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Januar 2022 - coolibri

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MUSIK V ON HIER

MUSIK V ON HIER Unbesiegbare Freundschaft FrontmannCosta (4.v.l.) unddie Band „Sondaschule“: eins derletzten Fotosinder Besetzung, dieauf demneuen Album„Unbesiegbar“ zu hörenist.ImJuniverstarbGitarristDaniel(2.v.l.), genannt„Blubbi“,unerwartet. Foto: Flo Ehlich Manwollte gerade miteinem Paukenschlagzurückkehren, da wurde Sondaschule aus Mülheim a.d. Ruhr und Oberhausen der Boden unterden Füßen weggerissen.Das neue Album„Unbesiegbar“ warbereits fertig,als im vergangenen Juni innerhalb weniger Tage im KrankenhausGitarrist Daniel,auch „Blubbi“genannt, unerwartet verstarb. DiePlattefolgttrotzdem underöffnetfür die Band das Jahr2022. Christopher Filipecki sprach mitFrontmann Costa über Pläne, ungewollten Stillstand undFreundschaft. Der14.1. istder zweite FreitagimJanuar. Dann erscheinteuerneuesAlbum„Unbesiegbar“ –quasi euer Vorsatzfür 2022? Zumeinen einwünschenswerter Vorsatzfür dieZukunft, aber auch in der Retrospektive. Alle haben mitbekommen,dassesfür Bandsinder letzten Zeit sehr schwierigwar,vielzumachen. Außerdem gibt es unsimkommenden Jahr 20 Jahre–insgesamt alsoeineguteÜberschriftfür 2021. Eigentlich sollte das Albumschon im Sommer kommen,aber schreckliche Umstände,haben euchdaran gehindert. Wieblicktihr auf2021zurück? Eingutes Wort wäre wohl „Turbulent“. Krassund einschneidend. Durch die Pandemiewar es schwer,das Jahr zu überstehen bzw. es angenehm zu gestalten. Dazu kamdann,dassunser GitarristDaniel „Blubbi“Junker sehr,sehrunerwartetgestorben ist. Vonder Einlieferungins Krankenhaus biszum Todwar es gerade maleineWoche.Von Null aufHundert war somitein Riesenloch da,mit demwir nichtwussten umzugehen. Wirhaben unserstmal zwei Monate zurückgezogen,warenfüreinander da,haben dieÖffentlichkeit außenvorgelassenund es mituns ausgemacht,indem wirvielgeweintund gesprochen haben.Man merkte,wie wichtigwir uns allen sind.Dadurch haben wir neue Kraftgesammelt. Das Albumheißt „Unbesiegbar“ undwir wissen, dass Blubbi es genausogewollthätte. Würdestdusomit sagen, dass2020und 21 eure bisher schwierigsten Jahrewaren in zwei DekadenBandgeschichte? Ichsageimmer,dasswir vorher in einemZug gesessen haben,der gefahrenist.Mal langsam, malschnell,aberstetiginBewegung. Derhat im April 2020 daserste Malangehalten, aussteigen konnte manabernicht und sich dieschöne, heileWeltdraußen angucken.Man saßeinfachimZug. Wenn überhauptkam malder Schaffnervorbeiund hateinen Kaffee vorbeigebracht.Wir haben gewartet, dass derICE unsüberholtund wiranschließend in denBahnhof einfahrendürfen. Dererste MonatRuheist dann auch erst ganz lustig,dann mussman aber dieZeitnutzen,darüber nachzudenken,wie es nunweitergeht. Das gabesvorhernie.Wir haben dann mitSongschreiben undeinem Filmdreh weitergemacht.Trotzdem sehenwir unsaberals Livebandmit Publikum,umeineguteParty zu haben, waskomplettweggebrochenist.Eigentlich hatman ja gehofft, 2021 normalisiert sich alles wieder,was sich nichtbestätigthat.Kurzzeitiggab es Lichtblicke, wir haben auch einpaarOpen-Air-Konzerteunter besonderenAuflagenspielen können, aber es istebennicht dasselbe.Somit istes allen nurzuwünschen, dass es in 2022 wieder „normale“Zeitengibt. Dafürwar eigentlich füreureFansdas ganzeJahr über Weihnachten.Wie kamdie Idee zu euremFilm, derseitJuniin13Teilenveröffentlichtwird? Das istdie „Der Zughältan“-Idee.Ein komplett neuesMetier, an daswir unsherangewagt haben.Alles selbstgemachtund auseigener Hand.Über einenFreundkam ichandie Nummer vonRalf Richter, deruns auch schon kannte undsofortbegeistert war,genausowie Slavko Popadicund Marlene Tanzcik. Leute, diewir großartigfinden, worauf wirsomit auch stolz sind,dasssie sich fürdas Projektbereiterklärthaben.Mit derHilfevon Ingo Schmollund FlorianEhlich haben wir gedreht. DerFilm läuftaktuell als Serieineinzelnen Episoden,man kann ihn aber auch komplett im Januargucken,daerbeimAlbum beiliegt. Und wir werden ihnauch im Kino zeigen.Die Resonanz istsehrgut,besonders aufdie Musikvideos. DiegesamteStory ergibt sich aber erst,wennman alle Folgen als Film sieht. Dann wirdbestimmt noch eine größere Reaktionaufs Schauspiel folgen. Trotz Corona ist„Unbesiegbar“ einAlbum voller Energieund geht nach vorne. Wiewürdest du das Albumskizzieren? Hinter jedemSongsteckteinekonkrete Geschichte oder einkonkreterAnsatzpunkt.„Ichversprechemir selbst“ist mir persönlich sehr,sehrwichtig. Wir wareneigentlich dabei, unsein neuesProduktionsteam zu suchen, dann kamjedochdie Pandemie undalles war in derSchwebe.Als derSong entstand war dasein Moment,indem ichnicht wusste,wie es weitergeht undich mirdurch dasSchreiben selbst Mutzugesprochenhabe. Ichhabe eine unklare Situationdamitverarbeitetund sehr persönlicheEinblicke einfließenlassen. „GuteZeiten“ isteineähnliche Thematik,weilwir darin in dieZukunftgehen,umunser Glückzufinden. „Bevor ichirgendwann 30

MUSIK V ON HIER malgeh“war zunächst aufdie Freundschaft in derBandbezogen,weilich gemerkt habe, wieman zusammenhält, wenn es gerade nichtgut läuft– durch BlubbisTod hatder Song aber einenkomplettneuenAnstricherhalten. Eigentlich gingeszunächst alsonicht darum, einemgegangenen Menschen eine Hymnezuliefern, sondern dass wir als Freundenochweit reisen wollen.Durch denTod istermir noch näher ansHerzgewachsen. Wahrscheinlichalsodas persönlichste Album, waswir je gemachthaben. „Merkstdunicht“trifft denanherrschenden Zeitgeist. Zufall? Nein,das kann ichganzklarsagen.Ich möchteesnicht nurauf Corona beziehen,aberauch in meinem Bekanntenkreiskommt es immer öfter vor, dass maninteressanteMeinungen hört. Wir wissen alle nicht, wasrichtig undfalschist.Mir geht es darum, dass manauch malübersichund den anderenlachenkann,umdann wieder eine Diskussionzustarten und nichtimmer mehr Gräben zu schaffen.Die Gesellschaft wird immer gespaltener, auch beiden kleinstenMeinungsverschiedenheiten.Deswegen istdie Zeile„Merkstdunicht,dassdudoofbist“ einkleiner Hinweisfür beide Seiten,dassman sich an einengemeinsamen Tischsetzensollte, um zu merken,was mananeinanderhat.Damitwäre unsallen viel geholfen. DieaktuelleSingleheißt „Beverly Hills“ –wartihr schonmal dort? NicoSuave–Gute Neuigkeiten DeutscherRap istseitJahrendas Dinginden Charts.Dochauch schon weit vorher gabesein paar deutsche Künstler:innen in derSzene,die ihre Aussagen in Sprechgesang zu verpacken pflegten.Nico Suaveist in Mendengeboren,seitzweiJahrzehntenamStart undhat mitGrößen wieDendemann,SamyDeluxe, DeichkindoderBeginner gewerkelt. Mit„Gute Neuigkeiten“ stehtseinfünftes Soloalbum in denRegalen unddas erstenach sechsJahrenPause.Wer klassischenGangster-Raperwartet, schaut schnellindie Röhre,dennSuave legt diesmalseinenFokus aufmelodiösenPop,bei demdie Lyrics stetsgekonntzur Geltungkommen. MitFeaturesvon Johannes Oerding, Jeanette Biedermann,Seven undweiteren istAbwechslungamMic geboten. „AltesHaus“ist kuschelig-romantisch, „Ich lauf“ tanzbar, „Nie geboren“ besondersnachdenklich. VÖ 21.1.22 Antilopen Gang – Antilopen GeldwäscheSampler1 Konventionell? Kann jede:r. DieAntilopen Gang standschon immer fürirrwitzigeIdeen, Mut, Politikund einwenig Andersartigkeit. Genaudas bringt dasRap-Kollektiv aus Düsseldorfund Aachen nunpassend zum Heiligen Abendauf denPunkt.Der Sampler zeigt, dass sich Koljah,Panik Panzer undDangerDan etwastrauen. Einerseits liefernsie fast schon demoartigendeutschen Hip-Hop, dervor den ganz großen Themen wieRechtsextremismuskeinenHaltmacht,andererseits gibtessogar ersteSolopfade vonPanik Panzer undkostenlos als Topping Featuresvon MaxHerre,Zugezogen Maskulin,Maeckes und mehr.Ach ja,und einenBallermann- Song.Antilopensganzpersönliche „BravoHits“. VÖ 24.12.21 Nee, aber wir haben Oberhausen-Alstaden, wasneben Mülheim-Styrum liegt, wo ichherkomme, unddas war füruns immer „Beverly Alstaden“. Da sind Einfamilienhäuser undauch malein Pool im Garten,das gabesin Styrum nicht. DerSongist über meineJugend, alsoeineZeit, in derman kein Geld in derTaschehatte,sondern mitallen im Vorraumvom Hochhaus im Winterzusammengesessenhat,weileskaltwar undman dabei Musikgehörthat.Das istsomeinBild. Unsgingesbei denBriefkästen im Vorraumgut –gefühlt haben wir unsauch so wiedie coolsten Säueder Stadt. WievielGeld manhat,ist irrelevant. Wichtigist nur, dass mansich selbst totalgut findetund manmit wenigMitteln einschönes Lebenhabenkann.Der Rasenvom Nachbarn istzwarimmer grüner unddas Auto schöner, aber dasist einIrrglaube. Mansolltevielmehrmerken,wie gutes einemeigentlich geht,was auch unserMotto ist. Wärtihr denn gerne unbesiegbar? Vielleicht im Sinne vonunsterblich? Überhauptnicht.„Unbesiegbar“ wirdoft wieindem Film „300“ mitLeuten gleichgesetzt, dievollerKraft gegenandere kämpfen. Aber füruns istdas Freundschaft, Liebeund Zusammenhalt. 20 JahreSondaschule,das ist unbesiegbar.Auch wenn es unsirgendwann alsBandvielleichtnicht mehr gibt oder so Dinge wiemit Blubbi passieren. Wirsindnicht als Menschen unbesiegbar, niemandist das. Aber dasGefühlfür dieSache schon. Unheilig –Lichterland Im letzten JahrzehntdominiertenDer Graf aus Aachen undseine Band Unheiligdie deutschen Charts.Das 2010 erschieneneAlbum „Große Freiheit“ erreichteNeunfachplatinund zähltdamitzuden bestverkauften AlbenallerZeiteninDeutschland.Seit2016gibtesdie Band offiziellnicht mehr, doch mit„Lichterland“ stehteineneue Veröffentlichunginden Regalen. Zwar handeltessichdabei um diedritteBest-of-Platteinnerhalb vonsiebenJahren, bestehtallerdingsaus den21größtenHitszuzüglich 14 Weihnachtssongs, diegrößtenteils bisher unveröffentlichtwaren.Zehnstammenaus derFeder desGrafen, vier sind bekannte Traditionals wie„Leise rieseltder Schnee“. Fürdie ganz großenFanslohnt es sich,nachder DeluxeEdition zu greifen, welcheviel Bonusmaterial bietet, u.a. dasAbschiedskonzert aus Köln als Livemitschnitt. VÖ 12.11.21 The Mourning Post –Colors Outside Vorgenau einerHandvollJahrensah es eigentlich so aus,als könntenThe Mourning Post –die sich aus vier Jungsaus Grevenbroich,Düsseldorfund Köln zusammensetzen –richtig durchstarten.Jedoch machten es der Ausstieg vonMitgliedern undganzbesonders derVerlust desProbenraumsder Band nichteinfach. Doch Zeit heiltalleWunden. EinpaarJahre mehr Erfahrungauf undhinterder Bühnehaben denSound reifen lassen, sodass nunmit derzweiten EP „ColorsOutside“die Ampeln hoffentlich längerauf Grün stehen.Der melodische Post-Emo-Sound,der direkt an dieguten,alten,ersten00s-Jahre erinnert, löstsentimentaleFlashbacks aus,die aber keinesfalls peinlich, sondernvielmehrcharmantkicken. DieVorabsingle„Den“ gibt direkt den richtigenVorgeschmack, warumes sich lohnt, die„Farben da draußen“ zu entdecken. VÖ 19.11.21 cf 31

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