Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
Aufrufe
vor 4 Jahren

coolibri Campus NO 02

  • Text
  • Wintersemester
  • Dortmund
  • Bochum
  • Zeit
  • Ruhrgebiet
  • Studium
  • Studierende
  • Studierenden
  • Duisburg
  • Unis
  • Www.coolibri.de
Das Wintersemester 2015/2016 hat gerade begonnen, da wird die Welt, wie wir sie kennen, in ihren Grundfesten erschüttert. Denn am 21. Oktober landet im amerikanischen Hill Valley Marty Mc Fly, der vor exakt 30 Jahren „Zurück in die Zukunft“ gereist ist. Gleichzeitig erlebt ihr Studis gerade eure ganz eigene Reise durch die universitäre Gegenwart. Für euch haben wir das neue Campus-Magazin entwickelt. Als Ratgeber, Handbuch für abendliche Zerstreuung oder als Pausenfüller zwischen den Seminaren.

PORTRÄT Fotos: Stadt

PORTRÄT Fotos: Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt UNI BOCHUM Die Riesin aus Beton Vor 50 Jahren öffnete die Ruhr-Universität Bochum ihre Türen für Studierende. Damals noch die einzige Uni im Ruhrgebiet, ist sie heute Teil einer dichten Hochschullandschaft in NRW und die fünftgrößte Uni Deutschlands. Als Errungenschaft der Massenuni sieht Elmar Weiler, der nach neun Jahren als Rektor Ende September in den Ruhestand ging, vor allem den hohen Anteil an internationalen Studierenden. Die Ruhr-Uni ist eine Riesin. Knapp 43 000 Studierende lernen in Bochum- Querenburg und weiteren Stadtteilen. Die Gesamtfläche des Campus beträgt viereinhalb Quadratkilometer – das ist das Vierfache der Fläche des Kemnader Sees. Wäre die RUB eine Kleinstadt und die Studierenden ihre Einwohner, wäre sie fast so groß wie Schwerte. In der Uni-Bibliothek werden täglich mehr als 2 700 Bücher ausgeliehen, in der Mensa 5 000 Mittagessen serviert. Ebenso viele Parkplätze sind rund um die Uni täglich belegt – Falschparker nicht mitgerechnet. Dabei war die Riesin als solche zunächst gar nicht geplant. Bei ihrer Eröffnung 1965 war die RUB für 15 000 junge Wissensdurstige gedacht. Sie sollte Arbeiterkindern ein Hafen des Wissens sein und als Campus-Uni viele Wissenschaftszweige zusammenbringen. Schlicht, zweckmäßig und weltoffen sollte sie sein, die erste Uni im Ruhrgebiet. Viele Ziele hat die RUB 50 Jahre später erreicht – und sich auch der explodierenden Studierendenzahl gewachsen gezeigt. Intensivstudium und improvisierte Studentenkultur Seit dem 1. Oktober hat sie einen neuen Rektor: Psychologieprofessor Axel Schölmerich folgte schon 1996 dem Ruf an die Ruhr-Uni und war seit 2007 Senatsmitglied. Sein Vorgänger, Elmar Weiler, beendete seine dritte Amtsperiode vorzeitig, weil der Zeitpunkt günstig für einen Generationswechsel günstig sei – die nächste Exzellenzinitiative und weitere große Schritte der Campusmodernisierung stehen an. Ins Brachland gebaut: die RUB in Bochum-Querenburg Weiler hat sein halbes Leben an der Ruhr-Uni verbracht. Der 65-Jährige schrieb sich 1970 für Biologie und Chemie ein, lernte die Riesin also kennen, als sie noch in ihren Kinderschuhen steckte. Obwohl in den 1970ern der Campus noch eine Baustelle mit provisorischer Mensa war, sei es in gewisser Weise ruhiger zugegangen als heute. „Den Eindruck von Dichtheit und Gedrängtheit gab es nicht“, erinnert sich Weiler an die viel geringere Studierendenzahl. Manche Orte, wie etwa die Mensa seien derweil „eine sehr provisorische Angelegenheit“ gewesen. Die Infrastruktur rund um die Uni, die in Querenburg damals mitten im Nichts entstand, wuchs erst nach und nach. Der anfängliche Mangel an Studentenkultur hatte ein intensives Studieren zur Folge. Treffpunkt für den kritischen Diskurs war die Kneipe mit Kegelbahn unter der Mensa. Und dann wuchs die Uni zur Riesin heran. 1980 waren rund 25 000 Studierende eingeschrieben, 1995 schon 35 000. Damit wuchs auch der Anteil 16 Campus Wintersemester 2015/16

Fotos: Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt von Studentinnen, bis das Verhältnis 2005 mit einem 48-prozentigen Frauenanteil fast ausgeglichen war. Und nun ist die Riesin am Anschlag. Die ohnehin schon extrem hohe Zahl an Studierenden stieg weiter durch den doppelten Abiturjahrgang 2013. Mehr geht nicht. „Optimal wären weniger als 40 000 Studierende“, gibt Weiler zu. Doch sieht der Rektor in der Massen-Uni, die die RUB heute zweifellos ist, Möglichkeiten: „Tausende internationale Studierende beleben den Campus und bereichern auch die einheimischen Studierenden, sie können viel über andere Denksysteme lernen.“ Auch glaubt er, dass die RUB durch ihren kompakten Campus und die Fächervielfalt einen direkten Austausch und Begegnungen ermöglicht, die andernorts nicht so leicht zustande kommen. Studentische Kreativität trifft Wirtschaft Die RUB ist schon jetzt größte Arbeitgeberin und größte Ausbilderin in der Region. Einen zusätzlichen Impuls für die lokale Wirtschaft hat Weiler kurz vor Ende seiner Zeit als Rektor mit einem neuen Projekt gegeben. Auf dem Gelände des stillgelegten Opel-Werks soll die Worldfactory entstehen. Als studentisches Unternehmen soll sie kreativen Köpfen aller Fächer einen Raum zur Verwirklichung eigener Projekte geben. Studentische Abteilungen für Marketing, IT-Sicherheit und juristische Fragen können die Produktion der neuen Produkte unterstützen. Das Großprojekt soll auf lange Sicht 15 000 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Zeiten, in denen die RUB wegen ihrer hohen Betontürme gerne „die Selbstmord-Uni“ genannt wurde, scheinen vorbei zu sein. Die Riesin an der Ruhr befreit sich nach und nach von ihrem Image, das ihr aus Weilers Sicht nicht nur wegen der Architektur, sondern vor allem auch wegen der fehlenden Tradition anhaftet. In einer Region, in der keine Hochschule älter ist als 50 Jahre, steht die Bevölkerung eben weniger hinter ihrer Uni als in Heidelberg. Doch immerhin ein halbes Jahrhundert hat die Riesin nun schon auf dem Buckel. Und der ist in den vergangenen Jahren immer bunter geworden. ruhr-uni-bochum.de Inga Pöting Motorisierte Euphorie: der RUB-Campus in den 1970er Jahren GEHEIME ORTE Unterirdische Schlagader Ein Campus hat ähnliche Ansprüche wie eine kleine Stadt – Studierende und Mitarbeiter wollen schließlich versorgt werden. Dabei hilft in Dortmund und Bochum ein geheimer unterirdischer Kanal, der sogar älter ist als die Unis selbst. Schon einmal erlebt, dass plötzlich jemand aus dem Boden des Campus herausgekrochen kommt? Nein? Zugegeben: Häufig kommt es nicht vor, dass sich auf dem Gelände der TU Dortmund eine Klappe öffnet, aus der dann ein Arbeiter heraussteigt. Ist das aber doch einmal der Fall, erntet der Mitarbeiter gerne einmal verdutzte Blicke. Woher er dann kommt, ist aber einfach zu beantworten: Aus dem Versorgungskanal der Uni, einer verborgenen Welt rund fünf Meter unterhalb der Campusoberfläche. Dieses verzweigte System verbindet Hörsäle, Bibliothek und Mensa – und sichert die Versorgung mit Strom, Wasser und technischen Verbindungen. Älter als die Uni Geplant und gebaut wurde der Tunnel in den 60er-Jahren. Weil die Dortmunder Uni mit der Zeit größer wurde, wuchs auch der Versorgungskanal. Obwohl Rost und Verschleiß sichtbar werden, hat sich das System bewährt. Vor allem aus einem Grund: Wenn eine Leitung defekt ist, sind keine umfangreichen Bauarbeiten notwendig. Die Mitarbeiter, die sich täglich um die Instandhaltung und Inspektion kümmern, können die Schadensstelle zu Fuß erreichen. Reparaturen werden dadurch beschleunigt und kosten - günstiger. Natürlich profitieren auch die Studierenden von diesem System. So wird zum Beispiel in den Hörsälen regelmäßig die Luft analysiert. Sinkt die Qualität unter ein bestimmtes Level, wird Frischluft in den Raum geleitet. Gleiches System an der RUB Nicht nur die TU, sondern auch die Ruhr-Uni Bochum verfügt über einen solchen unterirdischen Versorgungskanal. Das Prinzip ist dabei das gleiche wie in Dortmund – nur die Dimensionen sind andere: Die Konstruktion unterhalb der RUB misst eine sagenhaften Länge von 8,5 Kilometern. Der Kanal Dortmund ist nur etwa halb so lang. Doch diese besondere Größe des Unterbaus im Süden Bochums ist zwingend notwendig, um alle Gebäude auch tatsächlich miteinander zu verbinden. Nur so kann die existenzielle Versorgung des Universitätsbetriebs gewährleistet werden. Die Zahlen verdeutlichen dies: So beziffert sich der jährliche Wasserverbrauch der RUB auf rund 300 Millionen Liter. Umgerechnet sind das knapp zwei Millionen volle Badewannen. Geheime Orte Wer die labyrinthischen Gänge mit all den Rohren, Leitungen und kryptischen Beschilderungen einmal selbst besuchen möchte, muss auf Führungen im Rahmen von Veranstaltungen hoffen. Ständige Besichtigungen sind nicht die Regel. Philipp Rentsch Foto: Philipp Rentsch Wintersemester 2015/16 Campus 17

coolibri Magazine 2020

coolibri Magazine 2019

coolibri Magazine 2018

coolibri Magazine 2017

edition coolibri

Ruhrgebeef No. 8 - Leseprobe
Ruhrgebeef No7 - Leseprobe
Ruhrgebeef No6 - Leseprobe
Backmagazin
Ruhrgebeef No5 - Leseprobe
Ruhrgebeef No4 - Leseprobe
Leseprobe: Ruhrgebeef - Vol 2
Landtagswahl NRW 2017
coolibri Campus NO 02