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Januar 2022 - coolibri

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THEMA Johannes

THEMA Johannes Floehr,geboren in Willich.Satiriker,Moderator,Autor undSlam-Poet.Alsogut beschäftigt. Foto: Marit Blossey „Vorm Scheitern ist niemand sicher“ In der jüngst erschienenen Anthologie „Abendkasse. Eure schlimmsten Bühnenstorys“ berichtenProtagonist:innen derLiteratur-, Kunst-, Konzert- und TV-Landschaft anekdotenhaftvon kleinen undgrößeren Missgeschickenaus ihrem Alltag im Rampenlicht. Das ist malskurril,mal beklemmend, vorallem aber brüllendkomisch. RobertTargan stellt Buchund Herausgeber:innen vor. Am Anfangstand eine rechtsimple, jedoch auch äußerstdirekteFrage: „Waswar dein beschissensterAuftritt?“ UrheberdieserDenksportaufgabe warender ComiczeichnerAndre Lux(„EgonForever“) sowie derAutor Johannes Floehr.ObimBackstage-Gesprächoderauf virtuellemWege –unzählige Kolleg:innen aus derKulturszene hatten überraschende,lustige undnicht selten auch ziemlich unangenehmeStorysfür diebeiden parat. Wenn etwa nach demAuftrittstatt desgemütlichen Hotelbetts einausrangierter DDR-Schlafwagen wartet, sich Sängerinnen beim GigamMikro einenZahnausschlagen oder dasvollmundigangekündigteCatering-Buffetaus einemhalben Laib Brot samt Marmeladen-Pottbesteht,hinterlässt dasebenSpuren. Da fälltesdann auch kaum insGewicht,obessich beider Location um einenProvinz-Jugendclub oder Rock am Ring handelt: 8 Wersichregelmäßigauf eine Bühnestellt, hatirgendwann (ungewollt) einspannendesRepertoire an denkwürdigenBegebenheitenzubieten. Das wissendie beiden KulturschaffendenAndre Luxund Johannes Floehr auseigener Erfahrungnur zu gut;Letzterer hatunzählige Abende aufPoetrySlam-,Comedy- undKabarettbühnen vorzuweisenund weiß: „Ohnedie Gefahr, dass etwasschiefgeht, würden Live-Auftrittenicht so viel Adrenalin ausstoßen.Und daswäre ja langweilig! Wenn mansichauf derBühne verspricht,etwas vergisst,sichverspieltodersonst irgendwiezum Dödel macht,entstehen oftdie aufregendsten Momente.“Und genausolche Momentehaben diebeiden Herausgeber nunineinerund250 Seiten starke Anthologiegepackt.„Abendkasse.Eure schlimmsten Bühnenstorys“ver-

THEMA sammeltüber200 Berichte vonunter anderemDeichkind, Judith Holofernes,DangerDan,Laura Karasek, Gentleman, Mark Benecke,MoritzNeumeier, Fatoni,Antilopen Gang,Micky Beisenherz, Donots oder auch den12Cellisten derBerliner Philharmoniker.Manche derErlebnisse erstrecken sich über mehrere Buchseiten,anderewiederumkommenmit nurwenigen Zeilen aus –Anekdoten eben,die durch thematisch passende Comics undIllustrationen abgerundetwerden. „VormScheitern“, so weiß Johannes Floehr,„istniemand sicher,egalwie groß dieeigeneProminenz oder dieBühne sein mögen.“ Gleichzeitig stellt derinHamburglebende Autoraberauch den Mehrwert dieser Tatsache heraus:„Das verbindet.“ Sinn fürHumorund Selbstironie Wereinmal mitdem Blättern in derTextsammlungbegonnen hat, legt siesoschnell nichtwiederzur Seite: Dieangenehmunangenehmen Bühnengeschichten kommen kurzweiligdaher, zudembeweisen dieerzählendenKünstler:innen Sinn für Humorund Selbstironie.Dawärenetwadie Erinnerungender Autorinund Musikerin AylinCelik an eine Zuschauerin,die während einerVeranstaltung seelenruhigdamitbegann,einePapaya zu schneiden undweitere Speisenaus einerSnackboxim Publikum herumzureichen. „Wer war sie? Waswolltesie?Und wiesoisstman Papayasgenerell?“, fragtsichCelik heute. Oder dieSchauspielerin undComedienneLisaFeller, dieauf ihr Engagement beieinem Firmeneventzurückblickt,indessenZuge derChefdie baldigeEntlassung einesGroßteils derBelegschaft verkündete –und ergänzte:„Wirsagen aber jetztnoch nicht, werdas ist, damitSie denheutigenAbend noch in Ruhe genießen können!“ Lebt dasBuch auch vonSchadenfreude?Diese,soMitherausgeberJohannes Floehr,sei beider Lektüresichernicht zu leugnen. Jedoch stündeneherMitgefühlund dieLiebe zurBühne als vorherrschende GefühleimMittelpunkt.Wie wichtigihm undall seinen Kolleg:innen eben dieseLiebe zurBühneist, verdeutlichtFloehrmit einemBlick aufdie anhaltendePandemie-Situation: „Niemand aus derKulturbranche kann mir erzählen, dass dieseZeitauch “eineChance„ sei. WerKulturliebt, musssichSorgenmachen. SämtlicheErlösedes Buchsgehen daheranden Solidaritätsfonds#handforahand,anden sich freiberufliche,hinterder Bühnetätigeund derzeitfinanziellleidende Menschen wendenkönnen.“Die schlimmen Bühnenstorys, diedain„Abendkasse“nachzulesen sind,besitzenalsoeinendurchausbemerkenswertenHintergrund. DasBuch: Johannes Floehr undAndre Lux(Hrsg.): „Abendkasse. Eure schlimmstenBühnenstorys“, Lektora,252 Seiten,19,80 Euro Über #handforahand: Seit Beginn derCorona-Pandemiewurdenhierzulande mehrere hunderttausendVeranstaltungen abgesagt.Diessorgteund sorgtimKulturbetrieb fürmassive Umsatzausfälle –betroffen sind nebenden Künstler:innen auch freiberufliche BühnenundTontechniker:innen,Beleuchter:innen,Stagehandsund Veranstaltungshelfer:innen.Dadie aufgelegtenSoforthilfeprogrammenicht alleBetroffenen erreichen, wurde derSolidaritätsfonds #handforahand insLeben gerufen: Infos undSpendemöglichkeit unterhandforahand.de Floehr arbeitet undlebtinHamburg. Foto: Fabian Stürtz Foto: Lektora 9

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