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März 2016 - coolibri Düsseldorf

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T H E M A Carsten Wien

T H E M A Carsten Wien erledigt innerhalb von Düsseldorf alles mit dem Rad. Außerdem ist er ein Meister der Vernetzung. Sei es mit der Stadt, Düsseldorfer Kulturschaffenden oder Radbegeisterten. Seit 2014 betreibt Wien zusammen mit vier weiteren Zweiradliebhabern eine Mischung aus Café, Laden und Schrauberei – die Schicke Mütze in der Talstraße. Nadine Beneke war vor Ort. Wien winkt hinten aus der Werkstatt hervor. Das Ladenlokal der „Mütze“ ist liebevoll mit Schläuchen, schicke Rennrädern und einer Marienfigur in der Tour-de-France-Ecke ausgestattet. Wien repariert gerade einen Platten und erklärt: „Jan, der eigentlich für die Werkstatt zuständig ist, hat Urlaub.“ Das Mützen-Team, bestehend aus Jan Hüttenbernd, Dieter Mauermann, Konrad Glaeser, Kerstin Kortekamp und Wien fungiert „als Kommune“. Die Idee zum Radcafé entstand vor sieben Jahren während gemeinsamer Ausfahrten mit dem Rennrad. Neben dem Café und den Produkten rund ums Rad versteht sich die Schicke Mütze auch als „Kulturtreffpunkt“, so der 51-Jährige. Regelmäßige Ausfahrten zwischen 60 bis 130 Kilometern wie das „Stutenbiken“ oder die „Klassikerausfahrt“ gehören ebenso dazu wie Kulturveranstaltungen und das Aufbereiten und Neuschrauben von Rennrädern. Preise ab 700 Euro für ein Rennrad erklärt Wien folgendermaßen: „Wenn man bedenkt, wie viele wichtige Teile an einem Fahrrad sind – und jedes Teil nur einen Euro kostet. Da ist man schnell bei der Summe.“ Als Junge kurvte Wien mit dem ersten Rennrad in schlichtem Schwarz durch die Feldwege seiner Heimat Iserlohn. Sein Interesse für Düsseldorf entdeckte er schon als 15-Jähriger, wo er 6 Laden, Café, Schrauberei: Schicke Mütze „Der Ertrag hat nur für ‘ne Kiste Bier gereicht“ mit dem Ratinger Hof und der Düsseldorfer Musikszene in Berührung kam. Nach dem Zivildienst in der Landeshauptstadt heuerte er bei Jürgen Krause von Hitsville an und erlebte den Boom mit, der seinerzeit in der Andreasstraße herrschte: „Die Leute standen oft in Schlangen vor der Tür, um die neuesten Platten zu ergattern.“ Zuvor versuchte er in seiner alten Heimat, die erste Platte der Hosen den Plattenläden schmackhaft zu machen: „Der Ertrag hat aber nur für ne Kiste Bier gereicht, die bei einem Konzert der Hosen auf dem Parkplatz vom Arratta in Moers mit Band und Freunden geleert wurde.“ Nach weiteren Stationen in der Branche machte er sich schließlich zusammen mit Marc Meyer selbstständig und gründete im Dezember 2004 A&O Medien. „In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass mir in den Schadow Arkaden ein wenig die Decke auf den Kopf gefallen ist“, so Wien. Ein Grund dafür war, dass er seit Eröffnung der Mütze im Juli 2014 neben dem Geschäftsführerposten bei A&O jeden freien Tag in die Arbeit im Radladen steckte. Seit Januar 2016 ist der Velophile deshalb Vollzeit an der Talstraße. „Das fühlt sich richtig und gut an“, sagt er. Ziel des Teams ist es, ein neues Fahrrad-Bewusstsein in der Stadt zu etablieren. Eine Chance dafür sieht Wien im „Und die Leute werden sehen: Fahrradfahren ist toll.“ Fotos: Kerstin Kortekamp Start der Tour de France in Düsseldorf. „Es ist wichtig, dass Dinge passieren, die die Leute auf die Fahrräder bringen. 2017 ist die Tour de France das weltgrößte Sportereignis. Das bringt auch Düsseldorf etwas. Und die Leute werden sehen: Fahrradfahren ist toll.“ Erst kürzlich waren die Mützen in Kopenhagen. Der großgewachsene Mann berichtet von Straßenspuren, auf denen drei normale oder zwei Lastenräder problemlos nebeneinander fahren können: „In Kopenhagen ziehen die Leute nicht einmal andere Kleidung an zum Radfahren, es gehört zum Alltag dazu. Wie Autofahren.“ Für Wien selbst längst gelebte Realität: „Mein Auto fährt meine Freundin nur, wenn sie aus der Stadt raus will. In Düsseldorf machen wir alles mit dem Rad.“ Damit auch der Transport größerer Gegenstände in Zukunft kein Problem mehr darstellt, sorgt ab März ein Projekt seiner Kollegin Kerstin Kortekamp dafür, dass allen Düsseldorfern ein Lastenrad namens „Schicke Minna“ zur Verfügung steht. Noch besser: Der Service läuft bequem über die Eintragung auf einer Website und ist komplett kostenlos. Auch an einer Neuauflage des „Rund um die Kö“-Rennens am 18. September feilt das Team aktuell. Das Rennen soll dank einer Open-Source-Bühne mit Live-Musik und „jungen wilden“ Fahrern von Rad Race in neuem Glanz erstrahlen. Außerdem möchte Wien das Bicycle Film Festival, das bislang außerhalb Deutschlands in Kopenhagen, Mailand oder New York stattfand, ab 2017 dauerhaft nach Düsseldorf holen. Gespräche mit der Stadt sowie mit Philipp Maiburg laufen. Ein Film darf dann auf keinen Fall fehlen: Oliver Kratz‘ „Rennradfieber“, der dieses Jahr erscheint und unter anderem ein Porträt der Schicken Mütze beinhaltet. schickemuetze.de

Alles mit dem Rad Carsten Wien in Aktion

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