Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
Aufrufe
vor 4 Jahren

coolibri Campus NO 02

  • Text
  • Wintersemester
  • Dortmund
  • Bochum
  • Zeit
  • Ruhrgebiet
  • Studium
  • Studierende
  • Studierenden
  • Duisburg
  • Unis
  • Www.coolibri.de
Das Wintersemester 2015/2016 hat gerade begonnen, da wird die Welt, wie wir sie kennen, in ihren Grundfesten erschüttert. Denn am 21. Oktober landet im amerikanischen Hill Valley Marty Mc Fly, der vor exakt 30 Jahren „Zurück in die Zukunft“ gereist ist. Gleichzeitig erlebt ihr Studis gerade eure ganz eigene Reise durch die universitäre Gegenwart. Für euch haben wir das neue Campus-Magazin entwickelt. Als Ratgeber, Handbuch für abendliche Zerstreuung oder als Pausenfüller zwischen den Seminaren.

SERVICE Foto:

SERVICE Foto: underdogstudios - Fotolia.com TIPPS ZUM SCHNELLEN SCHEITERN So erstickt jede Karriere im Keim Wie versägt man am besten das Vorstellungsgespräch? Das Handy klingelt – und der Bewerber geht auch noch ran. Gibt’s nicht? Gibt’s wohl. coolibri verrät die perfekte Checkliste, um bei der Bewerbung, im Vorstellungsgespräch und in der ersten Woche im Job möglichst dramatisch zu scheitern. Moment, der Anruf könnte wichtig sein Ganz wichtig für diejenigen, die in ihrem neuen Job so schnell wie möglich die Kündigung haben wollen: Das Handy. Immer in der Hand! Wenn das partout nicht geht, dann wenigstens griffbereit halten. Und drangehen. Spätestens nach dem zweiten Klingeln. Egal, ob gerade ein Kunde eine Beratung will oder der Chef um die wichtige Akte gebeten hat. Das Handy gehört zu den zuverlässigsten Stolpersteinen für Berufseinsteiger überhaupt, erst recht für angehende Dachdecker. Daddeln, Tippen, Wischen: Auf die Checkliste des Scheiterns damit! „Die Abhängigkeit vom Handy, die Daddelei, ist völlig tabu”, sagt Alexandra Brnicanin, die für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet arbeitet und Ausbildungsplätze vermittelt. „Das Handy am Arbeitsplatz nervt total. Das kriegt der Arbeitgeber auch mit.” Handyklingeln ist quasi das Blitz-Aus im Vorstellungsgespräch. Danke, tschüss, wir melden uns – indem wir die Bewerbungsunterlagen inklusive Standard-Absage zurückschicken. Auch Christine Bömken kennt das Handyklingeln, nicht nur am Arbeitsplatz, sondern sogar im Bewerber-Interview. „Und dann auch noch rangehen”, sagt sie, „das ist keine gute Idee, genauso wie das direkte Duzen”. Bömken arbeitet bei einem der größten Industrie-Arbeitgeber der Region, bei Evonik, in den Bereichen Personalentwicklung und Arbeitgeber- Branding. Das Essener Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Firmen der Spezialchemie und stellt unter anderem Produkte her, die in der Kosmetikbranche benutzt werden; hinzu kommen Lacke, Farben, Etiketten, Kunststoffe, und, und, und. Mitten in Essen steht das Evonik- Werk an der Goldschmidtstraße, der größte Industriebetrieb der Stadt, mit über 1400 Mitarbeitern - und 110 Azubis in insgesamt zwölf Ausbildungsberufen, darunter Chemikanten, Chemielaboranten, Industriekaufleute. Sogar eine Ausbildung zum Koch hat der Chemiestandort schon mal angeboten. 30 bis 35 neue Azubis bekommt der Standort pro Jahr. Hans Kreul arbeitet im Evonik-Werk an der Goldschmidtstraße im Bereich Standortkommunikation und er weiß, Foto: Evonik Aufmerksam und freundlich: So macht man sich Freunde im Job. 34 Campus Wintersemester 2015/16

wie vielfältig die Fallstricke für Azubis sind. „Es gibt Leute”, beschreibt Kreul ein Bewerbungsgespräch, „die wirklich nicht wissen, was das Unternehmen überhaupt macht, bei dem sie sich da bewerben.” Anschreiben gibt’s doch genug im Netz Überhaupt, Bewerbungen: Warum mit dem Rausgeworfenwerden bis zur ersten Woche im Job warten, wenn man es so viel früher vergeigen kann? Spart allen Beteiligten Zeit und Nerven: „Bewerbungen sind mein tägliches Brot”, sagt die Ausbildungsvermittlerin Alexandra Brnicanin von der IHK Mittleres Ruhrgebiet. „Ich habe täglich Beratungsgespräche mit Jugendlichen, und ich weiß, dass ein Bewerber mehr ist, als auf dem Papier steht.” „Wer gar nicht weiß, wie er mit der Bewerbung beginnen soll”, sagt Brnicanin, „der sollte sich nach der DIN 5008 richten. Diese legt die Schreib- und Gestaltungsregeln für Geschäftsbriefe fest. Das kann ein Vorteil sein, vor allem im kaufmännischen Bereich”. Ansonsten gebe es kein Patentrezept für den Inhalt – Bewerbungsschreiben seien immer individuell. Um die eigenen Chancen möglichst früh im Keim zu ersticken, verbietet es sich natürlich, einen eigenen Bewerbungstext zu schreiben, der womöglich noch erklärt, warum sich der Bewerber für genau dieses Unternehmen und genau diese Ausbildung interessiert. Bloß nicht persönlich werden, ein aus dem Internet geklautes Standard-Schreiben, bestenfalls noch mit „Firma Mustermann” im Briefkopf, garantiert, dass die Bewerbung so schnell wie möglich aus dem Stapel in den Papierkorb fliegt. (Checkliste!) Total verboten: vor der Bewerbung durch die IHK beraten lassen. Das ist zwar kostenlos für den Interessenten, führt aber womöglich zu einer erfolgreichen Bewerbung. Verspäten gehört doch zum guten Ton Bei dem Thema zählen die Details, deshalb kommt Folgendes auch noch auf die Checkliste: Bewerbung möglichst unvollständig (und zu spät!) abgeben, Kaffeeringe auf den Zeugnissen, Mappe mit Fettflecken. Lässt sich das Vorstellungsgespräch trotz aller Kunst nicht vermeiden, hilft oft schon dieser gern genommene Evergreen: „Zu spät kommen im Bewerbergespräch”, sagt Brnicanin, „oder zu früh. Fünf Minuten sind kein Problem, aber 30 Minuten zu früh sind zu viel. Und die Kleidung muss zum Job passen. Keine Lackschuhe für einen technischen Beruf, aber auch keine Latzhose – sondern ordentlich-gepflegte Straßenkleidung.” Der Trend geht zur Online-Bewerbung, sagt Brnicanin. Per E-Mail öffnen sich ganz neue Möglichkeiten, um den Wunschberuf schon im Ansatz zu verfehlen: „Online-Bewerber neigen dazu, im Ton laxer zu werden”, beschreibt die IHK-Ausbildungsvermittlerin, „und ganz schlimm wird es, wenn man dazu noch 20 Anhänge packt, die auch noch ,Scan1’, ,Scan2’ und so weiter heißen, damit niemand mehr durchblickt. Mein Tipp: Alles in einem pdf unterbringen und das mit dem eigenen Namen benennen.” Da gibt’s doch das eine geile Party-Foto Was das Bewerbungs-Foto angeht: natürlich bucht man auf keinen Fall ein Profi-Foto im Studio, denn die paar Euro sind katastrophal angelegt, wenn es um die eigene Zukunft geht. Das Geld investiert man besser in Kaugummi, denn ein unterbelichtetes Party-Foto aus Facebook (möglichst mit Girlanden oder Wurstketten um den Hals des Bewerbers; Biergläser sind ein hübsches Extra) tut es auch, also auf die Checkliste des Scheiterns damit. Viele große Firmen wie Evonik sind inzwischen dazu übergegangen, die große Zahl der Bewerber auf die wenigen Ausbildungsplätze durch ein mehrstufiges Beurteilungssystem zu schicken. Das ist gut, denn da ergeben sich viele Chancen auf Daneben-Benehmen. Sieht die Bewerbung trotz aller Bemühungen vielversprechend aus, folgt ein Test - und dann erst das Vorstellungsgespräch. „Wir prüfen schriftlich Allgemeinwissen und Fachspezifisches”, sagt Christine Bömken, „und auch die Motivation. Darauf legen wir Wert. Vor allem wollen wir wissen, warum die Bewerber sich genau für diese Ausbildung interessieren.” Und Noten? Wie wichtig sind die? Bömken: „Ganz ehrlich? Wir machen ein Vorab-Screening – da guckt man auch mal nach Noten.” Brnicanin relativiert: „Eine Fünf in Oberstufen-Mathe muss kein Ausschlusskriterium sein, denn der klassische Dreisatz ist wichtiger.” Absprachen sind doch da, um gebrochen zu werden Sollte es trotz aller Bemühungen doch mit dem Job geklappt haben, hilft nur eins: der große Killer, der grobe Hammer, die Weltuntergangsmaschine im Berufsleben, die so gut wie immer funktioniert: Pünktlichkeit lediglich als Gnadenakt gegenüber den Mitmenschen betrachten, immer wieder Absprachen brechen und Zuverlässigkeit als dreiste Forderung ablehnen. Wintersemester 2015/16 Campus 35

coolibri Magazine 2020

coolibri Magazine 2019

coolibri Magazine 2018

coolibri Magazine 2017

edition coolibri

Ruhrgebeef No. 8 - Leseprobe
Ruhrgebeef No7 - Leseprobe
Ruhrgebeef No6 - Leseprobe
Backmagazin
Ruhrgebeef No5 - Leseprobe
Ruhrgebeef No4 - Leseprobe
Leseprobe: Ruhrgebeef - Vol 2
Landtagswahl NRW 2017
coolibri Campus NO 02