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coolibri CAMPUS No 06

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REISETAGEBUCH Pura Vida

REISETAGEBUCH Pura Vida Anfang August startete für RUB-Studentin Pia Droste das Abenteuer Ausland. In Costa Rica wird sie ein Jahr lang einen Freiwilligendienst absolvieren. Für uns berichtet sie von ihren Eindrücken und Erfahrungen, von Kochbananen zum Frühstück, wunderschönen Berglandschaften und ihrer Arbeit mit der LGBT-Community vor Ort. Pia Droste Tortillas de maiz „Familie spielt in Costa Rica eine wesentlich bedeutendere Rolle, als bei uns in Deutschland.“ AnfangAugustbin ichendlich angekommen,inmeinerHeimat für das nächste Jahr meines weltwärts-Freiwilligendienstes: in San José,Costa Rica.Ineinem Land,dassinEuropagerne als die„SchweizLateinamerikas“ bezeichnet wird, wenn es denn überhauptbekanntist.„Schweiz“ wohl deshalb,weilesimVergleich zu seinen Nachbarn rechtneutral scheint, kaum in Konflikteverwickeltwar undsicherlich auch einähnliches Preisgefälle aufzeigt. Ichaberwürde vondiesem Land,das wörtlich übersetzt„reiche Küste“bedeutet, lieber ganz anders sprechen: Denn CostaRicaist einLand, dasvielWertauf Bildungund Gesundheit legt,das alleEnergie aus seinen NaturgewaltenWasser, Sonneund Wind gewinnt, keine Armee besitztund einMinisterium unterhält, dasgegenTiermissbrauch kämpft. EinBild, dasganzandersist,als dieVorstellungLateinamerikas,die sich in vielen europäischen Köpfe eingenistethat.Und dazu ein Bild begleitetvon unbeschreiblich schönen Berglandschaften undsattenFarben.Trotzdem hatjedes Paradies natürlich seineSchattenseiten. Aufgrundder „fehlenden“Armee istCosta Rica rechtabhängigvon derGunst derVereinigten Staatenund durchdie Begierde nachfrischen Früchten in Europa werden LandstrichezuMonokulturenund Menschen als Arbeitskräfteausgebeutet,umAnanas undKaffeeanzubauen. Arbeitgegen Diskriminierung Mein Jahr hier wirdvor allem vonmeinerFreiwilligenarbeitbei CIPAC(Centro de Investigación y Promoción de Derechos HumanosdeAmerica Central) geprägt sein,einer in San José ansässigenNGO, diesichvor allem mitden Rechtender LGBT–Community beschäftigt. Einesder zwei Fotos: Pia Droste Im Orosí-Tal großen aktuellen Projekte wirdvon „Brot für die Welt“gefördert.DiesesProjekt arbeitet für und mitSenior*innen undsollDiskriminierungvermindern undBetroffeneunterstützen.Eine wichtige MessagediesesProjektes istes, dass Sexualität nichteinfachaufhört, nurweilMenschenälter werden unddas dies in entsprechendenEinrichtungen undimalltäglichen Lebenberücksichtigtund respektiertwerdenmuss. Das andere großeProjekt beschäftigtsichmit der Verbreitungdes Frauenkondoms,das einengroßenEinfluss aufdie Unabhängigkeitund Selbstbestimmungder Frau nehmen kann.Eineweitere wichtige Aufgabedes Projektesist dieVerhinderung vonungewolltenTeenagerschwangerschaften,deren Zahlen hier in denletzten Jahrenwiedergestiegen sind.BeideProjektebauen alsoauf Aufklärung . Dieses Jahr wurde vomMinisterium fürGesundheit zudemder NationaleTag derPromotion des Kondoms insLeben gerufen.Am4.September sind wir dafür in Teamslosgezogen, um gratis Frauenkondomezuverteilen undderen Gebrauch zu erklären. In undumein großes Krankenhaus konntenwir vieleFrauenaus verschie- 16 Wintersemester2017/18

REISETAGEBUCH Orosí-Tal in der Nachbarprovinz Cartago densten sozialen Hintergründen in einem etwas geschützeren Raum erreichen und ihnen diese, für die meisten von ihnen, neue Art von Selbstbestimmung vorstellen. Die Reaktionen darauf waren sehr variabel, da die Sexualaufklärung durch Familie und Bildungssystem zum Teil sehr unzureichend abläuft. Am meisten begeistert haben mich dabei die Frauen, die viel Neugierde und Interesse mitgebracht haben und unsere Aktion sehr dankbar angenommen haben. Überrascht hat mich auch, dass viele ältere Damen durchaus aufgeschlossen und interessiert waren und die Kondome für sich, Töchter oder Enkel angenommen haben. Viele Frauen haben außerdem sehr eindrücklich gezeigt, wie befreiend es für sie war, endlich mit jemandem, vor dem sie keine Scham empfinden müssen, über dieses Thema sprechen zu können. Küsschen zur Begrüßung Ich lebe hier in San José bei einer Gastfamilie. Einer Familie, die nicht ganz typisch, gleichzeitig aber auch nicht untypisch für die Verhältnisse ist. Generell haben Familie und der Familienzusammenhalt in Costa Rica eine wesentlich bedeutendere Rolle, als bei uns in Deutschland. Auch sind Familien hier in der Regel wesentlich größer. Meine Familie hier besteht beispielsweise aus meinem Gastvater, der mit seiner Schwester und seiner Nichte zusammenlebt und die beiden finanziell unterstütz. Üblich ist jedoch auch, dass immer mal wieder andere Familienmitglieder wie Nichten oder Neffen oder auch deren Kinder für ein bis mehrere Nächte bleiben. Jeder ist willkommen, bringt sich dann aber auch im Haushalt ein. Die meisten Familien besitzen außerdem mindestens einen Hund, zum Teil Katzen. Auf den Straßen ist Wintersemester2017/18 also immer entsprechend viel los. Recht auffällig ist auch, dass die Tage sehr früh beginnen, da die Sonne abends schon um sechs Uhr schlagartig verschwindet, morgens jedoch ab fünf hinter den Bergen erscheint. Trotz der Mentalität der Frühaufsteher, die sich mit der Sonne erheben, geht es abends für die Wenigsten früh ins Bett. Denn auch das ist Teil der Kultur: Abends gibt es meistens ein großes, reichhaltiges Essen mit der ganzen Familie. Doch auch das Frühstück ist sehr kräftig: eines der Nationalgerichte ist etwa das Frühstück „Gallo Pinto“, gebratener Reis mit Bohnen, dazu kommt ein Spiegelei und eine gebratene, reife Kochbanane, die „Maduro“. Reis und Bohnen dürfen hier in keinem Haushalt fehlen, die Reiskocher laufen oft den ganzen Tag auf Hochtouren. Früchte und Gemüse sind hier herrlich frisch und vielseitig, gerne trinkt man einen „Fesco“, also frisch gepressten Fruchtsaft mit Wasser oder Milch, ähnlich eines Smoothies. Insgesamt bin ich bisher einer sehr positiven Lebenseinstellung begegnet. Die Menschen sind sehr höflich, freundlich aber auch sehr affektiv; die Begrüßung besteht aus einer Umarmung mit Küsschen. Mehrmals täglich hört man als Begrüßung, Verabschiedung oder einfach als Zwischenruf: „Pura Vida“, das frei übersetzt „schönes Leben“ bedeutet. Unterstützen kann man Pia durch eine Spende., denn Weltwärts ist zwar ein BMZ-gefördertes Projekt, wird jedoch nicht vollständig getragen. Spenden kann man über betterplace.org oder direkt auf das Konto der Entsendeorganisation (Volunta Gmbh). Infos über den QR-Code oder tropenregenbogen.blogspot.de. 17

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