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Öl in den Saft gießen!

Öl in den Saft gießen! „Industrielle Produkte aus der bunten Limonadenwelt werden Sie bei uns nicht finden.“ So verkündet es selbstbewusst das Restaurant Am Kamin in Mülheim. Unter Küchenchef Sven Erik Noethel hat Vorbei sind die Zeiten, als sich Autofahrer und andere zur alkoholischen das schöne Traditionsrestaurant 2015 Abstinenz genötigte den ersten Michelin-Stern errungen. Hier gibt es natürlich erstklassige Weine zum Essen – vom Edel-Bordeaux bis zum angesagten Gourmets an Wasser oder gar an die Cola zu halten hatten. Selbst entwickelte Säfte, teilweise aus georgischen Amphoren-Wein, alten Obstsorten, Infusionen, aber längst auch schon niveauvolle Ersatzbegleiter hausgemachte Limonaden, Essenzen, zum Top-Essen. Spezialist des Hauses ist Patisserie-Chef Tobias Weyers. Er serviert auch schon mal einen Mangosaft mit Austernwasser. Molken und Tees offeriert das Haus. Abgestimmt auf das Essen natürlich und von erstaunlicher Geschmacksvielfalt. Tobias Weyers ist im Hause für die Patisserie zuständig. Er entwickelt fantastische Kreationen, die in einer noch recht jungen Tradition in der Top-Gastronomie stehen. Im Acht-Gang-Degustations-Menü wird etwa erstaunliches serviert. Kommt aus der Küche der „Hummer mit Schwarzwurzel, Welschrieslingtrauben, Pumpernickel und Hefe“, so tischt Weyers Weizengras mit Salz-Zitronen auf, mit einer Infusion von Apfel und Eichenlaub in Pulverform. Ist der Gang „Aal mit Schweinebauch, Fenchel , Pflaume und Klettwurzel“ an der Reihe und der Sommelier bleibt weiterhin arbeitslos, so bekommt der auf die alkoholfreie Begleitung abonnierte Genießer eine Infusion von Pflaume, Apfel und Schwarztee serviert. Spannend sind die Öl-Infusionen. Da Weyers und das Am-Kamin-Team festgestellt haben, dass ihnen Säfte gelegentlich zu wässrig vorkommen neben den fantastischen Aromenkreationen, experimentieren sie mit Öl-Infusionen. Eine Technik, die Weyers zuerst bei Ferran Adria gesehen hat, dem legendäreren Erneuerer der (Molekular)Küche im ehemaligen El Bulli bei Barcelona. Hier in Mülheim ist es etwa ein reiner Selleriesaft, der mit Haselnussöl aufgegossen wird und den „Sauerbraten vom US-Schaufelstück mit Sellerie, Preisselbeeren, Spargoli und Buchenpilze“ eskortiert oder ein . Wohlgemerkt ist nicht jede der Kreationen von Weyers auch als Stand-Alone-Drink geeignet. Nicht als Pausenhof-Durstlöscher taugt etwa der Mangosaft mit Austernwasser, der zu „Muscheln mit Soja, Alge, Safran und Herbst-Trompeten“ getrunken werden darf. Im Dezember 2014 hat das Restaurant begonnen, die Menüs mit einer kompletten alkoholfreien Begleitung zu konzipieren. Seither entwickelt Weyers direkt zu den Gerichten spektakuläre Kreationen. So entstanden auch ein seither immer wieder verwendeter alkoholfreier Whisky und alkoholfreie Craft- und Kürbisbiere. Und der Sommer gehört der hausgemachten Minzlimo, die den Output des Kräutergartens in ein frisches Sommergetränk verwandelt. Eigentlich ist es unglaublich, dass es ohne Alkohol so lange kaum kreative Essensbegleiter gab. Für viele Restaurants (auf allen Niveaus) herrscht hier deutlicher Nachholbedarf. 50

Spaß und Geschmack aus Essen Fanta ist eine Weltmarke. Fanta wird weltweit in mehr als 200 Ländern und in über Denn die erste Fanta wurde 70 Geschmacksrichtungen vertrieben. 1940 getrunken, während des Und wo kommt sie her? Der süße Spaßmacher hat eine ungewöhnliche Geschichte. für ihre Erfindung: Damals wur- Zweiten Weltkriegs. Der Grund Und die begann in einer düsteren Zeit mitten im Ruhrgebiet. In Essen, inmitten von fe zur Herstellung von Coca-Cola den in Deutschland die Rohstof- Krieg und Totalitarismus. Eine neue Brause knapp. Diese war seinerzeit auch zum Weltenbrand. im Deutschen Reich schon sehr beliebt. Das trinkbare Wahrzeichen des American Way of Life lief auch in Zeiten des deutschtümelnden Wahnsinns glänzend. Zwischen 1933 und 1939 stieg der Absatz von 100.000 auf 4,5 Millionen Kisten. Die Firma war offizieller Sponsor der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, und bei Kriegsbeginn gab es 50 Produktionsstätten in Deutschland. Doch mit Kriegsbeginn wurde es knapp für die braune Brühe – wie dann bald auch für die deutschen Braunen. Max Keith, Geschäftsführer der Coca-Cola GmbH in Essen, bat jedenfalls Anfang der 40er Jahre seinen Chef-Chemiker Dr. Wolfgang Scheteling, eine Alternative für die Cola zu entwickeln. Der sollte dafür auf Rohstoffe zurückgreifen, die auch zu Kriegszeiten vorrätig waren. Nun denn: Not macht erfinderisch. Das Getränk bestand hauptsächlich aus Molke und Apfelfruchtfleisch. Geschmacklich hatte es vermutlich nicht viel mit der Fanta zu tun, die wir heute kennen. Aber die Menschen liebten es. Selbst der Name stammt aus Essen. Max Keith hatte einen Namenswettbewerb unter seinen Mitarbeitern ausgerufen. Weil die das neue Getränk „fantastisch“ und „fantasievoll“ fanden, einigte man sich auf Fanta. Ein Name, der sich im Land schnell verbreitete. Max Keith war übrigens kein Nazi, verweigerte nach einigen Quellen sogar den Parteieintritt. Er hielt den Betrieb aufrecht, obwohl er über mehrere Jahre keinerlei Kontakt zur Firmenzentrale in Atlanta hatte. Entgegen vieler Gerüchte, ist Fanta also keine Erfindung der Nazis. Und Fanta blieb erfolgreich: Mit dem Wiederaufbau der Fabrik in Essen nach dem Krieg und der Wiederbelebung des Vertriebsnetzwerks etablierte sich die Fanta neben der großen Coca-Cola. Es wird kolportiert, dass sogar der Bundeskanzler Konrad Adenauer täglich vor dem Bonner Bundeshaus an einem Handwagen Fanta konsumierte, der dort Politik und Journaille versorgte. Weiterhin etablierte sich das Getränk bei vielen Groß- und Sportveranstaltungen. Doch ist Fanta nicht eigentlich eine Orangenlimno? Tatsächlich begann das erst 1955 in Italien. Ein Abfüller in Neapel wollte unter dem Dach von Coca-Cola ein Erfrischungsgetränk mit Orangengeschmack auf den Markt bringen. Gesagt, getan. 1959 kam dieses unter dem Namen „Fanta klar“ nach Deutschland. Ebenfalls 1959 wurde „Fanta Klare Zitrone“ erfunden. In Amerika wurde daraus ein anderes Getränk unter neuem Namen: Sprite war geboren. Die Fanta, wie wir sie heute kennen kam erst 1964 in den Handel, da wurde sie schon getrunken aus den Flaschen, die der französische Stardesigner Raymond Loewy Ende der 50er entworfen hatte: die Glasflasche mit den griffigen horizontalen Ringen. Um die Inhaltsstoffe vor Licht zu schützen, nahm man braunes Glas. Die Essener Marke blieb stets erfolgreich. Im Jahr 1975 wurde der Slogan „Weil‘s Spaß macht und schmeckt“ eingeführt, der über 25 Jahre in den Köpfen der Leute blieb, eigentlich bis heute. Die Fanta, in Österreich übrigens „das Fanta“ hat einfach ein Spaß-Image. Anlässlich des 75. Geburtstages wurde im Februar 2015 Fanta Klassik auf den Markt geworfen. Sie soll an die Limonade von damals erinnern: weniger süß im Geschmack und mit Zutaten wie Molkenerzeugnis (30 Prozent) und Apfelextrakt. Wer kann schon sagen, ob sie dem Essener Produkt von 1940 nahe kommt. Längst schmeckt Fanta weltweit sehr unterschiedlich, da versucht wird, sie dem Geschmack der jeweiligen Menschen anzupassen. Sie hat eine weite Reise hinter sich, die Not-Limo aus dem Ruhrpott. 51

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