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Februar 2016 - coolibri Ruhrgebiet

M U S I K Prinz Pi

M U S I K Prinz Pi nannte sich früher mal Prinz Porno. Er stammt aus dem Berliner Royal-Bunker-Umfeld. Sein neues Album nennt er „Im Westen nichts Neues“. Dieser Albumtitel stellt eine Reminiszenz an den gleichnamigen Anti- Kriegs-Roman von Erich Maria Remarque dar, der 1929 erschien und mehrfach verfilmt wurde. PrinzPi Foto: Julian Essink 18.2. Westfalenhalle, Dortmund Satire geht immer Er ist quasi in der Nachbarschaft von Kool Savas und Eko Fresh groß geworden. Sido hat ihn auf seinen ersten Tapes gedisst. Heute rappt der Familienvater auf dem metaphorischen Niveau von Casper: manchmal schwermütig, aber immer sehr lässig. Aber auch bei Prinz Pi läuft nicht immer alles glatt: „Bei mir war das Jahr 2015 nicht nur durch diese Krisen begleitet, die wir alle erlebt haben, sondern bei mir im Privaten ist sehr viel passiert.“ Seine Antworten sind kurz und präzise, er redet nicht um den heißen Brei herum. Mit vielen unterschiedlichen Sängern hat er schon zusammengearbeitet, unter anderem Frank Zander, Frauenarzt oder Kollegah. Ob er noch eine heimliche Wunschliste hat, wen er gerne mal zum Duett ins Studio einladen würde? „Es gibt zum Beispiel einen italienischen Komponisten, 30 „Ich finde generell, dass Rap kritikfähig sein muss.“ Ludovico Einaudi. Den mag ich unwahrscheinlich gerne. Ich hätte wirklich mal große Lust, eine Komposition von ihm zu verwenden und da mal etwas raus zu machen.“ Seine direkte musikalische Konkurrenz beäugt er schon mal mit kritischem Auge: „Ich finde es schwierig, so etwas komplexes wie die NSU auf einen Song wie ‚Beate Zschäpe hört U2‘ runterzubrechen. Ich meine, es ist immer ein adäquates Mittel, etwas Schlimmes dadurch zu unterjochen, dass man einen Witz daraus macht. Satire hilft einfach, schwere Dinge zu bewältigen.“ Ironie gepaart mit Zynismus ist da ein gutes Überbrückungskabel, dem Schmerz auszuweichen. Prinz Pi erklärt: „Ein System wie Charlie Hebdo oder der Titanic kann es auch in der Musik geben, klar. Aber gerade den Beispiel-Versuch der Antilopen Gang – das fand ich jetzt nicht so unheimlich geil.“ Zu der Gangster-Rap-Satire „Ich hab Polizei“ von TV-Moderator Jan Böhmermann hat er keine Meinung: „Ich habe keinen Fernseher, ich weiß nicht, wer dieser Typ ist, von dem du da redest.“ Kurze Erklärung; dann sein Resümee: „Ich finde generell, dass Rap kritikfähig sein muss. Man darf sich auch darüber lustig machen. Aber wenn jemand da ist, der ständig ‚Isch‘ statt ‚Ich‘ sagt, wo soll das witzig sein?“ Peter Hesse

M U S I K 5.2. FZW, DORTMUND WWW.MATRIX-BOCHUM.DE Erik Cohen Hier ist nicht Hollywood Im Jahr 2011 haben die Kieler Ausnahme-Rocker Smoke Blow beschlossen, dass sie keine Alben mehr veröffentlichen wollen. Ihr Frontmann Jack Letten hat sich daraufhin in Erik Cohen unbenannt und seine Mitstreiter Greif Hellhammer am Bass und Fabrizio an den Drums zu seinem Solo-Projekt gelotst. Das war ein guter Plan. Foto: Heike Schmale Mit deutschen Texten und einer weitreichenden musikalischen Melange hat er sich noch einmal neu erfunden. Ob sein gewählter Künstlername gleichzeitig eine Hommage an den Schauspieler Erik Ode und den Sänger Leonard Cohen ist? „Oh, die finde ich beide gut. Es sollte halt gut klingen und ist in Israel ein sehr gebräuchlicher Name – was ein Zufall.“ Schon Arthur Schopenhauer sagte, dass der Mensch zwar tun kann was er will, aber er kann nicht „wollen“, was er will. Auf das System Erik Cohen gemünzt, heißt das: Auch wenn er sich noch so bemüht, sich an die Nymphe New Wave ranzuschleichen, den Rock bekommt er nie so ganz aus seinem Leben heraus. An von Killing Joke geprägten Keyboard-Teppichen lugt doch immer wieder die böse Fratze eines Glen Danzig heraus, der den „Totenspinnengeist“ zum Leben erweckt. Erik arbeitet im bürgerlichen Leben als Erzieher in einem Kindergarten. Ist sein Part als Musiker gefährdet, weil er sich ständig zwischen „Die Raffgier der Menschen ist die Pest unserer Zeit.“ Alltag, Kindern und Kegel seinen persönlichen Freiraum erkämpfen muss? „Meine Musik mache ich so nach Feierabend, wenn alles am Tag abgearbeitet ist. Das ist für mich ein bisschen Erholung. Vielleicht ist schon auch seelische Reinigung, wenn man dann ein bisschen kreativ sein kann.“ Doch im Hintergrund tickt ständig eine Uhr: „Zeitlich gesehen ist es schon ein Spagat, das ist auch das, was am meisten stresst. Aber im Großen und Ganzen mache ich es gerne – und natürlich auch mit Hingabe.“ Sein Job im Kindergarten mag er sehr gerne: „Das ist ein ganz tolles Arbeitsfeld.“ Was er an unserer Welt am schlimmsten findet, probiert Erik auf eine nachvollziehbare Formel zu bringen: „Die Raffgier der Menschen ist die schlimmste Pest unserer Zeit. Daraus ergeben sich ja viele andere Probleme, weil die dritte Welt ausgebeutet wird. Manche erwidern das mit geballter Wut und die schlägt uns gerade ja ganz schön entgegen. Im gewissen Maß habe ich dafür auch Verständnis. Wenn es aber an Menschenleben geht, dann hört natürlich der Spaß auf.“ PH 27.01.2016 | BOCHUM ROCKPALAST SCREAM YOUR NAME 30.01.2016 | BOCHUM MATRIX 31.01.2016 | KÖLN ESSIGFABRIK MEGAHERZ 02.02.2016 | BOCHUM ROCKPALAST GRIEVED 06.02.2016 | OBERHAUSEN TURBINENHALLE HELLOWEEN | RAGE 12.02.2016 | BOCHUM ROCKPALAST CLAN OF XYMOX 12.02.2016 | BOCHUM MATRIX XANDRIA & SERENITY | JADED STAR 13.02.2016 | BOCHUM ROCKPALAST OVER AND OUT FEST - U.A. MIT: PAY NO RESPECT | LOCK & KEY 13.02.2016 | BOCHUM MATRIX KATAKLYSM | SEPTICFLESH 19.02.2016 | BOCHUM ROCKPALAST RUFFICTION 27.02.2016 | BOCHUM MATRIX SLEAZE FEST - U.A. MIT: KISSIN‘ DYNAMITE | TOXIC ROSE 31

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