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Mai 2021 - coolibri

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M U S I K Germany–

M U S I K Germany– Hauptsache, irgendwelche – Spätestensindem Fernsehmoment,indem dieEurovisionsmelodie –das „TeDeum“ –erklingt, wissen die Zuschauer:innen, dassein internationalbedeutendes Highlight folgt. Seit66Jahren ist derEurovisionSong Contest eine dieser Shows, die das Stück vonCharpentierals Introverwenden darf.2021 istder größte Musikwettbewerb der Welt zurück, nachdemerzuletzt zumersten Mal in seiner Geschichte pausierenmusste. Christopher Filipecki blickt zurück –und nach vorne. Über 8Millionen Menschenschaltenjährlichhierzulande ein, weltweit sind es 180Millionen.Die europäischen Grenzen sind längstgebrochen. Ja,selbstein Mitglied derEuropeanBroadcastingUnion,kurzEBU,muss mannicht malmehrsein, um beim EurovisionSongContest mitmachen zu können.Soist beispielsweise seit 2015 Australien am Start. Ende des laufendenJahressteht die1.amerikanischeVariante aufder Agenda, nachdemdurch den2020veröffentlichtenNetflix-Film„EurovisionSong Contest: TheStory of Fire Saga“die eigenwillige Sendung weitereFansin Überseedazugewinnenkonnte. Gegenwärtiglaufen dieletzten Vorbereitungen für die65. Ausgabe. Austragungsortist Rotterdaminden Niederlanden –ebenindem Land,das zuletztgewann. 2019 erklommDuncan Laurencemit seiner emotionalenPowerballade„Arcade“das Siegertreppchen undbrachte dieShownach40Jahrenzurückzu unserenNachbar:innen.Schon im letztenMai sollte die Sendung,die fürihre Diversität hinsichtlich Musik undAnhängerschaftbekanntist,inder RotterdamAhoy-Arena über dieBühne gehen–doch Corona machtedem Ganzen einenStrichdurch dieRechnung. 2021 sind dieFallzahlen zwar keinStückbesser, aber diePläne ausgefeilter. Konnte zuletztkeinWeg gefundenwerden, um eine dermaßen umfangreiche Produktionzuverwirklichen, gibtesnun fürjedeOption eine Alternative. Ob mitoderohnePublikum,obgar mitKünstler:innen vorOrt oder lediglichvorabaufgezeichnetenVideos–der ESC istsafeund zelebriertam22.5. um 21 Uhrnachmitteleuropäischer Sommerzeit sein Finale. 39 Länder nehmen teil. 30 Deutschlandschickt Jendrik undhat lautFansund Wettbürostatsächlich garnicht so schlechte Karten.Wie geht dasdenn? EinKandidat, derauf denvorderstenPlätzenlandensoll? Unglaublich. Doch Achtung: so schlecht, wieDeutschland in denMedienoft dargestelltwird, istesgar nicht. Malein paar spannende Fakten: Schaut manauf diebloßenSiege,führt Irland weiterhin mit7an derZahl. Allerdingsist derletztedermaßen großeErfolgfast3Dekadenher.Schaut manauf dieabsolutePunktzahl, dieIrlandinsgesamt beim Wettbewerb bisher ergatternkonnte, belegt es auch nurnochPlatz 7. Hier liegtmit guten5000 Punkten nämlich Schweden aufder Pole Position,und dasmit gleich 1000 Punkten VorsprungzuPlatz 2. Außerdem istSchwedennur noch einenSiegvon Irland entfernt.Deutschland hatbisher2xgewinnendürfen. Einmal mitSchlagersängerin Nicole 1982 undihremKlassiker „Ein bisschen Frieden“ und28Jahre später im Jahre 2010 mitder quirligen Lenaund dem„Satellite“. Trotzdem hältsichunsereNationhartnäckig aufPlatz 10 der ESC-All-Time-Winners, wasviele gerneübersehen mögen –ein Platz10 voninsgesamt 52 Ländern,die es bisher versuchthaben,ist keinesfalls miserabel. Miserabelwirdeseigentlich erst,wennman aufdie Ergebnisse nach Lena schaut.Von den9Beiträgen danach haben es gleich 5nicht über den21. Platzhinausgeschafft, 2landetensogar direkt am unterstenEnde. Dasist im Vergleichzuden 1970ernund 1980ern,indenen mehrmalige 2. und3. Plätzedrin waren, schon einwenig beschämend. DabeischienStefan Raab mitseinenmehrmaligenVersuchen doch ziemliches Geschick zu ha-

I N T E R V I E W points! ben: 1998 gabesals Komponistvon Guildo Horn einenPlatz 7, als Komponistvon MaxMutzke2004und als Entdeckervon RomanLob 2012 jeweils einenPlatz 8, mitLenagar einenSiegund einenPlatz 10 im Folgejahr– und, als er 2000 selbst als Sängerauftrat,einen überraschendenPlatz 5. NurHerrRaabist eben raus aus demBusiness. Wasnun? Möglich istalles.Michael Schultesang2018„YouLet Me Walk Alone“ und eroberte unerwartet Europa im Sturm –Platz4.Wir können also, wenn wirwollen. Oftmals wollen wir wohl nurnicht so richtig. Vergleicht mandie hierzulande stattfindendenAuswahlverfahrenmit Schweden oder Norwegen, bleibt nichts als einmüdes Lächeln: dorttretendie national größten Acts aufund kämpfen über Wochen für eine Teilnahme, hier bekommt der Großteil dieEntscheidung, werantretendarf, nichteinmal mit. Dabeihat Deutschlandein kleinesPrivileg. Zwar investiert es nebenFrankreich,Italien,Spanien undGroßbritannien dasmeisteGeld in denWettbewerb,hat dafür aber parallel stetseinen PlatzimgroßenFinaleamSamstagabend sicher.Die zwei Semifinalshows am Dienstag undDonnerstagdavor dürfenentspanntübersprungenwerden–wasbei einigenunterdurchschnittlichen Songs, dieDeutschland einreicht,auch großes Glückist. So oder so solltenaberdie positivenSeitengesehen werden: Deutschland war–im VergleichzuAmerika–bereitsbei der1.Ausgabe 1956 dabeiund somitein waschechter Trendsetter. Platz10inder ewigen Bestenliste ist immer noch dasvorderste Fünftelund derletzteSiegauch „nur“ 11 Jahre her. Österreichwartete aufseinen2.Sieg48Jahre,Deutschland nur28. Knapp dieHälfte derTeilnehmerländersehnt sich übrigens danach,überhauptmal zu gewinnen.AlsotiefLuft holen, ruhigausatmenund stattdessenfür Jendrik am 22.5. dieDaumendrücken.Don’t feel hate! Fotos (2): EBU/Kris Pouw Er ist 26, kommtaus Hamburg, hatMusical studiert, ist ein absoluterNewbieimPop-Business–und vertritt am 22.5. Deutschland vor über 180 MillionenZuschauer:innen beimEurovisionSong Contest. JendrikSigwarthat seinen Beitrag„IDon’t Feel Hate“selbstgeschrieben. Er hatuns Anfang Aprilsowohl waszum Entstehungsprozess des Songs als auch zu seinen Vorhabennach dem Wettbewerberzählt. Jendrik,wie nervös bist du? Garnicht!ImMomentist dieNervosität tatsächlich noch im Nullerbereich. Kurz vorher geht es bestimmt ganz krasshoch, aber aktuellbin ichvollentspannt. Wasschätzt du an demWettbewerb? DieDiversitätund dasFarbenfrohe.Dakann jederhingehenund sein,wie er will.Niemand kritisiert es,weileinfachjeder so ist. Man lerntMenschenaus verschiedenen Ländern kennen,man istoffen undPolitik istindem Moment schietegal. Washat dichdazubewegt, dich zu bewerben? Ichhab’den ESCimStudium gesehen, war angetrunken undhabe gesagt:„Da steheich irgendwann malauf derBühne!“ Seitdemwar es einZiel. DerWeg dahin warjedoch schwer, weil ichwegendes Studiums undmeinesJobsals Musicaldarsteller keine Kapazitäten hatte. Aber durch Corona wurde allesabgesagt, so hatteich dieZeit dasMusikvideo zu machen undin dieWelthinauszuschreien,dass ichdahinwill.Ich habeBehindthe-Scenes-Videosgemacht nach demMotto „How to make aMusikvideo,umdichfür denESC zu bewerben“–und irgendwann wurde Foto: NDR Jendrik ichbei Instagramangeschrieben undkam da rein. Du startest alsNo-Name-Künstler. Istdas eher einVor-oderNachteil fürsoeinen großen Wettbewerb? Beides.Für mich isteserstmal ein Vorteil, weil ichkeinenNamen habe undsomit nichts verlieren,sondern nurdazu gewinnen kann. Selbst wenn ichLetzter werde, war ichimmer noch dabei. DerNachteil istaber, dass ichbisherkeine riesige Fanbasehabe, diemichunterstützt. „I Don’tFeelHate“ istsuper positiv, sprühtvor guterLaune.Bistduso? Nein,ganzsobin ichnicht.Esist eher einReminderanmich, dass, wenn ichHassspüre,mir selbst zu sagen: „Moment! Das bringt jetzt gerade nichts!Die andere Person wird durch deinen Hass nichts lernen.“. So würdeich’s eher betrachten. Ichbin generell optimistisch, aber realistischoptimistisch, nicht naiv. Undnachdem Eurovision?WeiterhinPop oder wieder Musical? Mein Herzschlägt für beides.Aktuellmöchteich mich aber um mein Pop-Babykümmern undmeine eigene Musik machen. Aber bestimmt gehe ichauch malwieder zumMusical zurück. 31

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