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Mai 2021 - coolibri

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M U S I K V O N H I E R

M U S I K V O N H I E R Gefährliche Kunstfreiheit Mit„Dasist alles vonder Kunstfreiheit gedeckt“ legt Danger Dan, den viele als ein Drittelder Antilopen Gangkennensollten,ein reines Klavieralbumvor. TrotzseinerWahlheimatBerlindenkt er gern an seine Kindheit in Aachen,seine Zeit in Köln undmit der BandinDüsseldorfzurück. Christopher Filipecki sprach mitihm äußerst humorvoll über das, was Kunstdarf, seineVerbesserungimKlavierspiel und das besteLied, das er je geschrieben hat. Danger Dan Foto: Jaro Suffner Werdichnur vonder AntilopenGangkennt,könnteimerstenMoment beim Hören deines neuenAlbumsdenken, die falschePlatte im Player zu haben. Weruns schon länger verfolgt,weiß, dass ichauch aufden Antilopen Gang-Konzerten immer malein paar MinutenamKlavierSchnulzen spiele oder dieBandamKlavier begleite. Ichhabeauch vordem kommerziellen Erfolg unsererBandbereits als PianistmeinGeld verdient,allerdingswar daseineArt Hassliebe. Ichhatte ungefähr fünfJahre lang nichtmal ein KlavierinmeinerWohnung,weilich wederrichtig Zeit noch Bock hatteund auch garnicht viel Klaviermusik höre.Ich musstejedochnachunserem letztenKonzert in derSchweiz in Quarantäne, hab’meinKlavier einfach mitgenommenund angefangen zu spielen.Für mich fühltsichdas nun nacheinem Jahr intensiven Spielens totalnormalan–für diejenigen,die aber denRapper Danger Dankennen, kann sicherlich derEindruck entstehen: „Häh, istdas dasfalsche Album?“. Inhaltlich undstilistischbleibtes aber trotzdem gleich. Du wirst nunmit RandyNewmanund LouReed verglichen.Siehstdudas selbst auch so? Nö, ichhätte eigentlich eher Herbert Grönemeyer gesagt.Allerdingsfinde ichdie queere,70er-Rock’n’Roll-Figur LouReed,der durch dieWeltwandelt undjedeBürgerlichkeit ablehnt, sehr spannend undinspirierend. Mitihm vergleichenmöchteich mich nicht, derist schoneineandereHausnummer, aber ichidentifiziere mich mitseinerPerson. 32 Trotzdemwirst du dieeineoderanderePersonmit deinem Albumbestimmt einwenig verwirren. Istdas Absicht? Istdas Albumpersönlicher? Mirist daseigentlich immer egal,wennLeute lieber Autotune-Playlists hörenmöchten.Die könnendann stattdessen dasAlbum ihrenElternschenken,die hören bestimmt gerneMusik, diesicheheranFranz JosefDegenhardtorientiertstatt an Lil’Irgendwas–wie diehaltalleheißen… dasfinde ichinOrdnung undtut mir auch garnicht so leid,wenndie keinen Bock mehr aufmichhaben.Obdas persönlicher ist, kann ichschwersagen. Mein Schreibvorgangist sehr unbewusst. Ichmalemir beim Schreiben keine bestimmteZielgruppeaus,stattdessen mache ichirgendwieund lassemir dann eher durch diePresseerklären,was ichdaeigentlich mache. Ichselberverfolgekeinhöheres Ziel. Offensichtlich hast du aber einenNervgetroffen –die Vorabsingles wurdenalleordentlich geklickt! Ja,das stimmt.Ich war auch selber verwundert,dassmeindilettantischesKlavierspiel doch so vieleLeute begeistert,wobei es wahrscheinlich beidem Titelsong„Dasist allesvon derKunstfreiheit gedeckt“ eher die Messageist als derStil. Allerdings finde ichmit derArt nochmalbei ganz anderenLeutenGehör,wennich so etwasimTheater aufeiner Bühne spiele, statt im Ruhrpott im Hinterhofoderander Tankstellemit denJungs im Kreis steheund rappe. Es istineineandereSprachecodiert,sodass auch Buchautorendrauf aufmerksam wurden,die es wahrscheinlich nicht mitbekommen hätten, wenn ichden Text aufeinem Boom BapBeatgerappthätte. Wasbedeutetder Albumnameüberhauptfür dich? Wasist „Kunstfreiheit“ undwie siehst du dieinder aktuellenLage? Dassman momentan mitMusik nichtsovielGeld verdienenkann,hat erst malnichtsmit Kunstfreiheitzutun.Oft sind es ja dieDIY-Sachen, dieden Mainstream beeinflussen undnicht die, mitdenen dasmeisteGeld gemacht wird. DerTitel spielt mitdem Ausloten derGrauzonen,alsowas man darf undwas nicht. Ichhabegenau deswegendas Album so genannt, um mir selbst auch dieHoffnungzugeben,dassdas stimmt. Gibt es Songsfür dich,die eine besondereRolle spielen? Ichglaube, dass ichdas besteLied, wasich jemals geschrieben habe, auf

M U S I K V O N H I E R diePlattegepackt habe. Das ist„Eine gute Nachricht“ –das,meinerMeinung nach,schönsteLied, wasich jemals geschrieben habe. Dashat auch wirklich lang gedauert undesfühltsichnun richtigschön an.Ich wollte immer maleinerichtig geileSchnulzeschreiben,ohneIronie, ohne Witz – so wieHerbert Grönemeyer es tut. Es war dasletzteLied, dasentstanden ist, undals dasfertigwar,war für mich auch dasAlbum fertig. Gibt es auch Gemeinsamkeiten zwischen Rapund demLiedermacher- Genre? Für mich macht einguter Rap-Text aus, dass es allepaarSekundeneinen Punchgibt, beidem du grinsenmusst oder einenneuenGedanken hast. Beider Liedermacher-Musikist es genauso, nurmit viel wenigerText, es mussalsokrasser passen.Wichtig istfür mich,dassdie TexteeineDramaturgie haben,damitman dranbleiben will undschließlich dann auch noch wirklich waspassiert. Hast du auch probiert,deine Skills in Gesangund Klavierspiel zu verbessern? Ichhab’richtig viel geübt, war aber auch echteingerostet.Ich habeimmer nurmal aufKonzerten am Klaviergesessenund mich da dann oftverspieltzum Leid aller Anwesenden. Beidem Schreiben desAlbumshabeich auch gemerkt,dassein Album,das nuraus Klavierbegleitungbesteht,viele Patterns braucht, um sich überhauptübersoviele Songszutragen, ohne zu langweilen.Vorherhabeich eigentlich immer im selben Stylegespielt, aber hier hätte es nach drei Liederngenervt,wennalles gleich klänge.Unterrichthabeich aber nichtgenommen, da ichnicht gut üben kann. Ichkann stundenlangspielen,aberwennman mir sagt,was ichkonkret üben soll,nervt mich dasdirekt.Wennman dasalsoeinem guten Pianistenzeigt, wirdder nichtsagen,dassdas superfiligranoderkunstvoll gespieltist.Aberesist alles, wasich kann unddas auch so gut,wie nur möglich. EinKlavieralbumeignetsichdochhervorragend fürcoronakonformeSitzplatzkonzerte, oder? Ehrlichgesagt, sehe ichdas aktuellnicht.Ich fühlemichbei demGedankennicht wohl,das jetztirgendwiezumachen. DieTournächstesJahr wirdaberstattfinden. Wenn dann alle geimpftsind, setzen wir unsineinemClubauf denBoden aufTeppiche, ichbringKerzenmit,eswirdkuschelig, nahbeieinanderund chillig. So einbisschenwie Hippies, dieim Kreis sitzen,erzählenund zusammen singen. Vielleicht erinnern sich einige auch noch an deinen Auftritt aufdem Bochumer Weihnachtsmarkt,bei demduausgebuht wurdest… Ichbin sogarfastein bisschen stolz, es damals durchgezogen zu haben. Das,was ichdargebotenhabe, war sehr schlecht undich wurde zurecht ausgebuht.Das istmittlerweilezehnJahre her, aber derWunsch, so eine Artder Musikzumachen, war damals schon da.Ich nutzehiermitdie Gelegenheitund möchtemichfür denAuftrittentschuldigen,aberich brauchte dasGeld,weilich ganz dringendUrlaub machenmussteund über WeihnachtennachIndonesiengeflogenbin.Wennich eine zweite Chancevom Bochumer Weihnachtsmarkt bekomme, kann ichdiesesMal auch einpaar Lieder. Versprochen. Fehlt dirdennNRW?Aachen, DüsseldorfoderKöln? Ja. Ichvermisse Freunde vonfrüher. Es gibtOrte, an dieich gernenochmalgehen will,die ichstark mitmeinerKindheitverknüpfe.Die Berliner Zeitunghat mich neulichals „Berliner Musiker“ bezeichnet undesfühlte sich sofort falsch an,obwohlich zehn Jahre hier bin. Berlin istdreckig, ekelhaft,abermegasexy. Aachen istsauber,langweilig, dafür jedoch nicht so sexy.InAachenhabeich alleMöglichkeiten durchgespielt, aber dass manimmer dieselbenLeute dorttrifft, istauch schön. BongGong Blau/Melantronic Einige könnten sienochkennen: dieOlfener Band Scandinavians hatbereitsinden 90ernlange guten AlternativeRockgespielt, istaber2010 durch denDeutschen Rock &Pop-Preis nochmaleinem weitausbreiteren Publikum einBegriffgeworden.Zweider Bandmembersplusein Neuzugang haben nunals BongGong Blau denWeg aus derE-Gitarren-lastigen Ecke zumNew Wave gefundenund machenauf dererstenEP„Melantronic“ in vier Tracks undeinem Remix äußerstold-schooligen Synthie-Pop. Irgendwo zwischen Berliner Schule, PetShop Boysund denDepecheModesder 80s machenessichRoSen, O’Toronic undClaos-Trophobic –kreative Künstlernamen haben siedrauf –bequemund liefernemotionale Melodien,die sich nach wenigen DurchläufenimGehörgang festgesetzthaben sollten. Anspieltipp:„KineticThreats“. VÖ: 12.5. We WillKaleid/Aphasiac We WillKaleid bewegensichgernein wenigabseits dergängigenPop- Schublade.Mit ihrerEP, dieden mystischen Namen„Aphasiac“inneträgt, wassovielwie „sprachgestört“ oder „sprachlos“bedeutet, setzen SängerinJasminadeBoerund LukasStreich,der sich umsElektronische kümmert.Beidekennensichaus StudienzeiteninMünster undsindseiteinigenJahrendabei,gemeinsam Musikauf dieBeine zu stellen. Seit Ende 2019 veröffentlichen We WillKaleid Songsund haben nunmit derneuen EP „Aphasiac“ gleich sieben neue Tracks am Start. In einigenAugenblickenerinnert derhypnotische undtrip-artige SoundanMassive Attack,inanderen wiederan90s-Technoclubs. Beides nichtso schlecht, oder?WeWill Kaleid sind artsy, setzen wesentlich mehr aufgenerelle Atmosphäre als aufeinschlägigeHooks, solltenaberFansvon sperrigenSoundwabenbegeistern. VÖ:21.5. BernhardWeiß/Rock Chansons Seit 1988 bestehtdie Hardrock-BandAxxis.Zwar wechselte dieBesetzung oftmals durch,dochFrontmann Bernhard Weiß istseitUrzeitendabei,was konkret alsoüberdreiDekaden bedeutet. Der56-jährige Lünenerwurde vorfünfJahrenmit demKulturpreis derStadt ausgezeichnet –und macht nunmal wasganzanderes.Auf „RockChansons“ hörtman Weiß mitgroßen, epischenRocknummern, diesichallerdingsinstrumentalinersterLinieauf eine Klavierbegleitungreduzierenund nurdurch einpaarkleinere Chor-/Streichereffekte abgerundet werden.Das isteinerseitsemotionaler, andererseits aber nichtweniger Axxis-like. DerFokus liegtauf dem Gesang,esknallteherselten, was aber zurgegenwärtigen, etwas schwermütigen Alltagssituation vielerFansgut passen sollte. Reinhören in „Try To Find Your Way“ lohnt! VÖ:7.5. 33

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