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Februar 2016 - coolibri Düsseldorf /Wuppertal

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T H E M A „Es ist mir

T H E M A „Es ist mir eine Ehre“ P O R N O A L F O R N O Zum Niederknien: Simone Zenger-Uhle alias „Die Schneiderin" Foto: paf-®peter riese Simone Zenger-Uhle ist die heimliche Frontfrau von Porno Al Forno. Seit 15 Jahren fertigt die Herrenschneidermeisterin aus Oberkassel die Bühnen-Outfits für die Düsseldorfer Kult-Band. Ihr verdanken die sieben Musiker ihren Ruf als größte Verkleidungskünstler der Stadt. Ein Atelierbesuch von Berit Kriegs. Ihr 15-jähriges Jubiläum feierten Porno Al Forno als „Magic Pornellis“ beim letzten Weihnachtskonzert im Stahlwerk. Im Publikum und später für zwei Songs als Sängerin mit auf der Bühne: Simone Zenger. Gehört sie inzwischen zur Band? „Naja, als Schneiderin bestimmt.“ Das erste Band-Outfit kauften Porno Al Forno noch von der Stange. Für das zweite kam Konfektionsware schon nicht mehr infrage, zu speziell waren die Vorstellungen der Musiker. Eine gemeinsame Freundin vermittelte den Kontakt zu Simone, „ich kannte die vorher gar nicht“. Das war im Jahre 2001. Seitdem sind die schrägen Verkleidungen das Markenzeichen der Band; man sah sie auf der Bühne als Pudel, Evel Knievels, Jockeys, Astronauten, Toreros oder Racing Team. Jedes Jahr kommt ein neues Kostüm hinzu – maßgeschneidert von Zenger Couture in jeweils siebenfacher Ausfertigung. „Es ist mir 18

T H E M A eine große Ehre, dass die Jungs schon so lange mit mir zusammenarbeiten“, sagt Simone. Die Idee für das nächste Outfit kommt meist von der Band, bei der Umsetzung hat die Schneiderin weitgehend freie Hand. Um Chaos zu vermeiden, gibt es mit Fox und Bobaus Texas mittlerweile zwei Kostümbeauftragte. Sieben Männer, sieben Figuren – für jedes Bandmitglied wird für jeden Anzug ein eigener Schnitt entworfen, eine Anprobe pro Mann ist Minimum. Außerdem gilt es, individuelle Wünsche und Eigenheiten der Herren zu berücksichtigen: Die Sänger brauchen besondere Bewegungsfreiheit, wer ein Instrument spielt, darf nicht durch sein Kostüm behindert werden. „Ich passe das so an, dass sich jeder wohlfühlt und es trotzdem ein einheitliches Bild gibt.“ Streng geheim Darüber hinaus müssen die Kostüme einen „Pflegeleicht-Faktor“ besitzen und lange halten. Zwar wächst der Fundus mit jedem Jahr, doch kommen die alten Outfits nach wie vor zum Einsatz. Das bedingt eine wohlüberlegte Auswahl der Stoffe, die möglichst elastisch sein sollten, auch die Nähte müssen etwas anders verarbeitet werden als bei einem klassischen Herrenanzug. Was ist die größte Herausforderung? „Die Vorschläge so umzusetzen, dass es nicht langweilig aussieht und auf der Bühne immer eine gewisse Wirkung hat.“ Das Handwerk verlangt außerdem Verschwiegenheit, über die neuen Kostüme herrscht im Vorfeld striktes Stillschweigen, „das ist absolute Geheimsache“. Meist sind noch nicht einmal die Ehefrauen der Musiker eingeweiht. Bis ein Satz neuer Kostüme „Meine Bandbreite ist sehr groß, ich übernehme gerne solche Spezialaufträge.“ fertig ist, dauert es in der Regel sechs Wochen. Die werden zwar geblockt und das ganze Team muss mit ran, trotzdem ist es „immer kurz vor knapp“. Zeitaufwendig sind vor allem die zahlreichen Details, Überstunden gehören zum Schaffensprozess. Wie auch ein gewisser Nervenkitzel: „In der Regel liefern wir eine halbe Stunde vor dem Auftritt“, sagt Simone. Selbstverständlich muss das Tagesgeschäft während der sechs Wochen weiterlaufen – Zenger Couture macht eigentlich Braut- und Abendmode sowie Tagesmode für Damen und Herren. An den Bühnen-Outfits haben alle Beteiligten großen Spaß: „Das ist etwas ganz anderes und eine schöne Abwechslung, da kann man sich richtig austoben.“ Seit so langer Zeit die Schneiderin von Porno Al Forno zu sein, steigert natürlich den Bekanntheitsgrad; jedes Kostüm ist Werbung in eigener Sache. Viele kennen Simone auch unter ihrem Spitznamen, der schlicht „die Schneiderin“ lautet, und wissen, dass sie mit Sonderwünschen bei ihr an der richtigen Adresse sind. Christian Erdmann vom Quartier Bohème lässt sie jedes Jahr sein Karnevalsoutfit anfertigen, für die What’s-Beef- Filiale in Golzheim hat sie einen schicken Vorhang genäht. „Meine Bandbreite ist sehr groß, ich übernehme gerne solche Spezialaufträge.“ Aus allen Wolken sei sie allerdings gefallen, als Fox vor ein paar Jahren fragte, ob sie nicht ein Duett mit ihm singen wolle. „Das ist ja eine noch größere Ehre, mit den Jungs auf der Bühne stehen zu dürfen.“ Trotz langer Erfahrung als Sängerin habe sie große Angst vor dem ersten Auftritt gehabt, „ob das Publikum mich annimmt als Frau in der Männergruppe“. Eine Sorge, die sich als unbegründet erwies – „die Resonanz war großartig. „Zenger Couture, Markgrafenstr. 1, D'dorf; zenger-couture.de; Porno Al Forno: 7.2. Quartier Bohème, Düsseldorf; porno-al-forno.de" 19

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