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Februar 2017 - coolibri Hamm, Unna, Hagen

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C O O L I B R I L O K A

C O O L I B R I L O K A L Handel im Wandel Die Eröffnung des zweiten Einkaufszentrums in der Hagener Innenstadt ist umstritten. Während für die einen Konkurrenz das Geschäft belebt und Kunden von auswärts anlockt, sehen sich andere in ihrer Existenz bedroht. Die City ist im Umbruch. Leerstand in der Innenstadt Fotos (2): Irmine Estermann „Ladenlokal zu vermieten“ steht in dicken roten Lettern auf dem Schild im Schaufenster. Direkt nebenan klebt der Schriftzug „Neueröffnung“ auf der Glastür. „Wir schließen“ kündigt ein Geschäft wenige Schritte weiter an. Die Hagner Innenstadt ist ganz offensichtlich im Umbruch. „Für einige Veränderungen hat die Eröffnung der Rathaus-Galerie im November gesorgt. Dadurch ist die Situation entstanden, dass wir nun in beiden Einkaufszentren Leerstände haben“, sagt Chantal Dewitt, Projektleiterin Einzelhandel bei der Hagenagentur. Weitgehend erfolglos seien bisher die Versuche gewesen, große Textilfilialisten für die Flächen zu gewinnen. Ein Anbieter hat lediglich den Standort gewechselt und ist von der einen Galerie in die andere gezogen. „Wir sind sehr froh, dass sich Sinn Leffers wieder angesiedelt und Mango als weitere Marke mitgebracht hat.“ Der Branche gehe es jedoch insgesamt nicht besonders gut und daher werde es dauern, bis in beiden Zentren die Schaufenster alle bestückt seien. Das scheint alle kritischen Stimmen in der Stadt zu bestätigen, die immer wieder betont hatten, Hagen brauche in unmittelbarer Nachbarschaft zur Volme-Galerie kein weiteres 20 Einkaufszentrum. Ihnen hält Chantal Dewitt die aus ihrer Sicht positive Sogwirkung entgegen. „Die eine Galerie hat die andere belebt und gleichzeitig viel Kaufkraft aus dem Umland abgeschöpft. Besonders am Wochenende kommen viele Kunden beispielsweise aus dem Sauerland, die sonst nach Dortmund gefahren wären.“ Mut zur Expansion Diese Entwicklung sieht Ingo Adam als Chance. „Die Hagener kaufen hier ebenso, wie Leute von auswärts“, sagt der Goldschmied. Er führt das Traditionsgeschäft in der Elberfelder Straße zusammen mit seinem Bruder. Gemeinsam haben sie gerade erst expandiert und das Trauringstudio „Eva“ eröffnet. „Etwas Vergleichbares gibt es in der ganzen Umgebung nicht“, betont der engagierte Geschäftsmann. Er nutzt geschickt die allgemeine Konkurrenzlosigkeit. „Früher gab es hier noch zehn andere Juweliere, doch die haben nach und nach dicht gemacht. Viele hatten Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden.“ Seitdem habe sich jedoch einiges bewegt. „Hagen hat was. Es entwickelt sich und die Galerien haben das Bild positiv beeinflusst.“ Das sieht Ulrike Beste anders. Ihr Urteil über die Innenstadt fällt weit weniger rosig aus. „Die Kundenströme konzentrieren sich auf die beiden Galerien. Darunter leiden viele Läden in Richtung Bahnhof“, sagt die Einzelhändlerin. Sie selbst hat ihr Geschäft für Gewürze in der Kampstraße Ende Januar geschlossen.“ Es hat sich finanziell einfach nicht gelohnt.“ Die Gründe dafür seien vielfältig. Neben der mangelnden Kaufkraft und einer geringen Wertschätzung für hohe Qualität habe sich das gesamte Kaufverhalten erheblich verändert. „Die Kunden fahren einmal in der Woche zum Großeinkauf auf die grüne Wiese und nehmen sich nicht mehr die Zeit, durch die Stadt zu gehen“, sagt Ulrike Beste. Sie hat inzwischen eine Teilzeitstelle angenommen und verkauft Kümmel, Curry und Chili nur noch auf ausgewählten Märkten und um Internet. „Der Traum, mit Gewürzen zu handeln, lebt weiter, aber eben anders.“ Zurück bleibt ein leeres Schaufenster. Für diese Ladenlokale neue Mieter zu finden, ist nicht einfach. Dabei bestehe durchaus in einigen Bereichen noch Bedarf. „Uns fehlen kleinere Gastronomiebetriebe, ein Taschengeschäft oder ein Angebot mit Dingen, die den Alltag schöner

C O O L I B R I L O K A L machen“, sagt Chantal Dewitt. Sie bietet Gründern oder expansionsbereiten Einzelhändlern Beratung und Unterstützung an. „Wir haben ein Netzwerk, von dem vor allem kleinere Betriebe profitieren könnten.“ Mehr Mut wünscht sich auch Ingo Adam von seinen Kollegen – schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft. Neben seinem Trauringstudio könnte er sich gut einen Laden für Brautmode vorstellen. „Individuelle Textilien, schöne Accessoires oder hochwertige Glas- und Porzellanartikel fehlen hier auch weitgehend.“ Der Goldschmied ist sich sicher, dass der Handel in Hagen deutlich besser aufgestellt ist, als sein Ruf. „Individuelle Textilien, schöne Accessoires oder hochwertige Glas- und Porzellanartikel fehlen hier auch weitgehend.“ Diese Einschätzung scheinen die Zahlen zu belegen. „Die sind für Hagen gar nicht so schlecht. Ein Gutachten hat gezeigt, dass durchaus Kunden von auswärts hierher kommen“, sagt Karina Brühmann. Die Sprecherin des Handelsverbandes Südwestfalen betont, dass die Stadt grundsätzlich alles richtig gemacht und mit den beiden Einkaufszentren die Innenstadt attraktiver gestaltet habe. Diesen Impuls langfristig zu erhalten, sei allerdings eine Herausforderung. „Das Angebot muss für alle Altersgruppen interessant sein.“ Gleichzeitig sei die Aufenthaltsqualität entscheidend, die den Einkauf zum Erlebnis mache. „Es geht um das Genießen, um Feste und Veranstaltungen, um das Gefühl von Heimatshoppen. Das zu schaffen, ist die Aufgabe der Städte.“ Damit die leeren Ladenlokale in der Zwischenzeit etwas von ihrer Tristesse verlieren, schlägt Ingo Adam vor, sie als Ausstellungsfläche zu nutzen. „Junge Künstler könnten dort ihre Arbeiten zeigen. Das gibt es in anderen Städten auch – mit durchaus belebender Wirkung.“ Dominique Schroller Die neue Rathaus-Galerie hat den Konkurrenzkampf verschärft.

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