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Das Wintersemester 2015/2016 hat gerade begonnen, da wird die Welt, wie wir sie kennen, in ihren Grundfesten erschüttert. Denn am 21. Oktober landet im amerikanischen Hill Valley Marty Mc Fly, der vor exakt 30 Jahren „Zurück in die Zukunft“ gereist ist. Gleichzeitig erlebt ihr Studis gerade eure ganz eigene Reise durch die universitäre Gegenwart. Für euch haben wir das neue Campus-Magazin entwickelt. Als Ratgeber, Handbuch für abendliche Zerstreuung oder als Pausenfüller zwischen den Seminaren.

PORTRÄT AUS DER UNI IN

PORTRÄT AUS DER UNI IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT Aber große Freiheit heißt auch große Verantwortung. Einen durchschnittlich schwierigen 250-Seiten-Roman übersetzt Anna-Nina in drei Monaten. Das klappt nur mit gutem Zeitmanagement und Selbstorganisation. „Wenn du das erste Buch bei einem Verlag verkackst, kriegst du von dem keinen Auftrag mehr“, erklärt Anna-Nina. Der innere Schweinehund muss gut erzogen sein. Romane vom Englischen ins Deutsche übersetzen – wenn sie davon erzählt, klingt es, als wäre das schon immer ihr Traumjob gewesen. Dabei war es Zufall. Kurz vor dem Abi erzählte ihr eine Mitschülerin, in Düsseldorf könne man Literaturübersetzen studieren. Und zufällig hatte sie die passenden Leistungskurse und die richtigen Noten. Tieftexttaucher Im Studium zeigte sich, dass Übersetzen nicht nur ein Handwerk ist, sondern auch eine Kunst und wie jede Kunst nur begrenzt lehrbar. Anna-Nina hatte Glück, sie hatte Talent. Die Uni war für sie ein Versuchslabor, wo sie sich ausprobieren konnte. Vor allem aber konnte sie Kontakte knüpfen. Heute ist sie Stammübersetzerin bei einem der bekanntesten deutschsprachigen Publikumsverlage und muss nicht mehr nach Aufträgen fragen. „Das ist ein Riesenglück. Im Normalfall muss man zu vielen Verlagen Kontakt halten und an den Türen kratzen.“ Anna-Nina Kroll: „Man braucht viel Sitzfleisch.” Foto: Christoph Ranft Reich wird sie mit dem Übersetzen nicht. Dafür kann nur ein einziger Mensch tiefer in einen Text eintauchen als sie selbst: der Autor. Einen eigenen Roman zu schreiben, dazu habe sie keinen Drang, sagt sie. Denn eigentlich schreibt sie ja schon Bücher. „Du hast zwar eine Vorlage als Übersetzer, aber du machst das Kunstwerk nochmal. Es ist auch mein Baby, mein Text.“ Und wenn sie fertig ist, kann sie ihre Arbeit in der Hand halten – und jeder kann sie überall kaufen. Christoph Ranft Anna-Ninas Tipps Das Kunstwerk nochmal machen Anna-Nina Kroll ist 27 Jahre alt und hat schon sieben Bücher geschrieben. Die Essenerin übersetzt Romane aus dem Englischen. Wie das geht, hat sie im Studium an der Uni Düsseldorf gelernt – das freiberufliche Arbeiten dagegen musste sie sich selbst beibringen. Draußen scheint die Sonne, aber Anna-Nina Kroll sitzt in Puschen und Wollpulli an ihrem Schreibtisch und arbeitet. Vor ihr der Laptop, ein großes Glas Wasser und ein Buch. Die Übersetzung von „A Spinning Heart“ von Donal Ryan muss fertig werden, in zwei Wochen ist Deadline. „Als Literaturübersetzerin braucht man ganz viel Sitzfleisch, Sprachgefühl und Liebe zur Literatur“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Und ein bisschen komisch muss man auch sein, denn man ist ja den ganzen Tag allein.“ 36 Campus Wintersemester 2015/16 Freiheit heißt Verantwortung Wie alle Literaturübersetzer arbeitet die 27-Jährige freiberuflich. Vor allem am Anfang war die Selbständigkeit für sie eine Herausforderung. Am schwierigsten war „die Sache mit der Steuer“ – dafür leistet sie sich inzwischen eine Steuerberaterin. Aber der Job hat auch viele Vorteile. Anna-Nina ist froh darüber, sich morgens nicht in ein Kostüm zwängen zu müssen, um dann auf hohen Schuhen ins Büro zu stöckeln. Sie kann arbeiten, wo und wann sie will, hat niemanden, der ihr sagt, was sie zu tun und zu lassen hat. Künstlersozialkasse: Die Sozialversicherung für alle Künstler und Publizisten. Von den Beiträgen zahlt der Versicherte nur die Hälfte und ist damit ähnlich günstig versichert wie ein Angestellter. Berufsverbände: organisieren Tagungen und Fortbildungen, sind berufspolitisch aktiv, helfen bei Problemen und haben Antworten auf Fragen VG Wort: Die Gema aller Schreiberlinge, verwaltet die Tantiemen aus Zweitverwertungsrechten – einfach anmelden und auszahlen lassen. Buchmessen: für Informationen, Austausch und Netzwerkerei – vorher gucken, mit wem man sprechen will, und Termine machen Facebook-Gruppen: für Informationen, Austausch und Netzwerkerei

Nils Terborg: „Aufschiebeverhalten ist sehr gefährlich.“ im Arbeitsalltag ist er nur begrenzt ein Einzelkämpfer: Weil viele Augen mehr sehen als zwei, trifft er sich regelmäßig mit anderen Selbstständigen zum Austausch. Die Suche danach, wie er selbst immer besser werden kann, macht Nils Spaß: „Das hat was von einem Rollenspiel, wo man immer stärker wird, wenn man bessere Gegenstände bekommt.“ Foto: Christoph Ranft Den Frosch zum Frühstück essen Als seine erste Geschäftsidee in die Hose ging, fackelte Nils Terborg nicht lange und dachte sich ein neues Konzept aus. Seit zwei Jahren ist er selbstständiger Beziehungscoach – anders arbeiten will er nicht. Luftige Hosen aus Guatemala -Fair-Trade und mit einem Einnäher versehen, über den der Kunde herausfinden kann, wer genau seine Hose hergestellt hat. Nils Terborg findet die Geschäftsidee immer noch gut. Trotzdem ist er bei seinen ersten Gehversuchen als selbstständiger Unternehmer zunächst auf die Nase gefallen. Zur Produktion der Hosen ist es nie gekommen. Zweieinhalb Jahre später ist der Bochumer sich sicher: „Die Fehler vom Anfang waren eine wichtige Erfahrung, aus der ich viel lernen konnte.“ Schon während seines Germanistik-Studiums an der Ruhr-Uni wusste Nils, dass ein Job als Angestellter für ihn nicht in Frage kommt. Er wollte nicht nur eine Arbeit, die ihm Spaß macht und Sinn hat – er wollte Freiheit. Die fand er in der Selbstständigkeit. Nachdem die erste Idee gefloppt war, rappelte er sich schnell wieder auf. Nils ist inzwischen seit zwei Jahren Beziehungscoach. Er berät Personen, die Probleme in der Partnerschaft haben und Singles, die auf der Suche sind. Seine Plattform ist das Internet. In Artikeln, Videos und kostenpflichtigen Online-Kursen widmet er sich den Fragen des Liebeslebens: vom ersten Kennenlernen bis hin zur offenen Partnerschaft. Außerdem schreibt er Bücher zum Thema, die er erfolgreich online vertreibt. Idealist und Pragmatiker Die Selbstständigkeit hat für ihn fast nur Vorteile. „Als Angestellter müsste ich immer irgendeinen Kompromiss machen“, sagt der 28-Jährige, „als Selbstständiger kann ich mir meinen eigenen Beruf basteln.“ Doch diese Freiheit hat auch eine Grenze. Wer von seiner Selbstständigkeit leben will, der muss ein Gleichgewicht finden zwischen Idealismus und Pragmatismus, meint Nils. Das nötige Wissen über BWL bekommt er aus Ratgebern und Internet-Blogs. Seine Buchhaltung macht er selbst, bei der Steuer holt er sich Beratung. Auch Nils arbeitet von zu Hause aus und hat feste Gewohnheiten. „Das eigene Aufschiebeverhalten ist sehr gefährlich“, sagt er. Um gar nicht erst in die Falle zu tappen, steht er früh auf und nach einem entspannten Frühstück geht es sofort an die schwierigste Aufgabe des Tages. „Eat the frog“ nennt sich diese Taktik. Ein Gefühl für den Wert der eigenen Zeit zu entwickeln, fiel ihm zuerst schwer. Jetzt zählt er es zu den entscheidenden Dingen, die er in den letzten Jahren gelernt hat. „Man muss lernen, nicht alles machen zu wollen, sondern nur das Wichtigste“, sagt er. So hat er die Arbeitszeit halbiert und den Umsatz nebenbei verdoppelt. Über die Guatemala-Sache, die in die Hose ging, hat Nils kürzlich einen Vortrag gehalten – um zu zeigen, wie man es besser machen kann. Christoph Ranft Nils‘ Tipps Hilfe holen: Nils steht auch selber gern mit Rat zur Seite. Kontakt: nilsterborg.de Bücher lesen: Z.B. „The One Thing“ von Gary Keller und Jay Papasan. Motiviert zu Konzentration und Zielstrebigkeit. Blogs lesen: Blogs suchen, die man spannend findet, und abonnieren, z.B. earthcity.de und markuscerenak.com FuckUp Night: Unternehmensgründer erzählen von Misserfolgen – hingehen und nicht alle Fehler selber machen. fuckupnights.com/ ruhrgebiet Netzwerken: Leute kennenlernen, die Ähnliches machen. Online suchen und ansprechen. Wintersemester 2015/16 Campus 37

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