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coolibri Campus NO 02

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Das Wintersemester 2015/2016 hat gerade begonnen, da wird die Welt, wie wir sie kennen, in ihren Grundfesten erschüttert. Denn am 21. Oktober landet im amerikanischen Hill Valley Marty Mc Fly, der vor exakt 30 Jahren „Zurück in die Zukunft“ gereist ist. Gleichzeitig erlebt ihr Studis gerade eure ganz eigene Reise durch die universitäre Gegenwart. Für euch haben wir das neue Campus-Magazin entwickelt. Als Ratgeber, Handbuch für abendliche Zerstreuung oder als Pausenfüller zwischen den Seminaren.

INTERVIEW Die Mythen des

INTERVIEW Die Mythen des menschlichen Gehirns Henning Beck ist Neurobiologe – und Deutscher Meister im Science Slam. Bei diesem jüngeren Geschwisterchen des Poetry Slams wird nicht gedichtet, sondern um die Wette Wissenschaft vermittelt. Was haben Actionfilme und Pornos gemeinsam? Wie sieht es im Inneren eines Protons aus? Und warum interessiert man sich als Erwachsener noch für Dinos? Zehn Minuten hat ein Slammer, um die Zuschauer von seinem Spezialgebiet zu überzeugen. Bewertet werden der wissenschaftliche Inhalt, die Verständlichkeit und der Unterhaltungswert des Vortrags. Mitmachen kann jeder, der studiert, promoviert oder in der Forschung arbeitet. Als Henning Beck vor drei Jahren mit seinem Vortrag über die Funktionsweise des Gehirns die Zuschauer begeisterte, machte er gerade seinen Doktor. Hätte er sich damals nicht auf die Bühne gewagt, sähe sein Leben heute völlig anders aus. Was ist der größte Mythos über das menschliche Gehirn? Meine Lieblingszielscheibe ist der Mythos vom Hirn als Computer. In unserem Computer-Zeitalter wollen wir alles irgendwie mit Computern erklären, sobald es um Informationen geht. Dabei hat das Gehirn mit einem Computer überhaupt nichts zu tun. Es funktioniert nach ganz anderen Gesetzen. Wenn es heißt „Das Gehirn ist wie“, ist das schon falsch. Das Gehirn ist nicht wie irgendetwas anderes. Es ist einzigartig. Und funktioniert Hirnjogging? Hirnjogging trainiert Hirnjogging – und das war’s. Wenn man den ganzen Tag Obst in Kisten oder Zahlen in Gitter sortiert, dann kann man das zum Schluss tatsächlich besser. Das Hirn ist ja nicht blöd, es lernt dazu. Aber nur, weil man drei Bananen besser eingeordnet kriegt, kann man sich deswegen die Einkaufsliste nicht besser merken. Der Transfer-Effekt von Hirnjogging auf allgemeine Intelligenz oder Hirnleistung ist so nicht machbar. Mit deinem Vortrag „Speed up your Mind – Wie das Gehirn Geistesblitze beschleunigt” wurdest du 2012 Deutscher Meister im Science Slam. Wie bist du zum Slammen gekommen? Als ich in Ulm promoviert habe, hat man dort 2011 gerade einen Science Slam aufgebaut und ordentlich Werbung gemacht. Überall hingen Plakate rum. Als ich die gesehen habe, dachte ich: Da musst du hin. Ein Zufallsprodukt sozusagen – Gelegenheit macht Slammer. Meine Arbeitsgruppe hat mich dann stark ermutigt. Wir hatten immer schon sehr offen und laut unsere Forschung vertreten. Wir waren sehr daran interessiert, Leuten zu zeigen, was wir machen, weil wir unsere Arbeit spannend fanden und sie uns so viel Spaß gemacht hat. Science Slam war ein Format, in dem man das ausleben konnte. Deine Vorträge sind sehr eindrucksvoll. Standst du vorher schon mal auf der Bühne? Tatsächlich in dieser Form nicht. Beim Science Slam war es das erste Mal. Ich hatte natürlich schon Seminare gemacht und Vorträge vor Kollegen gehalten. Aber beim Science Slam geht es darum, aus dem wissenschaftlichen Umfeld herauszukommen zu Leuten, die sonst weniger Kontakt damit haben. Das macht es so spannend. Und das ist was ganz anderes, als vor Leuten zu sprechen, die mit deinem Fachgebiet vertraut sind. Was macht einen guten Science-Slam- Vortrag aus? Muss es immer lustig sein? Ein guter Science Slam vermittelt den Inhalt so, dass ihn jeder versteht und etwas damit anfangen kann. Das muss nicht immer lustig sein. Es sollte aber einen Aha-Moment geben, wo man plötzlich merkt: „Oh, so funktioniert das, ich hab was gelernt!“ Wenn sich die- Foto: David Ausserhofer - Springer Spektrum Verlag 22 Campus Wintersemester 2015/16

ses Gefühl einstellt, hat der Science Slam seine Wirkung erzielt. Es geht darum, Leute für ein Thema zu begeistern. Ein Science-Slam-Beitrag darf nicht länger als zehn Minuten dauern. Wie viel Arbeit steckt in so einem Vortrag? Für meinen ersten Vortrag habe ich mich eine Woche lang jeden Tag ein bisschen hingesetzt. Danach bastelt man allerdings noch weiter: feilt hier nochmal was, baut dort was an. Da steckt schon ein bisschen Arbeit drin. Aber richtig merkt man das gar nicht, weil man immer kleine Ideen hat, die man dann eben einbaut. Das kommt so von selbst. Science Slams in der Region Von Haus aus bist du ja eigentlich Wissenschaftler und arbeitest im Labor. Inzwischen hältst du zudem Vorträge, veranstaltest Workshops, schreibst Bücher und man sieht dich im Fernsehen. Das ist viel Unterschiedliches auf einmal – braucht das Gehirn gar keinen Alltag? Das frage ich mich auch manchmal. Das Gehirn ist ein rhythmisches Organ und arbeitet wie fast alle Organe in unserem Körper nach einer Periodik. Deswegen ist es nicht nachteilig, auch eine gewisse Form von Rhythmus in seinem Leben zu haben. Ich sage mir immer: Solange ich abends noch zu einer ähnlichen Uhrzeit ins Bett komme und morgens ähnlich aufstehe, reicht mir das an Rhythmus. Bist du nach wie vor als Slammer unterwegs? Das ist weniger geworden, seit ich so viel um die Ohren habe. Aber manchmal ergibt sich noch die Gelegenheit und dann nutze ich sie gern. Ich mag am Slammen den Moment, wenn das Publikum genauso in dem Vortrag drin ist wie ich. Wenn ich merke, den Leuten macht es Spaß. Denn ich mache ja nicht nur Quatsch, ich erkläre auch wichtige Dinge, die eigentlich gar nicht so einfach sind. Wenn ich merke, so komplizierte Sachen kriegen die Leute mit und freuen sich dabei – das macht Spaß. Wie sähe dein Leben heute aus, wenn du damals nicht bei deinem ersten Science Slam mitgemacht hättest? Komplett anders. Alles, was ich jetzt tue, hat sich mehr oder weniger aus dieser Science-Slam-Geschichte ergeben oder ist auf die eine oder andere Art damit verbunden. Ich habe keine Ahnung, wie mein Leben ohne den Science Slam heute aussähe. Aber das ist mir auch egal – ich mache einfach das Beste aus dem Augenblick. Christoph Ranft Henning-beck.com 20.10., 20.15 Uhr, Schauspielhaus, Bochum Vorentscheid zur Deutschen Meisterschaft: Es qualifizieren sich Kandidaten aus dem Westen Deutschlands für das Finale. Den Abend eröffnet der Physiker und Deutschlandmeister Reinhard Remfort mit seinem prämierten Vortrag über „Dienliche Defekte“. Es moderiert Poetry Slammer Sebastian 23, für Live-Musik sorgen Choo Panini mit Jazz und Swing 26.10., 20.15 Uhr, Reinoldikirche, Dortmund Science Slam zum Thema „Himmel und Hölle“, es moderiert der Susanne-Blech-Sänger Jerome Vazhayil 27.10., 20 Uhr, Casa im Grillo Theater Essen Vorrunde Science Slam im Wissenschaftsjahr – die Sieger treten beim Finale in Berlin an 10.11., 20 Uhr, Duisburger Science Slam, Grammatikoff, Duisburg BEWERBUNGS- STRESS? HALB SO WILD! Nach der Abschlussprüfung fängt so mancher Stress erst an. Mit kostenlosem Assessment-Center-Training unterstützt Sie die BARMER GEK bei der optimalen Vorbereitung für Ihre Bewerbungstour. Das ist GESUNDHEIT WEITER GEDACHT für alle, die ihre Karriere erfolgreich und entspannt starten wollen. Jetzt mehr erfahren unter www.barmer-gek.de/assessmentcenter 5.12., 20.15 Uhr, Konzerthaus Dortmund Deutsche Science-Slam-Meisterschaft 2015 Alle Termine auf science-slam.com

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