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Juli 2016 - coolibri Düsseldorf

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T H E M A „ K l e i n

T H E M A „ K l e i n e r F i s c h “ Dem älteren Herrn kann nicht mehr geholfen werden. Er hält eine Telefonnummer aus dem Jahr 2005 in Händen und ist auf der Suche nach Glas Lennarz. Dort, wo das Unternehmen bis 2014 ansässig war, ist nunmehr allerdings die Kunst daheim. Seit Ende Juni residiert Gil Bronner mit seiner Sammlung Philara in dem Hinterhof an der Birkenstraße. Gil Bronner neben einem Werk von Jonas Maas Foto: Maria Litwa/laif,CourtesyPhilaraCollection Den Gebäudekomplex hat der Kunstsammler, der tagsüber in Immobilien macht, schon vor einigen Jahren erworben. Und das eigentlich nur wegen der Brombeeren. Aber dazu später. Zum Ortstermin erscheint Bronner minimal verspätet, obwohl er mit seinem Porsche gekommen ist. Ein Telefonat noch, ein kurzer Wortwechsel mit herumwuselnden Künstlern in fließendem Englisch. Dann ist er so weit. Auf einem Parcours, in dessen Verlauf wir über Bretter balancieren und uns in Kabeln verheddern, geht es durch die 1700 Quadratmeter große Räumlichkeit. Anderthalb Jahre hat der Umbau gedauert. Einen Millionenbetrag hat die Familienstiftung investiert. Unter der Leitung des Düsseldorfer Planungsbüros Sieber Architekten ist eine Reihe unterschiedlicher Räume entstanden. Imposant die Eingangshalle mit ihren neun Meter hohen Decken, dem abgetrennten Café sowie einem eigenen Veranstaltungsbereich. Den möchte Bronner gerne mit Konzerten bespielen, mit Vorträgen und Lesungen. Konkret ist in dieser Hinsicht aber noch nichts. Vier Wechselausstellungen Das sieht bei den Ausstellungen natürlich anders aus. Zusätzlich zur rotierenden Sammlungspräsentation soll es vier Wechselausstellungen pro Jahr geben. Die erste ist Friedrich 8 Kunath gewidmet. Ab Oktober folgt eine Gruppenschau mit Gregor Schneider, Bruce Nauman und Absalon. Fürs Kuratieren ist Katharina Klang zuständig. Die Direktorin der Sammlung ist mittlerweile bereits seit vier Jahren im Philara-Team. Wir passieren eine Sternenfotografie von Ruff und eine wandfüllende Arbeit des Leipziger Künstlers Christoph Ruckhäberle. Beide stammen aus Bronners Sammlung. Rund 1300 Werke umfasst die derzeit. 27 war er, als er mit dem Sammeln begann. „Viel zu spät“, befindet er heute. Sein jüngster Ankauf? Eine Wandinstallation von Anna Mazzei, die er in einer Galerie in Brüssel erwarb. 5000 Euro war der offizielle Preis, „natürlich wurde noch gehandelt“. In der Preisklasse trifft er eine Kaufentscheidung innerhalb von Minuten, „aus dem Bauch heraus“. Glaubt man ihm gerne. Bronner ist so direkt, wie es sich die meisten Menschen nicht leisten können. Er bezieht klar Stellung zu den Dingen, ob es nun Düsseldorfer Kulturpolitik ist, andere Sammler oder die Diskussion um Museumseintrittspreise. „Natürlich nehmen wir hier Eintritt“, sagt er entschieden. 10 bis 12 Euro werden es wohl werden. Dafür finden die Besucher Gegebenheiten vor, die viele Museumschefs vor Neid erblassen lassen dürften. Programmatisch möchte Bronner eine andere Richtung einschlagen als die etablierten Häuser. Gezeigt werden sollen auch jene jungen Künstler, die in K20 & Co. oft das Nachsehen haben. Alex Wissel zum Beispiel. „Wissel sehe ich in einer Reihe mit Kippenberger oder Polke“, befindet Bronner. Natürlich spiele die Kunst als Wertanlage durchaus eine Rolle beim Sammeln: „Ich bin nicht arm im herkömmlichen Sinne, aber im Vergleich zu anderen Sammlern ein kleiner Fisch.“ Blick auf Flingern zwischen Skulpturen Wir sind auf der Dachterrasse angekommen, von der aus man einen famosen Blick über Flingern genießt. Auf 550 Quadratmetern soll hier ein Skulpturengarten entstehen. Das aber braucht noch etwas Zeit. Selbst bei Bronner, der die Dinge gerne schnell erledigt. Für eins aber nimmt er sich immer Zeit. Für die Brombeeren, die hinter dem Haus am Rande stillgelegter Bahngleise wachsen. „Das war für mich der eigentliche Grund, den Komplex zu kaufen.“ Alexandra Wehrmann Eröffnung: 26.6., ab 15 Uhr, Eintritt frei, Sammlung Philara, Birkenstr. 47, Düsseldorf; philara.de, Di 16–20 Uhr (Besichtigung ohne Führung); Fr–Mo Führungen nach Voranmeldung, Wechselausstellung Friedrich Kunath: 26.6.–11.9.

Khanh Nguyen betreibt zurzeit vier vietnamesische Restaurants in Düsseldorf und macht gefühlt jedes halbe Jahr einen neuen Laden auf. Geplant war das alles nicht, sondern eher die Verkettung glücklicher Zufälle. Berit Kriegs traf ihn zum Gespräch im Quintooo. Als Khanh Nguyen 2008 das Khanh’s Lilly eröffnete, war er 30 Jahre alt und machte die Fehler, die man als Neuling in der Gastrobranche eben so macht. „Ich habe absolut falsch kalkuliert“, sagt er, trotz BWL-Studium und kaufmännischer Ausbildung. „Rückblickend erstaunlich, dass es funktioniert hat.“ Dem ersten gastronomischen Gehversuch folgte bald ein zweiter, das Cho. Beide Restaurants existieren noch, sind aber nicht mehr in Familienbesitz. Anders als Suzie Q, Scaramanga’s, Quintooo und Banh Boyo. Zu Werbezwecken besitzt Khanh auch einen Foodtruck, den er nur bespielt, wenn ihn jemand bucht. „Ich fahre nie auf irgendwelche Festivals.“ Der Mann im Hintergrund Geboren in Vietnam, kam Khanh 1984 mit seinen Eltern nach Deutschland, wo diese in den 90ern einen China-Imbiss in der Düsseldorfer Altstadt betrieben. Vietnamesische Küche, authentische zumal, suchte man bis in die Nullerjahre vergebens in der hiesigen Gastronomie. „Also dachte ich: Mach ein Restaurant auf, wo man kocht wie in der Heimat, wie zu Hause bei Mama.“ Mama war es auch, die damals hinter dem Herd stand – sie tut es bis heute. „Alle Rezepte stammen von meiner Mutter, sie ist regelmäßig in den Läden, kontrolliert alles und entwickelt mit den Küchenleuten neue Ideen.“ Eine Spezialität sind zum Beispiel die ‚vietnamesischen Tapas‘, kleine Portionen, die es dem Gast erlauben, mehrere Speisen zu probieren. Anstelle einer Speisekarte gibt es für jedes Gericht ein Kärtchen mit Foto und erläuterndem Text, auf einem Bestellschein trägt man die entsprechenden Nummern ein. Während das kulinarische Konzept in jedem Restaurant das gleiche ist, ähnelt optisch kein Laden dem anderen. Hingucker sind sie alle. Verantwortlich zeichnet der Düsseldorfer Innenarchitekt Mike Neubauer, der ab Khanh’s Lilly jede neue Location gestaltet hat. „Das war eine sehr glückliche Zufallsbekanntschaft.“ Neubauer vermittelte auch den Kontakt zu der Grafikerin Judith Nacke, die das Corporate Design für die Läden entwarf und das Bestellsystem entwickelte. „Das eine hat das andere ergeben“, sagt Khanh. „Man hat auf dem Weg in die Selbstständigkeit die richtigen Leute und instinktiv die richtigen Entscheidungen getroffen.“ Kein typischer Gastronom Die Verbindung von originellem Design und traditioneller Küche kommt sehr gut an, trägt aber nicht allein eine erfolgreiche Gastronomie. Der Rest ist vor allem: „Harte Arbeit.“ Khanhs Woche hat sieben Arbeitstage, für seine Mitarbeiter ist er immer erreichbar. Er selbst, seine Mutter oder sein Schwager sind täglich in einem der Betriebe präsent, um reibungslose Abläufe sicherzustellen. „Wir kochen alles selbst, bereiten jede Bestellung frisch zu, verwenden kein Glutamat, gehen extrem auf Kundenwünsche ein.“ Khanh Nguyen ist nicht der typische Gastronom, der gerne in der Öffentlichkeit steht. Lieber organisiert er im Hintergrund, statt vorne an der Front zu sein, auch wenn er schon mal im Service aushilft. Aber er ist ein Mensch, der gerne Neues ausprobiert, mit offenen Augen durch die Welt geht und Chancen wahrnimmt, wenn sie sich bieten. Zum Zeitpunkt des Gesprächs ist Laden Nummer fünf in Arbeit: Im Juli eröffnet das Sushi Kamikaze im Jesus-Haus an der Grafenberger Allee, ein Sushi- und Grillrestaurant mit Lieferservice. Khanhs Partner, der den Betrieb führen wird, ist ein erfahrener Sushikoch; er selbst übernimmt erstmals als Gesellschafter und Teilhaber die Rolle des gastronomischen Beraters im Background. Es wird vermutlich nicht sein letztes Projekt sein, konkrete Pläne gibt es jedoch keine. „Ich will nicht ausschließen, dass mir heute Nachmittag oder morgen oder vielleicht erst in zwei Jahren eine Idee kommt. Das plane ich nie im Voraus. Aber grundsätzlich: Wenn sich etwas ergibt und ich ein gutes Bauchgefühl habe, dann greife ich zu.“ 9 Foto: Christof Wolff

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