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Durch eine kurzzeitige

Durch eine kurzzeitige Erhitzung auf rund 80 Grad werden Mikroorganismen abgetötet, danach kommt der Saft luftdicht in die Flasche – fertig! 10 Millionen Flaschen verlassen pro Jahr das Firmengelände in Stuckenbusch, über 30 verschiedene Saftsorten werden hier produziert Die Äpfel wachsen überwiegend auf Streuobstwiesen und sind zu 99,9 % nicht gespritzt - frag Rex! 48

Gesammelt wird nicht nur vor Ort in der Kelterei, sondern an über 30 Annahmestellen von Rheine im Norden bis Attendorn im Süden. In die Flasche kommen somit nur regionale Rohstoffe und nicht etwa, wie Josef Möller jr. betont, Saftkonzentrate aus Asien, wie sie anderswo im großen Stil verarbeitet würden. „Unsere Äpfel wachsen überwiegend auf Streuobstwiesen und sind zu 99,9 % nicht gespritzt“, erklärt der Firmenchef. „Der Vorteil des Lohnmostgeschäfts ist, dass wir vor allem alte Apfelsorten verarbeiten, die mehr Aroma haben.“ Auf industriellen Plantagen seien diese Sorten nicht zu finden, da sie keine gleichmäßig gute Ernte garantierten: „Die tragen ein Jahr gut und das nächste Jahr schlecht.“ Bis Ende Oktober läuft die Ernte, werden die Äpfel auf Hängern von den Sammelstellen nach Stuckenbusch geliefert. Vom Schreibtisch in seinem Büro sieht Josef Möller jr. in der Saison täglich wie das gelbrote Gold entladen wird. Wendet er seinen Blick vom Fenster ein wenig nach rechts, fällt sein Blick auf ein Bild, das dokumentiert, wie alles begonnen hat: Die Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt – eine Aufschrift in Fraktur erläutert es – die „Teilnehmer am Süßmost-Kursus vom 17. bis 29. August 1936 in Ober-Erlenbach bei Frankfurt am Main“. Der dritte von links in der untersten Reihe ist Josef Möller sen., Gründer der Obstsaftkelterei Möller und Großvater des aktuellen Firmenchefs. „Was er damals in zwei Wochen gelernt hat, dafür habe ich drei Jahre gebraucht“, lacht der Junior. Jener „Süßmost-Kursus“ vermittelte seinen Teilnehmern Kenntnisse in damals modernster Lebensmitteltechnologie, denn unsere haltbaren Fruchtsäfte von heute waren vor Beginn des 20. Jahrhunderts noch unbekannt. Mit durchaus berauschenden Folgen: Aus Trauben und Äpfeln wurden, wollte man sie konservieren, Wein und Apfelwein. Zu Löschung des täglichen Durstes trank man über Jahrhunderte stets Alkoholisches – im Ruhrgebiet freilich mehr Bier als Wein. Was manchem romantisierend wie das Paradies erscheinen mag, war der Abstinenzbewegung ein Dorn im Auge. Auch Josef Möller sen. war Mitglied im „Verein gegen Alkoholismus“ – genau wie Josef Baumann, der aus solch gleichermaßen hehren wie nüchternen Gründen in Ober-Erlenbach die „gärungslose Früchteverwertung“ entwickelte und darin wissbegierige Schüler aus Nah und Fern unterwies. Das auf der von Louis Pasteur entwickelten Pasteurisierung basierende Know-how zur Konservierung frisch gepresster Fruchtsäfte brachte Großvater Möller nach Recklinghausen. Wo es im Prinzip noch heute angewendet wird: Durch eine kurzzeitige Erhitzung auf rund 80 Grad werden Mikroorganismen abgetötet, danach kommt der Saft luftdicht in die Flasche – fertig! 10 Millionen Flaschen verlassen pro Jahr das Firmengelände in Stuckenbusch, über 30 verschiedene Saftsorten werden hier produziert. Längst gehören zum Portfolio der Josef Möller Obstsaftkelterei, die der Enkel des Gründers 1989 von Vater Edmund übernahm, auch Gesundheitssäfte, das Sportdrink-Konzentrat „FreshPower“ oder sogar Pflanzenrohstoffe für die Pharmaindustrie. Dennoch hat es natürlich einen Grund, warum das Unternehmen in der Region nach wie vor als „Apfel-Möller“ bekannt ist. Mit Äpfeln hat man damals angefangen, und die Superfrucht mit 30 Vitaminen und Spurenelementen stellt auch heute noch den Löwenanteil der bei Möller verarbeiteten Rohstoffe: 55 % des hier gepressten Obstes sind Äpfel. Und die sind in diesem Jahr besonders gut. „Mit einem Wort: fantastisch“, antwortet Josef Möller jr. auf die alljährlich wichtigste Frage überhaupt: Wie ist die Ernte ausgefallen? „Der verregnete Juli hat uns nicht so gestört, die Qualität der Frucht entsteht im September und Oktober – und da hatten wir Sonne satt.“ Merke: Mag der Sommer noch so durchwachsen sein, mit einem sonnigen Endspurt, wie 2016, holt er alles wieder raus. Für die Äpfel – und für Möllers Apfelsaft aus Recklinghausen. 49

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