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coolibri Campus NO 02

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Das Wintersemester 2015/2016 hat gerade begonnen, da wird die Welt, wie wir sie kennen, in ihren Grundfesten erschüttert. Denn am 21. Oktober landet im amerikanischen Hill Valley Marty Mc Fly, der vor exakt 30 Jahren „Zurück in die Zukunft“ gereist ist. Gleichzeitig erlebt ihr Studis gerade eure ganz eigene Reise durch die universitäre Gegenwart. Für euch haben wir das neue Campus-Magazin entwickelt. Als Ratgeber, Handbuch für abendliche Zerstreuung oder als Pausenfüller zwischen den Seminaren.

REPORTAGE Skyline von

REPORTAGE Skyline von Downtown Toronto, fotografiert von Toronto Island, direkt im Ontariosee Fotos: Anne Lenhardt Auch Zeit für Schönes: Praktikantin Anne bei den Athabasca Falls in Kanada Die Haupteinkaufsstraße O’Connell Street im Zentrum Dublins AUSLANDSPRAKTIKUM Mit Goethe nach Irland und Kanada Jeder dritte Student geht für mindestens ein Semester oder ein Praktikum ins Ausland. Das erhob der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) in einer Studie. Denkbare Gründe dafür gibt es viele: Sprachkenntnisse verbessern, neue Kulturen kennenlernen, den Lebenslauf aufmotzen und seine Berufschancen steigern. Ich wollte vor dem Ende meines Masterstudiums aber vor allem eines: noch einmal weg aus Deutschland und hinein in ein neues Abenteuer. Deshalb ging es für mich gleich zweimal in die weite Welt: nach Irland und nach Kanada. Geplant war das eigentlich nicht. Ursprünglich wollte ich nur ein Praktikum absolvieren, für etwa vier Monate ins Ausland und dann wieder zurück nach Essen, zum Studium und zu meiner anstehenden Masterarbeit. Weil ich aber ein Glücksschweinchen bin und gleich zwei Zusagen bekam, entschloss ich mich, von einem Land einfach ins andere zu jetten. Aus einem Praktikum wurden zwei, aus vier Monaten sieben und aus dem Vorbereitungsstress eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle. Denn die Organisation der Praktika war alles andere als einfach. Am Anfang stand die Bewerbung beim Goethe-Institut. Die Kultureinrichtung ist in rund 100 Ländern tätig und verfolgt das Ziel, ein möglichst authentisches Deutschlandbild, Informationen über kulturelle, wirtschaftliche und politische Ereignisse und die deutsche Sprache im Ausland zu vermitteln. Ich wollte am liebsten in den Kulturprogrammabteilungen der Institute in Irland und Kanada mitarbeiten, dort Ausstellungen, Filmvorführungen, Lesungen und Konferenzen organisieren und bei der Pressearbeit helfen. Mit rund anderthalb Jahren Vorlauf und einer umfangreichen Online-Bewerbung mit Motivationsschreiben, Empfehlungen, Sprachnachweisen und je einem Telefoninterview startete mein Abenteuer Ausland. Bürokratie-Drama Nach den offiziellen Zusagen begann dann aber ein Drama, das sich über Monate hinzog und mich fast täglich an den Rand der Verzweiflung brachte. Wer bisher dachte, Deutschland sei schon sehr bürokratisch, hat noch nie versucht, eine Arbeitserlaubnis für Kanada zu beantragen. Für ein unbezahltes Praktikum braucht man nämlich eine offizielle Arbeitsund Aufenthaltserlaubnis, die man online und mit jeder Menge Papierkram beantragen muss. Hat man das Beamtenenglisch der kanadischen Regierung entschlüsselt, weiß man: ein polizeiliches Führungszeugnis (in beglaubigter englischsprachiger Kopie), den offiziellen Arbeitsvertrag, Nachweise über Flugroute, Unterkunft und finanzielle Rücklagen, sowie jede Menge Formulare, Reisedokumente und Passfotos sind erforderlich. Und dann gibt es da noch diese ominöse Gebühr, die der zukünftige Arbeitgeber in Kanada bezahlen muss. Ist das geschafft, geht der Rest zum Glück einfacher. Dank einer Zimmerliste der Goethe-Institute fand ich sowohl in Dublin als auch in Toronto schnell passende Unterkünfte, die mehr oder weniger bezahlbar waren und auch meine Wohnung in Essen konnte ich nach einigen Castings ruhigen Gewissens untervermieten. Den Reisezuschuss vom DAAD bekam ich relativ unkompliziert, Kreditkarten und Adapter waren schnell besorgt und auch die richtigen Klamotten und ein paar Arzneimittel fix im Koffer verstaut. An die Arbeit Der erste Arbeitstag kam schließlich schneller, als gedacht und nachdem ich mir die Namen der – zum Glück supersympathischen und hilfsbereiten – Kollegen, Passwörter und Tür-Codes, den Weg zur Toilette und den Radweg nach Hause eingeprägt hatte, holte mich bald schon der manchmal trockene Büroalltag ein. E-Mails beantworten, Telefonauskünfte geben, Unmengen an Recherchen zu Künstlern oder Filmen betreiben, Veranstaltungstexte ins Content Management System einfügen und online stellen, Dokumente kopieren und Kalender auf den neusten Stand bringen – das alles gehörte zu den Aufgaben meines Praktikantendaseins. Manchmal hatte ich durchaus das Gefühl, die Uhr drehe sich rückwärts. Dann wiederum gab es Momente und Situationen, die so außergewöhnlich waren und von denen ich sicher bin, dass ich sie bei einem Praktikum in Deutschland nie hätte erleben dürfen: Wer kann schon behaupten, in der Privatresidenz des deutschen Botschafters ein alternatives Jazzkonzert besucht oder 18 Campus Wintersemester 2015/16

Fotos: Anne Lenhardt Design Hub des Dublin Castle den Leiter des Vitra Design Museums persönlich durch die Stadt geführt zu haben? Oder im Gespräch mit den Chefs der wichtigsten internationalen Film- und Tanzfestivals bei einem Pint das Englisch aufgebessert und Legenden über Wim Wenders gehört zu haben? Auch selbst eine Ausstellung kuratiert, einzigartige Kulturveranstaltungen mit durchgeführt und mit dem Who-Is-Who der internationalen Kulturszene gearbeitet zu haben, kann ich jetzt in meinen Lebenslauf schreiben. Zwischen Arbeit und Urlaub Das Leben in einem anderen Land macht die Praktikumserfahrung gleich nochmal aufregender. Von Galeriebesuchen, Street Festivals und dem aufregenden Nachtleben bis hin zu ruhigen Abenden im Pub, bei Baseballspielen und dem typischen Sightseeing gab es viel zu erleben. An manchen Tagen hatte ich das Gefühl, einfach mal sieben Monate Urlaub zu machen. Aber auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt: Für Käse, Fisch und Milchprodukte muss man sowohl in Irland als auch in Kanada tief in die Tasche greifen und ordentliches Brot sucht man vergebens. Selbst Telefonieren mit dem Handy ist vergleichsweise teuer und Skypen mit Zeitverschiebung ein nerviger Organisationsakt. Dass das Gras auf der anderen Seite nicht unbedingt grüner ist, habe ich in den sieben Monaten gelernt. Manche meiner Aufgaben waren weder sonderlich aufregend noch für mich sinnvoll, andere dagegen wirklich einzigartig und spannend. An manchen Tagen hatte ich einfach die Schnauze voll, an anderen konnte ich gar nicht früh genug zur Arbeit erscheinen. Was meine Zeit im Ausland so besonders gemacht hat, sind nicht die Praktika an sich, die endlosen Stunden vor dem Kopierer oder die trockenen Recherchen. Es ist vielmehr das ganze Drumherum, die Leute, die Orte und die Atmosphäre, die ich in positiver Erinnerung behalten werde. Anne Lenhardt Ab ins Ausland! Der DAAD informiert über Programme für Auslandsaufenthalte im Rahmen des Studiums – egal ob Praktikum, Auslandssemester oder gleich der komplette Master: daad.de Beratung vor Ort leisten die International Offices der Unis – einfach bei A bis Z auf der Uni-Homepage anklicken Stipendien – auch für’s Ausland – findet man unkompliziert über die Datenbank mystipendium.de Auslands-BAFöG gibt’s oft auch, wenn’s im Inland keins gibt. Unbedingt beantragen! Alle Formulare: auslandsbafög.de Immer gut: Über’s International Office nach Kontakten fragen – ältere Studierende haben oft wertvolle Tipps rund um’s Gastland NEUES SEMESTER. NEUES PROGRAMM. www.rub.de/oase Für noch mehr Durchblick!

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