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34 | Im Gespräch

34 | Im Gespräch WUTBÜRGER-AUFTRAG Der Comedian INGO APPELT kommt in seinem aktuellen Programm „Der Staats-Trainer“ als „Ingo für alle“ daher. Im Interview mit Robert Targan stellt er fest: Wer seine Wut permanent verdrängt, wird irgendwann depressiv. Oder Verschwörungstheoretiker. Als Gesprächseinstieg vielleicht ein leichtes Thema: Nazis. Die machst Du heutzutage vielerorts aus – Ökooder auch Fitness-Nazis etwa. Welche extremen Seiten entdeckst Du an Dir? Influencer gehen mir zum Beispiel gehörig auf die Nerven! Ich kann es nicht mehr ertragen: Erst kürzlich war ich im Urlaub, und alle fünf Minuten fand am Strand eine „Instagram-Foto- Session“ statt! Da genoss niemand das Wasser oder das schöne Wetter. Alles drehte sich um die Frage „Sehe ich gut aus?“. Früher waren es die Kardashians, jetzt machen es alle. Die Kardashianisierung der Bevölkerung! Also bin ich wohl ein Influencer-Nazi … … aber auch SPD-Mitglied. Wie fällt Dein Urteil zum ersten Dreivierteljahr Ampel-Koalition aus? Grundsätzlich kann man ja immer über alles lästern – mache ich ja auch. In diesen Zeiten von Krieg, Waffenlieferungen und Inflation würde ich den Job aber tatsächlich nicht machen wollen. Was bin ich froh, dass Christian Lindner rechtzeitig auf Sylt geheiratet hat. Das war die Ingo Appelt kommt am 8.9.2022 nach Duisburg. beste Idee, die von der FDP je gekommen ist. Du bist in Essen geboren, als Sozialdemokrat sozialisiert worden und bis heute Parteimitglied. Von den aktuell 400.000 SPD-Mitgliedern liegen 350.000 auf dem Friedhof, die haben „vergessen“, sich abzumelden. Da bleibt noch ein kleiner Hasenzüchterverein übrig. In Deutschland sind insgesamt 1,2 Millionen Menschen Mitglied in einer Partei – und 1,3 Millionen im Schützenverein. Es existieren hierzulande also mehr Menschen mit einer Waffe, als mit einem Parteibuch. Woran es fehlt, sind reale Leistungen: Als ADAC- Mitglied profitiere ich von einem Abschlepp-Service und einer Rechtschutzversicherung. Welche Vorteile aber genieße ich als Mitglied einer Partei? Wäre doch eine tolle Idee: Nur Sozis dürfen Schnaps kaufen! Da hätten sie sofort 18 Millionen Mitglieder. Foto: Ava Elderwood Was hat das politische Personal im Jahr 2022 für Dich als Comedian zu bieten? Nicht mehr so viel wie in den 1990er-Jahren. Parodien finden, bis auf Olaf Scholz, eigentlich gar nicht mehr statt. Die ist aber auch gezielt langweilig angelegt, das passt ja zu ihm. Er ist eben keine emotionale Figur wie einst Helmut Kohl, Willy Brandt oder Franz Josef Strauß. Solche klaren Charaktere gibt es heute gar nicht mehr. Olaf Scholz ist ja nicht Kanzler geworden, weil er uns emotional vom Hocker gerissen hat – er hat im Wahlkampf einfach die wenigsten Fehler gemacht. Ich nenne ihn gerne meinen „kleinen kackenden Buddha“: verkniffener Blick, zu viel Reis gefressen und er muss für die SPD alles alleine durchdrücken. Dein Programm „Der Staats-Trainer“ ersetze, so heißt es, gleich mehrere Jahre Therapie. Mit welchen Depressionen haben wir aktuell zu kämpfen? Mit allen! Der Mensch ist ein Lebewesen, das permanent schlecht gelaunt ist. Da wird zum Beispiel im Geschäft ein Vermögen fürs neue Smartphone ausgegeben, doch schon draußen auf der Straße heißt es: „Kein Netz, alles Mist, alles Kacke!“ Besonders der Deutsche hat da richtig Freude dran, daher erteile ich meinem Publikum auch den Wutbürger-Auftrag: „Grüßt mich nicht, pfeift mich aus, buht mich von der Bühne.“ Ich trainiere das mit meinem Publikum – ein großer Spaß! Wer seine Wut permanent verdrängt, wird irgendwann depressiv. Oder Verschwörungstheoretiker. Als „Bundesarschtreter“ nimmst Du Dir auch die männlichen Interpreten weichgespülter Popmusik vor und nennst sie „emotionale Dienstleister“. Hat es dieser Typus bei Frauen heute leichter? Das Blöde ist doch: Die Damenwelt wünscht sich zwar, dass Männer sich weniger aggressiv verhalten, gleichzeitig schleppen aber die größten Arschlöcher à la Donald Trump oder Boris Johnson unzählige Frauen ab. Das muss an dieser Mütterlichkeit liegen: Als kleiner Junge habe ich meine Mutter auch nur geärgert, dennoch hat sie mich geliebt (lacht). Hätte es Mitte der 1990er-Jahre, zu Beginn Deiner Karriere, auch einen „Staats-Trainer“ gebraucht? Oder war diese Zeit unbeschwerter? Es gab auch damals durchaus Kritik, etwa nach meinen Auftritten bei RTL Samstag Nacht. Darauf hatte es der Sender aber auch angelegt, es sollte ja Beschwerden geben: „Ingo, mach den Witz ruhig, gibt Ärger, ist doch super!“ Vielleicht folgte dann eine kleine Meldung in der Tagespresse, mehr nicht. Die damaligen Comedy-Formate waren relativ frei und offen, es gab keine Redaktion, die im Vorfeld Programmteile rausgestrichen hat. Heute sehe ich meine TV-Auftritte eher als Dienstleistung an. Mit dem, was ich auf der Bühne mache, hat das vielleicht nur 20 Prozent zu tun. Daher kann ich versichern: Ich bin noch genauso schlimm wie früher! Verschiedene Termine in NRW im September & Oktober, unter anderem in Duisburg, Unna, Marl, Waltrop, Mönchengladbach, Düsseldorf. ingo-appelt.de

Kalender | 35 Foto: Showslot / Joan Marcus DAS SPONGEBOB MUSICAL 5.-8.10., Capitol Düsseldorf 19.-20.10., RuhrCongress Bochum showslot.com/spongebob

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