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Februar 2017 - coolibri Düsseldorf

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M U S I K 4.3.

M U S I K 4.3. GRUGAHALLE, ESSEN coolibri präsentiert Die Vermittler Miland „Mille“ Petrozza und seine Band Kreator Pressefoto / Nuclear Blast Im Jahr 1985 erschien mit „Endless Pain“ die erste LP von Kreator. Aus kleinen Verhältnissen stammend, hat sich die Band zur Weltmarke etabliert, Fans haben sie in Südamerika, Australien oder Japan. Ihr Proberaum ist noch immer in Altenessen, ganz nah an der Zeche Carl. „Es gibt keinen Grund das zu ändern“, sagt Mille – und diese heimatverbundene Bodenständigkeit wirkt sympathisch und plausibel. 30 „Offen durch das Leben zu gehen, das ist für mich eine ganz normale Sache.“ Es sind merkwürdige Zeiten. Was passiert, wenn konventionelle Rezepte nicht mehr große Teile der Bevölkerung erreichen, das zeigen gerade die USA. „Mit dem Wahlsieg von Donald Trump habe ich nicht gerechnet“, sagt Mille und hegt große Zweifel: „Ich glaube, ein Großteil seiner Wähler hat sich nicht richtig mit seiner Person befasst, sondern die waren einfach nur verliebt in die Idee, dass jemand kommt, der verspricht, große Dinge zu ändern. Aber warum sollte ein Milliardär Interesse daran haben, etwas Grundlegendes für abgehängte Menschen zu verändern – auch wenn das wirklich nötig wäre. Wir müssen schauen, dass wir mit dem Rattenfänger-Prinzip von Trump richtig umgehen. Ich bin irgendwo auch schockiert und unruhig, aber ich möchte mich von äußeren Einflüssen im Großen und Ganzen nicht beunruhigen lassen. Ich finde eher, dass Bands elementarer gefragt sind, den Leuten wieder was zu geben, was ihnen die Medien und die Politik nicht sagen können.“ Dann probiert Mille noch mal das globale Leben auf eine Formel zu bringen: „Die Welt ist sehr komplex geworden, es gibt nicht mehr die einfachen Antworten, die greifen, weil es ein „Rechts“ und „Links“ auch nicht mehr gibt.“ Nicht alles ist kriegerisch Das neue Kreator-Album probiert mit Songs wie „World War Now“ oder „Satan Is Real“ das düstere Grundgefühl unserer Zeit einzufangen. Doch nicht alles ist hier kriegerisch. Das Intro des Albums „Apocalypticon“ hat sich bis zum Präsidium vom Fußballklub Rot-Weiß Essen herumgesprochen und wird ab sofort zur Einmarschhymne des Regionalligisten genutzt werden. Oder mit „Side By Side“ haben die Thrash-Metaller einen Song geschaffen, der sich ganz klar gegen Homophobie richtet und normalerweise würde so ein Song ja eher aus der Disco- oder Hip-Hop-Szene kommen. „Wir müssen aktuell aufmerksamer denn je sein, es darf nicht egal sein, was um uns herum passiert. Ich hoffe stark, dass viele Leute merken, dass die AfD für sie keine politischen Lösungen parat hat.“ Eine weitere Besonderheit an Mille ist, dass er sich in vielfältigen Bereichen interessiert. Er ist besessener Filmfreak und man trifft ihn schon mal im Dortmunder Theater – und auf Konzerten von so unterschiedlichen Musikern wie den Sleaford Mods, Dagobert oder Gunter Gabriel. „Das ist für mich nichts Besonderes, offen durch das Leben zu gehen, das ist für mich eine ganz normale Sache. Ich mag Musik und Kultur – und alles, was irgendwo obskur ist. Ich möchte einfach an den besten Dingen, die sich Menschen ausdenken, teilhaben.“ Peter Hesse

M U S I K 9.2. RUHRCONGRESS, BOCHUM coolibri präsentiert Rock aus dem Kuhstall Mit acht Studioalben im Rücken sind diese drei Schotten von Biffy Clyro längst eine etablierte Größe im Rock. Als wilde Liveband haben sie schon jeden Club in den Schwitzkasten genommen, und auch bei einer Tour im Vorprogramm von Bon Jovi hinterließen die drei eine beeindruckende Performance. Im Februar sind sie in Bochum zu Gast. Foto: Austin Haregrave In die schottische Einöde haben sie sich zuletzt verzogen. In der Grafschaft Ayrshire haben sie einen ehemaligen Kuhstall zu einem Übungsraum umgebaut, um dort die Songs für ihr letztes Album „Ellipsis“ aufzunehmen. „Gefühlt liegt das ungefähr 25 Jahre von der Zivilisation entfernt. Außer Weidetieren und einer Landschaft, die bis zum Horizont reicht, gibt es da eigentlich sonst nichts“, sagt Bassmann James Johnston. Sein Zwillingsbruder Ben bedient die Drums bei Biffy Clyro und im Vordergrund steht natürlich Sänger und Gitarrist Simon Neil. „Aber wenn du den ganzen Tag die Farmer dort siehst, wie die sich mit knochenharter Arbeit abmühen, ist das schon unterschwellig in unsere Musik mit eingeflossen. Wir haben sehr viel Hochachtung, was die Bauern tagtäglich auf dem Land leisten.“ Seit die Band sich im Jahr 1995 gegründet hatte, war ihnen nicht richtig klar, wohin die Reise einmal gehen würde. Simon reflektiert von innen nach außen: „Als wir unser erstes Album veröffentlicht hatten, sagten wir immer im Brustton der Überzeugung, dass wir irgendwann mal ganz groß werden. Doch damals war das eher eine naive bis großmäulige Geste. Heute durchforschen wir die Karrieren von Bands wie R.E.M. oder den Flaming Lips und schauen, was wir uns bei denen in Richtung Glaubwürdigkeit abgucken können. In deren spiritueller Nähe fühlen wir uns ganz gut aufgehoben.“ Als sie begannen Musik zu machen, geschah dies in räumlicher Nähe zu Aerogramme und mit diesen Indierockern sind sie bis heute sehr gut befreundet. „Ihr Drummer Martin hat mit unserem Simon zusammen die Grundschule besucht. Wir sind quasi Blutsbrüder“, sagt James mit einem Lächeln. Überhaupt ist die Band durchzogen vom Family-Business, denn Adam, der jüngere Bruder von den Zwillingen, arbeitet als Drum-Tech für Biffy Clyro. „Die Band ist schon die große Konstante in unserem Leben. Es gibt hin und wieder Dinge, die dein Leben komplizierter machen können, wenn du älter wirst. Aber wenn ich wirklichen Ärger habe, habe ich mit der Musik ein gutes Ventil gefunden, mir etwas von der Seele zu schaffen.“ PH 31

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