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Februar 2016 - coolibri Düsseldorf /Wuppertal

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T H E M A D Ü S S E L D

T H E M A D Ü S S E L D O R F / R A T I N G E N „Tendenz zum Nerdigen“ Sebastian Klein ist Star-Wars-Fan. Er sammelt alte Spielekonsolen. Vor allem aber ist er in eine Straßenbahn verliebt, die es bald nicht mehr geben wird. „Ich habe eine Tendenz zum Nerdigen“, bekennt der 29-jährige Digital Media Designer. Klein wuchs in Ratingen auf, entsprechend häufig ging es mit der 712 nach Düsseldorf. Mittlerweile lebt er in der Landeshauptstadt. Bevor „die 12“ am 21.2. durch die U72 ersetzt wird, hat Klein via Facebook zu einer letzten gemeinsamen Fahrt auf der Strecke Ratingen-Mitte – Volmerswerth eingeladen. Welchen Beruf wolltest du ergreifen, als du ein Kind warst? Tatsächlich kam ich schon relativ früh auf die Idee, Grafiker zu werden. Mein Vater hat eine Druckerei in Düsseldorf. Dort habe ich als Kind viel Zeit verbracht. Mehr als der Druckvorgang hat mich allerdings das interessiert, was vorher passierte, nämlich das Gestalten. Und das mache ich ja dann heute auch. Du wolltest also nicht Straßenbahnfahrer werden? Das ist doch so ein klassischer Jungs- Traum. Bei mir nicht, da kann ich nicht mit dienen. Ich habe allerdings mal ein Schülerpraktikum bei der Rheinbahn gemacht. Danach wusste ich, dass ich so was auf jeden Fall nicht machen will. Trotz dieser Erfahrung bist du bekennender Fan der Straßenbahn-Linie 712. Wie kam es dazu? Als Jugendlicher bin ich natürlich häufig nach Düsseldorf in die Altstadt gefahren. Die Möglichkeiten in Ratingen sind ja begrenzt. Ein Highlight war immer Karneval. Da herrschte auch in der 12 Ausnahmezustand. Die Fahrgäste waren alle mittel bis stark alkoholisiert. Es wurde in der Bahn geraucht und dauernd stieg jemand aus, um zu pinkeln, während ein anderer die Bahn an der Weiterfahrt hinderte. Die Fahrt hat so natürlich ewig gedauert. Nun wird die 712 am 20. Februar durch die U72 ersetzt. Wie entstand die Idee mit der Abschiedstour? Das ist eigentlich ein Revival. Meine Freunde und ich haben vor einigen Jahren festgestellt, dass wir nie die ganze Strecke bis Volmerswerth gefahren sind, sondern immer nur bis Altstadt. Das haben wir dann geändert, sind abends in Ratingen los, Fahrbiere im Gepäck. In Volmerswerth angekommen, haben wir dann eine Einkehrmöglichkeit gesucht. Gab es aber nicht. Die Gaststätte an der Endhaltestelle war geschlossen und überall waren die Bürgersteige hochgeklappt. Wir sind also einfach wieder eingestiegen und zurück nach Ratingen gefahren. Die stehen der Aktion grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Ich habe sie über Facebook kontaktiert, mit dem Vorschlag, sich mal zusammenzusetzen. Sie haben daraufhin auch Gesprächsbereitschaft signalisiert. Wenn das Unternehmen schlau ist, nutzen sie deine Idee als charmante Marketing-Aktion. Können sie gerne machen, gebrauchen können sie es auf jeden Fall. Sie könnten zum Beispiel eine Partybahn einsetzen und darin selber Getränke verkaufen. Wenn an Bord nun aber keine Getränke verkauft werden: Wie ist die Versorgungslage in Ratingen-Mitte? Gut. Es gibt eine Pizzeria, einen Kiosk auf dem Platz und den Happy Shop. Letzterer ist sehr gut sortiert. In der Bahn selber ist Alkohol ja genauso verboten wie der Verzehr von warmen Speisen. Ich für mein Teil werde aber vor der Abfahrt das ein oder andere Alkohölchen zu mir nehmen. Und das mit den warmen Speisen ist natürlich auch so eine Sache. Eine Pizza kann man ja durchaus auch kalt essen, wenn man die Rheinbahn beim Wort nehmen will. Mit der 12 bis Volmerswerth: Sebastian Klein Foto:Sebastian Klein Damals wart ihr so um die 20 Leute. Für die letzte Fahrt haben auf Facebook (Stand Mitte Dezember) 1200 Leute zugesagt. Hat dich die Resonanz überrascht? Absolut. Es scheint viele Leute zu geben, die mit der 712 ähnliche Erinnerungen verbinden wie meine Kumpels und ich. Nun passen in einen normalen Zug der Linie 712 aber nur rund 200 Fahrgäste. Ein Problem? Das wird man vor Ort sehen. Wenn wirklich so viele kommen, wie zugesagt haben, werden auf jeden Fall nicht alle in die erste Bahn nach 19 Uhr passen. Aber die fahren ja im 20-Minuten-Takt. Dann muss man sich halt auf mehrere Bahnen verteilen. Was sagt eigentlich die Rheinbahn dazu? Bei der großen Resonanz hättest du mit der Aktion auch selber Geld machen können. Bestimmt, aber das war nicht meine Intention. Ich habe ja T-Shirts zur Aktion drucken lassen. Zum Selbstkostenpreis, da verdiene ich nichts dran. Der Slogan ist „Je suis 712“. Ein Witz, über den bestimmt nicht jeder lachen kann. Wie waren die Reaktionen? Unterschiedlich, das hat durchaus polarisiert. Aber man darf nicht vergessen, dass Charlie Hebdo eine Satirezeitschrift ist. Und die Aktion ist auf ihre Art ja auch Satire. Alexandra Wehrmann Endstation: Mit der 12 nach Volmerswerth: 20.2., 19 Uhr, Busbahnhof Ratingen-Mitte 8

F a k t e n z u r W e h r h a h n - L i n i e Foto: Photographie Ingo Lammert In die Röhre gucken: Neuer U-Bahn-Tunnel Wie lang ist die Strecke? 3,4 Kilometer. Wie viele neue U-Bahnhöfe sind entstanden? Sechs: Pempelforter Straße, Schadowstraße, Heinrich-Heine-Allee, Benrather Straße, Graf- Adolf-Platz und Kirchplatz. Der Verknüpfungspunkt zum alten U-Bahn-Netz ist der Bahnhof Heinrich-Heine-Allee. Er wurde unter dem bereits bestehenden Bahnhof mit dem gleichen Namen gebaut. Wie lange dauerte der Bau? Über acht Jahre. Der Spatenstich erfolgte im November 2007 noch mit dem damaligen, mittlerweile verstorbenen Oberbürgermeister Joachim Erwin. Offiziell eröffnet wird die Wehrhahn-Linie am 20. Februar 2016. Einen Tag später startet der Regelbetrieb. Wie hoch sind die Kosten? Schwindelerregende 843,6 Millionen Euro. Welche Herausforderungen bargen die Bauarbeiten für die Ingenieure und Unternehmen? Besondere Maßnahmen erforderte der Bau an der Königsallee, an der Stelle, wo der U-Bahn- Tunnel unter dem Kaufhof verläuft. Unter dem Gebäude musste ein Eispanzer aufgefroren werden, in dessen Schutz der Tunnel „aufgefahren“ werden konnte. Wer ist für die Gestaltung der U-Bahnhöfe verantwortlich? Sechs Künstler, die an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert haben. Sie schufen Schriftspuren, Klang- und Videoarbeiten, malerische und computergesteuerte Bilder. Im Bahnhof Kirchplatz ist die Arbeit „Spur X“ von Enne Haehnle zu sehen, am Graf-Adolf-Platz Manuel Frankes „Achat“. Für die Benrather Straße hat Thomas Stricker „Himmel oben, Himmel unten“ geschaffen. An der Heinrich-Heine-Allee hat Ralf Brög unter dem Titel „Drei Modellräume“ Spuren hinterlassen. An der Schadowstraße können die Fahrgäste Ursula Damms „Turnstile“ besichtigen, an der Pempelforter Straße die Arbeit „Surround“ von Heike Klussmann. Alexandra Wehrmann 9

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