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Januar 2016 - coolibri Düsseldorf /Wuppertal

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S Z E N E Sie war noch

S Z E N E Sie war noch nicht einmal 35, als sie zur documenta II eingeladen wurde. Das war im Jahr 1959. Was heute vermutlich einen Karriereschub nach sich ziehen würde, blieb im Fall von Joan Mitchell ohne größere Wirkung. Ein Schicksal, das sie mit anderen Malerinnen ihrer Generation teilt. Joan Mitchell: Ladybug pyright: Estate of Joan Mitchell, The Museum of Modern Art, New York. Gift of the Estate of Joan Tohuwabohu der Pinselstriche Männlichen Kollegen wie Jackson Pollock, Franz Kline oder Willem de Kooning wurde im Kunstbetrieb wesentlich mehr Aufmerksamkeit zuteil. In den vergangenen Jahren aber holte die US- Amerikanerin auf, die im Jahr 1992 verstarb. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Protagonistinnen der Kunst des 20. Jahrhunderts. 2014 wurde ein Bild von ihr für 11, 9 Millionen US-Dollar verkauft und war somit zwischenzeitlich das teuerste Bild aus Frauenhand. Das Museum Ludwig würdigt ihr Schaffen derzeit in einer großen Überblicksausstellung: „Joan Mitchell - Retrospective. Her Life and Paintings.“ In deren Zentrum steht Mitchells Malerei. Rund 30 Gemälde sind in der Schau zusammengezogen worden. Nichts für das heimische Wohnzimmer, dafür sind die Werke einfach zu großformatig. Die Spanne reicht von frühen Arbeiten aus den 1950er-Jahren bis hin zum Spätwerk der letzten Lebensjahre. Mitchell arbeitete bevorzugt nachts. So entstand zum Beispiel das großartige „Ladybug“ nach einem Konzert von Billie Holiday. Heute gehört es zur Sammlung des New Yorker MoMA. Ein nicht enden wollender Farbrausch. Ein wildes Tohuwabohu der Pinselstriche, die von einer wilden Frau auf die Leinwand aufgebracht wurden. In Sachen Exzess 32 stand Joan Mitchell ihren männlichen Kollegen nämlich in nichts nach. Sie soff wie ein Loch, hatte Sex mit wem sie wollte. Ab und zu rutschte ihr sogar die Hand aus. Ladylike geht anders. Wanderin zwischen den Kulturwelten Dabei stammte Mitchell durchaus aus gutem Hause. Der Vater war Arzt, die Mutter Herausgeberin einer Literaturzeitschrift. Die Tochter studierte zunächst Kunst in Chicago und ging im Anschluss nach New York. Von dort aus brach sie zu Reisen nach Mexiko, aber auch nach Italien und Frankreich auf. 1958 siedelte sie komplett nach Frankreich über – der Liebe wegen. Sie heiratete den Tachismus-Vertreter Jean-Paul Riopelle. Gemeinsam lebte man mit Blick auf den Garten, der einst Monet gehörte. Harmonie stellte sich allerdings dennoch – wie schon in vorherigen Beziehungen – nicht ein. Neben ihrer emanzipatorischen Haltung ist es vor allem das Pendeln zwischen den Kontinenten, zwischen den verschiedenen kulturellen Welten, das Mitchells Werk für junge Künstler heute wieder so interessant macht. Nach Jahrzehnten, in denen es in Europa sehr ruhig um sie war, erlebte sie zuletzt eine Renaissance. Wie kaum einer anderen Künstlerin gelingt es Joan Mitchell, den Betrachter förmlich in die Gemälde hineinzuziehen. Ihre Bildsprache ist dabei eine zutiefst eigenständige. Kalkül und Emotion treten bei Mitchell in einen spannenden Dialog. Landschaftliche Phänomene wie Licht, Wasser oder Pflanzen überträgt sie in atmosphärisch aufgeladene Bilder und behält doch gleichzeitig eine vollkommen autonome Abstraktion bei. Neben den künstlerischen Arbeiten präsentiert die Ausstellung im Museum Ludwig auch Archivmaterial aus der Joan Mitchell Foundation. Anhand von Fotos, Filmaufnahmen, Korrespondenzen, Einladungskarten und Postern wird das Leben der schillernden Künstlerin ebenso dokumentiert wie ihre vielfältigen Beziehungen zu anderen bildenden Künstlern, Literaten und Personen der kulturellen Welt ihrer Zeit. Joan Mitchell: Retrospective. Her Life and Paintings, bis 21.2. Museum Ludwig, Heinrich-Böll- Platz, Köln;Di–So 10–18, jeden ersten Donnerstag im Monat 10–22 Uhr; museum-ludwig.de Alexandra Wehrmann

S Z E N E K U L T U R K I R C H E K Ö L N P A S S A G E N Henry Rollins Gedanken-Gigant Bis heute dürfte Henry Rollins den meisten als Mitglied der Hardcore-Formation Black Flag bekannt sein – dabei war er nur fünf Jahre deren Frontmann. Seit Auflösung der Band im Jahr 1986 hat sich der US-Amerikaner diverse neue Baustellen gesucht. Rollins ist Schriftsteller, betreibt einen eigenen Buchverlag, moderiert für Fernsehen und Radio, ist Filmschauspieler, ambitionierter Gewichtheber und Reisejournalist. 20 Bücher hat der 54-Jährige bereits verfasst. Im Januar ist er nun mit seinem neuen, mittlerweile 19. Spoken-Word-Programm auf Deutschland-Tour. Darin erzählt er von seinen oft monatelangen Reisen durch Nordkorea, Kuwait, Kirgistan oder Syrien und vermischt dabei geschickt politische Informationen mit cleveren Zoten und spontaner Stand-Up-Comedy. alex 27.1. Kulturkirche, Köln (ausverkauft); henryrollins.com Foto: Prime Entertainment PASSAGEN Enorm in Form Alljährlich im Januar eröffnen die PASSAGEN die Designsaison. Das ist auch 2016 so. Zwischen dem 18. und 24.1. locken rund 200 Shows Besucher in die Domstadt. Ein Höhepunkt dürfte auch in diesem Jahr die Ausstellung des „A&W Designers des Jahres“ im Kölnischen Kunstverein sein. Das MAKK reflektiert derweil die 120-jährige Geschichte der Radiooptik in einer eigenen Schau. Und natürlich dreht sich auch im Veedel Ehrenfeld alles rund ums Thema. Dort treffen lokale Gestalter auf Kollegen aus Istanbul, Paris oder Eindhoven. Das Sujet Recycling, seit Jahren im Fokus der PASSAGEN, ist 2016 u. a. vertreten durch das Museum der Dinge sowie das MARTa Herford. Auch bei „utensil“ steht die Wiederverwertung im Zentrum: Die dort gezeigten Upcycling-Teppiche des Duos Samimi aus Istanbul werden beispielsweise aus Anschnallgurten gefertigt. alex PASSAGEN – Interior Design Week Köln: 18.–24.1. Köln; voggenreiter.com Foto: Wolfgang Burat · · Kauf auf Rechnung 10% RABATT Versandkostenfrei ab 30€ 33 · 24h Express-Versand AUF ALLES www.maskworld.com/coolibri

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