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Juni 2021 - coolibri

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PRIDE- M ONTH „Der CSD

PRIDE- M ONTH „Der CSD istkeine Parade, sonderneineDemonstration“ Fotos (3): CSD Düsseldorf e.V. Zumzweiten Mal in Folgekannder DüsseldorferChristopher Street Day–in Deutschlandüblichmit CSD abgekürzt –nicht wie geplantstattfinden. Zwarsindaktuell andereProblemewie etwaLüftungsanlagen in Schulen in der Gesellschaftwichtiger,sagtVorsitzender KalleWahle, aberfür Gleichberechtigung müsseweiterhinnoch einigesgetanwerden.ChristopherFilipecki sprach mit ihmüberaktuelle Pläne. „Solange Schwuleund Lesben immer noch keine Kinderadoptieren dürfen, mussweiterdemonstriertwerden“, sagt Kalleselbstsicher. Und damit haterRecht.Auch wenn diequeereCommunity,alsoPersonenaußerhalb derheterosexuellen Norm,mittlerweileinDeutschland heiraten dürfen,kaumeineaktuelleSerie ohne queere Charaktereauskommt undKünstler:innen wieKerstin Ottmit ihremTitel „Regenbogenfarben“inder Schlagerwelt einOhr finden–Fortschritte sind gut, aber eben noch längstkeine erreichten Goals. So istesbeispielsweisenicht-heterosexuellen Männernweiterhin verboten, Blutzuspenden. Kalleist seit 2004 im DüsseldorferTeam. DerCSD in der Landeshauptstadtist vergleichsweisenochjung. Berlin undKöln veranstalteten bereits1979die ersten Aktionenfür LGBTQ*-Menschen(Sammelbegriff fürLesbisch, Gay, Bisexuell, Transgender, Queer;das Sternchensteht fürweitere Sexualitäten undGeschlechtsidentitäten außerhalb derheterosexuellen-CisgenderNorm), die 6 KalleWahle aufmehrGleichberechtigunghinweisen sollten, undselbstandereStädte in NRWwarenschneller als dieRheinmetropole.Dochauch hier treffen sich nunseitfast20Jahrenzur SaisoneröffnungEndeMai bzw. Anfang Juni mehrereTausende vonLeuten, diegemeinsam die bunteVielfaltzelebrieren.Dabei istaberKalleeinsbesonders wichtig: „Der CSDist keine Parade,sondern eine Demonstration. Wirkönnen gern ‚Parade‘ sagenund feiern, wenn derletzteIdiot auf’mSchulhofund in derFußballarena nichtmehr‚schwuleSau‘sagt.“ImVergleich zu dengroßenEvents, dieauch teilsimFernsehen übertragenwerdenund über eine MillionBesucher:innen anlocken,sieht sich derDüsseldorfer CSDals klassischund bodenständigan. Biszu4000 Personen –die allelängstnicht Teil der queerenCommunity sind,sondern einfachheterosexuelleMenschenmit Toleranzgedanken sein können –laufen beim Umzugmit,der unteranderemüberdie Kö führt.Selbstimrund30-köpfigenVeranstaltungsteam,

PRIDE- M ONTH dasehrenamtlich arbeitet, hatKalleheterosexuelleKumpels dabei, dieer aus seinem Karnevalsvereingewinnen konnte. Denn letztendlich geht es um etwasFriedvolles.Umein Mit- stattGegeneinander, beidem sich jede:r willkommen fühltund so sein kann,wie er:sie ist. Schon2020mussten dieOrganisator:innen umsatteln. Eigentlich war eine Kooperationmit denEuroGames in Planung, dasist einGroßereignis, welches LGBTQ*-Sportleraus ganz Europa anziehtund jährlich einenneuen Austragungsortfindet–dochleider wurde wederaus demeinen noch aus demanderen EventinDüsseldorfetwas. AufOnlinealternativenwurde verzichtet.Stattdessen gabesnur eine Fahrraddemonstration. Immerhin, wieKallefindet. Eine Idee,die übrigens von seinem Sohn kam–Kalleoutetesichnämlicherstspätund erfüllt somit auch eine Vorbildfunktion,dassesfür das„Zu sich selbst stehen“niemals zu spät ist. Doch 2021 istman aufHindernisse vorbereitet. Gegenwärtig istder Düsseldorfer CSDfür Oktobergeplant.Daist zwar nichtmehrso schönes Wetter wieAnfangJuni,aberAnliegen, um zu demonstrieren, gibtesauch dann noch genug. Mannimmt dieHerausforderungan. „Ich sehe in deraktuellen Situationauch Möglichkeiten füreinen Neuanfangund einwenig Umdenken“, sagt Kalle. Denn mussesjährlichimmer noch größer,noch aufwändigerund noch extremer werden? Nichtunbedingt.Trotzdembrauchenalle Beteiligten einwenig Vorlauf, um sowohldas Showprogramm als auch dieStände vorzubereiten,die sich aufdem Johannes-Rau-Platzin derNäheder gutbesuchtenRheinwiesen befinden. Da vieleeinfachvorbeischauen,umgemeinsamzufeiernodersichzum Sonnen niederzulassen, istdie genaueZahlanBesucher:innengar nichtsoleichtzunennen, so derVorsitzende.Sicherheitsvorkehrungen sind schlussfolgernd dasAund O. Mitteder 2000erwar es eher noch einkleines Eventfür eine bestimmte Zielgruppe. Demnachfreut es dasTeambesonders,dassdas heutige Publikum in allenAltersklassen sowie Liebes-und Lebensformen durchgemischtist – darunter auch Politiker:innen, dieauf derBühneihre Toleranzgedanken bekundenund derVeranstaltung sogarmit ihrenÖrtlichkeiten zur Seite steht: DerGartendes Landtags istnämlich derBackstagebereichfür die Gäst:innen. Zusätzlich wünschensichdie CSDler,dassauf deranderen Seitegroße Kleidungsfirmennicht einfachnur Oberteileund Schuhe mitRegenbogenfahnen zurImage-Aufpolierung produzierten,sondern dieDemonstrationenauch maldirekt als Sponsor:innenunterstützten,umFarbezubekennen.Düsseldorfhat PartnerstädteinWarschau undMoskau–einbesonders spannendesFeld hinsichtlich LGBTQ*,was auch im diesjährigen CSD-Motto „Solidaritäthat viele Farben“miteinfließen soll. Auch wenn manKölneherdahingehend wahrnimmt,sieht Kalleseine Heimat als eine Gay-freundlicheStadt an.Seinpersönliches,spätesOutingwar für sein Umfeld nahezu irrelevant. Es gabbereits vier schwuleKarnevalsprinzen, bevorKöln mit demerstenüberhaupt nachzog,berichtet er stolz. Wermit wemins Bett gehe,sei zwar immerfür irgendwendas besteKlatschthema – aber daswäre es für solche Leuteauch beiHeteros. „Wir sind so geboren.Das istkeinModetrend undkeine Wollust“.Gut so.Leben istbunt. Aufdem Johannes-Rau-Platz findet dasBühnenprogrammstatt. 7

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