Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
Aufrufe
vor 3 Jahren

Januar 2016 - coolibri Ruhrgebiet

  • Text
  • Bochum
  • Dortmund
  • Oberhausen
  • Charts
  • Duisburg
  • Oper
  • Musical
  • Jazz
  • Musik
  • Schauspielhaus

M U S I K V O N H I E R

M U S I K V O N H I E R Die Dortmunder Noise-Punks Antenna klingen, als hätte Produzent Steve Albini ein Album von Die Nerven produziert: schwerfällig, verschleppt, aber feinste Post-Wave-Gitarren und ein Gesang, der stets kurz vor dem Zusammenbruch steht. Hier wird der Hass auf dem Millimeterpapier genauestens skizziert. Das Label tanzaufdenruinen hat ihr Debüt auf Vinyl veröffentlicht. Songtitel wie „mehr Kontakt, mehr Scheiße“ oder „Unbezahlte Überstunden“ sind hier die wütende, aber wehende Richtschnur. antennapunkband.bandcamp.com I am Jerry Party und Endzeitstimmung Vermummte Gestalten tanzen im Zwielicht, eine Deutschlandflagge brennt. Die Message des Videos: „Alles muss neu.“ I Am Jerry aus Bochum und Sprockhövel haben Bock auf Party – aber auch auf Songs mit Aussage. Das brachte sie zum Reeperbahn Festival und ins Line-Up des Juicy Beats 2016. Inga Pöting sprach mit Sänger Julian Kleinert. Euer Sound erinnert Viele an Bilderbuch. Was sagt ihr selbst? Klar, kommen die meisten erst mal mit Vergleichen. Das braucht ja auch jeder – eine Schublade, eine Kategorie. Uns selbst macht das allerdings nicht allzu viel aus. Wir sind sehr offen und setzen uns keine Grenzen. Das war schon immer unsere Devise: vielseitig sein, spannende, abwechslungsreiche Musik zu machen. Wir bedienen uns da bei jedem Genre, wie man bei den nächsten Veröffentlichungen auch merken wird. „Das Video adaptiert Quentin Tarantino, Trash und Kanye West.“ Wie kam es zur Kooperation mit Rapper Olexesh? Für „Alles muss neu“ hatten wir einen Remix gemacht, den wir fett fanden und bei dem wir dachten, da muss noch ein Rap-Part drauf. Olexesh feiern wir im Moment sehr. Wir haben ihn dann über‘s Label angefragt, und er hatte sofort Bock und hat uns schon einen Tag später eine WhatsApp- Nachricht mit seinem Part geschickt – mit der Frage, ob’s so cool wäre! Auf jeden Fall ein sehr entspannter Dude, sehr korrekt von ihm. Wir freuen uns sehr über’s Feature! Die Videos zu euren ersten beiden Singles sind sehr professionell – wie bekommt man gleich zu Anfang so ein hohes Niveau hin? Beide Videos sind komplett selbst gemacht und ich denke, der große Faktor, warum es am Ende professionell aussieht, ist der, dass man weiß, was man will. Zu „Vollkontakt“ gab es vier verschiedene Versionen, die alle einen anderen Ansatz verfolgt haben. Am Ende ist es dann glücklicherweise auch die beste Idee geworden – also ein Ansatz, der Quentin Tarantino, Trash und Kanye West adaptiert. In Eigenregie ist so ein Video mit so vielen Leuten dann doch ein Haufen Arbeit. Aber es hat sich gelohnt! 29.–30.7., Juicy Beats Festival, Dortmund warnermusic.de/i-am-jerry Foto: Joseph Boys Tigerjunge aus dem Ruhrgebiet kombinieren Punk, Sounds, Techno und einen Gesang, der leicht gehetzt, aber selbstbewusst von letzter Hoffnung, falscher Richtung und bösen Ladies erzählt. Dabei scheint das ein oder andere Fragment wie ein Echo aus anderem Kontext. Die Band erklärt’s: „Zitate werden komplett entwurzelt, schockgefrostet, geklont und mit den wichtigsten Vitaminen wieder zusammengesetzt.“ Funktioniert. facebook.com/meintigerjunge Jan Bierther hat in Amsterdam Jazzgitarre studiert und macht seitdem die Jazzlandschaft an der Ruhr unsicher. Kollege Ali Claudi gehört zu den Ersten überhaupt, die den Gitarrenjazz in Deutschland wagten. Die Live-CD „jazz guitar summit“ nahmen die beiden Solisten im Jazzclub Mülheim und in der Fabrik K14 in Oberhausen mit einer starken Rhythmusgruppe auf. Das spielfreudige Saitengefrickel streift Swing, Bebop, R’n’B und Funk und wird zusätzlich durch Claudis markante Stimme unterstützt. makro-musikverlag.de Dass mit Akustikgitarre, Mandoline und Harp weiche, unaufgeregte Songs entstehen, ist keine große Überraschung. Doch Mario Drees hat auch ein Händchen für die richtige Dosierung der feinen Zutaten. Hier und da mischen sich Piano, Akkordeon und eine zweite Stimme in die Harmonien, die von Menschen, der Gesellschaft und im Fall von „Home“ vom geliebten Ruhrgebiet erzählen. Sein Album „Back Roads“ präsentiert der Songwriter am 27.+28.12. in der Kajüte in Haltern am See und am 3.1. im Passmanns in Bottrop. mario-drees.de Deutsche Texte, gegrölte Chöre, dreckige Riffs und immer voll auf die zwölf: Neurotox aus Rheinberg versuchen nicht, das Rad neu zu erfinden. Sie setzen auf einen hohen Partyfaktor und Texte, die jeder mitsingen kann. Das Mastering des Zweitlings „Stein für Stein“ übernahm Danny Giordana (Monster Magnet, Hatebreed). Man möchte Schnulzenschreiber wie Revolverheld mit ihnen in einen Proberaum stecken und sagen: So macht man das. neurotox.de

A L B E N INGO KNOLLMANN (DONOTS) AXEL RUDI PELL EKKI MAAS (ERDMÖBEL) Lucero – All A Man Should do Sollte Springsteen eines Tages eine Vermissten-Anzeige aufgeben, um einen verstoßenen, versoffenen Bruder mit Hang zur Spielsucht wiederzufinden: Ich werde ihm einfach „All A Man Should Do“, das Album der Country-Punker Lucero zuschicken – und wissend lächeln. Sein Bruder im Geiste heißt Ben Nichols. Mit Homebase in Memphis ist er der Typ Mensch, der Melancholie mit Asi-Charme paart. Hier gibt es Whiskyflecken auf einem Teppich und viel mehr Cunt als Country! Großartig! AS/Rough Trade Alben des Jahres David Gilmour – Rattle That Lock Pink Floyd sind tot, es lebe David Gilmour. Von seinem gefühlvollen und faszinierenden Gitarrenspiel hat Mr. Gilmour auch im fortgeschrittenen Alter (fast 70) nichts eingebüßt. Natürlich sind die Kompositionen heute nicht mehr so tiefgängig wie in den progressiven 1970ern. Es ist aber auf keinen Fall ein Album mit dem Attribut „Fahrstuhlmusik“ geworden. Wohl durchdacht offenbart sich ein beruhigender Hörgenuss, wenn auch nicht bei allen Tracks. Er ist besser, als manches neues „Talent“. Sony Music Darwin Deez – Double Down Darwin weicht auf seinem dritten Album keinen Zentimeter von seiner Formel ab und legt wieder ein Meisterwerk vor. Und es wächst bei jedem Hören. Natürlich wieder selbst produziert, gespielt, gesungen. „Right When It Rains“ rührt mich wahlweise zu Tränen oder erzeugt Dauergänsehaut. Solche Kompositionen und Aufnahmen sind der Grund, warum ich immer noch Musik höre. Es ist auf allen Ebenen raffiniert -und überhaupt nicht so schwierig, wie es sich beim ersten Mal anhört. Lucky Number/Rough Trade Sechs Musiker verraten, welche Platten sie 2015 bewegt, berührt und begeistert haben. BÜLENT DEMIRTAS (ZWEI SEITEN) SÖREN SCHILLING (KETZER) JÖRG HUGGY BORGHARDT Zugezogen Maskulin – Alles brennt Zugezogen Maskulin sind der Soundtrack zum Krisenjahr 2015. Ein echt gutes Album. Zur Zeit ist viel davon die Rede, dass erwachsene Männer ein anderes Gehirn haben als Frauen. Neurobiologen haben etwa gezeigt, dass gewisse Regionen bei Männern im Durchschnitt ausgeprägter sind. Das sind die Regionen, mit denen man sich räumlich orientiert. Damit kann man besser rückwärts einparken. Vielleicht würde das auch erklären, warum es aktuell so wenig Frauen im deutschen HipHop gibt. (Buback/Indigo) Reverie – Bliss Die junge Band Reverie aus Dänemark hat mit „Bliss“ ein absolut abgefahrenes Debutalbum herausgebracht. Der Gesang klingt nach einer kranken Mischung aus Possessed, Venom und den Sex Pistols. Der Gesamtsound dieser Band klingt auf Platte einfach sehr eigenständig. Es klingt schnell, dreckig, aber alles andere als stumpf. Ein rockig-punkiger Vibe hebt die Band ganz besonders von der Masse der extremen Metalbands ab, die zu oft dasselbe machen. Schon deshalb hätten diese Dänen eigentlich viel mehr Beachtung verdient. Escho/Invictus Thorbjoern Risager & TBT – Songs From The Road Seit Jahren kommen aus Skandinavien (ein sehr gutes Bildungssystem macht’s möglich) hervorragende Bands, die meist auf hohem Niveau stilsicher agieren. Thorbjørn Risager und Band wurden zuletzt international mit Preisen für ihr aktuelles Album „Songs From The Road“ überhäuft - und das zu Recht. Das kleine deutsche Label Ruf Records hat den Livemitschnitt aus der Bonner Harmonie veröffentlicht. Dreckiger Blues’n’Roots und Rock ’n’ Roll der Extraklasse. Ruf Records/In-Akustik 41

coolibri Magazine 2019

coolibri Magazine 2018

coolibri Magazine 2017

edition coolibri

Ruhrgebeef No. 8 - Leseprobe
Ruhrgebeef No7 - Leseprobe
Ruhrgebeef No6 - Leseprobe
Backmagazin
Ruhrgebeef No5 - Leseprobe
Ruhrgebeef No4 - Leseprobe
Leseprobe: Ruhrgebeef - Vol 2
Landtagswahl NRW 2017
coolibri Campus NO 02