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REINHEITSGEBOT Welt-Idee

REINHEITSGEBOT Welt-Idee oder Ideologie? Vor genau 500 Jahren erließen zwei bayrische Herzöge eine Landesordnung, die heute jeder Biergenießer auf dem Flaschenetikett seines Lieblingsgetränkes schon einmal gelesen hat: Das Reinheitsgebot. Doch hat dieses Gebot in Zeiten von Craft Beer, Mikrobrauerei und Importmarkt noch Sinn? Im Brauerei-Museum in der Dortmunder Nordstadt widmet man aktuell dem Reinheitsgebot eine Sonderschau. Dort erfährt man von der bewegten Brauereigeschichte Deutschlands, sieht dank Exponaten wie Pflanzen und Gewürzen, was eigentlich im Bier drin ist und lernt kuriose Fakten über das viertliebste Getränk der Deutschen. Tatsächlich trinkt der Durchschnittsbürger rund 107 Liter Bier pro Jahr, während er ganze 120 Liter Erfrischungsgetränke, 148 Liter Wasser und 162 Liter Kaffee vertilgt. Das Brauerei-Museum aber belehrt, warum Bier mehr als Wasser, Kaffee oder Cola kann, so informiert etwa eine Tafel in der Sonderausstellung darüber, dass sich am Hopfen kleine, gelbe Harzkügelchen befinden, die den Stoff Lupulin enthalten. Der sorgt für eine antibakterielle Wirkung. Die macht das Bier länger haltbar – und bekräftigt den Volksglauben, dass so ein Bierchen die beste Medizin gegen ein aufkommendes Hüsterchen sein mag. Zwischen großen Maschinen, die komplexe Prozesse des Bierbrauens sichtbar machen und zahllosen Bier-Memorabilia klärt das Brauerei-Museum aber auch über besagtes Reinheitsgebot auf. Zum Beispiel darüber, dass es die bayrischen Herzöge Wilhelm und Ludwig waren, die in Ingolstadt im Jahre 1516 die Landesordnung verabschiedeten, die bestimmte, dass fortan nur Gerste, Hopfen und Wasser ins Bier gehören. Entstanden aus etlichen Vorläufern städtischer Brauordnungen und umdefiniert durch immer neue Trends und Entwicklungen wurde daraus im Laufe der Jahrhunderte das Reinheitsgebot, das wir heute kennen. Jenes nennt Hopfen, Malz, Hefe und Wasser als einzig legitime Zutaten für ein nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier. Gesetzlich ist es seit 1906 im Biersteuergesetz verankert, bildet aber keine Vorschrift. Seit den 80ern schmückt der Verweis auf das Reinheitsgebot die Flaschenetiketten nationaler Biere und verleiht so dem Gut „Deutsches Bier“ eine einzigartige Qualität. Dr. Heinrich Tappe, Leiter des Brauerei-Museums in Dortmund, weiß: „Deutsches Bier hat im Ausland einen guten Ruf, schon seit dem 19. Jahrhundert gelten wir als Bierland.“ Dies verdanke Deutschland vor allem starken Exporten und emigrierten Brauern, die etwa in den USA oder Dänemark Brauereien gründeten. „Diese und auch viele andere Bierbrauereien schreiben sich aufs Etikett, nach deutschem Reinheitsgebot zu brauen – das ist ein Qualitätssiegel!“ 56

DIE GROSSE BESCHRÄNKUNG? So gut das deutsche Reinheitsgebot als Marketinginstrument funktionieren mag, so beschränkend wirkt es auf eine aufstrebende Bewegung in der Brauereiszene: Die Mikrobrauer. Darunter versteht man von privaten Hobbybrauern handwerklich gebraute Biere, die mit Hang zum Experiment gerne auch mal das Reinheitsgebot umschiffen, um neue Gewürze oder Zutaten einzubringen und auszutesten. Davon wird ein Bier nicht unrein oder ungenießbar, es entspricht halt nur nicht mehr dem deutschen Reinheitsgebot. Da dieses aber kein Gesetz, sondern viel mehr ein gemachter, ein konstruierter Begriff ist, wird er heutzuatge mehr denn je diskutiert. Überwiegt der Nutzen oder die Beschränkung? „Ich sehe das Reinheitsgebot als überarbeitungswürdig an“, sagt etwa Ferdinand Laudage von der Bieragentur Dortmund. Der gelernte Biersomelier, Selberbrauer, Berater für Craft Beer und Organisator von Bierverkostungen ist ein Experte auf dem Gebiet des güldenen Hopfensaftes. „Im Grunde genommen ist das Reinheitsgebot schon eine wichtige Sache, so wird etwa verhindert, dass Süßstoff zum Nachsüßen ins Bier kommt.“ Das könne bei exportierten Bieren aus zum Beispiel Belgien durchaus passieren. „Trotzdem werden in der deutschen Bierproduktion ja nicht nur die vier Grundzutaten verwendet. Zum Klären wird in der Industrie oft der Kunststoff PVPP, kurz für Polyvinylpolypyrrolidon, verwendet. Ob der zu 100% aus dem Endprodukt hausgefiltert werden kann, ist fraglich.“ Das sei letztendlich gar nicht so schlimm, es würde niemand 300 Biersorten 1 Kneipe Das stärkste Bier der Welt mit 67,5% gibt´s im Finkenkrug 5 Minuten von der Uni entfernt. Die Studentenkneipe mit dem größten Bierangebot in Deutschland. Sternbuschweg 71, Duisburg finkenkrug.de facebook.com/FinkenkrugDU 57

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