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Januar 2016 - coolibri Düsseldorf /Wuppertal

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S P E C I A L Sitz mit

S P E C I A L Sitz mit Witz Originell aufgetischt Geradlinig: Stefan Schwander Foto Stefan Schwander: Daniel Fritschi Mann der klaren Linie Zwei Seelen wohnen in seiner Brust: Stefan Schwander ist nicht nur Elektro-Musiker und DJ (u. a. bekannt als Antonelli Electr., A Rocket in Dub oder Repeat Orchestra) - auch als Möbeldesigner hat er sich einen Namen gemacht. Beides ist ihm gleich wichtig. Das und mehr hat Sabine Bode herausgefunden. 28

S P E C I A L „Ich lege viel Wert auf Transparenz, klare Linien und klare Aussagen. Die Möbel sollten etwas erzählen." Musiker und Möbeldesigner – das sieht nicht nach einem geradlinigen Werdegang aus. Ich bin in beiden Bereichen Autodidakt. Ich bin in den Achtzigern aus Süddeutschland nach Düsseldorf gekommen, da gab es noch eine riesige Musikszene. Es gab Labels wie Ata Tak, es gab den Ratinger Hof. Es gab die Kunstakademie, die wollten mich aber nicht. Damals habe ich mehr Musik gemacht. Aber auch Möbel habe ich immer schon gebaut. Schon mit 16, 17 Jahren. Wenn ich irgendwas brauchte, habe ich mir’s einfach gebaut. Wie würdest du deine Möbel beschreiben? Ich lege viel Wert auf Transparenz, klare Linien und klare Aussagen. Die Möbel sollten etwas erzählen, und ich mag es, wenn man nicht mehr ganz verorten kann, ob es nun ein Möbelstück oder etwas Skulpturales ist. Gerade habe ich einen Spiegel gemacht, der auch als solcher funktioniert, aber genausogut auch ein Wandobjekt sein könnte. Tragen deine Sachen eine eigene Handschrift, an denen man sofort erkennt: „Ah, das ist ein echter Schwander!“? Ja, schon. Meine Möbel sind zwar nicht unverwechselbar, aber ich achte auf Proportionen und Details. Ich bin nicht der klassische Schreiner, sondern arbeite eher bildhauerisch. Wie sieht dein Arbeitsumfeld aus? Ich arbeite gemeinsam mit einem Kollegen in einer Werkstatt. Einen Ausstellungsraum habe ich derzeit nicht, zeige aber meine Werke hier und da, um im Gespräch zu bleiben. Welche Menschen kaufen deine Möbel? Da gibt es Künstler, die sich teurere Stühle leisten. Oder Leute, die eben nicht zu Ikea gehen, weil sie ein Bett und ein Regal brauchen, sondern sagen: Ich brauche ein bestimmtes Regal für eine bestimmte Wand. Oft haben sie schon ein Material im Kopf oder ich mache einen Vorschlag.Wie viele Kompromisse muss man bei Auftragsarbeiten machen – würdest du etwas bauen, das du dir nicht in die eigene Wohnung stellen würdest? Nein. Ich versuche immer, meine eigenen Ideen und Linienführungen umzusetzen und nicht nach dem Vorschlag eines anderen zu bauen, nach dem Motto: „Ich habe da was gesehen, so was möchte ich auch.“ Was macht gutes Design aus? Dass man die gute Idee dahinter erkennt, entweder in der Konstruktion oder in der Formensprache. Material, Proportionen und wie es gemacht ist, das muss einfach stimmig sein. Es sollte auch ein paar überraschende Details geben, kurz, man sollte sehen: Da hat sich jemand Gedanken gemacht. Wir verbringen den Großteil unseres Lebens Zuhause. Trotzdem schludern wir ja oft bei der Einrichtung … und dann steht das schlimme Sofa zehn Jahre im Wohnzimmer. Welche Fehler machen wir bei der Möbelauswahl? Man sollte ein Möbelstück nicht einfach nur erdulden. Gut, aus wirtschaftlichen Gründen kann man oft nicht anders. Wenn ich Freude an einem Design habe, einem Stuhl, wo einfach alles stimmt, dann ist es richtig. Muss guter Stil teuer sein? Naja, bei Ikea werden die Sachen in millionenfacher Stückzahl hergestellt. Ich stelle ein Regal vielleicht zehn oder zwanzig Mal her. Das macht sich natürlich im Preis auch bemerkbar. Mann muss es den Leuten wieder klar machen: Ein Stuhl für 18 Euro, das kann fast nicht sein. Okay, Ikea ist ja das krasse Gegenteil. Es gibt aber auch schon viel angebliche Designerware auf Internetportalen. Schadet das der Branche? Es ist natürlich schade, wenn Leute sich in die Irre führen lassen. Viele kaufen nur das, was einen bekannten Namen hat, obwohl es keinesfalls gut ist. Wie wohnst du selbst? Nicht so, wie man sich das bei einem Designer vorstellt. Ich habe eigentlich ein schönes Arbeitszimmer, es liegen aber definitiv zu viele Sachen auf meinem Schreibtisch. Mit zwei Kindern sieht es manchmal eben nach Kraut und Rüben aus. Manchmal teste ich selbst gebaute Möbel zu Hause. Aber die werden dann nicht groß inszeniert. Hast du ein Lieblingsstück? Ich habe einen Regalentwurf, den ich sehr mag und den ich immer wieder ableite. Ich habe auch einen Stuhl, den ich immer wieder baue und mich freue, dass er einfach zeitlos ist. Wenn man einem Möbelstück, und wenn es nur ein kleiner Beistelltisch ist, ansieht, dass es sich auch um einen architektonischen Entwurf handeln könnte, dann erfüllt mich das. teilmoebliert.com; samplesinwood.de 29

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