Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
Aufrufe
vor 2 Wochen

Juni 2021 - coolibri

  • Text
  • Kultur
  • Theater
  • Musik
  • Delay
  • Plate
  • Duisburg
  • Essen
  • Bochum
  • Restaurant
  • Duesseldorf
  • Konzert
  • Day
  • Month
  • Kontaktanzeigen
  • Comedy
  • Wuppertal
  • Konzerte
  • Ruhrfestspiele
  • Recklinghausen
  • Dortmund

KUNST MariechenDanz

KUNST MariechenDanz undKerstin Brätschhaben dieSandskulptur„CloudedinVain“ erschaffen. Fotos: Urbane Künste Ruhr Aus Sand gebaut Rein in dieKartoffeln,raus ausden Kartoffeln. Ausstellungsmacher sind, wieauch viele andereKulturmenschen, in diesen Tagen nichtzubeneiden. Wasgehtund wasnicht geht, das ist vonder Tagesform vonVirus undVerwaltungabhängig. Doch ziemlich sicherist derzeit,dassdie schickeVerbindung vonKunstund Freizeit,die das Ausstellungsformat„Ruhr Ding: Klima“rundumden HalternerSilberseeaufgebaut hat, Besucher finden wird.Nachdenklicher, sinnlicherSpaß istgarantiert. Einenrichtigen Schatz wird manauch 2021 vergeblich suchen im Silbersee. Doch waszufindenist,ist Kunst. Sinnliche, exemplarische Installationen,die derBesucher teilsgar „erschwimmen“kann.Der vonUrbane- Kunst-Ruhr-Chefin eingeladeneGastkurator VladoVelkovsetzt damitseine eindrucksvolle „OdyseeimMöhnesee“ von2017quasifort. Fürdie Besucher von„SilberseeII“ gilt es ebenfalls,rätselhafte undgeheimnisvolle Dinge zu erleben. Schonjetztschlagendie Hunde an unddie Jogger stauen,wenndie 1987 geborene koreanischeKünstlerin Jeewi Leegroße Luftblasen im Seeaufsteigen lässt.KeinSelbstzweck,sondern symbolische Sprechblasen aus derVergangenheit,die womöglich davonerzählen, dass derSee nichtals maritimesNaherholungsgebietgeboren wurde, sondern als Rohstoffquelle, dieauch perZwangsarbeitausgebeutet wurde. Überhauptist derSilberseeein sehr passenderOrt,das Thema„Klima“ zu 40 reflektieren.Hierist allein durch Wasser undWetterdas Klimaallgegenwärtig.Die Ausstellungsmacherträumen davon, dass „dieUnterscheidung vonKunstpublikum undBadegästenverschwimmtimSonnencremenebel“. Am Ufer kann derBesucher zunächsteinespektakuläre Sandskulpturbestaunen. Das Genre „Sandskulptur“ istmeist wenigerder Kunstwelt zuzuordnen,wirdvielmehrgernvom Stadtmarketingvon Nord-oderOstseebädern „bestellt“.Hierist es dieBerlinerKünstlerin MariechenDanz, dievielfältige neue Motive in dieSkulptureinfließen lässt.Menschliche Körperteile; Dinos undSelbstportätsinklusive.Die Sandskulptur aufneuenWegen. Sandist auch dasnicht ganz offensichtlicheThema desKanadiers Michel de Broin. Er bekaminMontrealPostmit etwasSandund hateines der

KUNST Taguchi&Ciccarellos Hütte. Sandkörner geradezu absurd vergrößertund zu einemauf demSee schwimmenden Denkmal gemacht.Der Besucher kann um dasDingherumschwimmen undsichdie vielfältigenSpiegelungen so auch aus nächsterNäheansehen.Oderhaltvom Ufer aus rätseln,was denn da wohl im Seeschwimmt. Ebenfalls schwimmend isteineInstallationvon Raul Walchzuerleben.Der 1980 geborene Künstler, derschon in AddisAbeda,Almeria,Bagdadoder FukushimaInstallationengemacht hat, schuffür denSilberseeeinemultifunktionale Plattform,die als sozialer Treffpunkt genutztwerdenkann. Mitten im Silberseeschwimmtdeshalb nuneineachteckigeInsel aus Holz, bespannt miteinem Dachaus bunt gemustertem Tuch,das vonweitemzusehen ist. DiePlattform,auf dersichmüdeSchwimmer:innen ausruhenoderauch malzum Gesprächzusammenkommen können, dreht sich je nach Stärkeund Richtung desWinds um dieeigeneAchse.„Assembly“, so derTitel derArbeit, bedeutetimEnglischen Versammlung, kann aber ebenso für MontageoderZusammenbaustehen. Walch arbeitetdanebenauch mitden Windsurfer:innen vomTuS Halternzusammen,typischfür dieihm eigeneArbeitsweise. Einkollaborativerund performativer Aspekt gehört zu seinem künstlerischen Prozess.Für dieArbeit„Spherical Semaphore“ bemalt Walch dieSegel derSurfermit farbigen geometrischenMustern,die im Gegensatzzum üblichen Sportdesignstehen. Mit derBewegung derSurfer:innen kommesodie Malereiinperformativer Form aufs Wasser.SozialengagierteKunst wird auch durch Yukihiro Taguchiund Chiara Ciccarellorepräsentiert. Siesindbekanntgeworden miteinemHaus, dassie 2013 ganz im SinneihrerPhilosophie derUntrennbarkeit vonKunst undLeben aufeiner Brache an derCuvrystraßeamKreuzberger Spreeufererrichtethatten. Halb leicht schottigeHütte,halb architektonischeInstallationund Intervention gegenden irrenBerliner Immobilienmarkt.Aus recycelten Materialien diente siedem Paareineinhalb Jahre als Wohnungund Atelier. Dasblieb nichtfolgenlos,dennbaldgesellten sich weitereHüttenhinzu,2014wurde dieentstandene illegaleWohnsiedlungvon derPolizei geräumt.Das Haus vonTaguchiund Ciccarellowandert seitherals Kunstobjekt durch dieKunstwelt. Nach StationeninDänemark undJapan haust„Discuvry“ nunmehramSilberseeufer, erweitert um weitereElementeund eine Plattform aufdem Wasser. Ganz in derGegenwartdes Sees isteineArbeitvon KasiaFudakowskiverankert, gibtesdochimmer wieder Konflikte zwischen Besucherndes FKK-Bereichesund deranderen Strandabschnitte. Dasirritierende Stahlkonstrukt istzunächst nichtleichtzudechiffrieren.Dochbei genauerer Betrachtunglässt sich eine stilisierteUmkleidekabine entdecken. Diese entbehrt allerdingsjeglichen verlässlichenSichtschutz:Vielmehrist sie mitFeigenblättern an beweglichen Stahlzweigen versehen,die nursehr rudimentär geeignet sind,die menschlicheAnatomie vorBlicken zu schützen.Klar, dasFeigenblatt istlängstsprichwörtlich gewordenes botanisches Attribut aus derKunstgeschichte. Mitdem ThemaKlimaist dieArbeit insoweit verzahnt,dassihr Titel„ClimateChangingRoom“ als ironisch-humorvoller Kommentarverstandenwerdenwill,der dieenglischen Begriffe „ClimateChange“ (Klimawandel) und„ChangingRoom“ (Umkleidekabine)miteinanderkonnotiert. Es gibtbis zum27. Juni alsovielzusehen,entdeckenund erlebenamSilbersee II.Dochdie KünstlerischeLeiterin derUrbanen Künste, BrittaPeters,hat im Norden desRuhrgebietes noch vieleweitere Arbeiten zumThema entwickelt. Durch diePandemiemusstedie EröffnungdieserGroß- Show zunächstverschoben werden,welcheProjektewomöglich denBedingungenzum Opferfallen,war langenicht klar.Sicherist aber auch, dass manche Arbeiten in Gelsenkirchen,Haltern,Herne undRecklinghausendurch dasVirus zusätzlicheBedeutungsebenenund Aktualität bekommen.Für denBesuch aller KunstortewerdenzweiTagevorgeschlagen, diebeste Möglichkeitsei dafür eine Fahrradtour.Allerdingsdürfteein Tag am Seeauch schonmal ganz schön sein.Zumindest für denFundeines ganz persönlichen Schatzes im Silbersee. MicheldeBroins „Reasure“. EinschatzimSilbersee. 41

coolibri Magazine 2020/21

coolibri Magazine 2019

coolibri Magazine 2018

coolibri Magazine 2017