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Mai 2021 - coolibri

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L I T E R A T U R Foto

L I T E R A T U R Foto Susan Anderson Von Udos und Schlümpfen Nähe mit Abstand istselbst für Fortgeschrittene kein leichtesUnterfangen.Eine:n Lebenspartner:in, selbst wenn diese:r nur den„abschnitts“ in der Mitteträgt,ist nieleichtzufinden –und im Moment schon malgar nicht. Aber vielleicht istes einguter Zeitpunkt, sich dem Thema vomSuchen, Finden und Bleiben zumindest mal theoretisch zu nähern. Alexandra vonBraunschweighat ein paar Ratgeber aufgetan, diesichden schwierigen zwischenmenschlichenKapitelnwidmen – unddas auch noch ziemlich unterhaltsam. Beim Thema„Porno“ hatjeder so sein ganz eigenes Kopfkino.Abersagen wir malso: Besonderstextlastigwirdesbei keinem sein.Und dieDialoge werden wahrscheinlich auch nichtvon solchem Tiefgang sein,dasssie als Grundlagefür einenphilosophischen Diskurs taugen würden. Undja: DieVorstellungvon Männerund Frauen dürftenauch nureine überschaubare Schnittmengehaben. Aber waswollenFrauen? DieseFrage hatdie Mitgliederder CambridgeWomen’sPornographyCooperative umgetrieben. DieAntworten haben siein ihremBuch „Porno für Frauen“ (Yes Verlag,9.99Euro) untergebracht. Und wasfälltuns gleich auf? Wenn dasweibliche Geschlecht nach ihrenWünschengefragt wird,dann spielt sowas wieCharme, Witz undauch –welch Überraschung –EinfühlsamkeiteineRolle. 44 All dashat Joe, 29 undweltreisender Archäologe,geradezuinhaliert. Deshalb raunterseinerPartnerin so Sachen zu wie„Ichhabeleider keine Lösung fürDeinProblem. Aber ichhöreDir gernezu.“Und obwohl er maximal sportlich ist, abzulesen an derFigur,sitzt er lässigauf derCouchund sein 7. Sinn flüstertihm denrichtigen Satz ein: „Komm, setz Dich!Immer Fußball gucken istdochlangweilig. Aber dasFinaleimEistanz läuftineinem anderenKanal!“ Auch Michael, 27 undseinesZeichenserfolgreicherGalerist, weiß,was Frauen hören möchte. Während er im Garten werkelt, durchzucktihn eine Idee: „Will DeineMutteruns nichtmal wiederbesuchen kommen?“ AlleWünsche,die Frauen im mehr oder minderGeheimenhegen,bringt „Porno für Frauen“ans Licht–und allemit Fotoswunderbar in Szenegesetzt. Gut, es wirdnatürlich kein Klischee-Näpfchen ausgelassen, aber dastut derUnterhaltungkeinenAbbruch. Und vielleicht istdas Buch ja zumindest eine Grundlagefür einenzwischenmenschlichenDiskurs.

L I T E R A T U R Es isteinebetagte Binsenweisheit, dass Bilder mühelos mehr rüberbringenkönnenals 1000 Worte. Aber sagensie auch dasRichtige? Um denInterpretationsspielraumein bisschen einzuschränken, hatNicoleTersigni einigenGemäldenbissige Untertitelandie Seitegestelltund könnte damitder Botschaftdie entscheidende Wendung verpasst haben.Dafür hatsie sich durchdie Kunstgeschichtegeblättert undGemälde rausgepickt, in denen Frauen aufMänner treffen,die nichtunbedingt als Sympathieträger durchgehen.Aberspätestensmit ihrenflapsigen undtreffendenKommentarentreibtNicole Tersigni sieindie Kategorie „Männer, denen Du besser ausdem Weggehst“.Deshalb trägt ihr Buch nurfolgerichtiggenaudiesenTitel (Riva Verlag,12.99Euro). Die, um dieesgilt, einenBogen zu machen,weilsie dasSeelenheilramponieren könnten, lassensichsogarinKapitel einsortieren wieder Scheinheilige,der Sexexperteoderder Scherzkeks. DerMaler Jean Henri de Coenes hat1827eineanmutigeDameauf die Leinwandgebracht, dieeinen großen Korb ziemlich würdevoll aufdem Kopf balanciert.Alleinder etwasangestrengte Geschichtsausdruck scheintdem Herrenmit demZylindernicht zu passen.Nicole Tersigni legt ihm folgende Worteinden Mund: „Ich weiß, dass du sehr beschäftigtbist, aber ichmusstedir einfachsagen,dassdusovielhübscherwärst, wenn du lächeln würdest“. Auch dieFrauauf demGemälde vonGerardter Borch (um 1658)tut ihremZuhörernicht denGefallen zu lächeln, sondernspielt hoch konzentriert dieLaute,während er denKlängenlauscht. „Ich weiß, dass Du dieses Instrument beruflich spielstund ichnicht,aberlassmich Dir einpaarTipps geben“,lässt dieAutorin ihn blasiert rausposaunen. Werauf feinsinnigenHumor undalteGemälde steht, sollte Nicole Tersigni aufkeinenFall aus demWeg gehen. „Sag mir Deinen Namenund ichsag Dir, werzuDir passt.“Das funktioniertzumindest,wennman auf ClemensBeöthy trifft oder wahlweise sich in seinen Ratgeber „Heirateniemalseinen Udo“ (KnaurVerlag, 9.95 Euro)vertieft. DerSingle-Coachund Paarberater hatihm LaufeseinerlangenKarriere vieleChristiansund Annas kommenund gehen, sich verlieben undauch wieder trennengesehen.„Nach weit über einemJahrzehnt Erfahrungmit ihnenseheich mich endlichinder Lage,der Welt mitzuteilen, wiedie typische Uschi, dertypische Peter, dietypische Sabine undsoweiterleben,vor allem aber wiesie lieben.“ MitdieserErkenntnisimNacken, ziehtClemens Beöthy seineRückschlüsse.„Das heißtalsoetwakonkret,dasssichdie Petragut mitdem Joachim verstehenkönnte, weil beidesolideFamilienmenschen sind,während sie ausgemachten Hallodris wiedem Gerd unddem Markus tunlichst ausdem Wege gehensollte“, resümiertder Autor. „DieAndersartigkeitder beiden könnte zwar anfangs eine gewisse Faszinationauf diePetra ausüben, aber dauerhaftwürdensie siemit ihren„Ausritten“ todunglücklichmachen.“ Achja, aufden Schlipsgetretenmusssichbei derNamens-Analyseübrigens keinerfühlen.„Wenn SieaufgrundIhres Namens schlechter abschneiden,als Sievon IhrerSelbsteinschätzungher erwartethatten, so liegtdas vermutlich daran, dass Sienicht insBildpassen. Siestellen also dieberühmteAusnahmevon derRegelunter ihrenNamensbrüdern beziehungsweise -schwesterndar.“ Aber vielleicht löstdas Buch ja dasRätsel, warumman immer an denoderdie Falschen gerät. Es istschon komisch.Man stehtschrottgenervtam Ende derWarteschlange,abersobaldman das Schlusslichtanden Hintermann durchreichenkann, regeneriertsichdie Launeein bisschen –selbst wenn damitdas Ziel keinenSchritt nähergerückt ist. Genausoverhältessichmit Missgeschicken.Esbalsamiertdie Seeleein bisschen,die Schmachvon anderenzulesen,auch wenn dieeigenedadurch nicht geringerwird. Beider Lektüre vonOliver Stöwings „Dann zeigte er mir seineSchlumfpsammlung– Diekuriosesten Dating-Desaster“ (KnaurVerlag, E-Book,7.99Euro) verhältessichgenauso–nurkommt noch einPortiönchenfremdschämen hinzu. Wiebei Kassandra, alssie einenFlamencozuvieltanzte. Im aufregenden Altervon 32 urlaubtesie in Barcelonaund lernte in einemCaféden langbewimperten Luis kennen.Und wieesder Zufall will, landen beidein derNacht beiihm zuhause. In seinem engen Zimmerchen,kargmöbliert miteinem Wimpelvom FC Barcelona, einemGlobus undeinem schmalen Bett.Die Nachtwar okay,aberals Kassandraammorgenaufwacht, ist dasZimmerverwaist. Kein Luis.Macht nichts,denkt sich dieAbenteuerlustige, bekleidet sich mitsämtlichen Muschelketten undAmulette, die Luis sorgsam aufgehängt hatte, wohlbemerkt nurdamit – und tanzt sich suchendnachder Urlaubsbekanntschaftdurch dieWohnung.Inder Küche wird Kassandrafündig. Allerdings nichtnur Luis,sondern auch Mama,Papa,Oma,die ganz Großfamiliehalt. Oliver Stöwing bereitet nichtnur mitseinenGeschichten denWeg füralle Eventualitätenvor,ergibtauch Dating-Tipps.Einesehrgewinnbringende Lektüre. Charlotte Rocheist keineLeisetreterin.War sienie. Wird siewohlauch niesein. Undwäre auch schade, wenn sieeswäre. Denn so wenigglatt gebürstet wie sieist,soehrlich undgeradeheraus, hältsie nicht mitihren Ansichtenhinterm Berg –und diekönnen gerade in Beziehungsfragen ziemlich spannendwerden. In ihremPodcast mitihrem Mann Martin Keß- Rochehaben sich diebeidenallerelevantenThemen zurBrust genommen,die Paare so umtreiben. Die Essenzen daraus istinBuchform erschienen: Paardiologie(PiperVerlag, 18 Euro). Zwar bleibt mitder geschriebenen Variante derDialoge dasInteraktiveund dasauthentischeMiteinanderder beiden aufder Strecke, dafür gibtesdie Innenansichten nach Themen sortiert zumNachlesen.Ganzoffen und ehrlichgehen sieans Eingemachte. Das,was manbei anderenPaarengerne unterdem Teppich findet, legensie aufden Tisch. Wiesieht es mit Fremdgehen undAffären aus?Wie meistern sieden Knackpunkt,den viele Paare in denRuin treibt:die Erziehungder Kinder. Undwie kommt Martindamitklar, dass Charlotte davonüberzeugt ist, in eineroffenen Beziehung zu leben, aber dieReihenfolgedurcheinanderbringt undihn erst spät in denStatus einweiht? Diebeiden haben nichtden Anspruch,anderen guteRatgeberzusein. Sie wollen nichtklugscheißern,wie eine Partnerschaftambestenfunktioniert. Es istvielmehrdie Erkenntnis gewinnbringend,dassPaare,egalwie extrovertiertsie sind,dochallebei derLangzeitanalyse in ähnlichen Sackgassen landen.Und dass es in derRegelnur einenguten Wegrausgibt: miteinanderreden. 45

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