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Juli 2016 - coolibri Düsseldorf

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K U N S T M U S E U M V

K U N S T M U S E U M V A N B O M M E L V A N D A M Cornelia Schleime, aus der Serie „See you“ Foto: Bernd Borchardt Cornelia Schleime, aus der Serie „See you“ Foto: Bernd Borchardt Inspiration Beagle Die Biografie von Cornelia Schleime kommt – verglichen mit anderen Künstlern – auf den ersten Blick erstaunlich wenig zielstrebig daher. In der DDR absolvierte sie zunächst eine Friseurlehre, später studierte sie Maskenbildnerei und verdiente ihr Geld als Pferdepflegerin. Künstlerin ist sie letztendlich doch geworden. Und was für eine! 54 Erst einmal aber musste sie die DDR hinter sich lassen. Dort galt ihre Kunst vielen als suspekt. Schleime war Mitglied einer Punkband, organisierte eigene Ausstellungen (was man ohne Genehmigung der Akademie eigentlich nicht durfte). „Meine Frauenbilder waren in einer Sprache, wie sie nicht sein sollten“, sagte sie mal in einem Interview. Ihre Performances wurden als „Müllkunst“ verspottet. Für die Künstlerin gab es nur eine Lösung: raus aus dem Arbeiter- und Bauernstaat. Sie stellte fünf Ausreiseanträge, der letzte hatte 1984 Erfolg. Innerhalb von 24 Stunden musste sie die DDR verlassen. Ihre Werke wollte sie nachholen. Als sie aber nur einen Tag nach der Ausreise zu ihrer Ost-Berliner Wohnung zurückkehrte, fand sie diese aufgebrochen vor. Die rund 1000 Arbeiten von ihr waren verschwunden und tauchten nie wieder auf. Schleime ließ sich dadurch nicht entmutigen, natürlich machte sie weiter. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind derzeit im Venloer Museum van Bommel van Dam zu sehen. Unter dem Titel „Ich zeige nicht alles“ präsentiert das Haus Schleime-Arbeiten auf Papier. Expressiv, ja, fast surrealistisch kommen die Zeichnungen der Serien „Animation“, „Camouflage“, „Mutationen“, „Köpfe“ und „See you“ daher. Die Mutationsbilder seien dabei, so die Künstlerin, ganz nah bei ihr. „Egal, ob ein Künstler eine Linie malt oder eine Kartoffel, es ist immer eine Form von Selbstporträt, weil Energien von einem da drin sind.“ Ihre Themen änderten sich dabei mit dem eigenen Leben. Über die Papstbilder verarbeitete sie den Tod ihres Vaters. Und als ihr Beagle ein Beutetier anschleppte, inspirierte sie das zu einer Serie mit Meute- und Jagdszenen. Nicht zuletzt ist auch weibliche Sexualität bei Cornelia Schleime immer wieder ein Thema. Diese Bilder sehe sie allerdings nicht als Provokation, so Schleime ausdrücklich „Wenn ich eine Möse zeichne, denke ich nicht an Sex, vielleicht eher an eine Blume.“ Alexandra Wehrmann Cornelia Schleime „Ich zeige nicht alles“: bis 25.9. Museum van Bommel van Dam, Deken van Oppensingel 6, Venlo, Di–So 11–17 Uhr

K U N S T G A L E R I E H A N S M A Y E R Die neue Normalität Zeit sei das neue Luxusgut, liest man dieser Tage häufig. Tony Oursler ist schon einen Schritt weiter. Der Künstler kann sich eine ganze Industrie vorstellen, die Privatspäre und Isolation verkauft. Ein ebenso unheimlicher wie spannender Gedanke. Eine kleine Kabine ist des US-Amerikaners Vision, die man mieten kann und in der man von allem abgeschirmt ist: W-Lan, Handys, kosmische Strahlung und so weiter. Mit dem Thema beschäftigt sich Oursler in seiner nächsten Installation. Die ist also eine gedankliche Weiterentwicklung der Arbeiten, die derzeit in der Düsseldorfer Galerie Hans Mayer ausgestellt sind. Die multimedialen Werke kreisen um das Thema Gesichtserkennungssysteme. „Mich interessiert der Aspekt der persönlichen Macht im Big-Brother-Staat“, sagt Oursler. An dem Thema ist er Tony Oursler: „pU#\*c“ Tony Oursler: „N^u“, 2016 schon seit den späten 1980er Jahren dran. Damals experimentierte er mit vergleichsweise unschuldigen Heimüberwachungskameras. Seitdem wurden die Technologien ständig optimiert und ermöglichen nunmehr eine immer aktivere und allgegenwärtigere Kontrolle. Natürlich habe das etwas Unheimliches, so Oursler. Gleichzeitig hält er es für möglich, dass man über die gesammelten Daten Einblicke in das menschenähnliche Wesen erhält, „und vielleicht auch Lösungen für manche unserer Probleme“. Er für sein Teil schätzt die Situation realistisch ein, weiß, dass man den Lauf der Dinge nicht aufhalten kann: „So oder so, das ist die neue Normalität.“ Als Techno-Fetischist sieht sich der Künstler dennoch nicht. Ihn interessieren vielmehr Erfolg und Misserfolg der Werkzeuge, sagt Oursler und erzählt die Geschichte des Logan Airport in Bosten. Der hatte einst ein flächendeckendes Gesichtserkennungssystem installiert, das nur ein Problem hatte: Seine Erfolgsquote lag bei null Prozent. Es identifizierte nie auch nur eine einzige Person. AW Tony Oursler „pU#\*c“: bis 27.8. Galerie Hans Mayer, Grabbeplatz 2, Düsseldorf; Di–Fr 10–18, Sa 12–16 Uhr 55 Fotos [2]: Sonia Folkmann

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