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Juni 2021 - coolibri

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MUSIK V ON HIER Nichts

MUSIK V ON HIER Nichts zu verändern Foto: Schallmauer Nichts1981. 1981 veröffentlichtdie Düsseldorfer-BandNICHTSrundum FrontmannMeikel Clausihr Debütalbum „MadeinEile“,das in unwirklichenvierTagen aufgenommen wird –und landen einenVolltreffer. Auch ihr Nachfolger „Tango 2000“ findet seineFans. BeideLongplayer werden nunzum 40-jährigen Bestehen wiederveröffentlicht. Christopher Filipecki sprach mitdem mittlerweile62-jährigenKopf derTruppeüber früher undheute. HalloMeikel, wiegehteseuchindieserverrücktenZeit? Uns, derneuenBandbesetzung, geht’s eigentlich gut.Der altenBesetzung auch,bis aufAndrea, dieist leider schwer krank.Die ganzeCoronasache hatuns natürlichziemlich ausgebremst,weilwir eigentlich gerade einen unglaublichtollenLaufhatten. Wirwarenwiedereineziemlich angesagte Band,jetzt istleider totale Sendepause. 40 Jahreist es her, dass „MadeinEile“ erschien.Was löst so eine große Zahl in euch aus? DieZahl löstKopfschütteln aus.Ich habeüberhauptkeine Beziehungzu derZahl. Ichweißgar nichtrichtig,was 40 Jahre bedeutet, wo dieüberhaupthin sind.Vielleichthabeich eine klare Beziehung, wenn die60oder80kommt, aber 40 fühltsichgenauso an wiefrüher. NunkommeneurebeidenerstenAlben in einerneuenVersion raus.Was machen die Songsmit euch,wennihr siewiederhörtund siesogar neuveröffentlichtwerden? Unsfreut,dasswir eine Plattenfirmahaben, diewegendes Projekts so Feuerund Flamme ist. Dann freutuns aber noch mehr,dassDieterJoswig(Anm.d.Red.: Engineer/Tontechniker derdamaligenStudioaufnahmen) den Soundnochklarer, transparenter,aberdennoch authentischindiese Zeit übersetzthat. Nichts2021. Manhörtdie Sachen voneiner ganz anderenWarte,man istsichder Sachenochwesentlich bewussterund freutsich, dass es auch nach 40 Jahrensoviele Leutegibt, diedas abfeiern. Wiewürdetihr euch selbst retrospektivbetrachten?Wartihr Punk,wart ihrPop,wartihr NDW? Allesgleichzeitig? Weruns vonfrüherkennt,weiß, dass wir'ne ziemlich harteund schnelle Band waren. Es gabregelmäßigwüste Schlägereien.Natürlichhattenwir eine Sängerin undein paar Stücke klangensehrpoppigoderauch nach Dancefloor,aber95Prozent warganzklarPunk oder Post Punk.Wir hatten einfachein paar mehr Ideenund haben sieinein paar Richtungen hin ausgeschmückt.NDW wareherein Begriff, denwir nierichtig verdauen konnten. Washat sich in derdeutschen Musik getan, wenn ihrauf die80erund auf die2020erschaut? In den80ern gabesjanicht viel.Ein paar tolleStückeund daswar’s so ziemlich.Jetzt gibt es unglaublichviel. Musik aus Berlin,Hamburg, Düsseldorf, dietollstenHip-Hopper undRapper, wirklich gute Texte. Es istein ozeanischesGebietgeworden.Ich binsehrstolz, damals einTeildieser paar Leutegewesenzusein, diedeutscheMusik gemachthaben,weswegenman es Neue Deutsche Wellenannte.Mir war damals garnicht bewusst, dass Deutschzusingensowichtig war –aberwar es wohl doch. Das kann manmit heuteeinfach nichtvergleichen.Die Fülle, Qualitätund Powerist eine ganz andere. Wennihr diePlattenheute aufnehmenkönntet,was würdetihr anders machenund wasgenauso? Da wir es genausoaufgenommenhaben,wie wir eben sind undwas wir konnten, würdenwir überhauptnichtsandersmachen. Ichglaube, dass daswirklich so eine Punktlandung ist. Da sind Stücke dabei, diesindsowir.Das Schlagzeug,der Bass,der Gesang.Andrea standvorhernie voreinem Mikround hat nurmal einpaarTexte zuhausegeschrieben–dass diedas einfachsogemacht hat, istgrandios. Dieses „Einfachmal so machen“ warebendie Zeit.Ich bezweifle sogar, dass wirdas heutesogut hinkriegenwürden. Wassindheutzutage eure Favoritenauf denbeidenAlben und warum? Das Stück„Eingeschlossen“passt durch denTextperfektindie Zeit.Ich habeden damals anderthalb Wochen,nachdem wir Andrea kennenlernten, aufeinemkleinen Zettelchen geschrieben gesehenund binfastumgefallen, weil dieser Text so genial ist. Mitsowenig Worten so perfektausgedrückt! Es gibtein paar düstereStückewie „HalloKartoffelsalat“oder„Werdu bist“, diewir allelieben, auch,weilsie livesounheimlich toll sind –und natürlich „Tango 2000“, klar. Foto: Markus Luigs DieBandkonstellation hatinden vier DekadeneinigeMale gewechselt. Hört ihrnochwas vonAndrea, Christopher und Tobias? UnserManager Tobi Cremer hat2019alleBandmitglieder–alte undneue –imRatingerHof wieder zusammengebracht.Das war einunglaublich schönerAbend.Total ergreifendfür mich,weilich meinen Jugendfreund Chris daserste Malnachfast35Jahrenwiedergesehen habe, aber eben auch Andrea undTobi. Zu derPunk-Zeitwarenwir alleganzanders. ProfessorBrinkmann,wie wirTobiimmer genannthaben,leitetseine Klinik. Chris istwiederinParis undwar zwischenzeitlich in Texas, istaberimmer noch so bekloppt wiefrüher. Wirsinduns mitFreudentränen in dieArme gefallen undhaltenauch nunden Kontakt. Durch Corona istalles natürlich jetzt etwas ruhiger geworden, aber wir sind eine gute Community. 30

MUSIK VON H IER TG Mauss -Momente Vol. 1 Er kommt aus NewYork, lebt aber in Düsseldorf. TG Maussaka TorstenG. Maussfühlt sich seit Jahreninder elektronischen Welt zu Hauseund liefert aufseinem„MomenteVol. 1“ zwar nurachtStücke an derZahl,die dafür aber fast 40 MinutenMusik ausmachenund gleich zweimaldie Sechs- Minuten-Markeknacken.Das instrumentaleAlbum machtseinemNamen alleEhre,handelt es sich nämlich um Improvisationen, diesichaus Gitarrenund Soundeffektenzusammensetzen. Songtitelwie „Distanz“, „Hitze“ und„Frost“ zeigen bereitsbeimbloßenLesen,dassMausssichauf kurze Sequenzen undZustände konzentriert,die dieHörer:innen auch spürbar wahrnehmen können. Das Konzeptalbumlässt sichdie Zeit, die es braucht, klingt malohrenbetäubend,mal wohlig-sanft undgediegenund verändert sich permanent. Ob fürTraumreisen aufder Couch, als Musikuntermalung beischicken RauminstallationeninMuseenoderals Soundtrackfür denneuenArthouse-Hit–daspasst zu allem. Werdie jüngsten Sachen vonYann Tiersenmag,darfauch hier einenBlick wagen. VÖ: 7.5. Peat Barboni -Das Fest Mit13begann derheute 21-jährige Aachener Peat Barboni, sich im Battle- Rapeinen Namenzumachen. Acht Jahre Erfahrungscheinensichauszuzahlen.Peathat seinen zweitenLongplayer„Das Fest“alleingeschrieben, getextet undproduziert.Die 13 Tracks,die sich in 30 knackige Minuten verpackthaben,wirken keinesfalls wieebenmal kurz hingeklatscht– stattdessen lieferndie aggressiven,mechanisch-elektronischen, derben Beatseineangsterfüllte Endzeitstimmung, diezufesseln weiß.Für deutschenHip-Hop lässt Peat seinen selbstgebasteltenSounds ungewöhnlich viel Freiraum,sodassgleichmehrere Songsweite Instrumentalparts vorweisen.Peatselbstwechseltzwischendepressiven,gesellschaftskritischenund stetsinsichschlüssigenLyrics,die er mitseinernachvorne preschendenund durch unzähligeEffekte verfremdeten Stimmemal singtund malkraftvoll herausschreit.Fansvon Casper,Drangsalund Haftbefehl solltenhiermit laut aufgedrehter Anlage reinhörenund einpaar Lieblinge entdecken. Highlights:„Krieg“&„Halt“. VÖ: 14.5. MauriceSummen-PayPalPop Der80s-Trend geht weiter!Auch an Maurice Summen scheintder Flashback nichtvorbeigegangenzusein. Seit guten zwei Jahrensinddie Sounds deskultigenJahrzehntswiederinsämtlichen Hits vertreten – undder Frontmann derBerliner Band „Die Türen“,der in Stadtlohngeborenwurde,nimmt sich demGanzengerne an undmixtmit einerVielzahl an Ghost-Produzent:innen dasSoloalbum „PayPalPop“zusammen. Dieses enthält15irrwitzigeSongideen, dieebenneben ihmauchvon Personen kreiertwurden, dieerzuvor garnicht kannte. Einaußergewöhnliches Projekt,das auch außergewöhnlich klingt. VielSynthie,eineordentlicheLadung NDW, einHauch 90s-Techno undziemlich verrückte Lyrics,die den aktuellen Zeitgeistfesthalten, beispielsweise in „Link in my Bio“,„Alles tut www“ oder „BlackFriday“.Für Liebhaber:innendes Unkonventionellen. VÖ: 14.5. Lobby Boy -Parade Hinter LobbyBoy verstecktsichdas DuoDavid Barteltund MennyLeusmann.Wer in derSzene unterwegsist,könnteDavid vonCosmicRidersof TheBlack Sun oder White Volcanokennen, Mennyvon MackyMesser,Inborn oder Kill Kim Novak.Mit diesem Erfahrungsschatzkann eigentlich nichtvielschief gehen. DavidtrafkurznachseinemUmzug vonBerlin nach Dortmund aufMenny.Seitdem geht’s schnurstracks nachvorn. 2020 war eine Nominierungfür denpopNRW-Preis drin,Festival-Aufrtitte warengeplant.Dadiese auch 2021 ausfallen,legenLobby Boystattdessenmit „Parade“ ihre ersteEPvor.Die fünf deutschsprachigenTrackssind klassischer, aber zielstrebigerIndie-Rock, derineinigenMomententextlich undatmosphärisch an DieÄrzte erinnert undstets mitguten Hooks auffährt.„Verschwitzt“ löstFlashbacksan2000er-Dissenaus,„Augenzu“ hatPotenzial fürmelancholischeSommernächte. VÖ: 19.4. 31

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