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Durstlöscher

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POLNISCHES BIER im Ruhrgebiet Als frühe Arbeitsimmigranten kamen schon um 1900 viele Polen ins Ruhrgebiet und beeinflussten wesentlich die Küche im Pott. Doch anders als bei den späteren Einwanderern aus südlichen, mediterranen Ländern war deren kulinarische Wirkung nicht so unmittelbar zu spüren, wie bei jenen. Denn die schlesische Küche ist genauso mit ihrer preußisch-österreichischen Basis mitteleuropäisch zu nennen wie die an Rhein und Ruhr vorherrschende Küchenkultur. Unterschiedliche Einflüsse sind am ehesten auszumachen, wenn baltische und russische, aber auch jüdische Akzente den Weg auf den Teller finden. Und somit sind polnische Restaurants selbst im Ruhrgebiet Exoten, wenn man bedenkt, dass es sogar einen Begriff für diese Einwanderer gibt: Als „Ruhrpolen“ sind Menschen und deren Nachfahren gemeint, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Familien aus dem früheren Königreich Polen, aus Masuren, der Kaschubei und auch aus Oberschlesien ins Ruhrgebiet eingewandert sind und dort meist als Bergleute gearbeitet haben. So wurden von ihnen beispielsweise in Bochum komplett eigenständige Strukturen geschaffen - wie die einflussreiche polnische Gewerkschaft Zjednoczenie Zawodowe Polskie, die Arbeiterzeitung Wiarus Polski und die Polnische Arbeiterbank. Und als der FC Schalke 04 1934 erstmals Deutscher Meister wurde, spielten dort neben Ernst Kalwitzki, Ernst Kuzorra oder Fritz Szepan einige weitere polnischstämmige Spieler. Das präsenteste polnische Bier im Ruhrgebiet ist das Tyskie. In vielen Getränkemärkten ist es zu haben, die Tyskie-Sommerfeste – besonders in Köln – erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Ruhrgebiet gibt es das Bier aber nicht nur als Flaschengetränk, sondern auch vom Fass: Im wichtigsten polnischen Restaurant im Ruhrgebiet etwa, dem herrlichen „Gdanska“ in Oberhausen. Sehr repräsentativ am Altmarkt gelegen, ist es als Treffpunkt der polnischen Community, als schicke Szene-Kneipe, als Jazz-Club mit Helge-Schneider-Fame, als polnisches Spezialitäten-Restaurant mit hervorstechender Deftigkeit ein wahres Aushängeschild der nicht überall so qualitativ besetzten Oberhausener Gastronomie. Plakate, Szeneblätter-Stapel im Eingangsbereich, hier fühlt man sich in die zwanglose Studentenkneipen-Atmosphäre der 80er Jahre versetzt. Ein prima Einstieg ist immer der „Polnische Probierteller“: Piroggen (polnische Maultaschen), gefüllte Klöße, Bigos (Sauerkrautgericht mit Wurst und Fleisch) und Krakauer (grobe Brühwurst) mit Brötchen kosten nicht viel, reichen für zwei bis drei Menschen und schmecken ausgezeichnet zum Tyskie. Die Tyskie Brauerei in Tychy ist übrigens eine der ältesten Brauereien in Europa. Tychy wiederum ist als Ankerpunkt der Route der Industriekultur direkt an das Ruhrgebiet angebunden. Bier und Arbeit, das verbindet. 65

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