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Juni 2019 - coolibri Düsseldorf, Wuppertal

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KUNST H E R R M A N N -

KUNST H E R R M A N N - H A R R Y - S C H M I T Z - I N S T I T U T KunstaktionGerhard Harvan 1969 Zurück zu den Wurzeln Foto: Bernd Jansen Im historischen Uhrenturm desHermann-Harry-Schmitz-Instituts kann noch bisMitte Septemberder Künstler Gerhard Harvan wiederentdeckt werden. So unbekanntscheint Harvan nichtzusein, denn mehr als100 Besucher wolltenamEröffnungstag dasschmale Gebäudebetreten und sich beim Gang über dieHolztreppedie Ebenen erschließen, aufdenen eine ausgesuchte Auswahl vonRadierungen,Collagenund Bilderndes 1971 plötzlichverstorbenenKünstlers zu sehen sind.„Ichfreue mich sehr,dassdie Kunstvon GerhardsogroßesInteresse hervorruft“, betonte Renate Harvan. Selbst konstruierte Zeitröhren GerhardHarvan,der 1941 in Wien geborenwurde unddaraufimostdeutschen Görlitz aufgewachsenwar,zog es Anfangder 1960er-Jahre für einenlängerenAufenthaltnachLondon,das sich gerade zu einemkulturellen Dreh- undAngelpunktentwickelte.Zurück im geteilten Deutschlandwurde 1965 Düsseldorfzuseinem Lebens-und Schaffensort,woerein Studiuman derKunstakademie aufnahm.Seine Kunstwurde formal insbesondere vonJosephFaßbender undRolfSackenheimgeprägt,wohingegender Unterrichtbei Joseph Beuys „ihn zu unkonventionellenAktionenund außergewöhnlichen Assoziationen[ermutigte]“,wie BarbaraKönches in 34 einembiografischen Text zu Harvan schreibt. Dazu gehört auch seine„Spontanaktion“ am 23. Oktober1969um12.30 Uhrauf demGrabbeplatzvor dem1967neu entstandenenGebäude derKunsthalle, mitder er die„‚Sichtbarmachungder IntimenÄsthetik, Zyklusder Frau‘ darstellte unddie ‚Verschönerungdes Zyklus durch Underground-Musik‘ versprach“,soKönches.Die Auseinandersetzungmit demPhänomenZeit, ob miteiner Performancedirekt erlebbargemacht,oberfahrbar als Zyklusoderdurch dasLeben verstandenals eine immerwährende Zeit desWartens war fürHarvan daskünstlerische Thema, an demersichvielseitigund unermüdlich abarbeitete:mit eigenenZeitzonen auf seinen Blättern,selbstkonstruierten „Zeitröhren“ aus durchsichtigemPlexiglas,indenen ein Uhrwerkwar,mit Collagen,Lithographien und Objekten oder mitHilfedes Films. Grenzüberschreitungals Ausdrucksform TrotzzahlreicherAusstellungen Ende derSechzigerjahre bisindie früher Siebzigerhineingeriet Harvan nachseinemplötzlichenTod füreine breitere Öffentlichkeit in Vergessenheit. Das maganden Gepflogenheitender Kunstweltliegenoderandem Überschwanganbekannten Namen, diedie Düsseldorfer Szenenachihm dominierten. Daherist „Gerhard Harvan –Bilder undObjekte“die Gelegenheit, diespannenden Arbeiteneines damals jungen Künstlers zu besichtigenund gleichzeitig eine Zeitreiseindie Kulturgeschichte derStadt anzutreten–seies durch dieFotos vonBernd Jansen vonder PerformanceamGrabbeplatz wieauch in demBewusstseinaneinespezifischen Entwicklungsstufeder KunstimDeutschland derNachkriegszeit,woKünstlerauf derSuchewaren nach neuen grenzüberschreitenden,vielseitigenAusdrucksformen. Nach derSchau in Düsseldorf bleibt fürRenateHarvan dann nurein Wunsch, densie beider Eröffnungformulierte:„Wenn es gelänge,eineweitere WerkschauinGörlitz zu realisieren, ginge einHerzenswunschvon mirin Erfüllung. Und ichbin sicher,Gerhard empfände dasgenauso. Er hattejaseine Wurzelnindieser wunderschönen Stadt.“ Stefanie Roenneke GerhardHarvan–Bilder und Objekte: bis15.9., im Hermann-Harry-Schmitz-Institut im historischenUhrenturm,Düsseldorf, geöffnet immer montags18bis 20 Uhr; gerhardharvan.de

KUNST Once Upon ATime In Hollywood OBERHAUSEN Fürdie Ludwiggalerie Schloss Oberhausen hatdie JohnKobalFoundation ihrArchivgeöffnet: Biszum 15. September können dort„Hollywood Icons“ betrachtetwerden. Lupe VelezbyGeorgeHurrell,1931. Foto: Metro-Goldwyn-Mayer ©John Kobal Foundation Werheute Bilder vonseinenLieblingsstars sehenmöchte, wartetnicht Monate oder garJahre,bis neue Porträtaufnahmenoderdie ersten Standbildereines neuenFilms erschienen oder am Kinoausgehängt werden.Warum auch, denn es gibtdochInstagram,wosichneben Milliardenanderer Menschenauch Schauspieler– ob freiwilligoderweilesder Vertragsowill–zu jederZeitpräsentierenkönnen–mitoderohne Bezugzum neuen Film,meistensohne. Dadurch entsteht zwar einvielschichtiges,dadekonstruiertes Bild derHollywood-Stars,dochdamithat auch dieprägende Wirkungdes „Star-Images“ nachgelassen. Rita Hayworth by Robert Coburn forGilda,1946. Zurück insGoldenAge Hollywoods DieseEntwicklungschwingtinder Ausstellung „HollywoodIcons“nur als Vorahnungmit, geschuldet demhistorischen Wissen.Zusehen sind über 200Werke aus derJohn KobalFoundation, vondenen eine Vielzahlwährend dergoldenen ÄraHollywoods (von den1910er bisindie 1960er-Jahre) gemacht wurden, um Filmeund Stars zu bewerben undden Hollywood-Stil weltweit zu fördern. WeitereBilder gebenEinblickehinterdie Kulissen, wo dieFotografenungesehen arbeitenkonnten.ObJudyGarland,FredAstaireoderElizabeth Taylor:Die Bildersindein Sinnbild fürdie enorme Kraftdes Hollywood-Systems, daszeitlebensGesichter miteinem Typverknüpfen konnte undmittels Fiktiondas Lebennachhaltigdurchdringen konnte –inpositiver wieauch negativerWeise. DasBrüchige unterder Oberfläche So magisch dieAnziehungskraft dieser vornehmlichinSchwarz-Weiß gemachtenFotografien auch ist, es schimmertsowohl dieGeschichte desabgebildetenStars als auch die EntwicklungHollywoods durch dieFotografien hindurch.Daist der„versilberte Rebell“ Marlon Brando als „Der Wilde“ (1953),der mitseinem Method Acting dasSpiel derFilmstars revolutionierte undvon seiner Berufungdochzeitlebens gelangweiltwar,sichlieberpolitisch engagierte, Frauen eroberte unddie Langeweilemit Essen aufzulösenversuchte.OderMarlene Dietrich,fotografiertvon Eugene Robert Richee für „Marokko“ (1930),die spätereStil-Ikone, Foto: Columbia Pictures ©John Kobal Foundation Fred Astaire, attributed to John Miehle forTop Hat, 1935. dieihren Mythos zu pflegenwussteund sich in den1970er- Jahren in Paris zurückzog –Kontaktenur perTelefon. Undnatürlich JamesDean, dessen Tod, wieauch dervon Marilyn Monroe,die Brüchigkeithinterdem Star-Mythosoffengelegthat undeineganze Nation traumatisierte. Denn so glattund perfekt dieBilderder meistweißenSchauspielerinnen undSchauspieler scheinen,verbergen sieauch dieSchicksale, Tragödien undSkandale, dieHollywoodseitseinemBestehenprägen.Und Hollywood? Ende der1960er-Jahren endete die goldene Ärader Traumfabrik unddas NewHollywoodkam zur Blüte. Eine Zeit,inder diemächtigen, alteingesessenen StudiosanEinfluss verloren,der Regisseur alsAutor in denVordergrunddrang unddie alten, aufSilbergelatinegebranntenGesichter verschwandenund neue Stars dieBildfläche betraten.Die Verfehlungen unterder glatten, schönen Oberfläche sind geblieben–damals wieheute. Das hatzuletzt die #metoo-Debatte gezeigt. Gerade deshalb istdie zweifelhafteAnziehungskraftvon historischen Fotosmit einemvermeintlich perfektenStarungebrochen. Stefanie Roenneke Foto: RKO ©John Kobal Foundation HollywoodIcons –Fotografien ausder John Kobal Foundation: bis15.9., Ludwiggalerie Oberhausen; ludwiggalerie.de 35

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