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coolibri Campus NO 02

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Das Wintersemester 2015/2016 hat gerade begonnen, da wird die Welt, wie wir sie kennen, in ihren Grundfesten erschüttert. Denn am 21. Oktober landet im amerikanischen Hill Valley Marty Mc Fly, der vor exakt 30 Jahren „Zurück in die Zukunft“ gereist ist. Gleichzeitig erlebt ihr Studis gerade eure ganz eigene Reise durch die universitäre Gegenwart. Für euch haben wir das neue Campus-Magazin entwickelt. Als Ratgeber, Handbuch für abendliche Zerstreuung oder als Pausenfüller zwischen den Seminaren.

INTERVIEW PSYCHOLOGISCHE

INTERVIEW PSYCHOLOGISCHE BERATUNG Es herrscht viel Druck im Studium Es hat sich etwas verändert: Nachts ist an Schlaf nicht zu denken, obwohl tagsüber die Augen zufallen. Konzentration? Morgen vielleicht. Zeit, um mit der Freundin einen Kaffee zu trinken? Wie denn, bei der vielen Arbeit? Oft sind Freunde und Familie die ersten, die merken, dass etwas nicht stimmt. Und auf die sollte man hören, sagt Anna Felling. Die Diplom-Psychologin arbeitet in der Sozialen und Psychologischen Beratung des Studierendenwerks der Uni Duisburg-Essen und merkt deutlich: Es herrscht viel Druck. Muss ich direkt zum Psychologen, wenn ich vor einer Klausur zwei Nächte lang nicht einschlafen konnte? Nein, dann muss man nicht direkt zum Psychologen. Aufregung ist vor Klausuren völlig normal. Wenn es allerdings immer öfter passiert, dass man nicht einschlafen kann oder man immer mehr Angst vor Prüfungen bekommt, kann es hilfreich sein, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Es kann helfen, mit einem Außenstehenden zu sprechen und zusammen Lösungsstrategien zu entwickeln, wie es einem wieder besser gehen kann. Der Klassiker sind Abschlussarbeiten. Da stecken Studierende oft an einer Stelle fest und schaffen es nicht mehr, sich zu motivieren. Der Abgabetermin rückt immer näher und der Druck nimmt zu. Um aus diesem Strudel rauszukommen, reichen manchmal sogar ein oder zwei Beratungsgespräche. Immer mehr Studierende kommen in Ihre Sprechstunden. Das Angebot an den Unis wird ständig erweitert und die Krankenkassen schlagen sogar Alarm. Haben die Studierenden heute immer mehr Stress? Meiner Meinung nach steigt die Nachfrage aus zwei Gründen. Zum einen hat sich das Bild der Psychologie gewandelt. Hilfe suchen ist gedanklich nicht mehr direkt mit Psychiatrie und Klinikaufenthalten verbunden. Die Hemmschwelle ist gesunken und es wird offener darüber gesprochen. Oft kennt man sogar jemanden, der bereits eine Beratung in Anspruch genommen hat. Andererseits herrscht aber auch viel Druck im Studium: Das nehmen wir hier in der Beratung deutlich war – vor allem Abschlussdruck und Schwierigkeiten, sich zu finanzieren, wenn das BAföG ausläuft. Im Regelfall müssen Studierende zum Beispiel nach vier Se- mestern etwa 120 Credit Points nachweisen, um weiter BAföG zu erhalten. Um sich mit einem Nebenjob komplett zu finanzieren, fehlt ihnen die Zeit. Das sorgt für enormen Leistungsdruck während des gesamten Studiums. Wann suchen die meisten Studierenden Hilfe? Der Beratungsbedarf nimmt bei uns phasenweise zu: Kurz vor Semesterbeginn, wenn eben diese Credits nicht erreicht wurden. Oft werden gute Vorsätze für das neue Semester gefasst und unterstützend das Beratungsangebot aufgesucht. Vor und nach den Prüfungsphasen steigt die Nachfrage ebenfalls oder in der Vorweihnachtszeit. In der Prüfungszeit selbst ist es eher ruhig. Aber sollten Studierende nicht gerade in der Prüfungszeit viel Stress haben und Hilfe brauchen? Ja, den Stress haben sie, aber während dieser Zeit geht es oft nur ums Lernen, Lernen und Lernen. Erst nach der Prüfung kommt dann vieles hoch, was man verdrängt hat. Erschöpfung macht sich breit und manchmal stellt sich die Frage, wie soll ich das weiterhin schaffen? Wie soll ich dem Druck Stand halten? Oder Studierende kommen vorher, um Tipps zu bekommen, vor allem, wenn es schon der zweite oder dritte Prüfungsversuch ist. In der Vorweihnachtszeit kommen Studienanfänger, die die Wahl ihres Faches in Frage stellen. Es ist super, dass sie damit so früh zu uns kommen. Wichtig ist aber, zu wissen: Man muss nicht immer ein klar definiertes Problem haben, um eine Beratung aufzusuchen. Manchmal weiß man ja selbst nicht, was los ist. Das können unterbewusste Zukunftsängste oder einfach Überforderung wegen des anstrengenden Nebenjobs und einer schwierigen Klausur sein. Orte & Ansprechpartner Uni Duisburg-Essen: Auf studentenwerk.essen-duisburg.de/beratung/psychologische-beratung kann man sich direkt an einen Berater oder eine Beraterin wenden und per E-Mail einen ersten Gesprächstermin vereinbaren. Oder man fragt direkt vor Ort, ob ein Termin frei ist: Reckhammerweg 1, 1. Etage (Campus Essen) / Mülheimer Straße 202, 1. Etage (Campus Duisburg) Ruhr-Uni Bochum: Alle Infos findet man auf rub.de/studium/beratung/psychologische-beratung. Einen Termin für’s Erstgespräch kann man nur persönlich im Sekretariat vereinbaren: Mo, Mi, Do, Fr, je 10–12 Uhr im Studierenden Service Center, Ebene 1 in Raum 109. TU Dortmund: Offene Sprechstunden sind Di+Fr, 10–11.30 Uhr und Do, 13–14.30 Uhr. Bei Ankunft lässt man sich im Foyer der zentralen Studienberatung (Emil-Figge-Str. 61) eine Wartenummer geben. Telefonische Erstberatung: Mo, 13–13.30 Uhr + Mi, 8.30–9 Uhr unter (0231) 755 5050. Einen persönlichen Gesprächstermin kann man per Mail an psychologische-beratung@tu-dortmund.de ausmachen. Diplom-Psychologin Anna Felling Foto: Uni Duisburg-Essen 28 Campus Wintersemester 2015/16

SERVICE Photographee.eu - Fotolia.com WICHTIGE TIPPS: Nicht alles auf einmal Es muss nicht immer direkt eine Beratung sein, wenn etwas nicht stimmt. Die Expertin Anna Felling gibt Tipps, was man selbst gegen Überbelastung beim Lernen tun kann. Strukturieren: Jeder lernt anders. Es hilft, zunächst darauf zu achten, wann man am fittesten ist. Bin ich morgens konzentrierter oder habe ich abends mehr Lust? Welche Lernmethode liegt mir? Wie sieht mein Lernumfeld aus? In der vollen WG am Küchentisch zu sitzen, das Smartphone griffbereit, ist für die Konzentration nur bedingt gut. Am besten lernt man an wechselnden Orten und dort, wo es wenig Außenreize gibt. Und der wichtigste Tipp: Nicht den ganzen Berg auf einmal besteigen wollen, sondern den Stoff in Etappen aufteilen. Also einen Lernplan entwickeln: zum Beispiel erst für die Klausur in zwei Wochen lernen und danach erst für die Prüfung in vier Wochen. Zuhören: Oft merkt das Umfeld als erstes, dass man sich verändert hat. Sätze, wie „Du hast ja gar keine Zeit mehr“ oder „Du siehst immer so müde aus“ können erste Hinweise darauf sein, dass etwas nicht stimmt. Freunde, Partner und die Familie haben da oft ein feines Gespür. Dann sollte man seine Situation reflektieren. Reden: Manchmal reicht es, mit Kommilitonen zu reden, um den Druck aus der Situation zu nehmen. Die haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen und somit vielleicht Tipps, wie sie damit umgehen. Man kann sich so auch klarmachen, dass man nicht der Einzige ist, der an dem Berg aus Arbeit verzweifelt. Auch Dozenten und Tutoren können bei der Entscheidung helfen, ob ein anderes Lernverhalten oder eine Beratung sinnvoll sind. Entspannen und Belohnen: In heißen Lern- und Schreibphasen sollte es genug Ausgleich geben. Sport ist super, aber auch Pausen sind wichtig. Denn je gestresster man ist, desto mehr sinkt die Leistungskurve. Das heißt, Arbeit und Erholung sollten sich unbedingt die Waage halten. Ist eine wichtige Lernetappe oder Prüfung geschafft, nicht einfach abhaken und auf die nächste Herausforderung gucken. Dann kann man sich ruhig selbst mal auf die Schulter klopfen und zum Beispiel ein Eis essen gehen. Irmine Skelnik Wintersemester 2015/16 Campus 29

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