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coolibri CAMPUS No 06

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THEMA Foto: Lukas Vering

THEMA Foto: Lukas Vering Diese Übertragung der Logik von Funktionalität und Rationalität, die das moderne Unisystem, genauso wie die Arbeitswelt, vorleben, lässt sich auch in Svenjas Einstellung erkennen. Die Uni ist für sie kein Ort, an dem neue, fruchtbare Kontakte geknüpft werden könnten, um Neues zu entdecken oder sich selber zu strecken, sondern eine Station im Lebenslauf, die es zu absolvieren gilt. Wenn der Besuch der Universität als so zweckmäßig und angenehm wie der Gang zur Toilette wahrgenommen wird, geht eine wichtige Komponente der Lebensphase Studium verloren. Denn neben dem Erwerb von Fachwissen, sollte die Studienzeit auch dazu dienen, die eigene Persönlichkeit zu formen und weiterzuentwickeln. Die Folgen dieser Auffassung von Studium gehen dabei über wachsendes Desinteresse an Kontaktaufnahme und soziale Isolierung hinaus. Schon im Jahr 2009 stellten Forscher der Universität Heidelberg fest, dass Studenten öfter an psychischen Problemen und Erkrankungen leiden, als die restliche Bevölkerung. Die Palette reicht dabei von mangelndem Selbstwertgefühl über Probleme im Umgang mit anderen Menschen über Depressionen bis hin zu suizidalen Gedanken. Neue Netzwerke aufbauen Gegen solche bildungspolitischen Prozesse kann ein einzelner Student nicht viel ausrichten. Gegen die eigene Einsamkeit angehen, kann aber gelernt werden. Psychologin Anna Sellhorn zeigt Studenten, die in ihre Beratung kommen, verschiedene Wege, wie sie Anschluss finden können. „Ich schaue mit jedem Studenten individuell: Was war in Situationen da, in denen sie sich nicht einsam gefühlt haben, was sie jetzt „Die humane, menschliche Seite ist im System Universität aus dem Fokus geraten.“ nicht haben. Dann geht es darum, wie man Dinge, die der Person Spaß machen, hier in der neuen Situation installieren kann.“ Mit Hobbys, die zu Gunsten von Lern- oder Arbeitsstunden aufgegeben wurden, sollte man laut der Psychologin als erstes wieder anfangen, da sich in diesem Rahmen am Leichtesten Gleichgesinnte finden. „Studierenden, die früher einen großen Freundeskreis hatten, der hier plötzlich nicht mehr da ist, empfehle ich Tutorenjobs, etwa im Wohnheim, wo man mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommt. Auch Stammtische oder ehrenamtliches Engagement bieten sich dafür an, ein neues Netzwerk aufzubauen.“ Internationale Studierende würde sie zudem zu Angeboten wie dem Café Lingua an der Uni Duisburg-Essen schicken, wo sie in lockerer Umgebung ihre vertraute Sprache hören und sprechen oder neue Sprachen ausprobieren können. Weitere gute Anlaufstellen seien der Hochschulsport, wobei sich Teamsportarten besonders gut zum Kontakteknüpfen anbieten, sowie Bildungsprogramme außerhalb des Fachstoffes. An der UDE finden sich solche Kurse im Institut für optionale Studien, das etwa Kommunikations- oder Rhetorikkurse anbietet. „Sowas ist natürlich toll, da trifft man Leute aus verschiedensten Fachrichtungen und Fakultäten, die gleiche Interessen haben.“ Eine geteilte Sehnsucht danach, auch außerhalb des Lernstoffes seinen Alltag mit Dingen zu füllen, die einen interessieren, sei eine gute Grundlage fürs Kennenlernen. „Aber auch in den sozialen Medien nach Kontaktsuchenden forschen, ist eine gute Möglichkeit. Da gibt es etliche Seiten, Internetforen oder facebook-Gruppen, wo Leute ganz offen damit umgehen, dass sie neue Kontakte suchen. Da muss man natürlich etwas Mut haben, aber Anschluss findet man hier schnell.“ Wichtig ist es also vor allem, sich die Zeit zu nehmen und die Energie zu investieren, Kontakte zu finden und auch zu pflegen. Wer sich generell bei der Kontaktaufnahme schwer tut, sollte sich laut der Diplom-Psychologin langsam vorwagen, kleine Schritte machen und nicht zu viel auf einmal erwarten. „Ich rate dann, eine Eins-zu-Eins-Situation zu wählen – also nicht direkt in großen Gruppen zu interagieren. Eine gute Möglichkeit ist etwa ein Tandem, bei dem man sich mit einer Person trifft um gemeinsam Sprache zu lernen. Man hat ein gemeinsames Ziel, das Ganze ist lockerer und ohne Druck. Als Treffpunkt würde ich ein Café vorschlagen, das ist nicht ganz so persönlich wie direkt im eigenen Zuhause.“ Erstmal ankommen Damit der Campus kein Ort von geteilter Einsamkeit wird, müssen sich aber auch größere Kontexte bewegen. Anna Sellhorn findet: „Die humane, menschliche Seite ist im System Universität etwas aus dem Fokus geraten.“ Denn auch wenn es vor dem Studienstart etwas wie Orientierungswochen gibt, müsste der Fokus gerade am Anfang stärker auf die soziale Komponente gelegt werden. „Ich würde empfehlen, dass man nicht nur eine Woche hat, in der oft der Fokus schon auf dem Inhaltlichen liegt, sondern dass auch vorab Seminare angeboten werden, in denen es um Kennenlernen und Ankommen geht.“ Die Psychologin rät aufgrund des schmalen Angebotes, alles mitzunehmen, was im Voraus angeboten wird, da sich gerade in dieser Anfangszeit schnell Grüppchen bilden, die sich hier festigen und oft zur eigenen Stabilisierung keinen Zuwachs dulden. Auch eine Verbesserung der Infrastruktur sieht die Beraterin als förderlich. „Im Ruhrgebiet haben wir keine alten Unistädte wie Münster oder Heidelberg. Es gibt keine ganz klaren Studentenviertel, wo man gut ankommen könnte. Diese Art von Infrastruktur ist noch nicht da. Viele erleben unsere Universitäten auch als Pendler-Unis – wer dann am Wochenende nicht nach Hause fährt, fühlt sich hier einsam. Und diejenigen, die ihre Cliquen zu Hause haben, sind nicht nur physisch am Wochenende abwesend, sondern auch unter der Woche psychisch nicht da und nicht daran interessiert, neue Kontakte zu knüpfen.“ Svenja weiß, dass sie eine dieser Nicht-Anwesenden ist. Dass sie ein Teil der großen, anonymen Masse ist. Dass dieses Fremd-Bleiben aber auch Einfluss auf andere hat, hat sie so noch nicht gesehen: „Ehrlich gesagt, habe ich noch nie darüber nachgedacht, ob andere sich hier an der Uni auch alleine fühlen. Vielleicht stimmt das ja, mit diesem ‚Zusammen ist man weniger allein‘.“ Lukas Vering 10 Wintersemester2017/18

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