Messe, die ausschließlich bio-vegane Produkte und Dienstleister listet. Die Zeit ist reif, immerhin leben laut VEBU inzwischen zehn Prozent der Deutschen vegetarisch und über ein Prozent vegan, von der zunehmenden Zahl der Flexitarier ganz zu schweigen. Da die Helden von heute aber keine moralischen Dauernörgler, sondern durchaus lebensbejahende Hedonisten sind, gibt’s auf beiden Messen jede Menge Fun Spots von der Kochshow bis zum Einhornselfie. Und wer weiß, vielleicht hat sich das temporäre Kaufhaus ja demnächst bald selbst überflüssig gemacht, was sich Ober-Held Lovis Willenberg sogar ausdrücklich wünscht: „Im Idealfall müsste dieses Angebot täglich verfügbar sein und nicht nur einmal im Jahr“, so der Messeinitiator. „Wir entscheiden jeden Tag, wie unsere soziale und ökologische Umwelt gestaltet wird, und da kann jeder mitmachen.“ S.B Heldenmarkt/ExtraVurst, 19.3. (10–19 Uhr), 20.3.(10–18 Uhr) Jahrhunderthalle, Bochum; Foto: Heldenmarkt/Milena Zwerenz 13

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