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Februar 2017 - coolibri Düsseldorf

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T H E A T E R D Ü S S E

T H E A T E R D Ü S S E L D O R F Mission Selbstoptimierung? - tatraum projekte schmidt Foto: Michael Schmidt Interaktiv Inszenierungen der tatraum projekte schmidt sind keine seichte Unterhaltung. Unter der künstlerischen Leitung von Michael Schmidt realisiert ein Kollektiv von Einzelkünstlern eine sehr eigenwillige Art von Tanztheater-Performances, die sich als „Gegenwartsabdrücke“ verstehen. tatraum projekte schmidt treten nicht da auf, wo man Compagnien gemeinhin verortet. Ihre Bühne sind außergewöhnliche Aufführungsorte – unter anderem das Amtsgericht haben sie schon bespielt, eine Büroetage im Medienhafen, den Gerresheimer Bahnhof und den Oberbilker Markt. Tat und Raum Stets korrespondiert der Raum mit den Taten und umgekehrt. Am 8. Februar feiert in der Christuskirche an der Kruppstraße ihr neues Stück Premiere, das den sperrigen Titel trägt: „vom vermessen // mögliche Un.Möglichkeiten oder die Erweiterung des Realistischen durch das Phantastische“. Damit setzt das Ensemble seinen 2015 begonnen Zyklus „erkundungen + einmischungen“ fort, der sich mit sozialen Veränderungen von Gesellschaft beschäftigt. Die 62 aktuelle Arbeit ist die dritte zu diesem Thema und richtet ihr Augenmerk auf die Methoden, mit denen der Mensch den Menschen erforscht. Im Fokus steht die Vermessung des Geistes durch die Wissenschaften und die Folgen, die dies für das soziale Miteinander hat. Individuum als Projekt Grundgedanke ist die These, dass sich das Individuum zunehmend als Projekt begreift, das es zu gestalten gilt. Selbstoptimierung in der Leistungsgesellschaft ist das Stichwort, die Perfektionierung des Ichs, der Wille zur Selbstausbeutung. Eine Mentalität, der man sich auf unterschiedliche Weise nähern kann – zur Auslotung des menschlichen Bewusstseins stellen die Künstler in ihrer Performance das rationale Denkmodell dem humanistischen gegenüber. Nur, was ist das überhaupt, Bewusstsein? „solaris oder der fremde zustand“ Eine Frage, die vor langer Zeit schon Stanislaw Lem beschäftigte. Fragmente seines wohl berühmtesten Romans „Solaris“ (1960) sind ebenso Teil der Inszenierung wie Objekte und Videoinstallationen einer Ausstellung, die gleichfalls Bezug nimmt auf das Werk des polnischen Schriftstellers: „solaris oder der fremde zustand“ des Künstlerduos Sol Lyfond und Karin Schlechter kann eine Stunde vor Spielbeginn besichtigt werden. bk tatraum projekte schmidt – „vom vermessen // mögliche Un.Möglichkeiten oder die Erweiterung des Realistischen durch das Phantastische“: 8., 10. + 11.2., Christuskirche, Kruppstr. 11, Düsseldorf tatraum.de

T H E A T E R W U P P E R T A L R E C K L I N G H A U S E N Mit David Meister Foto: TTT Uralte Neiddebatte Lieber schaut man sich Storys, die von Hass und Neid und Missgunst handeln, natürlich im Kino oder auf der Bühne an – als im eigenen Umfeld. Aber man kann wohl sagen, dass dieses Thema auch in der deutschen Gesellschaft gerade ein ganz großes ist. Und man kann sagen, dass es das wohl zu allen Zeiten gegeben hat; so auch vor gut 250 Jahren, als Friedrich Schiller „Die Räuber“ veröffentlichte. Hierin bekämpfen sich zwei Brüder bis aufs Blut. Der eine voller Talente, der andere schlicht heimtückisch. „Es ist ein pessimistisches und düsteres Stück, das in einem Berg von Leichen endet“, beschreibt es Jens Kalkhorst, Regisseur des TalTonTheaters, wo das Stück im Februar Premiere feiert. „Ich sehe durchaus Parallelen zur aktuellen Situation. Terrorcamps, NSU etc.“ JDD „Die Räuber“: 11.2. 20 Uhr (P), 12.2. 18 Uhr TalTonTheater, Wuppertal R E M S C H E I D London im 19. Jahrhundert Bart ab plus x Er ist von Hause aus mächtig, fuchtelt der Barbier doch mit scharfer Schneide an des Mannes Kehle rum. In „Sweeney Todd - Der Teufelsbarbier von Fleet Street“ nutzt Benjamin Barker genau diese Macht aus. Einst zu Unrecht aus der Stadt verbannt, kehrt er nach 15 Jahren unter dem Decknamen Sweeney Todd zurück, um Rache zu nehmen. Bald schon pflastern Leichen seinen Salon, die eifrige Mrs. Lovett weiß Rat bei der Entsorgung und produziert kurzerhand die edelsten Fleischpasteten der Stadt. Der Musical-Thriller gewann nach der New Yorker Premiere 1979 unglaubliche acht Tony-Awards. 2007 verfilmte Tim Burton das Musical mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen. Das Theater Trier bringt die Inszenierung auf die Remscheider Bühne. JDD; „Sweeney Todd“: 3.2. 19.30 Uhr Teo Otto Theater, Remscheid Foto: Rupert Rieger „Der Sandmann“ feiert Weltpremiere Purzelbäume gegen Angst Mit dem Motto „Kopfüber Weltunter“ gehen die Recklinghäuser Ruhrfestspiele vom 1.5. bis 18.6. in ihre 71. Spielzeit und wollen das Gespenst mit dem Namen Angst, das sich dieser Tage in ganz Europa herumtreibt, einfangen. Festspielleiter Frank Hoffmann fand auf der Pressekonferenz zur Programmvorstellung ein treffendes Bild für den Titel: „Kopfüber – das kann bedeuten, dass man den Kopf in den Sand steckt. Aber auch, dass man einen Purzelbaum schlägt und danach wieder aufrecht steht. Wir wollen diese Purzelbäume schlagen!“ Im Programm stehen darum Theaterstücke, Lesungen, Konzertabende und mehr, die sich mit den Themen Umbruch und Angst, Protest und Wandel, Revolution und Reformation auseinandersetzen. Eine Weltpremiere wird es etwa geben: E.T.A Hoffmanns Klassiker der dunklen Romantik „Der Sandmann“ wird von Robert Wilson inszeniert. Thematische Volltreffer landen auch die Wort-Musik-Collage mit dem Titel „Angst“ von Matthias Brand und Jens Thomas, sowie das Stück „Rausch“, in dem Schauspieler Robert Stadlober zu sehen sein wird. Im Kalender anstreichen sollte man sich zudem die Aufführungen des 2013 mit dem Pulitzer-Preis geehrten Stückes „Geächtet“ von Ayad Akhtar, in dem das Thema Islamismus mit gnadenlosem Humor angegangen wird. Im Bereich der Lesungen stechen die Termine mit Bundestagspräsident Norbert Lammert, der gesammelte Texte zum Spielzeitthema liest, und Hannelore Elsner hervor, die Kurzgeschichten des japanischen Autors Haruki Murakami vorträgt. Ein Geheimtipp für mutige Theaterbesucher dürfte das Stück „Counting Sheep“ sein – eine interaktive Guerilla-Folk-Oper in der Halle König Ludwig ½, bei der die Zuschauer plötzlich Teil der ukrainischen Revolution werden. Zum Abschluss gibt es dann noch Wiener Pop- Rock der Stunde von Wanda (18.6. im Stadtgarten). Wer mehr Schräges und Verqueres sucht, ist wie immer beim zugehörigen Fringe Festival (23.5.-17.6.) goldrichtig. Wieder einmal beweisen die Ruhrfestspiele ein Gefühl für das Hier und Jetzt. Viele Stücke wollen mit brisanten und aktuellen Themen aufrütteln, aber auch die Komik nutzen, um sich mit dem Zeitgeschehen auseinanderzusetzen. Dass der Purzelbaum der Ruhrfestspiele gelingt, darauf kann man sich verlassen. Ob der Kusselkopp der Welt auch darin endet, wieder auf den Beinen zu stehen, bleibt ungewiss. Aber vielleicht weiß man ja mehr, wenn man die Ruhrfestspiele besucht hat. lv; Ruhrfestspiele: 1.5.-18.6., verschiedene Orte, Recklinghausen; ruhrfestspiele.de Foto: © Annick Lavallée-Benny 63

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